Genussurlaub im Schlosshotel Chateau Mcely

Inez und James "Jim" A. Cusumano haben sich und der gemeinsamen Tochter Julia mit dem Chateau Mcely einen Traum erfüllt und dazu ein Denkmal gesetzt. Und dies in einer eher abgelegenen Provinzecke!

Denn eigentlich besitzt das winzige Dörfchen Mcely, deutsch Mzell, das 13 km nördlich des Städtchens Nymburk vor sich hindöst und etwa eine Autostunde von Prag entfernt ist, keine größeren Attraktionen. Im seit 1252 aktenkundigen Weiler mit heute gerade 380 Einwohnern beeindruckt allenfalls die restaurierte gotische St. Wenzelskirche von 1352 mit freistehendem Glockenturm. Die Mariensäule am Dorfplatz erinnert an jene Zeiten, als Mzell Marienwallfahrtsort war. 1849 soll die Himmelskönigin hier sogar drei Waisen erschienen sein! Schön ist auch das barocke Pfarrhaus von 1777. Aber das bezahlte nicht der Herrgott, sondern die Grafen Clam-Gallas. Jürgen Sorges war vor Ort.

Im Chateau Mcely

Aber dann ist da ja noch das Schloss. Gebaut wurde es 1698 als eingeschossiges barockes Jagddomizil mit Tiergarten hoch über dem Dorf auf dem Hügel Vinice, und zwar für Oktavian Ladislav von Waldstein. Doch es war ein Vorfahr, der alles in dessen Besitz gebracht hatte. Der geschäftlich äußerst clevere Albrecht von Waldstein, besser als Wallenstein bekannt, hatte nach der Schlacht am Weißen Berg das konfiszierte Dorf und Gut Mcely 1623 in seinen Besitz gebracht. 1840 wurde das Schloss umgebaut, 1863 um die beiden dreigeschossigen Seitenflügel erweitert. Dann übernahm 1869 das Hochadelshaus derer von Thurn und Taxis, es firmierte auch als "della Torre e Tasso", das Edeldomizil. Ursprünglich sollte es als Nebensitz für männliche Erben des nahebei residierenden Familienzweiges dienen. Seine Glanzzeit erlebte das Schloss um die vorletzte Jahrhundertwende, als man hier weltgewandt lebte und Weltstars empfing: 1899 war Mark Twain (1835 – 1910) zu Besuch, 1909/1910 gastierte hier der aus Prag gebürtige Rainer Maria Rilke (1875 – 1926). Zudem gab sich der russische Maler und "Post-Impressionist" Leonid Ossipowitsch Pasternak (1862 – 1945), Vater von Literatur-Nobelpreisträger und Doktor Schiwago-Autor Boris Pasternak (1890 – 1960), die Ehre. Und natürlich wurde hier gejagt. Eine Reihe rustikaler Holzscheiben mit deutschsprachigen Inschriften erinnern bis heute im Treppenhaus daran. So kündet eine Tafel samt Geweih davon, dass dieser Hirsch, ein noch etwas mickriger Zweiender, am 26.10.1831 von "Ihrer Durchlaucht, dem Hochgeboren Herrn Hugo Maximilian Fürst von Thurn und Taxis im Lautschiner Thiergarten" erlegt" wurde.

Doch sonst blieb nicht viel von der einstigen Herrlichkeit der Doppel-Herren von Thurn und Taxis. 1938, nach anderen Quellen sogar schon 1903, musste gar ein Seitenflügel des Schlosses aus Statikgründen entfernt werden. Und dann kam das Jahr 1946 mit den Beneš-Dekreten, die den Besitz verstaatlichten.

Fortan diente das völlig leergeräumte Schloss erst dem Außenministerium, dann als schlichtes Depot und Lager der Civilní ochrana (Zivilverteidigung). 2001 übernahm dann das US-amerikanisch-slowakische Ehepaar Cusumano dies ruinierte Anwesen, sanierte ab Juni 2004 die kahlen Wände von Grund auf und mit Millionenaufwand, um schließlich 2006 das Schlosshotel "Chateau Mcely" zu eröffnen.

