Bling-Bling, Chi-Chi - und ein perfekter Abend

In einem Weinglas der Extrakt von Pilzen, im anderen der von Sellerie. Riechen, schauen, gegen das Licht halten - und dann einen Schluck testen. Während des Tastings noch die Überlegung: Würde ich Selleriesaft oder Pilzwasser unter anderen Umständen trinken? Wohl kaum. Sie etwa?

Aber wie mit so vielen Dingen im Leben, ergeben sich für die merkwürdigsten Prozesse Gelegenheiten, die in Erinnerung bleiben. In Erinnerung, da nicht nur die erlebten Momente des Außergewöhnlichen haften bleiben, vielmehr sind es Aneinanderreihungen von Perfektion, ja, Einmaligkeiten. Ist der Plural schon ein Absurdum, ließe sich dies nur durch die "Verquickung perfekter Momente" berichtigen.

Bling-Bling Dubai

Oft gescholten, als Bling-Bling-Welt tituliert, als Pleite-Emirat beschrieben: Dubai. Emirat der scheinbaren Superlative mit steter Maximierung in allen Bereichen. Natürlich: es sind eben jene Bauwerke wie das Burj Khalifa (828 Meter hoch), der Burj al Arab (mit 321 Metern vierthöchstes Hotelgebäude der Welt) oder die Palme, die dem einstigen Wüstenstaat den Makel des Petro-Dollar-Verheizers anhefteten. Doch nicht zu vergessen ist, dass auch jenseits der öffentlichen Prozesse und Bauwerke gerade Privatinvestoren für das Bild Dubais Sorge tragen, wie es denn eben in weiten Teilen der Welt final aufgenommen wird.

Unweit der Marina, als Aqua-Vorfeld Dubais, ist die "The Palm Jumeirah" dabei wohl eines der auffälligsten Projekte der letzten Jahre gewesen und folgerte zügig Nachahmer. Durch "The World", "The Palm Deira", "The Universe" und "The Palm Jebel Ali" werden – natürlich – die Dimensionen zukünftig im Sinne Dubais maximiert, wenngleich Finanzierungslücken die Projekte vor Probleme stellen. Der Crash des Immobilienmarktes und der unbedingte Wille nach Gigantomanie tat in den letzten Jahren zudem sein Übriges.

Gesamtkosten: 10 Milliarden US-Dollar

Und so umstritten die Prozesse des Baus der Palme Jumeirah auch waren, heute ist der Teil Dubais der Ort geworden, der er sein sollte: Ansiedlungsfläche für Privatleute und Unternehmen. Eine Vielzahl an Luxushotels und Privatleuten hat sich auf der Palme angesiedelt, alle namhaften Hotelgruppen haben sich ein Plätzchen gesichert um die kaufkräftige Klientel aus der ganzen Welt zu empfangen.

Die Baukosten alleine für die Palme Jumeirah (Baubeginn 2001) beliefen sich auf etwa 1,5 Milliarden US-Dollar. Über 10 Milliarden US-Dollar wurden final für alle Kosten inklusive Verkehrs- und Hochbauten ausgegeben. Eine stattliche Summe. Doch Investitionen, seien sie noch so hoch, scheinen in Dubai nicht nur im Sinne eines Statussymbols platziert, vielmehr werden viele Unternehmen über Synergieeffekte in noch höhere Sphären gehievt, als in die, in denen sie ohnehin schon sind.

One & Only

Mit gleich zwei Hotels, hat die One & Only Gruppe auch Maßstäbe in der Hotellerie Dubais gesetzt, die wohl für die meisten Hotelkonsortien nicht ohne weiteres erreichbar sein dürften. Das "Royal Mirage", nahe an der Media City und dem Stamm der Palme gelegen, ist in die Einheiten "The Palace", "Arabian Court" und "Residence & Spa" aufgeteilt und erfüllt so verschiedenste Ansprüche der Gäste. Insgesamt stehen auf dem 26 Hektar großen Gelände 452 Zimmer, Suiten, Villen und fünf Restaurants zur Verfügung.

Stay Restaurant.
Stay Restaurant.

 

Kein Zweifel: Das "Royal Mirage" ist trotz seines Alters – die Anlage ist eines der ersten Hotels in diesem Abschnitt Dubais gewesen – ein Hotel der Extra-Klasse. Doch dass dies noch zu toppen ist, zeigt sich nach einer kurzen Bootsfahrt vom hoteleigenen Bootssteg auf die Palme Jumeirah zum One & Only "The Palm".

Nach einer zehnminütigen Fahrt erreicht man das Hotel auf der Palme. Der Anleger befindet sich unweit des Hotels, ein kurzer kulinarischer Stopp kann jedoch bereits dort gemacht werden. Mit einer wundervollen Aussicht auf die Skyline Dubais bietet das "101 – Dining Lounge and Bar" neben guten Drinks eine kleine Karte mit köstlichen Kleinigkeiten. Zu empfehlen ist sicherlich der Palmenherzen-Salat, das Thuna Steak und das Marinated Beef Chuck Rib mit Karotten und Sellerie. Die Qualität der Speisen zeigt bereits in diesem "Einsteiger-Restaurant" des Hauses, was später und der Ägide Yannick Allénos (46) im "Speisetempel" des Hotels noch zu erwarten ist. Denn mit dem Zest (all day dining) und dem Gourmetrestaurant "Stay" werden wirklich kulinarische Maßstäbe gesetzt.

