Schätze Apuliens: Von Conversano nach Bari, Bitonto und Barletta (Teil 3)

23 km nordwestlich von Bari und nur zwei Bahnstationen von Ruvo di Puglia entfernt erhebt sich ein weiteres, touristisch kaum bemerktes Kleinod Apuliens...

Es ist die 55.000 Einwohner zählende Stadt Bitonto, schon in der römischen Antike als Butuntum bzw. Botuntum bekannt. Eigentlich ist hier nie etwas Besonderes passiert, außer im Jahr 1734, als sich hier Österreicher und Bourbonen eine Schlacht lieferten. Ansonsten dominiert ländliches Leben mit idyllischem Oliven- und Weinanbau. Sehr stolz sind die Stadtbewohner dennoch auf ihren Ort, der wohl schon im 6. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Kolonisten gegründet wurde.

Und einen Nikolaus wissen sie auch in ihren Stadtmauern, sogar einen Nikolaus von Bari. Aber der war ein Abt des 13. Jahrhunderts, wurde berühmt durch eine Lobrede auf das Staunen der Welt, Stauferkaiser Friedrich den II., und ließ 1229 noch zu Lebzeiten des Kaisers eine Marmorinschrift an der der berühmten Kanzel der Kathedrale von Bitonto anbringen, die angeblich nochmals und bis heute auf diese Lobrede und sein Wirken verweist.

Bitontos Altstadt betritt man am besten durch die zehn Gehminuten vom Bahnhof entfernte Porta Baresana, das einstige Stadttor nach und von Bari aus dem 16. Jahrhundert; Dies Stadttor ist nur eines von einst fünf Stadttoren von Bitonto. Bitontos Stadtmauer besaß ursprünglich nur vier Stadttore, inklusive eines früheren Tores an dieser Stelle, und wurde im 11. und 12. Jahrhundert errichtet. Aber es gab hier am Ort der Porta Baresana schon in antiker römischer Zeit ein weiteres Stadttor. Dies Stadttor wurde im 16. Jh. daher neu errichtet und im 17. Jh. restauriert. Die Uhr am Tor wurde im 19. Jh. hinzuzugefügt. Auf seiner Spitze steht eine Statue der Madonna Immacolata (Madonna der unbefleckten Empfängnis).

Statue der Madonna Immacolata.
Statue der Madonna Immacolata.

 

Im Rücken des Stadttors, also noch außerhalb der Altstadt, steht das Denkmal für den Poeten Tommaso Traetta, das hier 1957 aufgestellt wurde. Geht man durchs Bari-Tor, ragt linkerhand sogleich der Torrione angioino, der Anjou-Rundturm der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert auf. Gegenüber ragt die prächtige Loggia des Palazzo Sylo-Calo auf, der seit 2004 eine Nationalgalerie für moderne Kunst beherbergt. Hier wird die Sammlung des aus Bitonto stammenden Ehepaars Girolamo und Rosaria De Vanna gezeigt, das seine Sammlung, 229 Gemälde und 106 Zeichnungen des 16. Bis 20. Jahrhunderts, hierher vergab. Der Besuch sollte ein Muss sein. Denn allein schon die Madonna mit Kind des "Maestro di Barletta", datiert auf 1520 bis 1530, ist sehenswert.

Auf dem Kathedralenplatz, an dem zahlreiche sehr gute Bars und Restaurants öffnen und Flair verbreiten, fällt erst einmal der mächtige Obelisk "Guglia dell`Immacolata" auf. "Guglia" steht für "Gloria" bzw. Glorie der Unbefleckten Empfängnis. Und folgerichtig wird die mächtige Säule von der Bronzestatue der Madonna gekrönt. Dann geht es aber auch schon zur im Stil der Romanik erbauten Kathedrale San Valentino von Bitonto. Diese katholische Kathedrale von Bitonto wurde 1087 bis 1095 erbaut und offiziell im Jahr 1114 eingeweiht. Modell war natürlich die Basilika San Nicola in Bari. Allein schon die Hauptfassade mit dem verzierten Hauptportal ist ein Ereignis.

Kathedrale San Valentino.
Kathedrale San Valentino.

 

Im Inneren erinnert die Inschrift von 1229 an der Kanzel, auch Ambo ("Tisch des Wortes ") genannt, an den Priester und Abt Nicola di Bari (Nikolaus von Bari). Der Ambo aus Marmor zeigt zudem auch ein einmaliges Relief an der Treppe, dass die vier Stauferherrscher Friedrich I. Barbarossa, Heinrich VI., Friedrich II. und seinen Sohn Konradin (Italienisch: Corrado) zeigt. Nikolaus von Bari wurde auch Magister Nikolaus genannt.

Und der Ambo zeigt auch einen Adler und Sklaven, eine weitere Verbeugung vor Friedrich II. und dem Kaiserreich. Sehr schön ist hier auch die Statue einer Madonna mit Strahlenkranz. Am berühmtesten in Bitontos Kathedrale ist allerdings das Greifen-Mosaik in der von 36 Säulen getragenen Krypta. Von ihr geht es sogar weiter in eine frühchristliche Vorläuferkirche aus dem 6. Jahrhundert. Archäologische Ausgrabungen in der Krypta brachten dann aber jenes Greifenmosaik aus dem 11. Jahrhundert zutage, das heute die Attraktion von Bitonto darstellt.

Fotos: Ellen Spielmann

Submit to FacebookSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 04/12/2020

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Letzte News

Letzte Artikel

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.