Heringsfresser in der Küche der Greifen (Teil 1)

Aufgeschlossen, grenzüberschreitend, innovativ, visionär, multikulturell, mehrsprachig: So präsentiert sich die boomende, mit Attraktionen prallgefüllte polnische Ostseemetropole Szczecin, früher Stettin, heute seinen begeisterten Besucher...

Und mit dem hoch ambitionierten Stadtentwicklungsprogramm "Floating Garden" soll bis 2050 die Erschließung der zahllosen Stettiner Inseln samt der einzigartigen Natur im großräumigen Oderhaff, vor allem aber die Entwicklung von Stadt und Umland zur Metropolregion mit einem Einzugsgebiet von einer Millionen Menschen geben!

Der Clou des Zukunftsprogramms ist indes, dass die Stadtgewaltigen schon im Titel allen die Hand reichen. Ob nun jemand lieber Szczecin oder eben Stettin besuchen möchte: Mit einem genialen Kniff dürfen sich alle angesprochen fühlen! Denn der Titel des Zukunftsprogramms führt den Stadtnamen lautmalerisch, heißt offiziell "?t??´t??in Floating Garden 2050". Dabei stellt das einleitende phonetische Kunstwort eine Symbiose aus polnischer wie deutscher Aussprache des Stadtnamen dar – die perfekte Form also, um Szczecin/Stettin heute als weltoffenen, liberalen Ort des Dialogs zu präsentieren.

Und wo, wenn nicht im Herzen der Altstadt, im restaurierten Schloss der Pommernherzöge, könnte eine Stadterkundung besser starten – noch dazu, wenn sich auch kulinarisch geradezu perfekt Brücken schlagen lassen...

Boleslaw Sobolewski.
Boleslaw Sobolewski.

 

Boleslaw "Bolek" Sobolewski ist so etwas wie der gute Geist und gleichzeitig der unumschränkte Herrscher im Schlossrestaurant "Na Kuncu Korytarza"! Diese "Küche der Greifen" wurde im Untergeschoß des alten Gefängnisturms des Schlosses eingerichtet und sich nach den Bauherren des ab 1309 erbauten Prachtbaus, den Pommernherzögen aus dem gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs ausgestorbenen Adelsgeschlecht der Greifen benannt, die Szczecin/Stettin damals zur Residenzstadt Pommerns erhoben.

Spannend noch ist die Kochkunst von Bolek Sobolewski. Längst gilt er als bester kulinarischer Botschafter der Stadt, hat mit Dariusz Staniewski sogar einen Kochbuchklassiker zur Lokal- und Regionalküche verfasst, das als "In der Küche der Greifen – Geschichten und Rezepte aus Pommern" auch auf Deutsch erschienen ist und zum Bestseller wurde (10 €). Folgerichtig präsentiert er im Restaurant polnisch-pommersche, aber auch deutsch-kontinentaleuropäische Gerichte – und wartet mit einem Bonmot auf: Danzig, so Bolek, sei das Kornhaus, Lübeck das Kaufhaus, Kiel das Weinhaus der Ostsee gewesen, Stettin aber das Fischhaus.

Kochbuchklassiker: In der Küche der Greifen – Geschichten und Rezepte aus Pommern.
Kochbuchklassiker: In der Küche der Greifen – Geschichten und Rezepte aus Pommern.

 

Und so haben die schwimmenden Meeresschätze einen besonderen Rang in seiner Küche, allen voran der Ostsee-Hering. Ihm zu Ehren hat er jenen Klub sledziozerców, den Klub der Heringsfresser gegründet, dessen Emblem wir schon beim Zutritt zum Turm als Hering mit knallrotem Knutschmund entdecken konnten.

Zudem zeigte eine fein säuberlich gemalte Gräte im Restaurantkorridor an, dass hier nicht nur Klubleben zelebriert, sondern vor allem auch gegessen wird. Am 4. November 2019 fand die bereits 18. Jahresversammlung dieser Gourmet-Heringfans aus aller Welt statt. Mitglied werden kann jeder. Nur muss er ein ebenso originales wie originelles Heringsrezept beisteuern und in situ servieren, das dann von den gestrenge Juroren begutachtet, abgenommen und dann womöglich sogar in den Kanon der besten Heringsmahlzeiten aufgenommen wird.

