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Schätze Apuliens: Von Conversano nach Bari, Bitonto und Barletta (Teil 2)

Auch Bari lässt sich perfekt vom Bahnhof aus erkunden, der auch direkt mit Baris internationalem Flughafen "Karol Woytila" verbunden ist. Doch nicht der verstorbene Papst Johannes Paul II., sondern der heilige Nikolaus ist der wichtigste Protagonist vor Ort, und dies konfessionsübergreifend.

Dies beweist die Bronzestatue von "Sankt Nikolaus dem Taumaturgen", die 2003 vom russischen Bildhauer und Quasi-Staatskünstler Z. Tsereteli geschaffen wurde. Sie steht vor der einzigartigen Basilica di San Nicola, die schon 1087 bis 1197 erbaut wurde. Die Nikolausstatue wurde 2003 in Anwesenheit höchster Prominenz eingeweiht. Denn der russische Präsident Wladimir Putin enthüllte sie. Schließlich ist Nikolaus auch Nationalheilgier Russlands und der russisch-orthodoxen Kirche. Dass Bari etwas mit Nikolaus zu tun hat, ist womöglich jenen 62 Seeleuten aus Bari zu verdanken, die die sterblichen Überreste des Heiligen Nikolaus von seinem Begräbnisort Myra (heute Türkei) am 9. Mai 1087 nach Bari brachten. Sofort wurde mit dem Bau der Basilika begonnen, den der Abt der nahen Benediktinerabtei, Elias, organisierte. Denn berühmte Reliquien brachten damals viel Geld durch Pilger.

Später wurde Elias dann auch erster Erzbischof von Bari. Eine erste Kirche, heute die Krypta der Basilica di San Nicola mit einer orthodoxen Kapelle, wurde schon 1089 fertig. Im gleichen Jahr fand ihre Einweihung in Anwesenheit von Papst Urban II. statt. Die Arbeiten wurden bis 1106 und danach fortgesetzt. Die offizielle Einweihung der neuen romanischen Basilika fand erst 1197 in Anwesenheit des Kaiserlichen Vikars, Bischof Konrad von Hildesheim (auch: Reichskanzler Konrad von Querfurt), sowie weiteren Adligen, Bischöfen und kirchlichen Autoritäten statt. Die Krypta bewahrt bis heute das Reliquiengrab des Heiligen Nikolaus.

Das Teatro Petruzzelli.
Das Teatro Petruzzelli.

 

Natürlich hat Bari auch noch weitaus mehr zu bieten als den Nikolaus. Da ist erst einmal die prächtige Fußgängerzone, die sich vom Bahnhofsvorplatz mit Riesenbrunnen und Denkmal für Aldo Moro bis in den Altstadtbereich erstreckt. Viele Geschäfte und Restaurants locken hier, alle Weltmarken sind vertreten. Hauptaugenmerk verdient das historische Kaufhaus Mincuzzi, sozusagen Baris Pendant zum Berliner KaDeWe. Aus einer Seitenstraße lugt dann die grandiose dunkelrote Fassade des Teatro Petruzzelli, das 1898 bis 1903 erbaut und dann 1993 bis 1998 and weiter 2002 bis 2009 wiederaufgebaut wurde. Es ist das viertgrößte Theater und Opernhaus Italiens hinsichtlich der Sitzkapazität (früher 1460 Plätze, heute 1250 Plätze), wurde indes als Privattheater von der Familie Nemagna bis 1991 geführt, als es abbrannte.

Die Wiedereröffnung 2009 des seither staatlichen Theaters wurde mit Beethovens 9. Symphonie gefeiert. Die allererste Vorstellung am 14. Februar 1903 war da profaner: "Gli Ugonotti" ("Die Hugenotten") von Giacomo Meyerbeer. Die erste Opernaufführung im neuen Haus war übrigens Turandot von Puccini am 6. Dezember 2009.

Ein unbedingtes Muss ist auch Baris von historischen Palästen gesäumte Piazza Mercantile. Hier steht die sogenannte Säule der Justiz, eine "Schandsäule". Diese Colonna della Giustizia ist mit einem Steinlöwen geschmückt, der römischen Ursprungs ist (1. Jahrhundert v. Chr. bis 1. Jahrhundert n. Chr.). Der Ursprung der Säule ist unsicher. Eine Theorie datiert sie auf die Mitte des 15. Jahrhunderts und den spanischen Vizekönig Pietro di Toledo, eine andere datiert sie auf ca. 1000 n. Chr.: Damals befreiten die Venezianer das Gebiet von Bari von den Sarazenen. Eine Inschrift benennt die Säule als "Custos Iustitiae" (Hüter oder Führer der Justiz).

An der Säule wurden Menschen mit Schulden oder bankrotte Menschen eine Zeitlang fixiert. Lokal wird die Säule daher auch "colonna infame", "ungeheuerliche" Säule genannt. Viel gemütlicher geht es dann wenige Schritte weiter in Baris bestem Café, der Caffé/Bar/Gelateria Martinucci zu. Hier sollte man pausieren und sich die Köstlichkeiten Baris an den Tisch zaubern lassen.

Der Hafen von Bari.
Der Hafen von Bari.