Heute erinnert nahezu nichts mehr an den Verfall in realsozialistischer Zeit – sieht man einmal von dem Lautsprecherwagen ab, der ab und an unten durchs Dorf zuckelt, um Bekanntmachungen des Bürgermeisters mit lauter Musik zu verkünden. Dieses lokale Propaganda-Megafon auf Rädern hat bisher genauso die 89`er Wende überdauert wie so manche Braunkohleheizung im Dorf, deren Schwaden bisweilen den Vinice-Hügel hinaufziehen. Das Schlosshotel selbst wurde aber längst als öko-schicke Fünfsterne-Heimstatt mehrfach ausgezeichnet. Ebenso reüssierte es auch als Spa-Hotel (World Luxury Spa Award 2012) und sogar als "Forest Retreat" mit Meditationsecke. Tatsächlich herrlich ist der Behandlungsraum für das Spa treatment "Mcely Bouquet" samt eigener ökologischer Salben- und Parfumlinie im historischen Gartenpavillon. Die angrenzende Sauna besitzt einen wunderbarem Schwimmteich und einen Open air-Whirl pool. Doch bleiben hier kleine Unstimmigkeiten: So fehlt im Sauna-Vorraum Platz für mehr Ruheliegen, in der Sauna funktioniert das Licht nicht.

Millionen haben die Cusumano in dieses klassische Manor House gepumpt und es ansonsten, samt herrlichem Aussichtsturm auf dem Dach und 5 ha englischem Park ringsum, perfekt restauriert. 2015 ist sogar ein neuer Wintergarten mit schöner Bar hinzu gekommen, wo eine meterhohe Stehlampe in Pfauengestalt viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Natürlich serviert man hier eine eigens für das Schlosshotel komponierte Kaffeemischung. Sie stammt aus der Edelrösterei La Boheme in Prag.


Rock in kurzen Hosen, lange Abendkleider für Prinzessin Nely…

Wie beim Kaffee darf sich der Gast auch in den 23 Zimmern und Suiten individuell perfekt versorgt und wie daheim fühlen. Kein Wunder daher, dass ein renommiertes Hamburger Reisemagazin das Schlosshotel Mcely 2012 sogar zu den Top 100 in Europa zählte. Bei einem Rundgang durch das Schloss entdeckt man die über eine steile Wendeltreppe erreichbare Bibliothek, wo ein Fernrohr und ein Sternenatlas sogar zur Himmelserkundung einladen. Noch schöner ist dann das Panorama von der Plattform des Aussichtsturms. Bei guter Sicht kann man bis ins 60 km entfernte Prag blicken. In jedem Fall zu sehen sind aber das Naturschutzgebiet Čtvrtě und der legendäre Svatojiřský les, der St. Georgs-Wald. Im häuslichen Antipoden, der Alchimistenbar im Keller, beeindruckt nicht nur das exzellente Weinsortiment. Hier künden Wandmalereien mit historischen Zeichen und Zinken vom Alchimistenkosmos: Eine Hand zeigt auf den fünf Fingerkuppen Schlüssel, Tinktur-Gefäß, Sonne, Stern und Krone mit Mond! Eine andere verbindet Planet Mars mit dem Element Eisen, die Venus indes mit Kupfer. Gut daher, dass kontrapunktisch gegenüber eine wahrhaftige Juke Box aufleuchtet. Die echte Wurlitzer-Orgel der 1960er Jahre offeriert auf Taste 910 das Stück "Planet Rock", gespielt von der Fünfziger Jahre-Band "Royal Teens" aus New York. Deren Mitglied war James "Jim" Cusumano, damals in noch sehr jungen Jahren. Ihr größter Band-Hit war "Short shorts", "Kurze Hosen", abrufbar gleich darüber, auf Taste 901. Und natürlich dürfen hier auch die Stars Buddy Holly und Elvis Presley nicht fehlen. Taste "007" bringt sogar die Klänge von Chuck Berrys Evergreen "Roll over Beethoven" zum Erklingen. Gut auch, dass man hier nicht nur ein gutes Glas Wein trinken, sondern – in alter Alchimistenwürde – auch rauchen darf. Und das James "Jim" Cusumano, nun Anfang 70, später ein erfolgreicher Mathematiker, Physiker, Chemiker und Unternehmer in Kalifornien wurde, gehört auch in diese Bar.

