Gent feiert 2020 van Eyck!

Der Genter Altar, dessen fast 600 Jahre lange Werkgeschichte den vielleicht spektakulärsten Kunstkrimi der Welt darstellt, wird 2020 wieder im belgischen Gent gezeigt!

Das in dieser Dimension einzigartige Ereignis zieht schon jetzt die internationale Kunstgemeinde in ihren Bann. Seit 2012 perfekt restauriert und von späteren Übermalungen befreit, steht der globalen Kunstwelt ein sensationeller Event ins Haus: Denn die Ausstellungsmacher versprechen nicht weniger als eine optische Revolution!

Beschädigt, fast zerstört, gestohlen, geschmuggelt, übermalt, sogar zersägt, wurde der Genter Altar zuletzt 2014 im deutsch-US-amerikanischen Blockbuster und Thriller "The Monuments Man" mit George Clooney, Matt Damon, Cate Blanchett und Bill Murray in den Mittelpunkt der Jagd auf die von den Nazis geraubten Kunstschätze gestellt. Ein Millionenpublikum zitterte seither vor der Leinwand und im TV um den Verbleib des Genter Altars, der 1432 erstmals der Öffentlichkeit präsentierte wurde. Dies weltberühmte Meisterwerk des größten altniederländischen Meisters Jan van Eyck (ca. 1390 – 1441) steht folgerichtig im Mittelpunkt der weitläufigen Festivitäten im Jahr 2020 rund um und flämischen Renaissance-Pionier, dessen Leben als Hofmaler und Spion selbst ein kleiner Krimi war.

Dabei wird der seit 2012 akribisch restaurierte Altar tatsächlich eine völlig neue Sicht auf die Malerei dieses frühen, mit revolutionäre Ölfarbenmaltechnik aufwartenden Genies des Spätmittelalters erlauben. Bevor das Gesamtkunstwerk aus Alltags- und Festtagsseite, die den Gläubigen früher nur an Sonn- und Festtagen gezeigt wurde, aber wieder ab Sommer 2020 an seinem angestammten Platz, der St. Bavo-Kathedrale von Gent sein wird, wird er als Star der Ausstellung "Van Eyck – eine optische Revolution", vom 1.2.20 bis zum 30.4.20 im Museum für Schöne Künste Gent zu sehen sein.

Jan van Eyck und Werkstatt, Hl. Franziskus erhält die Stigmata, ca. 1430-1432. Philadelphia Museum of Art, John G. Johnson Collection, 1917.
Jan van Eyck und Werkstatt, Hl. Franziskus erhält die Stigmata, ca. 1430-1432. Philadelphia Museum of Art, John G. Johnson Collection, 1917.

 

Dies wird von den zwei Dutzend bekannten Werken van Eycks mindestens die Hälfte zeigen. Die schon jetzt überaus nachgefragte Ausstellung – man sollte dringend online Tickets bestellen – wird so zur größten Werkschau um den alten Meister, dessen Einfluss auf die Entwicklung der europäischen Malerei viele mit dem Picasso für die Moderne gleichsetzen. Dennoch: Als Wahlspruch für diese vielfältigen Aktivitäten in Flandern und Gents van Eyck-Jahr 2020 hat es für das grandiose religiöse Meisterwerk nicht gereicht.

Für die Werbekampagne diente ein anderes Ölgemälde, van Ecks 1434 geschaffenes Werk "Die Arnolfini-Hochzeit". Dabei zeigt van Eyck nicht nur das frisch vermählte Paar, er verewigt sich selbst auch in einem Portrait im runden Spiegel hinter den zweien. Schließlich signierte er sein Werk selbstbewusst auch noch lateinisch mit "Johannes van Eyck fuit hic": "Jan van Eyck war hier"! Getrost darf man hier von einem frühes Selfie eines längst zum Meister seines Fachs avancierten Künstler eiern neuen Generation ausgehen.

Erst Rubens, dann Breugel, nun auch noch als Höhepunkt Jan van Eyck: Die großartige Kampagne und Präsentation von Flandern als "State of the Art" von 2018 bis 2020 steuert mit dem Jahreswechsel auf ihren Höhepunkt zu. Denn mit dem Genter Altar, mit van Eycks "Bildnis eines Mannes mit blauem Chaperon" (ca. 1428 – 1430) oder seiner Madonna am Brunnen (ca. 1440) wird van Eycks Werk im nächsten Jahr Maßstäbe setzen. Dabei steht ganz Gent 2020 Kopf: In Gents St. Nikolaus-Kirche wird mit "Lights on van Eyck" dem Künstler multimedial zu Leibe gerückt, de Genter Altar sogar digital wie musikalisch neu interpretiert (März bis Okt. 2020).

Jan van Eyck, Diptychon der Verkündigung, ca. 1433-1435. Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid.
Jan van Eyck, Diptychon der Verkündigung, ca. 1433-1435. Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid.

