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Curacao: Meer als blau

Wer das erste Mal die Häuserkulisse von Curacaos Hauptstadt Willemstad erblickt, reibt sich verwundert die Augen: In fast allen Farben des Regenbogens glänzen die alten Giebelhäuser in der Sonne und spiegeln sich in den Fluten der St. Anna-Bay.

Wie Amsterdam auf LSD. Aus den uralten Lautsprechern des kleinen Cafés knarzt eine lässig-verspielte Mischung aus Reggae, Calypso und Salsa, während die schwarze Imbissverkäuferin nebenan lautstark Frikandeln mit Fritten anpreist.

Nirgendwo sonst ist die koloniale Vergangenheit so spürbar mit der Gegenwart verwoben wie hier. Curacao liegt 50 Kilometer nördlich vor Venezuela. Die Amtssprache der 150.000 Bewohner ist Niederländisch, doch viele von ihnen sprechen Papiamentu – eine Kreolsprache, die aus Elementen afrikanischer Sprachen ebenso besteht wie aus Portugiesisch, Englisch, Holländisch, Spanisch und teilweise auch Deutsch.

Seit dem 10. Oktober 2010 ist Curacao unabhängig und jetzt ein "weitgehend selbstständiger Teilstaat innerhalb des Königreichs der Niederlande". Die Finanzaufsicht bleibt aber in Den Haag, dafür übernimmt man dort den Großteil der von der Curacao-Verwaltung angehäuften Schulden in Höhe von 1,75 Milliarden Euro. Doch auch mit der Quasi-Unabhängigkeit wird die Insel ein karibisches Stück Holland bleiben, ein Zwitterstaat unter Palmen. Aber genau das macht Curacao so reizvoll.

In den Casinos wird Glücksgöttin Fortuna gehuldigt

Auf der Insel leben über 50 Nationalitäten friedlich zusammen. Die Mehrheit ist katholisch, doch es gibt kaum eine Religion, die hier nicht vertreten ist. Neben katholischen oder protestantischen Kirchen existieren Moscheen ebenso wie Hindu-Tempel oder eine Synagoge. Abends trifft man sich dagegen in den großen Casinos; um nach US-Vorbild Fortuna zu huldigen, oder man sitzt in Restaurants mit kreolischer oder lateinamerikanischer Küche. Eine Weltreise an einem Tag.

Doch nach wie vor dominiert der holländische Einfluss: Die Altstadt und die Hafenfront Willemstads gehören seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Gegend ist geprägt von den bunten Kolonialhäusern mit Giebelfront und Holzgalerien, dem Komplex von Fort Amsterdam, deren Gebäude zum Teil bis ins Jahr 1635 zurückdatieren, sowie einer alten Dame: "Das hier ist die Queen Emma Bridge, im Volksmund wird sie Swinging Old Lady genannt", erklärt Eveline van Arkel. Die holländische Stadtführerin lebt wie so viele Landsleute seit Jahren hier.

"Das Wort 'Swinging' kommt daher, dass die alte Dame die älteste, noch genutzte Pontonbrücke der Welt ist." Sobald sich ein Schiff nähert, klappt die 171 Meter lange Brücke mittels Motoren einfach zur Seite – ein unterhaltsames und nicht gerade seltenes Schauspiel, denn pro Jahr passieren mehr als 3000 Boote die Swinging Old Lady.

Ein Museum für das Selbstvertrauen

Die Brücke verbindet die beiden Stadtteile Punda und Otrabanda. Bis vor einigen Jahren war Otrabanda - übersetzt "die andere Seite" - ein Schandfleck im Stadtbild. Das ist heute anders: Der Grund heißt Jacob Gelt Dekker, ebenfalls Holländer. Er kaufte hier in den 90er Jahren ein Areal mit 65 baufälligen Kolonialhäusern und verwandelte es mit seinem Privatvermögen in ein kulturelles und touristisches Zentrum mit dem Namen Kurá Hulanda.

Queen Emma Bridge in Curaçao.
Queen Emma Bridge in Curaçao.

