Marbella Club: Käse-Soufflé geht immer

Der legendäre "Marbella Club, Golf Resort & Spa" an der spanischen Costa del Sol entwickelt peu à peu ein zeitgemäßes Image, ohne seine spektakuläre Geschichte zu ignorieren.

Die belebte Küsten-Durchgangsstrasse "Avenida Bulevar Príncipe Alfonso de Hohenlohe", die Carretera Nacional N-340 in Marbella ist sofort vergessen, wenn man in das Areal des "Marbella Club, Golf Resort & Spa" betritt. Ein durch das stets milde Klima üppig blühender, exotischer Parkgarten, verborgen liegende Villen und Suiten. Patina vergangener, sorgloser Tage findet sich nur noch an wenigen Stellen, es wurde umfangreich renoviert, modern und urlaubsfunktional im Interieur und dabei sehr wohnlich. Mehrere Pools mit perfektem Service und natürlich gewachsenen Nischen, in denen man ungestört vor sich hin chillen kann. Die legendären Gebäude mit feudaler Einrichtung – vergoldet, verspiegelt, versteckt – werden gern von Gästen wie Lady Gaga oder Scheichfamilien aus Qatar angemietet. Am Strand entlang nach links raus, geht es vier Kilometer Richtung romantische Altstadt Marbella, nach rechts zum Luxus-Yachthafen Puerto José Banús.

"Que mar tan bella" soll Königin Isabella von Kastillien La Católica ausgerufen haben, als sie im 15ten Jahrhundert von dieser Stelle aus das Meer erblickte – und schon hatte das Fischerdorf Marbella seinen Namen. Zu seinem Ruf als Luxus-Beachparty-Szene kommt Marbella Ende der 1950er/ frühen 1960er Jahre. Prinz Alfonso von Hohenlohe-Langenburg erwirbt dort ein Stück Land mit einem Gästehaus, zunächst werden nur Strandhütten mit Strohdächern errichtet. Dann weitere Grundstücke hinzu gekauft, diverse Gebäude gebaut.

Was dort geschieht, kann jeder in den damaligen Gazetten lesen. Im MC "steppt der Bär": Mitglieder der Königshäuser, europäischer Adel, Jet Set, Playboys, Filmstars und US-Prominenz, Reiche wie Schöne finden sich ein, um gemeinsam eine richtig gute Zeit zu haben. Kostümbälle, Schatzsuche, Eselreiten, nächtelange Tanzfeste – all das mutet heute gänzlich harmlos an, damals ist es für viele an der Skandalgrenze.

Conde Rudi mit der Büste von Prinz Alfonso von Hohenlohe.
El Conde Rudi mit der Büste von Prinz Alfonso von Hohenlohe.

 

Mann der ersten Stunde ist neben  dem Gründer Prinz von Hohenlohe auch "El Conde" Rudi, Rudolf, Graf von Schönburg-Glauchau-Waldenburg. Exzellent ausgebildet im Hamburger "Vier Jahreszeiten" steigt er 1957 ein als Direktionsassistent und nimmt die organisatorischen Geschicke des Party-Hotel-Projektes in die Hand. Er wird den Marbella Club sein ganzes Berufsleben hindurch inspirieren und führen.

"Feine Garderobe zum Abendessen anzulegen ist wie die Sorgen des Tages abzustreifen und in eine entspannte Feierabendstimmung zu gleiten". Diesem Credo von Prinz Alfonso – er starb 2003 – wird immer noch gehuldigt und was soll ich sagen? Er hatte recht! Festlich das Ambiente und die Stimmung im "El Grill" von Chef Juan Gálvez, Porzellan und Tafelsilber glänzen und funkeln im Kerzenschein und in den silbernen Servierglocken. Vom offenen Grill her duften Entrecôte Roque con salsa mit Argentina, Tournedos con salsa ‘Diabla’.

Zu den besonderen Momenten eines jeden Tages außer an Wochenenden gehört es noch heute, dass El Conde Rudi im "El Grill" zur Dinnerzeit seine Runde macht. Elegant gewandet begrüßt der mittlerweile 84-jährige formvollendet jeden Gast mit dessen Namen, gerät auch mit der neuen Generation von internationalen Gästen und Stars der heutigen Zeit hier und da ins Plaudern über die bewegten Club-Jahrzehnte: "Luxus war so kurz nach dem Krieg nicht leicht zu bieten", erinnert sich El Conde Rudi, "es gab es weder fließend Wasser noch Strom, erst 1971 wurden Wasserbrunnen gebohrt. Zutaten für feine Küche waren rar. Den Kaffee trank man mit Ziegenmilch, als Wein kam Muskateller ins Glas, der in der Region im Überfluss gedieh." Die Zeiten haben sich geändert. Heute ist es Sommelier Ángel Gonzáles eine Ehre, die besten Weine der Welt auszuschenken, u.a. den edlen "Pingus", eine limitierte Produktion von der "Hacienda Monasterio".

Marbella Club Lobby.
Marbella Club Lobby.