 

Weiter in Richtung altem Hafen von Bari entdeckt man die rückwärtige Front, die Apsis der mittelalterlichen Kirche Vallisa, italienisch Chiesa della Vallisa. Diese Kirche der Waldenser oder Walser, die hier auch Chiesa dei Ravellesi genannt wird, wurde 1957 bis 1962 restauriert. Die Gemeinschaft der Waldenser war für Bari schon seit dem 9. Jahrhundert verbürgt. Zudem schätzten diese Kirche auch die Kaufleute aus Amalfi, die Ravellesi genannt wurden. Nur Schritte von der Kirche findet sich dann ein freigelegtes Teilstück der antiken römischen Fernstraße Via Appia Traiana, die 108 und 109 n. Chr. erbaut wurde. Das freigelegte Areal zeigt die originale Pflasterung aus römischer Zeit, als die Straße die Städte Benevent (Benevento) und Brindisi verband.

Dass die Kaufleute von Amalfi hier verkehrten, liegt am nahen Alten Hafen von Bari. Hier findet Baris berühmter Fischmarkt schon seit 1840 statt. Erst einmal aber fällt am gegenüber liegenden Kai des Alten Hafens, italienisch "vecchio porto", der mächtige Bau des Teatro Margherita in den Blick. Von 1912 bis 1914 erbaut, wurde es 1980 bis 2018 restauriert; Ein erstes Theater aus Holz öffnete hier am 5. September 1910 als Varietá Margherita. Aber dieses Varietè-Theater brannte schon am 22. Juli 1911 ab.

Ein neues Theater im Liberty-Stil baute Architekt Francesco De Giglio von 1912 bis 1914 aus armiertem Beton. Es wurde Kursaal Margherita genannt und öffnete am 22. August 1914 erneut mit einem populären Varietè-Programm. Nach 1919 auch als Stadtgeschichtliches Museum Bari genutzt, blieb es Theater bis 1943, als die US-Army es als Garrison Theatre übernahm. Das 1946 als Teatro Margherita wiedereröffnete Haus wurde bis zum 20. Februar 1980 bespielt, als es wegen hoher Defizite schließen musste. Seit dem Dezember 2018 wird der Prachtbau nun als Ort des neuen Museums für zeitgenössische Kunst Bari, BAC genannt, wiedereröffnet. Doch es scheinen mehr Events als temporäre Ausstellungen stattzufinden.

Dann aber gehört die ganze Aufmerksamkeit dem Fischmarkt. Hier zeigen Fischer ihren frischen Tagesfang, am liebsten frischen Oktopus, und am allerliebsten, nachdem sie diesen "geschlagen" haben. Denn Baris Fischmarkt und der Alte Hafen sind weltberühmt für die "Battitura del polpo", das "Schlagen des Oktopus". Dieses Schlagen des frisch gefangenen Oktopus auf Stein geschieht, um ihn weicher zu machen und ihm einen besseren Geschmack zu geben. Und man kann den Fischern bei diesem spektakulären Handwerk über die kräftigen Schultern schauen. Der alte Hafen wird lokal auch "Nderr La`Lanz" genannt, was "Boote auf dem Trockenen/an Land" meint. Er befindet sich an der Piazza Ferrarese, die nach einem reichen Kaufmann aus Ferrara, Stefano Fabri oder Fabbro, benannt ist.

Schlagen des Oktopus.
Schlagen des Oktopus.

 

Ein Bari-Besuch wäre nicht komplett ohne das Castello Normanno-Svevo, die Normannisch-Stauferische Burg. Dies Kastell, auch Hohenstaufen-Burg bzw. Stauferburg genannt, wurde 1132 vom Normannenkönig Roger II. wahrscheinlich auf Resten einer antiken römischen Fortifikation errichtet. 1156 zerstörte sie König Wilhelm I. von Sizilien, 1233 baute Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen die Burg wieder auf und erweiterte sie. Die Legende will, dass er hier den Heiligen Franz von Assisi im Jahr 1221 traf. Aber das ist lange her, heute ist die Burg ein Museum.

Ein Muss in Bari ist auch die Kathedrale San Sabino, deren Fassade und Campanile (Glockenturm) im Altstadtgewirr auftauchen. Eine frühere bischöfliche Kirche wurde 1156 von Wilhelm I. von Sizilien zerstört. Ende des 12. Jahrhunderts gab Erzbischof Rainaldo den Bau der neuen Kathedrale in Auftrag, die am 4. Oktober 1292 eingeweiht wurde. Im 18. Jahrhundert wurde alles erneuert, inklusive der Fassade und der Trulla, die früher als Baptisterium und heute als Sakristei fungiert. Die Kathedrale ist ein schönes Beispiel für die Architektur der apulischen Romanik.

Die Krypta bewahrt die Reliquien des Heiligen Sabinus, Bischof von Canosa, die 844 kurzerhand nach Bari gebracht worden waren. Die Kanzel wurde 1955 mit Fragmenten aus dem 11. und 12. Jahrhundert erneuert. Das höchst berühmte Ziborium des Hauptaltars wurde anhand des Originals von Alfano da Termoli (1233) rekonstruiert.

Fotos: Ellen Spielmann

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Zuletzt bearbeitet am 24/11/2020

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