 

Das Viertel ist mit Kopfsteinpflastern durchzogen und versprüht den Charme einer mittelalterlichen Stadt. Hier existieren ein Hotel mit Spa, mehrere Restaurants und Cafés, eine Reihe von kleinen Künstlerläden sowie ein Museum: Das Kurá Hulanda Museum ist weltweit eine der wenigen Institutionen, die sich intensiv mit der Geschichte des Sklavenhandels befasst. Mit einem lebensgroß nachgebauten Sklavenschiff, rostigen Fußfesseln sowie Zeichnungen und Statistiken über die unmenschlichen Transportbedingungen gelingt ein eindrucksvoller wie ergreifender Schritt in die Vergangenheit und die Ursprünge des Reichtums der europäischen Imperien.

"Auf Curacao wurde eine Vielzahl der Sklaven verkauft und zu den Plantagen in Nord- oder Südamerika weiter transportiert", erklärt Yflen Florentina vom Museum und zeigt auf ein Originaldokument, das auf eine "Neger-Auktion" hinweist. Eine ergänzende Sammlung afrikanischer Kunstgegenstände und Schmuckstücke soll zeigen, dass Afrika nicht nur die Wiege der Menschheit ist, sondern auch kulturell vieles hervor gebracht hat. "Gerade Jugendlichen und Kindern mit afrikanischen Wurzeln mangelt es an Selbstvertrauen und Stolz auf ihre Herkunft und genau das wollen wir ändern", sagt Yflen.

Von Bitterorangen und geheimen Gewürzen

Etwas weiter außerhalb liegt das Landhaus Chobolobo. Hiiert, was die meisten Menschen als einziges mit der Insel verbinden: Blue Curacao. Eine Infotafel und ein kleiner Film erklären, dass der Likör eigentlich auf einem landwirtschaftlichen Fiasko basiert: Als Curacao noch zu Spanien gehörte, importierte man die weltbekannten Valencia-Orangenbäume auf die Insel. Doch weder  Boden noch Klima eigneten sich für den Anbau: Statt süßer Früchte waren die Orangen von Curacao so bitter, dass selbst die heimischen Ziegen sie verschmähten. Erst viel später entdeckte die Familie Senior, dass die sonnengetrockneten Schalen der Bitterorangen sich in Verbindung mit geheimen Gewürzen zur Herstellung von Likör eigneten. Leider haben sich die Besitzer den Begriff "Blue Curacao" nicht schützen lassen, so dass der wahre Likör der Insel "The Genuine Senior Curacao of Curacao" heißt.

Die meisten Touristen kommen aber aufgrund eines anderen Blau-Tons: 40 Strände laden zum gepflegten Nichtstun ein, dazu existiert eine Vielzahl an fantastischen Tauchspots. Eine Möglichkeit, beides miteinander zu verbinden, bietet sich auf Klein Curacao. Die vorgelagerte Insel ist mit dem Boot in rund einer Stunde Fahrt zu erreichen. Hier lebt keine Menschenseele. Ein verfallener Leuchtturm, drei gestrandete Schiffe und die Reste von mehreren Baracken sind die einzigen Zeugnisse von vergangenem Leben auf Klein Curacao.

Hierher wurden Kranke im 19. Jahrhundert zur Quarantäne verbannt, aber auch Schmuggler nutzen die vorgelagerte Insel für ihre Geschäfte. Heute verirren sich höchstens einige Angler oder eine Bootsladung mit holländischen Touristen nach Klein Curacao. An dem langen, fast weißen, feinsandigen Strand bietet sich aber genug Platz für eine Robinsonade. Taucher oder Schnorchler können die vorgelagerten Korallenbänke erforschen, auch Schildkröten oder Delfine lassen sich hier entdecken.

Leguan auf dem Teller

Der wilde und unberührte Westteil der Insel, das so genannte Banda Abao, ist geprägt von wenig besuchten Sandstränden und den schroffen Steilküsten des Shete Boka Parks. Hier gibt es verschiedene kurze Wanderwege zu zerklüfteten Steinbuchten, in denen das salzige Wasser der tobenden Brandung meterhoch in den Himmel schießt. Im Küstenhinterland liegt der Christoffel Park, das größte Naturschutzgebiet Curacaos.

Die Umgebung erinnert an einen Lucky Luke-Comic: Aus der leicht hügeligen Steppe ragen bis zu fünf Meter Säulenkakteen auf, zwischen denen große Leguane und Vögel wie der Warawara beheimatet sind. Lohnenswert ist der Aufstieg auf Mount Christoffel, mit 375 Metern die höchste Erhebung der Insel. Was einfach klingt, ist aber durchaus mühsam. Je weiter man nach oben gelangt, desto feuchter und schwüler wird es: Die Vegetation wechselt von Kakteen oder dem bekannten Divi Divi-Baum zu Orchideen und wunderschön rot blühenden Bromelien.

