Nur 48 Stunden: Buenos Aires

Buenos Aires – Kosmopolit unter den Städten, Welthauptstadt des Tangos, strotzend vor Lebensfreude tanzender Egomanen, die das Leben in vollen Zügen zu genießen wissen.

Trotz Diktatur, Staatsbankrott, Rezession und Kapitalflucht in den vergangenen Jahren. Und so wird gesagt, dass die eigentliche Attraktion von Buenos Aires die Portenos (Einwohner) sind mit argentinischem Selbstbewusstsein im Blut und ungebrochenem Stolz. Hat man nur 48 Stunden Zeit, sich auf das pulsierende Treiben dieser Stadt einzulassen, empfiehlt es sich ein Hotel auszuwählen, das Momente der Ruhe bietet und gleichzeitig den Geist und das Flair der Metropole widerspiegelt. Ideal ist das "Alvear Palace", ein Leading Hotel of the World im Stadtteil La Recoleta.

Ankunft 08.05 am Flughafen Buenos Aires

Eine etwa halbstündige Taxifahrt zum Hotel gibt einen ersten Eindruck von der 13 Millionen City: Eine wilde Mischung aller möglichen Baustile von armselig bis protzig, jede Menge Straßenlärm und hektische Umtriebigkeit. Und dann La Recoleta: ein ruhiges Viertel mit viel Grün und historischer Architektur im Pariser Haussmann-Stil. Das Hotel wirkt wie die südamerikanische Version der Pariser Ritz-Legende.

1. Tag, Vormittag.

Ein Bummel durch das elegante Wohn-und Geschäftsviertel La Recoleta mit schicken Boutiquen, Restaurants und Cafés mit dem Ziel des Cementerio de La Recoleta, wo Evita Peron und viele andere Celebrities in meist prachtvollen Mausoleen ihre letzte Ruhe fanden. Noch immer scharen sich Locals wie Touristen um ihre Grabstätte. Am späteren Vormittag nehmen wir ein Taxi nach Palermo. Wichtig ist, nur lizensierte Fahrer auszuwählen. Die Taxipreise sind, verglichen mit Europa, sehr moderat.

Der Weg ins hippe Viertel Palermo Viejo führt über die Avenida 9 de Julio, die angeblich breiteste Straße der Welt mit 20 (!) Fahrbahnen, vorbei am berühmten Opernhaus Teatro Colon. An der Plaza de Republica kreuzen sich die Avenidas und hier ragt das Wahrzeichen von Buenos Aires empor, ein von Siemens erbauter Obelisk. Gewöhnungsbedürftig ist der Fahrstil der Portenos. Sie rasen wie die Teufel, Schleudersitz-Feeling und guturale Flüche des Fahrers inklusive. Zebrastreifen sind ebenso bedeutungslos wie die Bitte, es etwas langsamer angehen zu lassen. Und jeder Weg kreuzt irgendwann den Plaza de Mayo mit dem pinkfarbenen Präsidentenpalast, wo derzeit Cristina Fernández de Kirchner regiert. Angekommen in Palermo Viejo, das mit Palermo Hollywood und Palermo Soho eine Einheit bildet, fühlt man sich in eine reizvollen Mischung aus New York SoHo und dem Pariser Marais-Viertel versetzt.

Niedrige, zum Teil farbige Häuser im Kolonialstil mit zauberhaften, begrünten Innenhöfen, originellen Kneipen, hippen Boutiquen und Designer-Ateliers bestimmen das Bild. Unbedingt in einem der Straßencafés niederlassen und bei einem Café Chico (Espresso) die Atmosphäre genießen. Da flanieren Hundesitter vorbei, die wahre Vierbeinermeuten ausführen sowie frech avantgardistisch gekleidete junge Menschen, die per se "reicher Leute Kind" sind. Aber auch betagte Musiker mit Instrumenten, Straßenmaler und verwahrlost wirkende Kinder mischen sich in das Straßenbild.

Strassencafe in Buenos Aires.
Strassencafe in Buenos Aires.

 

1. Tag, Nachmittag.

Wir folgen der Empfehlung, eine klassische Milonga (Tango-Veranstaltung)im "La Confiteria Ideal" zu erleben. In den unteren Räumen ein altes Jugendstil Café mit viel Patina, das einen leicht morbiden, melancholischen Charme ausstrahlt. Eine knarrende Holztreppe führt nach oben in den Ballsaal. Ein Ovulos von umgerechnet vier Euro und man ist mittendrin in einer traditionellen Tango-Veranstaltung, wo bei schluchzenden Klängen hingebungsvoll getanzt wird. Auch mit geringen Tango-Kenntnissen: Mitmachen!