Die Krönung ist dann die Aufnahme in die offizielle Heringsfresser-Kollektion (Kolekcja sliedziozerców), die auf der Speisekarte übrigens gleich nach dem Frühstückangebot des "Na Kuncu" erscheint. Und welche Rezeptpracht der Klub bisher zusammengetragen hat, dürfen wir dann sogleich probieren. Auf gewaltigen Platten serviert werden da nicht etwa nur der legendäre original Matjes, sondern Sherry-Hering, Hering mit Majoran und Knoblauch, Hering in Honig, Hering a la Kwasniewski (mit Knoblauch und Pfeffer), gar Passions- und sensationell Weihnachtskuchen-Hering.

Klub Sledziozerców: jeder darf rein - unter bestimmten Vorraussetzungen!
Klub Sledziozerców: jeder darf rein - unter bestimmten Vorraussetzungen!

 

Nur der Bismarckhering bleibt außen vor, gehört auch eher nach Stralsund. Ganz nebenbei füllen die Tafel auch ein Rote Bete-Carpaccio, Paté a foie gras, Paté a la Boris, Gesottenes und Gebratenes sowie äußerst herzhafte Zandersuppe. Und nie fehlen darf natürlich das im Na Kuncu selbst hergestellte und im Glas auch außer Haus verkaufte Stettiner Paprika, das absolute Aushängeschild der lokalen Küche.

Weitere Szczeciner Top-Spezialitäten sind neben lokalem Bier übrigens die Pastetenröllchen (Pasztecnik), frittierte Hefeteigröllchen mit vegetarischer oder Fleischfüllung als idealer Imbiss, sowie Stettiner Pepperkoken: Den berühmten Pfefferkuchen ersteht man am besten in der Konditorei Filipinka an der ul. Witkiewicza 1 B. Und den Kaffee Stettiner Art hat natürlich auch Bolek parat! Er wird mit Sahne und dem lokalen Spirituosen-Aushängeschild, dem bis zu 50 Jahre lagernden Starka-Wodka serviert...

Information generell:
Polnisches Fremdenverkehrsamt, Hohenzollerndamm 151, 14199 Berlin, Tel. 030 210 09 20, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.polen.travel
Regionale Tourismusorganisation West Pomerania/Westpommern ZROT (Zachodniopomorska Regionalna Organizacja Turystyczna ZROT), ul. Partyzantów 1, 70.-222 Szczecin, Tel. +48 91 433 41 26, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.zrot.pl

Information in Szczecin (Stettin):
Centrum Informacji Turystycznej Szczecin (Tourismuszentrale Stettin), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.zstw.szczecin.pl/pl/turystyca , www.szczecin.eu
Punkt Informacji Turystycznej, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.zstw.szczecin.pl/pl/turystyca , www.szczecin.eu
CIKIT Centrum Informycji Kulturalnej i Turystycznej Zamek Ksiazat Pomorskich (CIKIT Zentrum für Kultur und Tourismusinformation im Schloss der Pommernherzöge), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.zamek.szczecin.pl/cikit/index.php , www.szczecin.eu
Szczecin per Fahrrad: Stadtrad Stettin, www.bikes-srm.pl

Sightseeing/Museen/Kultur:
Centrum Dialogu Przelomy (Dialogzentrum "Umbrüche"), https://przelomy.muzeum.szczecin.pl/
Filharmonia Szczecin (Philharmonie Stettin), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., https://filharmonia.szczecin.pl/de
Jakobskathedrale Stettin (Katedra Swietego Jakuba Szczecin), www.katedra.szczecin.pl/deutsch/
Nationalmuseum Stettin (Muzeum Narodowe w Szczecinie), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.muzeum.szczecin.pl ; Öffnungszeiten: Di – Sa 10.00 – 18.00, So 10.00 – 16.00 Uhr; Eintritt: 12 PLN (Zloty), inkl. Dialogzentrum
Schloss der Pommernherzöge (Zamek Ksiazat Pomorskich), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.zamek.szczecin.pl  mit:
Oper im Schloss, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.opera.szczecin.pl

Außerdem: Hakenterrasse, Haus der Wojwodschaft, Sankt-Peter-und-Paul-Kirche (Kosciól sw. Piotra i Pawla) mit Almosennische (14. Jh.) und vieles mehr

Übernachten:
Grand Park Hotel, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.grandparkhotel.pl ; mit Restaurant/Café Rusalka, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.)

Essen und Trinken:
Rest. "Na Kuncu Korytarza" ("Küche der Greifen") mit Klub sledziozerców (Klub der Heringsfresser), im Zamek Ksiazat Pomorskich (Schloss der Pommernherzöge), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.nakuncu.pl

 

Impressionen:


Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 11/02/2020

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