Schätze Apuliens: Von Conversano nach Bari, Bitonto und Barletta (Teil 4)

Dass Barletta früher viel bedeutender war als das heute übermächtige Bari, schmerzt die 94.000 Bewohner der nördlich Bari liegenden Hafenstadt bis heute...

Ein Beweis dieser Stellung ist bis heute das gewaltige Hafenkastell Barletta, das Castello di Barletta. Sein Hauptzugangstor ist nur auf einer Steinbrücke über einen tiefen Wallgraben erreichbar. Eine erste Burg entstand 1046 bis 1050 und dann bis 1054 unter dem Normannen Fürst Piero il Normanno.

1154 kam dann Wilhelm von Sizilien, genannt "Der Böse" (Il Malo) an die Macht und erweiterte die Burg 1156 bis 1162. 1172 übernachtete sein Sohn Wilhelm II. von Sizilien, genannt "Der Gute" (Il Buono), in der Burg und beschenkte Barletta mit viel Geld. Von 1194 bis 1266 regierte dann hier die deutsche Staufer-Dynastie. Kaiser Friedrich II. (1194 - 1250) wohnte 1229 hier nach dem sechsten Kreuzzug von 1228, der ihn ohne Kampf zum König von Jerusalem gemacht hatte.

Am 24. Mai 1915 attackierte und beschoss das österreichische Schlachtschiff "Helgoland" Barletta und die Burg von Barletta. Und im September 1943 war die Burg von Opponenten der deutschen Truppen besetzt. Welche Schätze Barletta einst barg, beweist im Stadtmuseum z. B. die Grabplatte der Familie Protomagistro (Kalkstein, 14. Jahrhundert); Die Inschrift in gotischer Schrift besagt: "(Dieses Grab) gehört Meister Andrea Protomagistro und seinen Nachfahren." Ebenso bedeutsam sind drei Grabplatten, die einen Meister des Ordens der Tempelritter (links) und zwei Platten mit Mönchen zeigen; Die Grabplatte zur Linken ist Simone da Quincey, Meister des Templerhauses und der Militia gewidmet.

Templer- und Johanniterorden

Die Platte zeigt zudem das Wappen des Templerordens und wurde in (Barlettas) Kirche San Leonardo, einst Prioratskirche des Ordens der Tempelritter, gefunden. Die mittlere zentrale Grabplatte ist aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Sie wurde in der Kirche San Leonardo gefunden, die einst die Ordenskirche des Ordens der Templer war und nun zerstört ist. Die Grabplatte zur Rechten ist dem Mönchsbruder Wilhelm gewidmet, der am 15. August 1306 starb. Die Platte ist aus dem Priorat des Johanniterordens, das im 14. Jahrhundert zerstört wurde.

Freskenschmuck im Treppenhaus des Palazzo della Marra.
Freskenschmuck im Treppenhaus des Palazzo della Marra.

 

Bedeutendstes Exponat im Stadtmuseum ist aber die Büste des Stauferkaisers Friedrich II. Die in Canosa entdeckte Büste wurde 1953 als Darstellung des Stauferkaisers Friedrich II. identifiziert. Grund war die Inschrift DIVI ... (FRI) CAE. Andere Wissenschaftler favorisieren hier aber eher eine antike römische Büste. Großartig ist dann der Blick von der Burg auf den Hafen von Barletta mit Leuchtturm. Landeinwärts breitet sich die Altstadt von Barletta aus, insbesondere die engen Gassen des historischen Hafenviertels Santa Maria sind ein Ereignis. Direkt am Zugang zu ihm ragt die Kathedrale von Barletta auf. Aber vor dem Besuch sollte man sich erst einmal in einem der zig Lokale an der Hafenburg mit apulischen Leckereien verwöhnen lassen. Es lohnt, vor allem die Fischspezialitäten!

