Hotellegenden: The Roosevelt; New Orleans

Die feucht-schwüle Hitze Louisianas lähmt. Fast steht sie wie eine gleißende Mauer vor einem, durchschreitet man stöhnend und schwitzend die Straßen von New Orleans. Nur wenige Meter noch, dann ist es geschafft. Dann stehen wir ermattet und voller Ehrfurcht vor einem Hotel mit langer Geschichte.

Schwarze Limousinen, überdimensioniert, amerikanische Blech-Tradition und der Chic der 50er Jahre auf den Straßen. Begleitet von Jazz und einer damit einhergehenden beschwingten Leichtigkeit, geht es durch die Pforte in eine andere, kühlere und klimatisierte Welt. Es ist eine Welt die blendet durch die visuelle Umsetzung gelebter Südstaaten-Träume mit kolonialem Anspruch. Erlebbare Geschichte, voll entspannter Unaufdringlichkeit.

Das Roosevelt erscheint endlos…

Gefangen ist man sofort in der Erinnerung, was einmal war und unwiederbringlich verloren schien. Die Zeit verharrt beim Gang zur in feinst verlegten Marmorsplittern eingefassten Rezeption. Vorbei geht es an tausendfach mit Glas bestückten Kronleuchtern, marmornen Wänden und klassizistischen Säulen, die ein klares Statement abgeben: Ja, wir sind durch die Baumwolle reich geworden und zeigen es auch dezent. Doch der Ernüchterung folgt nicht etwa die Enttäuschung, nicht die Reduktion der Momente, als vielmehr ein nächster Blick die weite Halle hinab. Gesäumt von goldenem Prunk, gespiegelt und manifestiert in dem Odem längst vergangener Tage, verharrt das Auge in Einzelpunkten dieses kühlen und dennoch so vereinnahmenden Vergangenheits-Monumentes.

Meterhoch recken sich die Pfeiler hoch zur Decke. Dekoriert mit metallenen Seilen wirken diese als architektonische Verbindung zur Decke. Polierter Marmor in den Farben beige und dunkelbraun führt in gerader Linie durch die Halle, finalisiert sich jeweils an den beiden Ausgängen des Hotels. Flankiert von riesigen Pflanzen in hüfthohen und hochglänzenden Pflanzkübeln, erscheint die Weitläufigkeit der Eingangshalle als Symmetrie in die Unendlichkeit.

Hell erleuchtet durch eine riesige Lichtlinie – Produkt diverser Leuchter, welche scheinbar tonnenschwer der Decke zur Last fallen – verlassen wir den Rezeptionsbereich. Den riesigen Adler hinter uns lassend, welcher mit Argusaugen schauend Krone der Rezeptionseinheit ist, betreten wir einen der Tower.

Eröffnet als "The Grunewald"

Ein leises Surren und eine angenehme Geschwindigkeit des Fahrstuhls sind die Wegbegleiter hinauf in die Flure und in unser Zimmer. Ornamente und – so scheint es – die ewig-vorhandene Lilie von New Orleans, heißen uns willkommen. Vorbei an Sitzelementen mit kleinen Beistelltischen, weisen die stets durch einen Adler dekorierten Hinweisschilder die Richtung. Ruhig die Stimmung, stets begleitet durch gelbgefärbte Lichtpunkte der kunstvoll eingeschmiegten Deckenbeleuchtung, durchschreitet man leise die letzten Meter in die Schlafdomizile - zu einer "Guten Nacht".

Wir sind stilvoll Zuhause angekommen. Genau so muss es sich für die Gäste schon in den späten Jahren des 19. Jahrhunderts angefühlt haben. Das Hotel wurde 1893 von dem deutschstämmigen Louis Grunewald als "The Grunewald" eröffnet und erst 1923, als Verbeugung vor dem großen US-Präsidenten Theodore "Teddy" Roosevelt, in "The Roosevelt" umbenannt. Geblieben ist sein Flair. Geblieben sind die vielen kleinen Geschichten. Denn hier haben ganze Generationen von Musikern und Künstlern - von Frank Sinatra über Elvis bis Pink Floyd - gelebt und geliebt.

Hierher hat es immer schon den Geldadel gezogen: Politiker, Großindustrielle, Bankiers oder über Nacht reich gewordene Goldsucher gaben sich hier ein illustres Stelldichein. Trotz Weltkriegen, Börsencrash und Finanzkrisen. Das alles hat das Roosevelt kommen und gehen sehen. Geblieben ist dieses Monument südstaatlichen Lebensgefühls.

KULINARIKER-Info:
Das Roosevelt bietet seinen Gästen 504 Schlafdomizile, darunter befinden sich 135 luxuriöse Suiten. Das Haus liegt zentral im Herzen von New Orleans und ist deutlich mehr als eine Luxus-Herberge - es ist eine lebendige Legende gehobener Lebensart.
http://www.therooseveltneworleans.com/

Fotos: The Roosevelt

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Zuletzt bearbeitet am 20/08/2016

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