Im Geist des Milliardärs

Hans Liebherr dachte schon immer in großen Dimensionen. Mehr als 41.000 Mitarbeiter in 50 Ländern arbeiten heute für den gleichnamigen Baumaschinenkonzern, den der gebürtige Kaufbeurer 1949 gründete. Die Gesellschaft, die vor allem durch Kühl- und Gefrierschränke bekannt wurde, setzte im vergangenen Jahr knapp zehn Milliarden Euro um.

Unter den sechs Hotels der Liebherr-Gruppe ragt das Interalpen-Hotel Tyrol buchstäblich heraus: In Alleinlage auf 1300 Meter zwölf Kilometer westlich von Seefeld gelegen, beeindruckt es schon bei der Ankunft durch seine schiere Größe. Bei der Einfahrt in die Garage beschleicht einen das Gefühl, versehentlich in der Hotelhalle gelandet zu sein. Man traut sich zunächst nicht weiterzufahren – bis man schließlich realisiert: Es ist der großräumige Check-in im Drive-in-Stil, den der 1993 gestorbene Patriarch in den Berg bauen ließ.

Die kleinsten der 282 Zimmer und Suiten beginnen bei 24 Quadratmetern im Einzel- und 45 m² im Doppelzimmer – sämtliche mit Balkon und Blick auf die umliegenden Berge. Mit 68 m² sind die Deluxe-Zimmer bereits so groß wie Juniorsuiten in anderen Häusern.

Zum 30-jährigen Jubiläum im September vergangenen Jahres ließ man sich nicht lumpen: Für die standesgemäße Feier ließ man den einstigen Frontmann und Sänger der Rock-Band Supertramp, Roger Hodgson, zum Privatkonzert einfliegen. Heimisch fühlt sich aber auch die Polit- und Wirtschaftsprominenz im Interalpen-Hotel Tyrol. Im Juni 2015 traf sich der elitäre Kreis der Bilderberger um den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger. Man beriet sich informell über "Themen von globaler Relevanz".

"Austrian’s Leading Spa Resort"

"Von allem etwas mehr" lautet auch das Motto im Spa, das sich über 5.300 Quadratmeter erstreckt. Nirgendwo im Alpenraum wird Wellness größer geschrieben. Neben dem "Tiroler Saunadorf" sorgt vor allem der 50 Meter lange Indoor-Pool für Aufsehen, der Platz genug für Stand Up Paddeling lässt.

Indoorpool.
Indoorpool.

 

Zu den Spezialitäten des überbordenden Angebots an Beautytreatments zählt neben einer ausgiebigen Vierhandmassage und Cure Detox vor allem Lomi-Lomi, die hawaiianische Form der Massage. Sie ist eine Mischung aus Ritual, Massage, Tanz und Körperarbeit und dient der Befreiung von belastenden Energien. Golf-Aficionados mit Platzreife können ihre Spielkunst in der Indoor-Golfanlage an einem Hightech-Simulator der Marke Full Swing Golf verfeinern. Für das kurze Spiel stehen ein Putting- und Chipping-Green bereit.

Die Restaurants des Fünf-Sterne-Superior-Hauses verteilen sich über sechs Stuben und den stilvollen Wintergarten mit seinem herrlichen Panoramablick auf die Tiroler Bergwelt. Der Übernachtungspreis (je nach Saison zwischen 212 und 380 Euro pro Person im Doppelzimmer) enthält neben dem Frühstück ein Sechs-Gänge-Wahlmenü oder ein Gala-Dinner am Sonntagabend.

Küchenchef Mario Döring und sein Team erkochten sich zwei Hauben und 16 GaultMillau-Punkte. Im Mittelpunkt stehen internationale Gerichte – wobei der Bezug zur Region nicht verloren gehen soll, wie eine Reihe von Zutaten aus der Umgebung zeigt: Forellen und Saiblinge etwa stammen aus einer Fischerei aus dem benachbarten Leutaschtal, das Wild aus nahe gelegenen Wäldern. Während heimische Bauern Milchprodukte und Gemüse liefern, sorgen einige Kräuter aus dem hoteleigenen Garten für den individuellen Geschmack, darunter verschiedene Arten von Thymian, Salbei, Waldmeister, Estragon, Lavendel und diverse Minzsorten wie Pfeffer-, Apfel-, Orangen- oder Schokoladenminze.

Meister des Mehls

Eine köstliche Mélange aus Region und Internationalität unter den Vorspeisen ist etwa der Kalbstafelspitz mit Mandarine, Salbei und Prosciutto. Authentisches Österreich verkörpert hingegen die fein abgestimmte Pastinakenschaumsuppe mit "Petersilie-Tascherl", während Döring den auf den Punkt gegarten konfierten Seeteufel mit wildem Brokkoli, schwarzer Senfsaat und sauren Quitten kombiniert. Käseliebhaber kommen voll auf ihre Kosten. Die Auswahl an Käsen, Chutneys und Senfsorten stellt manches Sternerestaurant in den Schatten.

Einen Besuch im Interalpen Tyrol wert sind allein die Backwaren. Die acht Baguette- und Brotsorten, diversen Brötchen, Croissants und das Kleingebäck von Bäckermeister Philipp Schweiss überzeugen mit einer Qualität, die selbst im Luxushotelsegment ihresgleichen sucht. Weil herkömmlicher Weizen durch zahlreiche Kreuzungen häufig zu Lebensmittelunverträglichkeiten führt, greift er gern auf alte Sorten wie Dinkel, Emmer, Einkorn oder Amaranth zurück.

Marinierte Ochsenherztomate mit Jakobsmuschel.
Marinierte Ochsenherztomate mit Jakobsmuschel.

 

Urkorn ist aber in Tirol nur schwer erhältlich. So fährt Philipp regelmäßig in seine Heimat auf der Schwäbischen Alb. Dort pflanzt seine Familie Urkornsorten an, die er nach Tirol bringt, um sie in der hoteleigenen Backstube zu verarbeiten. Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker sind für ihn Tabu. Viel lieber haucht er alten Rezepte neues Leben ein und jongliert mit natürlichen Zutaten wie Apfelessig. Auf einem Feld in der Nähe des Hotels experimentiert der hochtalentierte Bäckermeister gerade mit Dinkel. Ob dieses Korn, das zu den hochwertigsten Getreidesorten zählt, allerdings auch in 1.300 Metern Höhe wächst, wird er erst im Herbst erfahren.

Auch der riesige Rest des Frühstücksbüffets, das sich über 30 Meter um die offene Showküche verteilt, überzeugt. Schade nur, dass es Weißwürste nur sonntags gibt. Dafür gibt es Honig aus echten Waben, warmes Roastbeef mit Meerrettichsauce und Rindertatar der alten Küchenschule mit Cognac und Ketchup.

Fotos: Hotel Interalpen Tyrol

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Zuletzt bearbeitet am 20/08/2016

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