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Sosumi - Rollende Edelrestaurants auf der Überholspur

Nicole und Dusko Fiedler bieten mehr als ein Gourmet-Erlebnis: Ihre Küche auf vier Rädern spiegelt erfrischend junges Lebensgefühl wider.

Die Köche haben mit ihrem Produkt "Sosumi" (Soßen, Suppen, Mittagstisch) ein geniales Marketingkonzept entwickelt, dass schon beim Berichten das Wasser im Munde zusammen laufen lässt. Zehn Jahre hat sich Dusko Fiedler auf die Selbstständigkeit vorbereitet. "Mit Sosumi ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen", ist der gelernte Koch über die Marktlücke glücklich.

Seit seiner Ausbildung hat er immer in seinem Metier gearbeitet. Stationen wie die Führung einer Jugendherberge, die Küchenleitung eines Seniorenzentrums wie auch die Mitwirkung bei Sternekoch Josef Viehhauser im Hamburger Le Canard gehören zur Vita des ambitionierten Kochs. Vor rund zwei Jahren erstand er seinen roten Anhänger mit einer voll ausgestatteten Profiküche, die erst einem Fernsehteam und später einem Hot-Dog Anbieter gehörten, durch Zufall über das Internet. Ein Herd mit sechs Platten, ein 100-Liter Abwassertank und ein Tank für 200 Liter Frischwasser gehören wie der Vakumierer, Konvektomat und die Kühlanlage zu dem Highendwagen. Dazu sind genügend Schränke, Ablageflächen, spezielle Dampfbirnen und eine hochwertige Holzverkleidung vorhanden.

Clevere Idee perfekt Umgesetzt

"Etwa 100.000 Euro kostete der Wagen, dazu kommt noch die Zugmaschine", erklärt Dusko Fiedler. Die Investition hat sich gelohnt. Zusammen mit seiner Frau Nicole, ebenfalls eine gelernte Köchin, entwickelte er nach sorgfältiger Recherche ein geniales Kaleidoskop-Konzept, bei dem sich niemals ein Gericht wiederholt. "Es ist unfassbar. Eines Tages hatte ich die Idee. Das war wie bei Einstein. Es ist ein Element, mit dem ich alles machen kann", sprudelt es aus dem Geschmackskomponentenzauberer heraus. "Normalerweise benötigt man einen ganzen Stab von Köchen, um so zu arbeiten, aber wir schaffen das im Zweierverbund." Das genaue Rezept werde allerdings nicht verraten. Das sei, wie bei der Cola-Herstellung, "ein Betriebsgeheimnis", schmunzelt der kreative Koch.

Apropos Cola: Keine der Speisen bei Sosumi enthält Geschmacksverstärker. Sogar Ketchup, Brot und sämtliche Gewürzmischungen werden selbst hergestellt. Aus fünf Kilo Tomaten entstehen etwa 500 Gramm Ketchup. Diese Köstlichkeit wird beispielsweise zu Grünkohl gereicht. Die Menschen verzehren tatsächlich alle gewagten Kreationen, die Dusko Fiedler kocht. Auberginen mit einer selbst zusammen gestellten Kreuzkümmelwürzung gehören zu den Angeboten wie auch die Pintobohnenschnitte mit Sellerie, Zucchini, Frischkäse und Ananas-Salsa oder Spinat-Griesklösse mit weißem Bohnenpüree, Zucchini, Paprika- und Weißkohlgemüse mit Senfsoße und Dillkick. Alles vegetarisch.

Dusko Fiedler in seinem kleinen Reich.
Dusko Fiedler in seinem kleinen Reich.

