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Mit Aston Martin am AMR Performance Center Nürburgring

Sebastian Vettel wirkt ein wenig erschöpft. Kein Wunder...

Schließlich hat er grade das Qualifying für den großen Preis von Monaco hinter sich gebracht und muss jetzt auch noch die Fragen einer Journalistenrunde beantworten, die auf Einladung seines neuen Arbeitgebers Aston Martin an diesem Rennwochenende im AMR Performance Center am Nürburgring zusammengekommen ist, das nur einen Steinwurf von der Rennstrecke entfernt liegt.

Brav beantwortet Sebastian also Fragen nach seinem Frühstück – Porridge mit Beeren – oder den Unterschieden in der Brand DNA zwischen seinem vorherigen Arbeitgeber Ferrari und den Gentleman-Racern von Aston Martin. Ein Vollprofi eben, nicht nur auf der Strecke. Allerdings findet das Interview leider nur per Zoom statt, denn der Formel 1 Pilot sitzt in diesem Moment natürlich im Aston Martin Team-Headquarter im sonnigen Monte Carlo, während uns in der wettertechnisch unberechenbaren Vulkaneifel den ganzen Tag schon ein eiskalter Wind um die Nase weht.

Doch ehrlich gesagt interessieren uns die Königsklasse des Motorsports oder die Frühstücksgewohnheiten ihrer Helden an diesem Wochenende nur am Rande. Schließlich hatten wir vor der Interviewschalte bereits den ganzen Samstag über Gelegenheit das komplette Straßenmodellportfolio der Briten auf Herz und Nieren zu testen. Auf den wenig befahrenen, kurvenreichen und auch landschaftlich attraktiven Strecken rund um den Nürburgring – Tempolimit freie Autobahnabschnitte inklusive - ein echtes Vergnügen.

Der Nürburgring: Mit Top Speed in der Eifel...
Der Nürburgring: Mit Top Speed in der Eifel...

 

Am Start sind unter anderem der DB11 AMR, der Vantage, mal als Roadster mal als Coupe, der über 700PS starke DBS Superleggera, ebenfalls als Coupe wie als Volante und natürlich Aston Martins jüngster Kassenschlager DBX. Ein SUV der Superlative, gegen das - zumindest die deutsche - Konkurrenz reichlich blas aussieht und welches den zuletzt etwas angeschlagenen Sportwagenhersteller aus Gaydon zurück auf die Erfolgsspur gebracht hat. Außerdem auf dem Programm: ein kurzer Helikopterrundflug über den legendären Berg- und Talkurs des Racetracks samt Nordschleife und ein Fahrsicherheitstraining mit Aston Martin Werksrennfahrer Darren Turner. Na dann.

Zuerst zieht es uns natürlich ins Cockpit des 550PS starken und rund 2,2 Tonnen schweren DBX, das einzige der aktuellen Aston Martin Modelle, mit dem wir vorher noch nie gefahren sind. Trotz erwartungsgemäß gewaltiger Dimensionen machen die unbändigen Powerreserven des V8-Aggregats eine Fahrt in diesem Ultraluxus-SUV mit herrlichen Lederdetails zum reinsten Vergnügen und anders als in den klassischen Aston Martin Rennern hat man im DBX auch jede Menge Platz – sei es für die eigenen Beine oder das Gepäck. Allerdings kostet der Einstieg in die Welt der High-End-SUVs Made in England auch rund 180.000 Euro. Nach oben gibt es dabei selbstredend (fast) kein Limit.

Mindestens 100.000 Euro mehr muss bereits investieren wer den DBS Superleggera - Nachfolger des Vanquish - sein Eigen nennen will, den wir uns als nächstes vornehmen. Einen stärkeren Seriensportwagen, den wir vor zwei Jahren schon einmal 4 Tage auf Herz und Nieren testen durften, haben die Briten bisher nicht auf den Asphalt geschickt. Und unser Fahreindruck von damals bestätig sich: für PS-Junkies ist der Wagen schlicht ein Traum. Zum Glück sind die Straßen rund um den Nürburgring weitgehend blitzerfrei – zumindest gibt es keine stationären Starenkästen.

Aston Martin in Reih und Glied...
Aston Martin in Reih und Glied...

 

Der im Navi vorprogrammierte Rundkurs führt auf rund 50 Kilometern hauptsächlich über teilweise recht enge Landstraßen mit serpentinenartigen Haarnadelkurven, auf denen sich der Superleggera auch bei vergleichsweise hohen Geschwindigkeiten spielend handeln lässt, ja auch bei etwas aggressiverem Fahrverhalten wie auf die Straße genagelt wirkt. Daran hat natürlich auch die hochentwickelte Software einen nicht unwesentlichen Anteil, was man spätestens merkt, wenn man die Traktionskontrolle manuell deaktiviert, was man als DBS-Novize allerdings tunlichst bleiben lassen sollte. Auf dem eingeschobenen Autobahnabschnitt kann man dann so richtig die Muskeln spielen lassen, auch wenn die Elektronik irgendwann jenseits der 300kmh-Schallmauer abregelt, denn natürlich gelten auch für einen Supersportwagen vom Schlage des DBS die Grenzen der Physik.