Die After-Ducasse-Generation

Und das Stay macht seinen Namen wirklich alle Ehre. Hier möchte man wahrlich verbleiben. Erdtöne beherrschen das Bild, goldfarbene Sessel, spiralförmige Säulen, arabische Formen und Muster an den Wänden generieren eine Atmosphäre zwischen Tradition und Neuzeit. Hier wirkt nichts gezwungen oder überladen. Das offene Konzept einer in den Raum gebauten Patisserie ist erfrischend und innovativ zugleich. Es reicht ein kurzer Gang und die Live-Patisserie agiert. Unprätentiös und wahrhaft unique für ein Restaurant dieser obersten Kategorie.

So fantastisch wie der gesamte Hotelkomplex nebst dem herausragenden Service, so hervorragend sind auch die Gerichte im Stay. Daran dürfte kein Zweifel bestehen. Denn wie eingangs beschrieben, ist Alléno durchaus mit seiner Akribie als höchstpräziser Aromenkünstler anzusehen. Auch Jean-Claude Messant, General Manager des Royal Mansour in Marrakesch, sieht die einzigartige Klasse Allénos als Grund für dessen legitime Nachfolge eines Alain Ducasse (58) oder Joël Robuchon (70). Dass Alléno die nötigen Schritte für einen Generationswechsel unternimmt, beweiste der Sternekoch jüngst mit der Eröffnung eines Stay-Restaurants im Sofitel in Paris - dem urbanen "place to be" für die gehobene Gastronomie.

Und eben hier gilt es Boden gutzumachen. Boden, den die französische Haute Cuisine über die letzten Jahre ein wenig verschlafen hat. Natürlich gibt es die Klassiker, die seit Jahren auf dem Olymp der Kochtöpfe rühren. Doch das ehemalige Land der Saucenmeister hat viel von seinem Ruf verloren. Nicht zuletzt an viele deutsche Kulinarik-Künstler, die es in der Vergangenheit immer wieder schafften neue Trends in moderne Formen zu transportieren. Denn im internationalen Vergleich müssen die hochdekorierten Sterneköche Deutschlands wahrhaft keinen Vergleich scheuen. Dass bestätigte uns auch Alléno im persönlichen Gespräch im One & Only The Palm.

Ein perfekter Abend

Das Yannick Alléno nicht nur lobende Worte für seine Kollegen findet, sondern Taten im Gourmetrestaurant höchstpersönlich folgen lässt, davon sollte man sich bei einem Besuch des Resorts unbedingt selbst überzeugen. Jedoch ist der umtriebige Sternekoch nicht oft im One & Only anzutreffen. Marokko, Dubai, Paris: man muss schon Glück haben, ihn persönlich vor Ort zu begegnen. Und sollte dies nicht möglich sein, gibt es zumindest einen kleinen Ausgleich. Im vergangenen Jahr erschien bei Hachette Livre / Paris das Buch "Sauces – Reflections of a chef". Ein übersichtliches Buch, das geschichtliche Hintergründe und praktische Tipps zu verschieden Saucen liefert.

Bei unserem Besuch kamen wir in den Genuss eines von Alléno gekochten Menüs. Zum Start gab es ein vorzügliches King Crab Meat in stilechter Begleitung eines Louis Roederer. Ein perfekter Beginn zu einem ganz besonderen Abend. Die im nächsten Gang servierte Foie Gras mit einem Trüffeldressing, wurde perfekt von einem St. Joseph Couronne de Chabot 2011 begleitet. Keine Frage: Master Sommelier Paolo Basso – Best sommelier in the world 2013 – hat hier ein durchaus feines Händchen bewiesen.

Yannick Alléno.
Yannick Alléno.

 

Schokoküchlein mit Goldstaub

Und eben dieses Händchen zog sich par excellence durch das gesamte Menü. Ob aus dem Burgund der Meursault Les Criots 2012 zur Seezunge (fantastisch!) oder ein ungewöhnlicher Chilene (Gewürztraminer aus dem Montes Curico Valley) zur Mandarine vacherin: ein tolles Zusammenspiel der Aromen. Als persönlicher Favorit ist jedoch der Chateau D’Amailhac 2008 anzusehen. Als flüssiger Begleiter zur Braised beef short rib ein absolutes Vergnügen.

Der krönende und funkelnde Abschluss erfolgte durch ein Schokoküchlein mit Goldstaub und einem Pedro Ximenez aus der Bodega Toro Don Albala von 1985. Ein wundervolles outro.

In dieser Atmosphäre und der Perfektion der Momente verharrt man gerne im Stay. Keine Frage. Doch auch der schönste Abend endet irgendwann einmal. Da heißt es Abschied nehmen - und vor dem zu Bett gehen noch einmal die beleuchtete Skyline Dubais betrachten.

Weitere Infos: www.oneandonlyresorts.com 

Fotos: Michael Schabacker, Nicolas Dumont, One & Only

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Zuletzt bearbeitet am 20/08/2016

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