 

Straßenverkauf aus dem Foodtruck

Ausnahmen sind die Soßen. Auf Wunsch gibt es Gänse- oder Kalbssauce zu den Gerichten. „Fleisch ist teurer und die Nachfrage war entsprechend geringer“, lautet die Begründung zu der vegetarischen Variante. "Wir beweisen mit Sosumi, dass Gerichte einer Sterneküche zu normalen Preisen, zum Beispiel Suppe ab 5,90 Euro oder eine Tagesgericht ab 7,90 Euro, möglich sind", ergänzt das Ehepaar, das auch privat mit Vorliebe bei Spitzenköchen essen geht.

Die Hamburger setzten auf Qualität. Regionale Produkte werden auf jeden Fall bevorzugt. Die Ware wird beim Bauern oder Großmarkt erworben und immer frisch in der kompakten Edelküche verarbeitet. Dreimal in der Woche stehen die Fiedlers mit ihrem Produkt Sosumi auf dem Markt. An den anderen Tagen werden die Speisen gekauft und vorbereitet. Ein variierender Straßenverkauf, wie bei den Foodtrucks in den USA, ist nicht möglich. Informieren kann sich die inzwischen beachtlich angewachsene Fangemeinde über Facebook. Dort sind die täglichen Angebote mit entsprechenden Kommentaren vermerkt.

Die Kunden danken es ihnen. Schon ab 8.30 Uhr suchen sie ihr Lieblingsrestaurant auf vier Rädern auf, kaufen vakumierte Suppen, Soßend oder Fonds zum Mitnehmen. "Diese SOSUMI-Kissen sind für Küchenaktivisten, die gerne kochen. Sie sind für Minimalisten, die mit wenig Aufwand vor Freunden und Familie glänzen wollen. In unseren SOSUMI-Kissen, die im Kühlschrank vier Tage haltbar sind, schlummert zum Beispiel eine Dill-Meckersoße, Kalbsfond oder echte Champignoncremesuppe", erklärt Nicole Fiedler.

Volle Hütte zur Mittagszeit

Wer gegen Mittag auf dem Markt erscheint, um vor Ort die Fiedler-Gourmetküche zu genießen, muss bis zu 20 Minuten Wartezeit in Kauf nehmen. Serviert werden die farbenfroh und malerisch angerichteten Speisen selbstverständlich auf Porzellantellern. Außerdem stimmt nicht nur das Essen, sondern auch die Atmosphäre. "Hier wird von mir jeder geduzt, egal ob Kollege oder Vorstandsvorsitzender einer großen Bank. Das ist schon fast wie in einem Tante Emma Laden", verrät Dusko Fiedler ein Beispiel der persönlichen Atmosphäre zwischen Koch und Konsument. Denn auch überzeugende Verkaufstechniken gehören zu dem besonderen Flair von Sosumi.

Sosumi zählt zu der neuen Generation rollender Edelrestaurants, deren ursprüngliche Geschäftsidee von den USA aus langsam nach Deutschland überschwappt. Seit etwa vier Jahren boomen in den USA die Foodtrucks regelrecht. Eine Revolution der Gastroszene, wie es sie seit der Einführung der Drive-ins in den 70ern nicht mehr gegeben habe, schreibt die "New York Times". Täglich sollen an deren Redaktionssitz etwa 3000 Trucks vorbeifahren.

Nicht Pommes und Bockwürstchen, sondern Exotisches aus aller Welt kann in den rollenden Minirestaurants erworben werden. Während Lizenzen in den USA nicht unbedingt erforderlich sind, sieht das in Deutschland ganz anders aus. Meist ist eine Sondergenehmigung mit etlichen Auflagen notwendig. Manchmal ist es ganz unmöglich, so dass nur ein privater Stellplatz oder ein vorübergehender Platz auf dem Wochenmarkt anvisiert werden kann. Da Foodtrucks nicht wie Restaurants im Boden fest verwurzelt sind, kann es auch passieren, dass der Platz vom Vortag nicht immer vorhanden ist. Sicherheitshalber twittern und facebooken deshalb alle über ihren aktuellen Standort.

Weitere Informationen finden Sie unter www.sosumi-hamburg.de 

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 19/08/2016

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Autor

Carola Faber