Schätze Apuliens: Von Conversano nach Bari, Bitonto und Barletta (Teil 1)

Herrlich sitzt man draußen an den Tischen der Caffeteria della Corte im 26000 Einwohner zählenden Conversano. Und ideal ist es, im Sonnenschein eine Granita di limone zu ordern oder gleich ein warmes Mittagsgericht zu ordern...

Doch alles ist hier, 30 Kilometer südlich von Bari und nur 200 Höhenmeter über dem Meer, an den ersten Hügeln der Murgia, weitaus älter. Allein die mächtige Kathedrale gleich gegenüber vom Café zeigt die historische Bedeutung dieses wunderbaren Städtchens. Das romanische Gotteshaus wurde 1379 fertiggestellt.

Linkerhand des Cafés ragt die barocke Toreinfahrt zum Kastell von Conversano auf. Rechterhand öffnet der Tabakladen, auf dem Kathedralenvorplatz, der Piazza Conciliazione spielen Kinder. Conversano ist ganz einfach von Bari aus zu erreichen. Man nimmt einfach Bahn oder Bus und gelangt zum mächtigen Uhrenturm des 1915 erbauten monumentalen Bahnhofs von Conversano – ideal für einen Tagesausflug! Denn Conversano lohnt, auch, weil nahebei in der agrarisch geprägten Landschaft mit zig Obsthainen auch noch viele der historischen Trulli zu entdecken sind.

Doch anders als in weltbekannten apulischen Alberobello überwiegt hier nicht der touristische Massenansturm, sondern das Alltagsleben der Bewohner. Die wohnen nicht selten noch in diesen historischen Landbauten oder nutzen diese doch zumindest als Wochenendhäuschen mit besonderem Flair. Conversano und die überraschendste der vielen Besucherziele, die man von Bari aus erreichen kann. Doch weitere überragende Schätze liegen nördlich von Bari. Bitonto und Barletta rufen!

Kurze Pause in der Caffeteria della Corte...
Kurze Pause in der Caffeteria della Corte...

 

Von der Straße am Monumentalbahnhof von Conversano steigt man erst einmal hinauf zur Statue des wichtigsten katholischen Heiligen Apuliens, Padre Pio: Sie ist über und über mit Rosenkränzen und Blumen von Gläubigen dekoriert und beweist die tiefe Frömmigkeit, die Conversano auch heute noch auszeichnet. Gleich dahinter erhebt sich die gewaltig, perfekt restaurierte normannisch-staufersche Burg von Conversano.

Allein schon ihr mächtiger zylindrischer Turm aus dem 14. Jahrhundert ist ein Hingucker. Die heute eher einer Zitadelle ähnelnde Burg datiert allerdings viel weiter, bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. und die griechisch-gotischen Kriege zurück. 1054 übernahm Goffredo D`Altavilla, Neffe des Normannen Robert Guiscard, die Burg als „comes Cupersani“, erster „Fürst“ von Conversano. Diese Burg wurde dann unter Robert II., Sohn des Normannen und englischen Königs Wilhelm der Eroberer, mächtig ausgebaut. Auch Stauferkaiser Friedrich II., das Staunen der Welt und als „Puer Apuliae“, „Sohn Apuliens“ literarisch gerühmt, befestigte die Burg weiter. Ende des 14. Jahrhunderts übernahm dann sogar das Adelshaus Luxemburg – es stellte einige Kaiser – die Burg und der zylindrische Turm wurde errichtet.

Doch man blieb nicht lange. Es übernahm die Adelsfamilie Acquaviva d`Aragona im Jahr 1455. 1710 ließ Fürstin Dorotea Acquaviva dann den neuen barocken Haupteingang zur Burg an der Piazza Conciliazione bauen, der nur Schritte von der Caffeteria della Corte entfernt steht. Den oberen Teil dieses Burgtors schmücken Krone und Wappen von Conversano. Auf dem Weg dorthin sollte man die Burg nahezu umrunden, vorher aber gegenüber von ihr auch dem schattigen Park der Villa Garibaldi die Aufwartung machen. Conversano besucht man, um durch die von hohen Häusern eingerahmten schmalen Gassen der Altstadt zu bewundern.

Das Kastell von Conversano...
Das Kastell von Conversano...