Vor der Mittagspause nehmen wir uns dann noch einen mattschwarz lackierten Vantage Roadster vor – die Einstiegsklasse in die Aston Martin Welt, der als Coupe bereits ab knapp 140.000 Euro zu haben ist. Allerdings muss sich auch der kleine Bruder des DBS und des DB11 nicht verstecken, denn seine 4-Liter-Maschine bringt es, je nach Konfiguration, ebenfalls locker auf über 500 Pferdestärken. Dabei reagiert der Vantage auf Lenkmanöver sehr direkt und das Heck tendiert bei allzu beherztem Beschleunigen gefühlt deutlich stärker zum Ausbrechen, als beim DBS oder DB11. Ein wenig wirkt der Vantage dabei wie ein ungestümer Teenager in der Pubertät, der manchmal vor lauter Kraft einfach nicht recht weiß wohin mit seiner Energie, während der DBS uns an einen abgeklärten Topathleten auf dem Höhepunkt seiner Karriere erinnert. Uns gefällt beides. Und auch dieses Schätzchen bringen wir am Ende der rund 1-stündigen Testfahrt ohne Blessuren zurück ins AMR Performance Center. Das gelingt an diesem Wochenende allerdings nicht allen Kollegen.

Der Vantage Roadster...
Der Vantage Roadster...

 

Bevor am nächsten Tag schließlich die Übertragung des Formel 1 Rennens in Monte Carlo auf dem Programm steht, haben wir noch Gelegenheit am Sonntagvormittag das schon erwähnte Fahrsicherheitstraining zu absolvieren, bei dem es vor allem darum geht, zu lernen, das Fahrzeug auch in kritischen Situationen unter Kontrolle zu behalten. Da schon ein wenig Respekt angezeigt ist, wenn man mit einem Sportwagen jenseits der 300.000 Euro Klasse auf eine rutschige Asphaltfläche samt spontan ausbrechenden Wasserhindernissen zufährt und wir deshalb zunächst entsprechend langsam anrollen, nimmt uns Darran Turner gleich aufs Korn und fragt, wo wir denn Miss Daisy gelassen hätten. Diese Anspielung auf den Filmklassiker mit Morgan Freeman, in dem der Chauffeur Hoke seine Klientin meist reichlich gemächlich in einem Hudson durch die Straßen kutschiert, lassen wir natürlich nicht auf uns sitzen und treten beim nächsten Anlauf deutlich kräftiger aufs Gaspedal, was der Superleggera mit einem martialischen Brüllen quittiert.

Tatsächlich lässt sich der Wagen mit beherztem Gegensteuern und ein wenig Drift dann aber auch fast problemlos wieder einfangen. Trotzdem bin ich persönlich am Ende des Vormittags, der insgesamt 5 Übungen umfasst, schweißgebadet. Vor allem nach der Übung mit der Rüttelplatte, die dem Wagen beim Überfahren einen heftigen Schlag versetzt und das Heck sofort massiv ausbrechen lässt. Diesmal sitze ich am Steuer des DBX und trotz 5 oder mehr Versuchen gelingt es mir kein einziges Mal den Wagen wieder in die Spur zu bringen. Im Gegenteil. Jedesmal drehe ich mich mindestens zwei oder dreimal um die eigene Achse, bevor das zwei Tonnen schwere Geschoss zum Stehen kommt, während mein Beifahrer schon langsam grün im Gesicht wird und sich entscheidet eine spontane Rauchpause einzulegen. Gott sei Dank ist es mittlerweile aber auch schon wieder Zeit zum Mittagessen. Doch bevor um 15 Uhr schließlich das Rennen startet, juckt es mir doch schon wieder in den Fingern und ich fahre mit dem Vantage nochmal raus. In den drei Kreiseln vor der Haupttribüne des Nürburgrings ist mittlerweile einiges los und am Straßenrand stehen unzählige Spotter mit gezücktem Handy. Als ich schließlich ins Performancecenter zurückkomme, dreht auch Sebastian Vettel schon längst seine Runden durch Monte Carlo und landet am Ende mit seinem Aston Martin auf einem hervorragenden 5 Platz.

Fotos: Aston Martin/ Philipp Löhmann

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Autor

Thomas Hauer

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