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DER KULINARIKER trifft: Alois Lageder (Winzer aus Südtirol)

Hundert Top Winzer aus zehn verschiedenen Ländern trafen sich am 09. und 10. April im Weingut Alois Lageder in Margreid an der Weinstrasse und präsentieren ihre Weine einem Publikum von Experten, Journalisten und Weinliebhabern...

Zu diesem Anlass haben wir Alois Lageder getroffen, der sein Weingut im Einklang mit der Natur führt.

KULINARIKER: Herr Lageder, wenn Sie an Wein denken, was kommt Ihnen dann in den Sinn?

Alois Lageder: Ganz einfach: Trinkfreude, Eleganz, Feinheit

Die Wurzeln dieses Traditions-Weingutes reichen zurück bis 1823. Können Sie uns kurz die wichtigsten Meilensteine nennen?

1823 hat Johann Lageder angefangen, mit Wein zu handeln. 1855 haben seine Söhne begonnen, die ersten Reben zu pflanzen und die ersten Weinberge gekauft. Ein grosser Meilenstein war 1934 der Kauf des Weingutes Ansitz Löwengang in Margreid. 1978 kam der Römiberg dazu und mit ihm wurde erstmals auch Cabernet Sauvignon und Petite Verdot angepflanzt. Im Jahr 1991 konnten wir das Weingut Casòn Hirschprunn mit über 30 Hektar Weinbergen und den historischen Gebäuden im Zentrum des Weindorfes Margreid erwerben. 2004 fiel dann die Entscheidung für biodynamischen Weinbau.

Immer mehr ökologisch erzeugte Weine spielen heute international in der ersten Liga mit. Was waren Ihre Beweggründe den Betrieb 2004 auf biologisch-dynamischen Anbau umzustellen?

Ein wichtiger Beweggrund war, dass meine Mutter uns von jeher ihre Begeisterung für neue Ideen vermittelte und sie ihren eigenen Gemüsegarten schon immer biodynamisch geführt hat. Aber bevor das Projekt "Biodynamie" umgesetzt wurde, hatte unser Weinkeller-Neubau 1995 höchste Priorität. Dieser Neubau des Kellereigebäudes entstand auch in Zusammenarbeit mit dem Ökoinstitut in Toblach mit Fokus auf eine nachhaltige Bauweise und Einsatz baubiologische Materialien ist ein Vorreitermodell in Südtirol. Wir verzichten seitdem auf fossile Energieträger und setzen auf Solarenergie, Wasser und Erdwärme. 2004 stellten wir dann auf biodynamischen Anbau um und wurden 2007 zertifiziert.

Auf welche einheimischen und internationalen Sorten setzen Sie?

Wir spielen seit einigen Jahren mit vielen verschiedenen Rebsorten um die für uns geeignetsten, dann im grösseren Stil standortgerecht anzubauen. Am wichtigsten sind für uns Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Pinot Nero. Aber wir haben auch Ruländer, Vernatsch, Pinot Grigio, Pinot Bianco und Lagrein. Der Anteil weisser Trauben macht bei uns 75 Prozent aus.

Familie Lageder.
Familie Lageder.

 

Wieviel Hektar Rebfläche bewirtschaften Sie und zu welcher Anzahl Flaschen Wein führt das?

Wir bewirtschaften 55 Hektar eigene Rebberge und verarbeiten noch weiteres Traubengut ausschliesslich aus Südtirol von unseren Partnern und kommen so auf knapp eine Million Flaschen pro Jahr. Längst nicht alle unsere Spitzenweine sind DOC Weine, da unsere Experimentier-Freudigkeit nicht in das enge DOC Korsett reinpasst.

Wenn Sie sich die Zeitspanne von 2000 bis heute rückblickend anschauen, sehen Sie einige Trends in der globalen Weinwelt?

Ich sehe hauptsächlich vier Trends. Anfang 2000 vollzog sich ein Wandel zu eleganten Weinen. Meine persönliche Meinung ist auch, dass elegante Weine besser zu einer modernen Küche passen. Zweitens sehe ich einen Trend bei den Weissweinen, der sich durch eine schöne Säure, durch eine beeindruckende Frische und eine Lebendigkeit auszeichnet. Ein weiterer Trend ist, dass mehr und mehr Weinbauern auf Nachhaltigkeit setzen. Viertens stellen immer mehr Winzer auf Bio um. Heute arbeiten viele namhafte Betriebe auf allen Kontinenten nach den Regeln des organischen Landbaues. Und es werden immer mehr. Aus meiner Sicht sollte die ökologische Landwirtschaft für jeden Qualitätswinzer eine Selbstverständlichkeit sein.