Herausragendes Zimmer in der ersten Etage, die "Floor of the World" genannt wird, ist die Legend Suite. Aber in Erinnerung bleibt die Princess Nely Suite. Hier ist – auf 39 m² Fläche – alles im Stil jenes Kinderbuchsternchens Prinzessin Nely gehalten, wie sie von Inez Cusumano erdacht wurde. Denn sie ist Autorin des illustrierten Kinderbuchs "Nely, Princess of Chateau Mcely". Und der Rest der Suite-Möblierung ist dann eher Geschmackssache…

Piano Nobile für Gastronauten: "Yam Yam" in Honzas Reich…

Herausragendes Ereignis im Chateau ist aber die Schlossküche mit dem Restaurant Piano Nobile im Erdgeschoss. Bei der Restaurierung 2004 bis 2006 wurden zwar einige historische Zwischenwände entfernt. Doch das Ergebnis, eine quasi-barocke Haustheater-Kulisse, ist ein wirkliches Interieur-Schmuckstück und ideales Ambiente für Gourmets. Angeblich soll die Küche von historischen Rezepten der Thurn und Taxis profitieren, hat dies aber gar nicht nötig. Denn hier steht Chefkoch Jan "Honza" Štěrba am Herd. Und dessen Kunst machte das Piano Nobile 2014 zum besten Etablissement in ganz Tschechien. Im Dezember 2015 landete es erneut unter den Top fünf des Landes. Und seit der Eröffnung 2016 ist es nun über zehn Jahre in dem Top Ten Tschechiens – zumindest laut jährlichem Maurer`s Grand Restaurant Guide Book, der kulinarischen Sterne- und Kochlöffelbibel Tschechiens.
"Dine like Royalty", "Diniere wie ein König", heißt Honzas Devise. Und so können Gastronauten sogar spezielle Übernachtungsarrangements wie etwa das Yum Package buchen, das ein Drei-Gänge-Degustationsmenü mit beinhaltet.

Noch besser wird es, wenn man Honzas Festival-Menü probiert, das sogar mit einem "Taste the Waste"-Amuse Bouche daher kommt. Aber wer nur einmal seine gelbe (!) Karottensuppe probiert oder aber den Kabeljau nach Art der Großmutter Cusumano (sie stammte aus Sizilien) goutiert hat, wird mit jedem der angebotenen Gerichte hochzufrieden sein. Honza kocht einfach mit Herz und Seele und versucht wie seine Mitstreiter stets, sein Bestes auf die Tafel zu bringen.

Keine Frage: Im Schlosshotel lässt es sich gut leben, noch besser im Piano Nobile dinieren. Und man kann sich auch mit der "Business – Life – Balance"-Theorie anfreunden, die James "Jim" Cusumano sogar in seinem an der Rezeption erhältlichen, eigens verfassten Buch für das "Chopra Center für Wellbeing" bewirbt. Man muss auch nicht erleuchtet sein, um sich im Chateau heimisch zu fühlen. Nur die Glühbirne in der Sauna sollte mal gewechselt werden.

Informationen zu Tschechien

Vor der Reise:
Tschechische Zentrale für Tourismus (Czech Tourism), Wilhelmstr. 44, 10117 Berlin, Tel. 030 204 4770, www.czechtourism.com

Vor Ort:
Praha (Prag): Prager Informationsdienst (Tourist Information Centre/TIC von Prague City Tourism), Staroměstská radnice (Altstädter Rathaus), Staroměstské náměstí (Altstädter Ring) 1 – 3, 11000 Prag 1 (Staré Město), Tel. +420 236 00 26 29, www.prague.eu/de, www.praguecitytourism.cz; tgl. 9.00 – 19.00 Uhr geöffnet; Filialen Rytířská 12, 11100 Prag 1 (Staré Město), zgl. 9.00 – 19.00 Uhr; Václavské náměstí (Wenzelsplatz), 11000 Prag 1 (Nové Město), tgl. 10.00 – 18.00 Uhr sowie Flughafen Prag, Schengenská,
16108 Prag 6 (Ruzyně); Terminal 1 tgl. 9.00 – 19.00, Terminal 2 tgl. 8.00 – 20.00 Uhr geöffnet

Übernachten und Essen:
Chateau Mcely, Mcely 61, 28936 Mcely, Tel. +420 325 60 00 00, www.chateaumcely.com; mit Gourmetrestaurant "Piano Nobile" und Alchemisten-Kellerbar; 23 Zimmer

Geld:
Tschechische Krone (Kč, CZK); 1 EUR = 27 CZK (Stand: 2016); Geldwechsel an Bankautomaten und in Wechselstuben; alle internationalen Kreditkarten

Zeit:
MEZ, Ende März bis Ende Okt. Sommerzeit (MEZ plus 1)

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Zuletzt bearbeitet am 10/12/2016

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