 

Im September 2020 darf sich die Kunst- wie Kulturwelt sogar auf eine eigens in Auftrag gegebene Komposition zum Festjahr freuen. Die Stadt Gent schenkte Estlands Kompositionsstar Arvo Pärt, bekannt für seine religiös inspirierten Werke und seinen ab 1976 entwickelten Tintinnabuli-Stil, das Vertrauen. Zu hören sein wird sein "Agnus Dei, the adoration of the Lamb". Aber van Eyck wird auch für Kinder aufbereitet, so in der Ausstellung "Dag Jan – het kleine Rijk van jan van Eyck" und in Theaterproduktionen. Sportler gehen auf den Jan van Eyck-Marathon 829.3.2020), Milo Rau, neuer Star am internationalen Theaterhimmel, inszeniert "Lam Gods", und sogar das Genter Stadtfestival "Floralien" (1.5. – 10.5.20) widmet sich den dargestellten Blumen und Pflanzen auf dem Genter Altar – samt Duft- und Farbenspiel!

Im Ratskeller, 1425 bis 1441 und zur gleichen Zeit wie der Genter Altar (1426 – 1432) erbaut, sind im "van Eyck Shop & Hop" künstlerische Produkte moderner Genter Kunsthandwerker und Künstler zu van Eyck zu sehen und zu erwerben. Und sogar van Eyck als Street Art ist dank dreier in Auftrag gegebener Wandmalereien zu bewundern. Überhaupt erlaubt der eingerichtete Stadtparcours, die "7 Senses Tour" die perfekte Verbindung von Kunst, Kultur, Architektur und Kulinarik und somit auch touristisch ein einmaliges Erlebnis.

Auch in Brügge im Groeningenmuseum (12.4. – 12.7.20) und auf Stadttouren sowie in Brüssel mit der Ausstellung "Eyckons" (9.10.20 – 10.1.21) wird van Eyck 2020 Thema sein.

Und natürlich ist auch das Bruegel-Jahr 2019 noch längst nicht abgeschlossen. Pieter Bruegel ist in Brüssel mit der Ausstellung "Bruegels Welt in Schwarz und Weiß" präsent (15.10.19 – 16.2.20 in der Königliche Bibliothek Belgiens ( www.kbr.be/en/news/the-world-of-bruegel-in-black-and-white ) und der Schau "Zurück zu Bruegel: Das 16. Jahrhundert erleben" 18.10.19 – 18.10.20 im sagenumwobenen Stadttor Halleport, Königliche Museen für Kunst und Geschichte ( www.kmkg-mrah.be/expositions/back-bruegel ) präsent.

Jan van Eyck, Bildnis des Baudouin de Lannoy, ca. 1435. Gemäldegalerie der Staatlichen Museeen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin. © KIK-IRPA
Jan van Eyck, Bildnis des Baudouin de Lannoy, ca. 1435. Gemäldegalerie der Staatlichen Museeen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin. © KIK-IRPA

 

Antwerpen wartet sogar noch 2020 mit einem der berühmtesten Gemälde Breugels auf: Die "Dulle Griet" (Tolle Grete) steht im Mittelpunkt der Sensationsschau Madonna trifft Tolle Grete (5.10.20 – 31.12.20, Museum Mayer van den Bergh ( www.museummayervandenbergh.be/de ) und widmet sich zuvor noch dem Sohn von Pieter Breugel dem Älteren, "Jan Brueghel der Ältere - Ein exzellenter Zeichner" (11.10.19 – 9.2.20; Snijders & Rockoxhuis, www.snijdersrockoxhuis.be ).

Schließlich tritt mit Dirk Bouts im Jahr 2020 ein weiterer bedeutender flämischer Meister ins Rampenlicht: Sein "Letztes Abendmahl" wird in der restaurierten St.-Peter-Kirche am Grote Markt in Leuven präsentiert. Zudem laden der Hof van Busleyden in Mechelen und das Gruuthuse-Museum in Brügge zur Entdeckung der spektakulären flämischen Renaissance ein!

Information:
Visit Flanders, Stolkgasse 25 – 45, 60667 Köln, www.visitflanders.de , www.visitflanders.com
Kunstprogramm "Flämische Meister 2018–2020": www.flemishmasters.com
Jan van Eyck in Gent: www.vaneyckwashere.be

Ausstellung "Van Eyck – eine optische Revolution", MSK Museum der schönen Künste, Fernand Scribedreef 1, 9000 Gent, Belgien, www.vaneyck2020.be; 1.2.20 – 30.4.20, tgl. 9.30 – 19.00 Uhr; Eintritt: 28 €, online 25 €
Ausstellung "Die Rückkehr des Lamms" sowie Genter Altar, St.-Bavo-Kathedrale, Sint Baafsplein, 9000 Gent, Belgien, www.sintbaafskathedral.be; 17.1.20 – 21.6.20 Mo – Sa 10.00 – 17.00, So 13.00 – 17.00 Uhr geöffnet; Eröffnung des neuen Besucherzentrums am 26.6.20; Eintritt: 12 €, nur Genter Altar 8 €

Fotos: Kampagnenbild / KIK-IRPA / MSK Museum der schönen Künste

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Zuletzt bearbeitet am 30/01/2020

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