 

Und natürlich auch wegen der Kathedrale. Allein schon ihr Seitenportal mit der Golgatha-Szene in der Lünette ist den Ausflug wert. Tatsächlich wurde die romanische Kathedrale Basilica Minore Pontifica Santa Maria Assunta e San Flaviano (Päpstliche Basilica Minore der Heiligen Maria und des Heiligen Flavius) wurde schon Ende des 11. Jahrhunderts bis Anfang des 12. Jahrhunderts errichtet, aber erst 1358 bis 1379 in den heutigen Zustand renoviert. Weitere Restaurierungen fanden im 18. Jahrhundert, 1877 und nach einem Feuer 1911 statt. Auch das nächste Seitenportal mit der Figur des Petrus mit Kirche und Schlüssel in der Lünette ist ein Blickfang.

Dann erst folgt am kleinen Domplatz, wo die Häuser ringsum mächtig an den Dom heranrücken, die Hauptfassade mit Portal und ihrer Lünette, die die Muttergottes, Jesus als Kind sowie zwei Engeln zeigt. Dann geht es durch die engen Gassen von Conversano zum Campanile (Glockenturm) des Monastero di San Benedetto (Sankt Benedikt-Kloster): Legendär datiert das Kloster ebenfalls bis ins 6. Jahrhundert zurück. Seine erste offizielle Erwähnung war jedoch erst im 10. Jahrhundert. Im Jahr 1098 gewährte der erste Graf von Conversano, Goffredo, dem Kloster Finanz- und Steuerrechte.

Das war ein Fehler, denn 1110 brachte Papst Paschalis I. das Kloster unter direkte Herrschaft des Heiligen Stuhls. Im Jahr 1256 gab Papst Alexander IV. dem Kloster dann sogar juristische Rechte. Schließlich gelangte 1266 dank Papst Clemens IV. das Kloster an die Nonnen des Zisterzienserordens, die aus Griechenland unter der Führung einer gewissen Dameta Paleologa geflüchtet waren. Diese Dame machte das Kloster zum mächtigsten weit und breit – und parierte alle Attacken der Grafen von Conversano mit Bravour. Seither gilt ihr ein legendärer, allerdings auch nicht immer schmeichelhafter Ruf.

1658 erhielt das Kloster seinen monumentalen Eingang. Und Teile des Klosters bewahren auch die alte Stadtmauer aus dem 9. Jahrhundert. Dass der Kloster-Campanile höher ist als der der Kathedrale, war natürlich auch ein Zeichen des sagenhaften Durchsetzungswillens der Klosternonnen. Dann ist man auch schon mit der Altstadt durch, sucht die Pause im der Caffeteria della Corte oder macht einen Ausflug zu den Trulli.

Ausflug zu den Trulli.
Ausflug zu den Trulli.

 

Die meisten dieser restaurierten und teilzeitbewohnten Trullo-Häuser stammen aus dem 19. Jahrhundert. Ihr Markenzeichen ist jeweils die handgefertigte Sandsteinspitze in Kugelform. Leider werden diese Originalspitzen oft geklaut, die Nachfrage ist groß! Der Trullo, diese traditionelle, in Trockenbauweise und mit konischem Dach erbaute Rundhütte, wurde einst hauptsächlich von in der Landwirtschaft tätigen Arbeitern genutzt. Das goldene Zeitalter des Trullo-Gebäudes war von Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts. Die ursprüngliche Bezeichnung für eine solche Steinhütte war die Dialektbezeichnung "truddu". Erst in den 1930er Jahren, also unter Mussolini, wurde der Name "trullo", Plural "trulli", gebräuchlich.

Der große Erfolg der Trulli ist indes ein Steuerstreich! Dieser begab sich im 17. Jahrhundert, als Fürst Giangirolamo II Acquaviva d`Aragona solche Hütten in der Architekturform der Trockenbauweise für seine abhängigen Bauern errichten ließ, um eben diese Steuern zu sparen. Denn für echte Steinhäuser seiner Untertanen hätte er Steuergelder an den König abführen müssen. Die Trulli aber galten als beweglich, weil stets abbaubar und wieder aufbaubar. Übrigens: Seit 1996 sind die Trulli UNESCO-Weltkulturerbe!!!

Fotos: Ellen Spielmann

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