Koningin-Juliana-Brug, links eine Fähre, Wilhelmstad, Curaçao.
Koningin-Juliana-Brug, links eine Fähre, Wilhelmstad, Curaçao.

 

Der Weg wird immer enger, am Ende muss man sich zwischen spitzen Felsen hindurchquetschen und nach oben ziehen. Aber der Rundblick über das Banda Abao rechtfertigt jede Anstrengung. Vom Christoffel Park ist es nicht weit bis zu Jaanschi’s. Das traditionelle Restaurant repräsentiert die multikulturelle Küche Curacaos: Hier isst man Funchi, einen Brei aus Maismehl, Keshi yena, ein mit Fisch oder Fleisch gefüllter Käse, oder Suppen aus Kaktus oder Leguan. Leguan zu essen kostet zwar einige Überwindung, doch geschmacklich erinnert er stark an Hühnchen. Zudem soll der Verzehr potent machen, sagen die Einheimischen. Einige Meter weiter gibt es einen Imbiss. Hier gibt es Frikandeln mit Fritten und Heineken.

KULINARIKER-Service:

Anreise: Vom Flughafen Amsterdam-Schiphol gehen mit KLM oder dem günstigeren Ableger Martinair täglich Flüge auf die Karibikinsel. (www.klm.com und www.martinair.com). Die Flugzeit beträgt rund 8,5 Stunden.

Mietwagen: Um die Insel zu entdecken, empfiehlt sich in jedem Fall ein Mietwagen. Busse fahren nur selten und zu nicht festgelegten Zeiten. Das Fahren ist problemlos möglich, weil außerhalb der Hauptstadt sehr wenig Verkehr ist. Am Flughafen von Curacao finden Sie Büros mehrerer großer Autovermietungen wie Hertz, Avis oder Budget. Preise ab 200 Euro.

Klima: Auf Curaçao herrscht das ganze Jahr ein nahezu gleichbleibendes Klima mit einer durchschnittlichen Tagestemperatur von 29 Grad Celsius. Beste Reisezeit sind die Monate zwischen Februar und Mai. Die wärmsten Monate sind August, September und Oktober. Aufgrund seiner südlichen Lage in der Karibik, liegt Curacao außerhalb des Hurrican-Gürtels.

Gesundheit: Auf Curacao gibt es keine Tropenkrankheiten. Sie benötigen lediglich die "normalen" Schutzimpfungen wie Diphtherie, Tetanus und Polio. Das Leitungswasser wird auf der Insel mit riesigen Entsalzungsanlagen hergestellt und ist ohne Bedenken trinkbar.

Währung: Auf Curacao bezahlt man mit dem Antillengulden, abgekürzt NAFl. Er ist an den US-Dollar geknüpft, 1 US entspricht ca. 1,77 Antillengulden. Im Januar 2012 wird mit dem karibischen Gulden eine eigene Währung eingeführt.

Aktivitäten: In den großen Hotels gibt es alle denkbaren Sportmöglichkeiten von Tennis über Mountainbiken bis Tanzen. Auf der Insel gibt es einen 9-Loch- sowie einen 18-Loch-Golfplatz. Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht aber der Wassersport. Im Norden kann man gut surfen. Bekannt ist die Insel aber wegen seiner vielen Tauchspots in einer abwechslungsreichen Unterwasserwelt.

Ausflüge: Neben dem Museum Kurá Hulanda und dem Museo Tula lohnt vor allem das Landhaus Chobolobo. Für Naturliebhaber sind Wanderungen im Shete Boka  sowie im Christoffel Park zu empfehlen. Die schönsten Strände gibt es im Osten Curacaos oder auf der vorgelagerten Insel Klein Curacao (Tagesausflug per Boot). Wer Stadtleben mag, ist im Zentrum von Willemstad genau richtig: Vor historischer Kulisse befinden sich direkt am Fluss zahlreiche Cafés und Geschäfte.

Unterkunft: Auf Curacao gibt es verschiedene Hotels, auch große Ketten sind hier vertreten. Für Strandliebhaber ist das Livingstone Jan Thiel Resort zu empfehlen.
Eine gute Übersicht und weitere Informationen finden Sie unter www.curacao.com.

Fotos: John Workman, Bgabel / Wikimedia commons

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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