Schloss Kliczków: Grüne Enklave Niederschlesien

Für ein Schlosshotel mit großen Ambitionen ist seine Lage überaus entscheidend. Im Fall von Schloss Kliczków, einst Klitschdorf, ist diese mehr als günstig ausgefallen, nahezu perfekt...

Diese geheimnisvoll grüne Enklave liegt nur 12 km sind es von der niederschlesischen 40.000-Einwohnerstadt Bolesławiec, dem einstigen Bunzlau entfernt, das für die seit dem 16. Jahrhundert bekannte Bunzlauer Keramik berühmt ist und diese Tradition im örtlichen Keramikmuseum ehrt. Aber natürlich führt auch der Schlossladen im Zamek Kliczków eine kleine Auswahl an Bunzlauer Keramik. Noch dazu gut für Schloss Klitschdorf: Südlich passiert die Autobahn A 4 von und nach Görlitz bzw. Dresden dies Gebiet, während östlich die A 18 mit Forst, Cottbus und Berlin verbindet. Nach Görlitz sind es gerade 50, nach Dresden 150 Kilometer.

Und Reisende von und nach Wroclaw (Breslau) benötigen auch nur 100 Kilometer Wegstrecke. Klitschdorf/Kliczków selbst liegt nahe Osiecznica (deutsch: Wehrau), und auch der Ortsname Kliczków, abgeleitet vom polnischen Wort „klucz” (Schlüssel), verweist auf die besondere Lage. Denn hier, in dieser auch militärgeographisch exponierten Schlüssellage, errichtete schon im Jahr 1297 Bolkos I. von Schweidnitz eine erste Grenz-Wehrburg. 1391 übernahm dann die Adelsfamilie von Rechenberg den Besitz, den es über drei Jahrhunderte behielt. In ihre Zeit fällt der Bau des heutigen Hauptgebäudes des Schlosses, das ab 1585 im Renaissance-Stil entstand.

Nach mehreren Besitzerwechseln kam Schloss Klitschdorf dann 1767 in den Besitz von Graf Hans Christian zu Solms-Baruth. Die zu Solms-Baruth sollten es bis 1944 behalten. Da wurde Friedrich Hermann zu Solms-Baruth, er hatte das Schloss 1920 geerbt, nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 von den Nazis verhaftet, der Besitz beschlagnahmt. Der Grund: Solms-Baruth war im Widerstand des Kreisauer Kreises engagiert.

Schloss Kliczków.
Schloss Kliczków.

 

Für ein Schlosshotel mit großen Ambitionen braucht es auch engagierte Besitzer. Dies war nach 1945 erst einmal nicht gegeben. Nach Plünderung und einem Brand diente das Schloss der lokalen Forstbehörde und ging 1971 an die Technische Hochschule Wroclaw (Breslau). Doch erst eine Firma aus Breslau konnte dann später das Gemäuer mit hohem Aufwand retten: Von 1990 bis 1999 wurde das Schloss mit Millionenaufwand restauriert und öffnet seither höchst erfolgreich als Hotel, Konferenz- und Freizeitzentrum. Gäste müssen in diesem historischen Ambiente auf nichts verzichten: Das Schlosshotel verbindet heute Tradition mit Moderne und wartet mit dem Thalgo-Spa-Zentrum auf, besitzt Indoor-Pool, Sauna, Fitnessstudio, Tennisplätze, bietet Reitkurse in der Reitschule des Fürstlichen Pferdestalls mit Reithalle, Reitausflüge samt Geländeritten und Kutschfahrten. Sogar ein Fahrradverleih ist eingerichtet. Und Kajakfahrten wie Ponton-Rafting auf dem durch die dichten niederschlesischen Wälder mäandernden Fluss Kwisa (deutsch: Queis).

Einmalig ist der im neogotischen Stil erbaute Theatersaal. Ab 1881 bauten die Berliner Architekten Heinrich Kayser und Karl von Großheim Klitschdorf in großem Maßstab aus und wählten dazu Stilmittel der Neorenaissance und des französischen Manierismus. Schon ein Jahr zuvor hatte Eduard Petzold den 80 ha großen englischen Landschaftsgarten angelegt, in dem man heute Ruhe und Entspannung und das Witwenschloss von 1880 findet. Es diente auch als Sommerhaus.

Der Theatersaal im Schloss.
Der Theatersaal im Schloss.

 

Ein Schlosshotel mit großen Ambitionen benötigt natürlich auch ein Alleinstellungsmerkmal! Kein Problem, denn Schloss Klitschdorf besitzt den wohl einzigen Pferdefriedhof Polens. Denn Pferde haben in der Schlossgeschichte stets eine außerordentliche Rolle gespielt. Und Graf Friedrich zu Solms-Baruth war als Besitzer eines Reitsportstalls besonders engagiert. Den Friedhof für seine Lieblingspferde und Jagdhunde ließ er schon bei den Umbauarbeiten des Schlossparks durch Eduard Petzold anlegen.

