Belfast: Von der Kulinarik bis zur Titanic

Die Iren können richtig feiern. Egal, zu welcher Jahreszeit, an welchem Wochentag oder zu welcher Tageszeit. Ob in einem Pub oder auf dem Marktplatz - das spielt keine Rolle. Auf jeden Fall gibt es immer einen Grund.

Fröhliches Geplauder der Besucher mischt sich mit den Harmonien und Rhythmen einer Folkband sowie den Rufen der Marktbeschicker in dem historischen Ambiente des St. Georges Market in Belfast. Die Gerüche von frisch gebackenem Brot, Irish Stew, Scampi-Pfanne und Kaffee liegen in der Luft. Kunsthandwerker, Fischhändler, Maler und Bäcker bieten ihre Waren an. Zuckersüße Muffins mit buntesten Dekorationen locken neben den regionalen Produkten des Biostands, an denen sich lange Warteschlangen bilden.

Feierfreude steht im Mittelpunkt

Immer am Wochenende treffen sich in der schmucken, überdachten Markthalle, die zwischen 1890 und 1896 entstand, schon morgens Freunde und Familien, um ein paar launige Stunden zu verbringen. Wie auf einem mediterranen Marktplatz wird hier eine besondere Form der irischen Lebensart zelebriert: Genuss und Muße und Feierfreude stehen im Mittelpunkt.

Auf dem Markt beginnt sonnabends auch die Belfast Food Tour. Begleitet von Fachfrau Caroline führt der kulinarische Stadtrundgang zu mehr als 20 Adressen. "Ich glaube, dass eine Stadt am besten durch seine Speisen erkundet werden kann", erklärt die Juristin und leidenschaftliche Gourmandise. Beginnend mit ofenwarmem Brot vom Biobäcker folgen Kostroben des Broighter Gold Rapeseed Oil von Richard & Leona Kane. Seit 2006 produziert das Ehepaar feinstes, mehrfach prämiertes Bio-Rapsöl in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Inzwischen bieten fast alle guten Restaurants und Feinkostläden dieses edle Öl an.

Belfast Food Tour

Eine besonders schmackhafte Begegnung bedeutet der Besuch in der Mourne Seafood Bar. Tagsüber wird im vorderen Teil des Gebäudes der frischeste Fisch von ganz Belfast verkauft, während im hinteren Part das Restaurant betrieben wird. Gerade für den Abend sollte reserviert werden, denn die Qualität des Fischs und der Küche hat sich schon längst herumgesprochen.

Schließlich endet die leckere Belfast Food Tour im Szeneviertel, dem Saint Annes Square bei Coppi, einem der beliebtesten jungen, italienischen Restaurants der Stadt. Die Tour, die Kostproben und die Geschichten dazwischen machen Lust auf mehr. Belfast lohnt eine Eroberung.

Neben der Food Tour zeigen zahlreiche Beispiele, dass sich die Esskultur der Nordiren entscheidend verändert hat. Haftete dem Landstrich vor wenigen Jahren noch der Ruf einer kulinarischen Wüste an, so hat sich das Image der Küche von schwer verdaulicher Kost und Fertigsaucen, längst in internationale Vielfalt mit Feinschmeckerniveau verwandelt. Edle und kreative Restaurants in Belfast bieten beispielhafte Degustations-Menüs an. Daneben begeistern nach wie vor die urigen, gemütlichen Häuser im Pubstil mit besonderem Flair.

Nur Top-Qualität

The Arcadia Delicatesse gehört ebenfalls zu den etablierten Feinschmeckeradressen der Stadt. Angefangen haben im Jahr 1933 Ellen und William Brown mit einem einfachen Lebensmittelgeschäft. "Die Zeiten waren nicht immer einfach. Es gab viele Höhen und Tiefen. Der Krieg und die Unruhen bedeuteten für uns richtige Tiefschläge. Jetzt haben wir es aber geschafft", erklärt Sohn Mark Brown, der seit 2007 den Familienbetrieb zu einer der gefragtesten Spezialitätengeschäfte umfunktioniert hat. Neben Feinkost aus aller Welt, gibt es dort regionale Delikatessen und Produkte, wie Käse, Fisch, Fleisch, Wurst, Öle und Tees. Zu einem der Abnehmer gehört das Restauarant Ox.

Salat im Restaurant OX.
Salat im Restaurant Ox.