1. Tag, Abend.

Dass in Buenos Aires spätestens am Abend ein argentinisches "Parilla" (Steakrestaurant) auf der Agenda steht, versteht sich von selbst. Eine Institution ist das "El Obrero". Man muss sich allerdings trauen. Das Hafenviertel La Boca, die Geburtsstätte des Tangos, gibt sich am Tage sehr touristisch. Bunte Wellblechhäuser entlang des populären El Caminito mit Bars, >Verkaufsständen und Tangoshows auf offener Straße sind Anziehungspunkt und ein farbenfrohes Bild. Bekannt ist das Viertel auch durch das berühmte Fußballstadion La Bombonera (die Bonbonschachtel), Pilgerziel für Fußballfans seit Diego Maradona-Zeiten. Am Abend ist jedoch Vorsicht vor Raubüberfällen abseits der üblichen Trampelpfade geboten. Am besten lässt man sich direkt am "El Obrero" vorfahren, um dort Schulter an Schulter mit elitären Persönlichkeiten und Dockarbeitern die genialen Steaks zu genießen. Später Abend: Noch nicht ausgepowert?

Dann unbedingt zu einer der abgefahrensten Milongas von Buenos Aires, die in einer alten, verlassenen Fabrik mit maroden Industriecharme stattfindet. Über eine düstere Treppe gelangt man in den Tanzsaal, ähnlich einem Kirchenschiff. Passend ist der Name des Etablissements: "La Catedral". Unter einer Lichterkette aus roten Glühbirnen, wie in einem Rausch das Stakkato der Tanzpaare mit sichtbar fortgeschrittenen Kenntnissen. Am Rand dienen zerschlissene Matratzen und alte Kinositze als Ruhezone in den Musik-Pausen. Und über allem schwebt ein Großfoto und der Geist von Carlos Gardel, der weltberühmten Tango-Legende.

2.Tag, Vormittag.

Ein Must ist das Barrio (Viertel) San Telmo. Am besten am Sonntag. Zentrum ist die Plaza Dorrego, die wie die Bürgersteige der umliegenden Straßen zur Bühne für spontane Tango-Shows wird. Das Altstadt-Flair mit Restaurants, Kneipen, Antiquitätenläden und einer blühenden Krativ-und Kunstszene strahlt Lebensfreude und Schmelztiegel-Charme aus. Auf der Féria San Telmo (ein Flohmarkt nur am Sonntag) kann man noch ungewöhnliche Sammlerstücke entdecken. Das szenige Nachtleben findet auch an Wochentagen statt.

2.Tag, Nachmittag und Abend.

Um die Fülle von Eindrücken ein wenig sacken zu lassen und zu verarbeiten, lassen wir uns bei der noblen High Tea-Zeremonie in "Alvear Palace" verwöhnen. Wir tauchen ein in die stilvolle Hotel-Lobby, ein "place to be" für die elitäre Society von Buenos Aires. Sehen und gesehen werden scheint ein Gesellschaftsspiel zu sein und bei small talk genießt man Scones, Sandwiches, Petit Fours zum Glas Champagner. Eine herrliche Relax- Situation, um gestärkt am Abend und rechtzeitig zum Sonnenuntergang im Puerto Madero aufzutauchen. Es ist die argentinische Version von Londons Dock Lands oder auch der Hamburger Hafencity. Das ehemalige Hafenviertel ist zu einem pulsierenden Vergnügungsareal geworden mit unzähligen Restaurants, Cafés, Läden und trendiger Szene. Hier vermischen sich Locals und Touristen zu einem symbiotischen Mix oder, wie Tango-Sänger und -Komponist Carlos Gardel sagen würde: "Mi Buenos Aires querido...!"

KULINARIKER-Tipps:
Beste Reisezeit: Im argentinischen Frühling (Oktober – November) oder Herbst (April – Ende Juni)
Anreise: Mit Lufthansa ab Zürich via Frankfurt nach Buenos Aires
Must See: Die Viertel La Recoleta mit dem Cementerio de La Recoleta, Palermo, San Telmo, La Boca, Puerto Madero
Wohnen: Alvear Palace, Leading Hotels of the World, Avenue Alvear 1891 www.alvearpalace.com 
Ausgehen: La Confiteria Ideal, Suipacha 384 www.confiteriaideal.com 
El Obrero, Augustin R. Caffarena 64 in La Boca www.bodegonelobrero.com 
La Catedral, Sarmiento 4006 www.lacatedralclub.com 

Fotos: Angelika Moeller

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Zuletzt bearbeitet am 20/08/2016

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