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Reitsportstall weltweit höchst erfolgreich. Es feierte Siege auf den Rennbahnen in Paris, Berlin und New York. Star unter den Rennpferden war wohl die Stute „Juno“, deren Grabstein von 1938 stammt. In den 1950er Jahren gab es hier noch über ein Dutzend dieser Grabsteine, heute sind es noch zwei. Doch vor kurzem wurde ein dritter Grabstein wieder freigelegt. Schließlich: Dank des Schlossparks gehört Schloss Klitschdorf, das natürlich auch an der Route der Burgen und Schlösser liegt, schon seit 2006 zum Gartenkulturpfad beiderseits der Neiße.

Das Allerwichtigste für ein Schlosshotel mit großen Ambitionen ist aber natürlich die Schlossküche. Gut daher auch, dass das Zamek Kliczków dank des Schlossrestaurants Boletus schon lange an der kulinarische Route Smaki Dolnego Śląska (deutsch: der Geschmäcker Niederschlesiens) liegt. Boletus-Küchenchef Mariusz Kucharczak setzt dabei ganz auf die traditionelle polnische Küche und lokale Rezepte, deren zutaten die nahen niederschlesischen Wälder, der Fluss Kwisa (Queis) und die Gewässer ringsum liefern. So ergibt sich der saisonal ausgerichtete regionale Charakter der Schlossküche von selbst. Und so ließ das Zertifikat des Europäischen Netzwerks für regionales kulinarisches Erbe der Europäischen Union nicht lange auf sich warten.

Geschmäcker Niederschlesiens...
Geschmäcker Niederschlesiens...

 

Und auch Slow Food schätzt die Speisen im Boletus. Auf der Speisekarte findet sich im Herbst etwa die doppelt ausgezeichnete Hasenpastete mit Kastanien und dunkler Schokolade (33 Zloty) oder als Vorspeisenhit Hirschtartar mit eingelegtem Gemüse, eingelegtem Kürbis und Wachtelei (41 Zloty). Bei den Suppengerichten sind die Kürbiscreme mit Gänsefleisch und Pfefferöl (21 Zloty) und die Schloss-Sauerteigsuppe, die berühmte polnische Zurek, mit Steinpilzen und Ei (16 Zloty) Favoriten. Die Qual der Wahl hat man bei den Hauptgerichten. Hit ist natürlich die Lammkeule (420 g!!!) mit junger Meerrettichsauce, Kartoffelpüree mit französischem Senf und gegrilltem Paprika (74 Zloty). Aber auch Schweinefilet, Entenkeule oder Zander gefallen.

Die große Empfehlung sind schließlich die Piroggen mit Wild und Speckgrieben (29 Zloty). Und unter den Desserts dürfen es Ungarische Pflaumen, gebacken unter Vanille-Zabaglione mit Streusel, in Karamell gekochte Birne mit Honigkäse und Sonnenblumenkernen oder Schoko-Tarte mit Kirschmarmelade und saurer Sahne sein (je 18 Zloty). Natürlich gibt es jederzeit Bier vom Fass. Es darf aber auch der Hauswein Chateau Kliczków sein. Reich ist das Angebot an Wodka, Cocktails und Short Drinks. Keine Frage: Schloss Kliczków erfüllt die Ambitionen.

Information:
Polnisches Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel 
Zamek Kliczków (Schloss Klitschdorf), www.kliczkow.com.pl/kliczkow/de/zuhause ; Schlossführungen: Di – Fr 11.00 – 16.00 Uhr, Sa, So 12.30, 13.30, 15.00, 16.30 Uhr; in polnischer Sprache 15 Zloty, auf Englisch oder Deutsch 20 Zloty; Führung nach Einbruch der Dunkelheit mit Besuch geheimnisvoller Burgkammern: 40 Zloty
Hotel Zamek Kliczków: 89 Zimmer (219 Betten), vom Doppelzimmer (ab 349 Zloty pro Nacht) bis zum kaiserlichen Apartment (1499 Zloty pro Nacht); mit Restaurant Boletus, Thalgo-Spa-Zentrum (dienstags 30 Prozent Rabatt!), Indoor-Pool, Sauna, Fitnessstudio, Tennisplätzen, Reiten (Fürstlicher Pferdestall, Reitschule, Reithalle, Geländeritte, Dressurturniere, Country Picknicks, Kutschfahrten), Fahrradverleih, Kajakfahrten und Ponton-Rafting

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 22/12/2020

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