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Mit Bedacht auf Sand gebaut

Schwäne auf der diesigen Ostsee geben ein majestätisches Bild ab. Eine Gruppe der weißen Edel-Federn scheint im leichten Nebel vor dem Strand Kołobrzeg über die türkisfarbenen Wogen zu schweben.

Der Herbst und Winter sind die schönste Zeit für einen erholsamen Kurzurlaub an der polnischen Ostseeküste. Eine deutliche Verbesserung der touristischen Infrastruktur, niedrige Preise, die konsequente Einstellung auf deutschsprachige Urlauber und Veranstaltungen wie das Sunrise-Festival haben die Kleinstadt Kołobrzeg zu einem der bestbesuchten Ostsee-Badeorte gemacht.

Unter den beinahe drei Millionen Gästen jährlich dominieren Polen und Deutsche, dann folgen Gäste vom gegenüberliegenden Ufer, Schweden und Dänen. Im Sommer platzt der polnische Kurort aus allen Nähten. Das deutsch-polnische Gewimmel verstzrömt dann fröhlichen Ballermann-Charme. Trashige Partymusik schallt abends aus den Sommerdiskos. Deutlich trendiger wird die Beschallung im Juli beim Sunrise-Festival. DJ-Größen wie David Guetta legen dann den Beat für 30 000 Feiernde.

Jetzt im Herbst dagegen legt sich eine angenehme Melancholie auf die Strandpromenade mit dem wunderschönen alten Baumbestand. Und beim morgendlichen Strandspaziergang trifft man nur wenige andere Urlauber. Der feinsandige Strand östlich der Seebrücke ist die schönste Infrastruktur-Maßnahme. Denn er wurde erst vor einigen Jahren künstlich aufgeschüttet. Durch einen idyllischen Waldstreifen von der Hotelpromenade getrennt, ist es der schönste Abschnitt des zwölf Kilometer langen Strandes.

Ehemals "Badewanne der Berliner"

Und wird auch bei Frost genutzt: Zum jährlichen "Festival der Walrösser" stürzen sich vom 2. bis 6. Januar über Tausend Eisbader in die Ostsee. Den klassischen polnischen Kurorten fiel es lange schwer, sich dem Lifestyle-Trend Wellness zu öffnen. Ohne die Substanz als Kurbad aufzugeben hat es Kołobrzeg geschafft. Die Infrastruktur wurde aufgehübscht um das Service-Angebot auf jüngere und zahlungskräftigere Urlauber einzustellen.

Als Kolberg war es einst die Badewanne der rund 280 Kilometer entfernten Berliner. Eine architektonische Schönheit ist Kołobrzeg leider nicht. Zwar wurde das Stadtbild vor einigen Jahren mit historisierenden Fassaden aufgemöbelt und der alte Leuchtturm steht wieder in voller Pracht. Doch der Zweite Weltkrieg und 50 Jahre Kommunismus haben dem Stadtbild keine Gefallen getan. Wenige alte Fassaden haben überlebt, Postmoderne dominiert. Den Charme der alten Bäder weiter östlich wie etwa Zopot oder das lettische Jurmala versprüht Kołobrzeg nicht. Doch welcher andere Küstenort hat schon Heilschlammleitungen direkt in die Kurhotels zu bieten und natürliche Solequellen?

Zudem machen die Natur, vielfältige Ausflugsmöglichkeiten, etwa per Schiff nach Bornholm und der beeindruckende Einsatz örtlicher Touristiker Kołobrzeg attraktiv. Ich radle mit dem Hotelchef Adam Hok am Uferweg zu dem nahen Naturschutzgebiet Wschodni. Wir sind auf einem Abschnitt des hervorragend ausgebauten Fernradwanderweges R10 (Bike the Baltic). In beide Richtungen gibt es reizvolle Ziele.

Image aufpoliert

Etwa die spektakulär am Abgrund stehende Kirchenruine von Hoff (polnisch Trzęsacz), bekannt durch das Aquarell von Kandinsky, 47 Kilometer westlich. Oder die nur 500 Meter breiten Nehrung zwischen dem Jamno-See und der Ostsee 38 Kilometer nordöstlich. Doch auch schon ein paar Hundert Meter außerhalb sind wir in einem bezaubernden Naturschutzgebiet. Hok ist einer der Hauptverantwortlichen des gelungenen Überganges von post-sowjetischem Kurort zu zeitgemäßem Wellness-Badeort.

Hok zog es nach dem BWL-Studium zurück in seine Heimatstadt. Er ist Chef des Vorzeige-Hotels "Pro-Vita". Wie die meisten im Tourismus Tätigen in Kołobrzeg spricht er hervorragend deutsch. Er verstand, dass das Renommé des Ortes nur aufpoliert werden kann im Schulterschluss zwischen den Hotels und mit den Behörden. Hok gründete den Interessenverband "Polskie Centrum SPA".

Insgesamt 125 Millionen Euro investierte die öffentliche Hand in die Infrastruktur, fast ebenso viel investierten die Hoteliers in ihre Häuser. Neben touristischem Kalkül spielte Heimatliebe eine Rolle: Beinahe alle Hotelinvestoren stammen aus der Region. Das Pro-Vita geht mit bestem Beispiel voran. Zwar hat das Hotel- etwa, weil es keine überdachten Parkplätze bietet- nur drei Sterne. Doch die Philosophie des Hauses und die Begeisterung der Mitarbeiter machen das Hotel an vorderster Uferlage zum besten Hotel der Stadt.

Umfassendes Gesundheitsprogramm

Obwohl die 5-Sternehäuser "Marine" oder "Aquarius Spa" auch eine gute Wahl sind. Doch den Unterschied macht das runde Konzept. Es gibt nicht viele Hotels, die sich derart reflektiert mit dem Thema Wohlbefinden auseinander setzen. Angefangen beim Essen. Eine in Polen renommierte Ernährungswissenschaftlerin zeigt, dass Wellness im "Pro Vita" mehr als eine PR-Floskel ist.

Sie bietet eine sehr gründliche Analyse, inklusive Test auf Nahrungsmittelunverträglichkeit an, die auch als Basis einer Diät im Hotel dienen kann. Der ambitionierte junge Koch Daniel Olas beweist, dass polnische Küche längst Gesünderes kredenzt als Schmortöpfe oder Fleischwickel. Er bereitet schonend bei niedrigen Temperaturen zu, nutzt überwiegend saisonale, gesunde Zutaten der Region. Im Hotel Pro Vital geht es bei "Wellness" nicht nur um ein bisschen Massage, Yoga und Salatbuffet, sondern wird ziemlich weitreichend verstanden, vom geistigen Wohlbefinden über den Einklang der Beziehungen und Gefühle bis zur körperlichen Fitness.

Klingt erst mal etwas esoterisch-aufgesetzt. Doch alles ist wissenschaftlich fundiert. Das Hotel wurde gerade beim European Business Award als bester Arbeitgeber ausgezeichnet. Die ausgezeichnete Mitarbeiterführung lohnt sich. Denn die Hotelangestellten tragen die Philosophie begeistert mit und vermitteln sie überzeugend an die Gäste. Die Schwäne müssen sie nicht erst davon überzeugen, wie gesund die Verbindung von leichter saisonaler Küche, Bewegung an der jodhaltigen Luft und im Salzwasser gerade im Winter für den Kreislauf ist. Die genießen das ganzjährig- und sehen ziemlich gesund aus.

Weitere Informationen finden Sie unter www.hotelprovita.pl/dewww.polen.travel/de und www.kolobrzeg.pl.

Foto: Florian Maass

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Zuletzt bearbeitet am 19/08/2016

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