Die gotische, nach 1313 erbaute Apsis der romanischen Basilica Concattedrale di Santa Maria Maggiore, sieht man schon von der Burg. Conte Giovanni Pipino da Barletta und eine adlige Frau aus Barletta wollten sie damals unbedingt haben. Die Kathedrale steht auf archäologisch intensiv untersuchtem Untergrund. Es gibt hier Gräber, die ins 4. und 3. Jh. v. Chr. zurückdatieren. Die Unterkirche wartet mit antiken römischen Mosaiken in vorchristlichen Strukturen auf.

Ein Spaziergang durch die Altstadt

Der Spaziergang durch Barlettas Altstadt führt unweigerlich zu einem besonderen Monument. Es ist das Denkmal zur Erinnerung an das sog. Duell von Barletta, italienisch die "Disfida di Barletta". 1930 errichtet und 2005 restauriert, erinnert es an jenes Duell, das nahe Barletta am 13. Februar 1503 auf dem Land zwischen den Städten Trani, Corato und Andria stattfand. Die heftige Auseinandersetzung war ein Duell zwischen 13 italienischen Rittern und 13 französischen Rittern. Die Italiener unter Führung von Ettore Fieramosca gewannen den Kampf, was sie beinahe unsterblich machte.

Die Gewinner erhielten übrigens damals einen bedeutenden Schatz an Waffen und Pferden und ein Lösegeld von 100 Dukaten pro Ritter. Der italienische Autor Massimo D`Azeglio schrieb 1833 den historischen Roman "Ettore Fieramosca" und schuf so einen Bestseller. Schön aber auch, dass direkt hinter dem Denkmal 2015 eine Mikrobrauerei mit dem deutschen Namen "Friedrich II. Brauerei" eröffnete. Das Leben geht also weiter.

Und noch schöner ist, dass 200 Meter weiter sich der dekorierte Eingang zum Palazzo della Marra öffnet, wo sich seit 2007 die Pinacoteca de Nittis (Gemäldegalerie de Nittis) befindet. Der Renaissance-Palast aus dem 16. Jahrhundert wurde anfangs von der Adelsfamilie der Orsini, dann von der aristokratischen Familie Della Mara und dann ab 1700 von der Familie Fraggianni bewohnt. Seit 1958 ist er in staatlichem Besitz. Die Pinacoteca de Nittis zeigt nun das Werk des in Barletta geborenen Künstlers und Malers Giuseppe Gaetano De Nittis, der vor allem in Paris reüssierte.

Koloss von Barletta.
Koloss von Barletta.

 

Den Höhepunkt in Barletta, von wo aus einst riesige Kreuzfahrt-Unternehmungen in See stachen, findet sich dann aber an der um 1130 erbauten Basilica del Santa Sepolcro, der dem Heiligen Grab in Jerusalem geweihten Basilika: Hier steht der Koloss von Barletta. Legendär wurde diese meterhohe Bronzestatue kurz nach 1204 im Hafen von Barletta gefunden, als Kreuzfahrer auf dem vierten Kreuzzug Konstantinopel geplündert hatten.

Wahrscheinlich stammt diese Statue aus dem fünften Jahrhundert n. Chr. und zeigt einen späten oströmischen Kaiser, sehr wahrscheinlich Kaiser Teodosius II. Und wahrscheinlich wurde sie 439 n. Chr. von Kaiser Valentinian III. in Ravenna aufgestellt. Früher dachte man, die Statue zeige Kaiser Heraklius. Bewohner Barlettas nannten sie daher "Eraclio".

Der Bronzekoloss steht hier übrigens durchaus goldrichtig. Denn die Kirche hinter ihm wurde an einer bedeutenden Kreuzung erbaut, wo sich Pilger auf dem ins Heilige Land trafen und die Kirche ein Pilgerhospiz unterhielt. Die Pilger verließen Barletta, und nun sind es die Touristen, die nach Bewunderung des Koloss Barlettas herausragende Gastronomie mit kolossalem Appetit überziehen.

Fotos: Ellen Spielmann

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Zuletzt bearbeitet am 06/12/2020

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