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Ein Streifzug durch Szczecin (Teil 2)

Szczecin kann aber natürlich noch mit weit mehr aufwarten. Zum Beispiel mit Stoewer!

Denn im alten Straßenbahndepot von 1897 zeigt heute das Museum für Technik und Kommunikation historische Exemplare der einst berühmten Luxusautomobilmarke Stoewer. Stoewer zog 1896 nach Stettin, wurde aber schon 1858 als feinmechanische Reparaturwerkstatt gegründet, baute anfangs Näh- und Schreibmaschinen sowie auch Fahrräder. 1899 übernahmen die Söhne Stoewer den Betrieb und setzen als Pioniere des Autobaus auf Motorfahrzeuge. Schon im ersten Jahr gab es Fahrzeuge mit luftgekühlten Motoren und sogar Elektroantrieb. Es folgten Benziner und Diesel-PKW, auch LKWs, Taxis, Sportwagen, gar Traktoren.

Ursprünglich besaß das Museum nur einen der legendären Stoewer V 5 aus dem Jahr 1932. Nun aber besitzt das Museum auch die einst größte private Sammlung an Stoewer-Modellen weltweit. Sie wurde von Manfred Bauer aus Wald-Michelbach erworben. 3 Mio. Zloty legte man für 1022 Exponate auf den Tisch, darunter sechs außerordentlich gepflegte Automodelle mit den berühmten Kühlerfiguren des Stettiner Greifen, etwa den Stoewer C-2 von 1913, den Stoewer C-8 von 1928 und eine Stoewer V5-Cabrio-Limousine von 1931, dazu acht Fahrräder, 34 Schreib-, 54 Nähmaschinen und hunderte kleinere Exponate, Plaketten, Plakate und historische Fotos. Diese Sammlung wurde im November 2019 für alle zugänglich.

Schade nun, dass mit dem Coronajahr 2020 die außerordentliche Arbeit der Museumsmitarbeiter ein wenig in den Schatten getreten ist. Denn man hat dank der Stoewer-Automobile die gesamte Ausstellung neu konzipiert und umgestellt. So stehen nun direkt am Eingang zwar sogar komplett fahrbereite Stoewer-Limousinen der Extraklasse: ein wunderbarer schwarzweißer Stoewer Sedina und ein herrlicher blauschwarzer Stoewer Arkona, beide aus dem Jahrgang 1939! Natürlich sind auch historische Straßenbahnen zu bewundern.

Stoewer... formschön!
Stoewer... formschön!

 

Spannender sind aber alte polnische Automodelle, die teils sogar in Szczecin gefertigt wurden. Quasi ein direkter Kontrapunkt zum Stoewer-Luxus ist der Kleinwagen "Mikrus" aus dem Jahr 1958. Nur 1700 Exemplare wurden von ihm hergestellt, bereits 1960 die Produktion beendet. Ein echter Hingucker ist auch das Nachkriegsmodell "Smyk" ("Knirps") von 1957, ein der BMW Isetta nicht unähnliches Mini-Auto mit Fronteinstieg. Das ausgestellte Exemplar ist von 1959. Direkt in den alten Stoewer-Hallen gefertigt wurde hingegen schon ab 1957 "Szczecins Sehnsucht", das legendäre schwere Motorrad Junak M07 mit 349 cm² Hubraum, auch in der Seitenwagenversion. Das ausgestellte Modell ist von 1958.