Was war für Sie das grösste Highlight während Ihrer langen Verbundenheit mit dem Weingut? Und was war die grösste Überraschung?

Eines unserer grössten Highlights war, als ich 2007 das Demeter-Zertifikat in den Händen hielt. Die grösste Überraschung hing auch mit diesem Thema zusammen. Ich durfte lernen, dass es leichter ist, den Weinberg auf Biodynamie umzustellen, als die Mitarbeiter. Es hat viel länger gedauert, bis diese sich mit der neuen Ausrichtung auch identifizierten. Toll war es mit anzusehen, dass die Akzeptanz und auch die Harmonie stieg als wir beschlossen, dass die Kühe jetzt im Weinberg leben dürfen. Klingt vielleicht komisch, war aber so.

Gab es auch gelegentlich Pannen und was war umgekehrt die grösste Enttäuschung?

Pannen gab es häufig. 2007 waren wir erfolgreich biodynamisch zertifiziert und im Jahr 2008 gab es erst so viel Regen, dass wir schon verzweifelt waren und auch an unserem Weg zweifelten. Zum Glück war unser der Wettergott dann doch wohlgesinnt und wir hatten eine gute Ernte. Die grösste Enttäuschung für mich ist, dass andere Winzer auch heute noch den Einsatz von Giftstoffen im Weinberg befürworten.

Tasting auf der Summa 2022.
Tasting auf der Summa 2022.

 

Es gibt weltweit zahlreiche Wein Messen. Was ist das Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen der Summa Wein Messe und all den anderen Wein Messen, die jährlich abgehalten werden?

Wir nennen die Summa ein Weinfest. Alle Winzer sind persönlich vor Ort. Es herrscht ein tolles, familiäres Verhältnis zwischen den Winzern und den Besuchern.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Winzer aus, die sich hier präsentieren?

Es müssen Winzer sein, die dieselben Werte wie wir leben. Alle ausstellenden Winzer müssen nachhaltigen Weinbau betreiben und viele davon sind bio oder biodynamisch zertifiziert. Ab 2024 lassen wir nur Weinbauern zu, die biodynamischen Weinbau betreiben.

Was genau erwartet den Besucher bei diesem Event?

Die Möglichkeit, nicht nur spannende Weine kennenzulernen, sondern vor allem mit den Eigentümern der Weingüter in ungezwungener Atmosphäre ins Gespräch zu kommen und wer einmal dabei ist, spürt die fantastische Energie.

Sie kommen täglich in Berührung mit den verschiedensten Weinen. Gibt es für Sie auch eine Lieblingsrebsorte und einen Lieblingswein?

Pinot Noir und Chardonnay, Weine vom Weingut Château Leroy-Beauval

Networking auf der Summa Messe.
Networking auf der Summa Messe.

 

Zur lokalen Küche gehören auch die Weine aus der Region. Welche Restaurants in Südtirol können Sie für ein unvergessliches "wine-food-pairing" Erlebnis empfehlen?

Der Gasthof Krone in Aldein ist bei Feinschmeckern sehr bekannt, denn hier bekommt man eine typische Südtiroler Küche und eine gute Weinkarte. Weiterhin kann ich das Hotel Bad Schörgau mit angeschlossenem Gourmet-Restaurant empfehlen. Hier gibt es heimische Gerichte, aber auch generell italienische Küche. Die Weine stammen von kleinen aufstrebenden Weingütern aus Südtirol, Italien und anderen Anbauregionen dieser Erde.

Wohin möchten Sie Ihr Weingut in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Meine Kinder werden das Weingut unter biodynamischen Gesichtspunkten weiterentwickeln. Insgesamt möchten wir unter sozialen Gesichtspunkten noch arbeitnehmerfreundlich werden und ausserdem die bestehenden Partnerschaften weiter vertiefen und ausbauen.

Wir bedanken uns für das Gespräch. Gibt es noch eine Botschaft, die Sie unseren Lesern mitgeben möchten?

Wann immer sich eine Gelegenheit bietet, empfehle ich einen guten und biodynamischen Wein zu geniessen.

Fotos: Alois Lageder / Daniel Eggert

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Zuletzt bearbeitet am 10/05/2022

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