 

In dem mehrfach prämierten Gorumetrestaurant am Ufer das Lagan erlebt der Gast Außerordentliches. Die Inhaber, Küchenchef Stephen Toman und Sommelier Alain Kerloc`h, haben sich in Paris während der gemeinsamen Lehrzeit in dem Dreisterne-Restaurant Arpège kennen gelernt. Schon bald reifte die Idee, in Belfast ein feines Restaurant mit lockerer Atmosphäre zu eröffnen. Vor der romantischen Kulisse des Lagan wurden sie schnell fündig und eröffneten im Jahr 2013 das Ox.

"Our focus is on bringing you a top quality, memorable and affordable product that you will want to try again and again", erklärt der gebürtige Engländer Alain. "We enjoy working for our customers and believe everyone should be able to enjoy fantastic food and wine, something a little different, in a relaxed environment", ergänzt Stephen, der aus Belfast stammt.

Speisen im Ox

Zu lange haben die lokalen Produkte ein Schattendasein geführt, findet das Inhaberduo. In ihrem Ox erleben die Gäste, wie farbenfroh, schmackhaft und kreativ Beilagen angerichtet sein können, denn einen wichtigen Stellenwert nimmt auf der Speisekarte das Gemüse ein. Eine sorgfältig zusammengestellte Getränkekarte mit lokalen Erzeugnissen der Mikrobrauereien und spannenden Weinen von interessanten Winzerpersönlichkeiten rundet das Angebot ausgewählter Produkte ab.

Liebevoll dekoriert und schmackhaft zubereitet, überzeugt das Degustationsmenü durch die vielen Details. Zum Auftakt wird Jakobsmuschel mit Tomatenchutney und Stockfischpüree serviert.

Dazu wird ein fruchtig, weicher Macon Lugny 2012 gereicht. Schon bei den ersten Kostproben ist spürbar, dass das junge Team die Dramaturgie der Speisen sehr bewusst einsetzt. Der delikate Beginn lässt auf eine Steigerung vermuten. Tatsächlich folgt ein wunderbarer, blumiger Salat, der die Augen und den Gaumen entzückt. Begleitet wird er von einem frischen Grünen Veltliner 2013 vom Weingut Höpler. Heilbutt, Krabben, Meerfenchel, Romanesco und schwarze Oliven werden ausdrucksstark von einem Primitivo 2013, Terre di Montelusa aus Apulien, ergänzt. Französischer Einfluss lässt sich hinter der Komposition Chateaubriand mit Ochsenzunge, Schwarzkohl und geräucherte Kartoffel vermuten.

Nach dem einheimischen Käsequartett folgt zum edelsüßen Pacherenc du Vic Bilh, Les Larmes Célèstes du Château de Bouscassé das komplettierende Finale mit Polentatörtchen, Honig, Mascarpone, Aprikose und Pekanusskernen. Das Menü stellt sich tatsächlich als Hochgenuss heraus und hinterlässt eine nachhaltige Erinnerung.

Titanic in 62 Sekunden

In unmittelbarer Nähe des Flusses befindet sich der "Titanic Belfast"-Bau. In dem großartigen Museum erzählt eine multimediale Ausstellung kreativ und detailliert von der Vorgeschichte der Katastrophe. Auf unterhaltsame Weise ist etwas über die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der damals dynamisch aufstrebenden Stadt Belfast zu erfahren.

Die größte Attraktion des Museums führt in Gondeln durch eine fantastische Kulisse eines nachgebauten "Titanic"-Docks. Der Lärm der Bauarbeiten und der Gestank der Schweißarbeiten kann hautnah vernommen werden. Errichtet wurde das Gebäude fast genau dort, wo die "Titanic" und ihr Schwesterschiff "Olympic" vor mehr als 100 Jahren gebaut wurden. Eine historische Filmeinspielung zeigt den 62 Sekunden langen Stapellauf und als Tondokument den Jubel der zehntausend Zuschauer. Hinter einer Milchglasscheibe sind fröhlich feiernde Menschen in einem Pub zu erkennen. Es ist wieder einer dieser Gänsehaut-Momente, die so typisch und unmittelbar mit vielen irischen Impressionen verbunden sind.

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.oxbelfast.comwww.arcadiadeli.co.uk
www.barkingdogbelfast.com
www.mourneseafood.com
www.titanicbelfast.com

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 19/08/2016

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Autor

Carola Faber

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