Die Motorräder der Marke Junak sind ein Stolz der Sammlung, gelten sie doch als Polens Harley Davidsons. So ist auch das nie in Serie gebaute Nachfolgemodell der Junak MI 4 "Iskra" von 1964 zu sehen. Herrlich sind auch weitere historische polnische Fahrzeuge, etwa die Automodelle der Firma Syrena (Meerjungfrau), die einst witzige Spitznamen wie "Hühnerfänger", "Socke", "Prinzessin", "Großmütterchen", "Heulsuse", "Gaul", "Randsteinkönigin" oder gar "Rauchosaurier" besaßen. Liebevoll umgetauft wurden auch das WFM-Motorrad ("Onkel Franks Maschine"), der Jelcz-Autobus ("Gurke") oder die GT6-Straßenbahn ("Helmut"). In der Sammlung ist auch ein "Maluch" (deutsch: "Der Kleine"), ein Offroader auf Gummiketten, der 1979/80 zur Beobachtung von Stromleitungen eingesetzt wurde.

Museum für Technik und Kommunikation: Eine Reise durch die Zeit...
Museum für Technik und Kommunikation: Eine Reise durch die Zeit...

 

Und natürlich darf auch ein Polski-Fiat nicht fehlen. Sogar ein Milizfahrzeug, in den 1950er Jahren in der Sowjetunion nach Vorbild amerikanischer PKW aus den 1930er Jahren gefertigt, ist zu bestaunen. Dann folgt die grandiose Stoewer-Sammlung. Einst warb die Firma im englischen Sprachraum mit dem Werbespruch "The dawn of satisfaction". Die Vier- und Achtzylinder besaßen den Ruf der Perfektion. Im strahlenden Glanz der perfekt restaurierten Limousinen können die ausgestellten alten Schreib- und Nähmaschinen natürlich nicht ganz mithalten, geben aber einen schönen Überblick über die Produkte der Firmengeschichte.

Den eher unfreiwilligen Clou kann man dann auf dem Hof vor dem Museum entdecken. Dort stehen zwei Stahl-Monstren: Da ist einmal ein BRDM-2, den das Begleitschild als "gepanzerter Wagen für die Armen" vorstellt. Welch ein wunderbarer Witz des Druckfehlerteufels! Gemeint ist natürlich ein Panzer für die Armeen dieser Welt. Gebaut wurde er in der Sowjetunion ab 1963, dies Modell ist von 1987. Neben ihm steht eine weniger martialische Version für die Miliz: Ein BTR-60 mit der Zusatzerklärung "Als die Polizei noch Maschinengewehre hatte". Auch dieser Panzer wurde ab 1963 in der Sowjetunion gebaut, das Modell ist von 1983. Es wurde von der "Bürgermiliz" in Wroclaw (Breslau) eingesetzt und gelangte in den 1990er Jahren aus der Woiwodschaft Opole (Oppeln) hierher.

Panzerfahrzeug in der Ausstellung...
Panzerfahrzeug in der Ausstellung...

 

Ein Besuch Szczecins wäre nicht komplett ohne den Besuch der Oderpromenaden auf der Insel Lasztwonia (Lastadie), von wo ab Marina auch Hafenrundfahrten und sogar Ausflüge in stille Winkel des Naturparadieses Oderhaff starten. Sehr zu empfehlen ist das im dortigen alten Schlachthof eröffnete Restaurant "Stara Rzeźnia", wo man neben Topgerichten wie Gänsebraten auch "Stettiner Paprika" und leckere Weine des Pommern-Weingutes Turnau serviert.

Information:
Polnisches Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel 
Regionale Tourismusorganisation Westpommern/Pomorze Zachodnie ZROT (Zachodniopomorska Regionalna Organizacja Turystyczna ZROT), www.zrot.pl
Centrum Informacji Turystycznej Szczecin (Tourismuszentrale Stettin), www.szczecin.eu 

Museen/Attraktionen:
Muzeum Techniki i Komunikacji (Museum für Technik und Kommunikation), www.muzeumtechniki.eu 

Essen und Trinken:
Rest. "Stara Rzeźnia", https://rzeznia.com.pl/;

Übernachten:
Novotel Szczecin Centrum, https://all.accor.com/hotel/3367/index.de.shtml

Fotos: Ellen Spielmann

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Zuletzt bearbeitet am 17/12/2020

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