Auf Stippvisite im "schönsten Ort der Welt"

Haben Sie schon mal was von Dingle gehört? Nein? Schade, schließlich wurde die sturmumtoste Halbinsel am äußersten Südwestzipfel Irlands vom National Geographic Traveller unlängst zum schönsten Ort der Welt gekürt. Das hat Gründe.

Auf rund 48 Kilometern Länge ragt Corca Dhuibhne, wie Dingle im Gälischen genannt wird, wie der ausgestreckte Zeigefinger einer Hand hinaus in die ungezähmten Fluten des Nordatlantik, der pausenlos gegen die bizarr geformte Küstenlinie anrennt und markiert damit den westlichsten Punkt des Kontinents. Perfekter Einstieg für die Erkundung dieses Naturparadieses ist der rund 30 Meilen lange Slea Head Drive.

Er führt entlang der spektakulärsten Küstenabschnitte, ist aber nichts für schwache Nerven. Doch das einmalige Panorama macht Schweißausbrüche, die in den engen Haarnadelkurven angesichts jäher Abgründe und Gegenverkehrs schon mal spontan auftreten können, schnell vergessen. Gleichzeitig markiert die Küstenstraße einen der attraktivsten Abschnitte des Wild Atlantic Way. Diese insgesamt rund 2.500 (!) Kilometer lange, bestens ausgeschilderte Route führt von Derry in Nordirland die gesamte Westküste entlang bis nach Cork im Süden – Weltrekord. Dem Slea Head vorgelagert sind die rauen Blasket Islands. Hier sanken im 16. Jahrhundert mehrere Schiffe der spanischen Armada, die auf der Flucht vor den Briten schutzsuchend in der Nähe von Great Blasket Island Anker geworfen hatten, aber nach dem Bruch der Haltetaue von ungünstigen Winden erbarmungslos auf die schroffen Klippen geschleudert wurden.

Irland aus dem Wunschkatalog

Am beeindruckendsten ist vielleicht die Insel Inishtooskert, auch An fear Marbh genannt. Übersetzt bedeutet das „Toter Mann“. Und von weitem scheint es tatsächlich fast so, als ruhe hier ein gewaltiger versteinerter Riese in den Fluten des Ozeans und warte nur darauf, von einer Fee wachgeküsst zu werden. Europas westlichsten Punkt bildet die ebenfalls zu den Blaskets zählende Insel Tearaght, deren steil abfallende Felsen mehr als 200 Meter aus dem Atlantik aufragen. Geprägt ist das Landschaftsbild jenseits der steil abfallenden, wild zerklüfteten Klippen, die sich mit idyllischen Buchten und einsamem Stränden abwechseln, von majestätischen, sanft geschwungenen Gipfeln.

Natur pur.
Natur pur.

 

Sie verlaufen wie ein gewaltiges Rückgrat von den Slieve Mish Mountains bis zum Mount Brandon, Irlands mit 952 Metern zweithöchstem Gipfel, über die gesamte Halbinsel. Besonders spektakulär: die Fahrt über den 456 Meter hohen Conor-Pass. Im Sommer schmücken Millionen wilder Fuchsiensträucher entlang der Straßen und Wege das endlose Grün mit leuchtend roten Farbtupfen. Auf den feuchten Wiesen wiegen sich dazu wilde Callas und Heidekraut, das mal in aristokratischem Purpur, mal strahlend weiß erblüht, im Takt.

Die Berghänge dagegen sind mit saftigen Weiden bedeckt, die von Trockensteinmauern eingefasst werden und auf denen Schafe und Rinder grasen. Derweil jagt der stramme, fast ununterbrochen wehende Westwind mächtige Wolkenformationen über den tiefblauen Himmel und sorgt dafür, dass das Wetter im Stundenrhythmus wechselt. Sonnenschein, Nebel und Regen liegen so oft nur einen gefühlten Wimpernschlag auseinander.

Paradies für Outdoorfreaks

Kein Wunder, dass Dingle bei Outdoorfreaks und Wanderern als Geheimtipp und gleichzeitig als Kronjuwel im Diadem der Naturschönheiten des County Kerry gilt. Vor allem weil dieses abgelegene Eiland selbst während der Hochsaison weit weniger überlaufen ist als die zweite Blockbuster Destination in Irlands Südwesten, der nahe gelegene Ring of Kerry. Außerdem ist Dingle geradezu übersät von Kulturdenkmälern aus der frühchristlichen Epoche und der Eisenzeit.

Nirgendwo sonst in Irland gibt es eine vergleichbare Anzahl von Menhiren, Mönchsklausen, Klosterruinen, Befestigungsanlagen aber auch historischer Cottages – insgesamt mehr als 2.000! Sehenswert sind z.B. das Dunbeg Fort, die Ogham Stones, das Gallarus Oratory oder die Beehive Huts von Fahan, die wirklich ein wenig an steinerne Bienenkörbe erinnern.

Tatsächlich übt dieses weitgehend unberührte Fleckchen Erde so eine fast magische Anziehungskraft auf Weltenbummler aus aller Herren Länder aus, die sich hier vor allem seit den 80er Jahren niedergelassen haben. Darunter zahlreiche Kunsthandwerker. Doch eigentlich war Dingle schon immer ein ziemlich kosmopolitisches Fleckchen. Schließlich ist die spanische und portugiesische Küste nur rund vier Seetage entfernt, ja der gleichnamige Hafen der Halbinsel zählte im 16. Jahrhundert zu den bedeutendsten in Europa.

Anlaufstelle für Pilger auf dem Jakobsweg

Die wichtigsten Exportgüter waren Wolle, Leder, Pökelfleisch, Fisch und Butter, während die Spanier vor allem Wein, Steinsalz, edle Tuche und Kohle lieferten. Gleichzeitig war das Küstenörtchen zentrale Anlaufstelle für Pilger auf dem Jakobsweg, die von hier an die spanische Nordküste übersetzten. Kein Wunder also, dass zu dieser Zeit neben Irisch, dass noch heute vor allem im Westteil Dingles gesprochen wird, Spanisch und Französisch die dominierenden Sprachen waren. Englisch kam erst an vierter Stelle. Und so erstaunt es auch nicht, dass sich in der Inselarchitektur hier und da typische Elemente spanischer und portugiesischer Baukunst erhalten haben.

Irland einzigartig.
Irland einzigartig.

 

Mittlerweile macht das urige Hafenstädtchen, das zwar nur knapp 2000 Einwohner zählt, dafür aber eine Unmenge an gemütlichen Restaurants und urigen Pubs zu bieten hat, zunehmend auch als Topdestination für Foodies von sich reden. Aber das ist eine andere, lange Geschichte. Natürlich erzählt auf kulinariker.de.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.ireland.com, www.dingle-peninsula.ie und www.dinglefood.com

Fotos: Fáilte Ireland (SMCC), Chris Hill - Tourism Ireland, Tourism Ireland

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 20/08/2016

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Autor

Thomas Hauer

Letzte News

Letzte Artikel

Genuss-Newsletter abonnieren?

Mit der Anmeldung zu unserem Newsletter erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen (s.l.) einverstanden. Eine Bestätigungsmail mit einem Aktivierungslink wird nach der Anmeldung an die angegebene Mailadresse versendet. __________________________
KULINARIKER - Das Magazin für mehr Genuss.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.