 

"Aufgeblasen und immer knapp vor dem Zusammenbruch"

"Käse-Soufflé geht immer", sagte sich El Conde Rudi, wenn seinerzeit überraschend ’zig Gäste mehr als erwartet im "Marbella Club" auftauchten. "Käse und Eier waren immer zur Hand". Das empfindsame Kult-Soufflé, welches El Conde Rudi erstmalig im Londoner "La Gavroche" begegnete, wurde für mehr als 25 Jahre lang kulinarisches Highlight im Club: 20ml dicke Béchamelsauce, 3 Eier, 20g geriebener Parmesan, 50g geriebener Emmentaler, etwas Salz und Muskatnuss ergeben vier "Count Rudi’s Cheese Soufflés" von imposanter Größe, es muss sofort serviert werden. Chef Juan Gálvez hat das Rezept geerbt und das Soufflé ist bis heute eine gefragte Spezialität des Hauses – dazu ein leichter, grüner Salat und ein Weißwein von "Marqués de Riscal".

Eine halbe Autostunde ist es zum Golf Club, 18-Loch, für eine Runde und Stunde bei Golf Profi Gary Vautier. Man nimmt sich viel Zeit, bei 30 Minuten zwischen den Tee Times kann kein Stress aufkommen. Der Besuch lohnt sich auch für Nicht-Golfer, das Clubhaus, ein Cottage mit Strohdach bietet eine sehr gute mediterrane und asiatische Karte, das rustikale Ambiente mit Kamin entspricht dem Jagdhausfeeling, wie es zur Anfangszeit des MC beliebt war. Es ist ein Reitstall angeschlossen, er ist Sitz der Spanischen Springreiter.

Das Paradies ist nah

Nur 20 Minuten Auto-Serpentinenfahrt in das wunderschöne Hinterland, um die "Finca Llanos de Belvís" bei Istán zu erreichen. Hier, über dem Stausee "Embalse de la Concepción" – seit 1995 UNESCO-Biosphärenreservat – lebt der Großneffe von Prinz Alfonso, Sandro Gamazo von Hohenlohe mit seiner Familie. Das Anwesen ist umgeben von über 800 Jahre alten Olivenbäumen, viele stammen noch aus der Zeit der Mauren. Man entdeckte sie bei der Beseitigung von Gestrüpp, um Waldbrände zu vermeiden. Die terrassenartige Abstufung des Anbaus mit einem Abstand von etwa sieben Metern zwischen den Bäumen gibt diesen an dem steilen Felsen außergewöhnlich viel Platz und Luft. "Während der Ernte werden unsere Oliven am selben Tag geschliffen, das bewahrt die organoleptischen und physikalisch-chemischen Eigenschaften", sagt Sandro, über die Jahre ein wahrer Experte geworden. Er verwendet mindestens sieben Sorten, darunter die Hojiblanca, Picudo und Verdial Vélez Málaga.

Sandro Gamazo Hohenlohe.
Sandro Gamazo Hohenlohe.

 

Das charmante Olivenöl-Tasting auf diesem Privatbesitz ist nur über Anmeldung durch den Marbella Club möglich. Man wähnt sich auf der Finca im Paradies, möchte bleiben, für immer: Absolute Stille, das Meer in Sichtweite, wolkenloser Himmel, der Duft der Bäume, Gräser, Zitronen, Tomate, Kräuter wie Minze zieht durch die Nase und kehrt dann wieder auf der Zunge durch das Öl. Der Produktname ist eine Reminiszenz an die Cousine von Sandros Urgroßmutter, der Marquesa de Belvís de las Navas. Als erster Produzent von Biológico Extra Virgin Olivenöl an der ‚Costa del Sol’ erreicht Sandro eine Auflage von etwa 8.000 bis 12.000 Liter im Jahr. In Deutschland ist "Belvís de las Navas" bereits über Dallmayr erhältlich und demnächst auf der "Fancy Food Show New York". In Kürze wird es im maßgeblichen "Flos Olei" von Marco Orregia gelistet sein.

Die Stunde der Kinder

Zurück im Marbella Club für das individuelle Abendprogramm. Richtig spanisch fühlt sich das Leben im MC-Café an. Man geht leger gekleidet, die Karte von Juan Gálvez von Burger über Sushi ist hervorragend sortiert, eine helle Freude sind die Gästekinder: Alle Altersgruppen unterschiedlicher Nationen an einem Tisch, Groß hilft Klein, sie amüsieren sich nach einem gemeinsamen, kurzweiligen Kids-Club-Tag hervorragend miteinander – mit eigenem Service.

Niemand fühlt sich gestört, die Kids kennen schließlich die Etikette im MC. Die Eltern an den Nachbartischen werden vom Nachwuchs offensichtlich nicht vermisst. Alternative wäre gepflegte Unterhaltung in der Bar oder im Art Deco "Champagne Room". Manchmal kann es passieren, dass El Conde zu einer privaten Tapas-Tour durch Marbella einlädt, Wilde Partys? Das war einmal. Doch in Wahrheit würde es gar keinen stören – in der Weitläufigkeit des Resorts. Den "King of Clubs" Prinz Alfonso tät’s freuen.

Weitere Informationen:

www.marbellaclub.com

Olivenöl "Belvís de las Navas": www.belvisdelasnavas.combelvisdelasnavas.com

Erhältlich im Dallmayr Gourmet Shop: www.dallmayr-versand.deww.dallmayr-versand.de

 

Lage des Hotels:

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Fotos: Uta Petersen, Marbella Club, Golf Resort & Spa

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Zuletzt bearbeitet am 23/04/2017

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Autor

Uta Petersen

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