Estland: Vihula Manor Country Club & SPA (Teil 2)

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde gut Vihula nationalisiert, doch die von Schuberts blieben noch bis 1939, ehe sie Estland verließen. Dann kam die wohl schwärzeste Stunde der Gutsgeschichte...

Von 1941 bis 1944 diente das Herrenhaus als Schule für Spionage und Gegenspionage des deutschen Geheimdienstes Gestapo. Und ein wenig Spionage samt Gegenspionage hat Vihula auch heute noch zu bieten. Das gutseigene Oldtimer-Museum, zuvor die Gutsgarage, vereint erstaunliche Vintage-Modelle: Da ist zum einen ein deutscher Oldtimer-PKW, ein Opel P4-1190 aus dem Baujahr 1936, dessen Eleganz allerdings noch von einem herrlichen französischen Oldtimer-PKW, einem Berliet Baujahr 1927 übertroffen wird. Das schmucke Gefährt wurde in der französischen Autofabrik Berliet produziert, die Marius Berliet schon 1894 gegründet hatte.

Dann aber geht es zu den sowjetischen Oldtimern: Da ist ein "Wolga" (GAZ-21), Baujahr 1959, aus der sowjetischen Autofabrik GAZ, die dies Funktionärs-Vehikel von 1956 bis 2008 produzierte. Und da ist ein grauer PKW "Pobeda" (GAZ-M 20), Baujahr 1936, den GAZ von 1946 bis 1958 herstellte. Die Sensation ist aber dann eine sowjetische Edelkarosse, die Riesen-Limousine "Tschaika" ("Möwe"), Modell GAZ-13, Baujahr 1970! Dies Wundergefährt wurde speziell für den Sowjet-Botschafter in Frankreich gebaut, doch nie ausgeliefert. Es ist eines von nur 3179 Autos dieses Typs, den die Autofabrik GAZ von 1959 bis 1981 baute. Keine Frage, James Bond, MI-5 und MI-6 hätten großes Interesse speziell an seinen Insassen gehabt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging Vihula an die Staatsfarm Ubja und war ab 1951 ein Seniorenheim, ehe 1982 ein Feuer im Herrenhaus ausbrach. Danach war Vihula bis 1991 Teil des Kollektivhofs Viru. Ein wenig aus dieser Nachkriegszeit ist auch noch auf dem geräumigen 18-Löcher-Minigolfplatz erhalten, dessen Bahnen jeweils Miniaturmodelle berühmter Bauten aus dem Baltikum zieren.

Erstaunliche Vintage-Modelle gibt es in dem gutseigenen Oldtimer-Museum zu sehen.
Erstaunliche Vintage-Modelle gibt es in dem gutseigenen Oldtimer-Museum zu sehen.

 

Mit dabei ist natürlich auch der Burgturm "Hermann" vom Domberg in Tallin. Präsent ist aber auch an Loch 18 das Minimodell des Sommerhauses von Thomas Mann im Seebad Nida (deutsch auch Nidden) auf der Kurischen Nehrung! Selten sieht man aber jemanden auf dem Areal den Schläger schwingen. Man trifft sich eher nebenan zum Discgolf oder in der Sportarena, wo Tennis, Fußball, Handball, Basketball, Volleyball und sogar Schlittschuhlaufen und Eishockey angesagt sind.

Für das kulinarische Wohl der in den 75 Zimmern und Suiten in den schmuck hergerichteten ehemaligen Wirtschaftsgebäuden bestens untergebrachten Gäste sorgt natürlich die Gourmetküche im Gutsrestaurant. Dort kreieren Fred Ruubel und Co. auch jene rustikalen Traditionsgerichte, die gleich hinter dem Gutshaus in der günstigeren Taverne Kaval-Ants (auch gluten- wie laktosefreie Gerichte) serviert werden. Für uns aber heißt es erstmal "Terviseks"! Zum Wohl! Denn Gut Vihula braut auch eigenes Bier – nicht vor Ort, aber immerhin in Tallinn.

Sehr lecker mundet das Vihula Moisa Ölu "Saison", das mit 5,5 % Alkoholgehalt auch im Bereich der Normalbiere liegt. Vorsicht indes beim kräftigen Porter-Bier: Es bringt satte 8,3 % mit! Aber man kann natürlich auch aus der Weinkarte wählen. Da sind die vom Sommelier zu den Gerichten vorgeschlagenen Weine exzellent – allen voran der 2015er Bio-Rioja Vinas de Gain Tinto DOC von Artadi (Glas 17 €, Flasche 79 €), der perfekt zu den zwei Super-Spezialitäten der Küche, dem beim Niedrighitze gegarten Bärenfleisch mit Knoblauch, Bohnen und gerösteten Pilzen (34 €) oder dem Elchfilet mit Selleriewurzeln, Knoblauch und Beerenweinreduktion (26 €) passt. Aber es darf zum Hauptgang auch Zanderfilet (22 €), Entenfilet mit Rotkohl, Kürbis, Kardamon-Püree und Pflaume (23 €) oder auch geräucherter Schweinebauch mit Brot-Apfelmus, Honig vom Hof Pargi und Beeren (21 €) sein.

Sous Chef Lauri Loit.
Sous Chef Lauri Loit.

 

Unbedingt sollte man zu den Vorspeisen greifen. Da gibt es als Starter geräucherten Ostseehering mit Ziegenkäse vom Hof Höbeda, Schinken und phantastischem hausgebackenem Brot (10 €) oder Karottentartar mit reifem Käse vom Gutshof Arkna (10 €). Einfach großartig ist das Elchtartar mit Sous vide-Eigelben, getoasteten Kapern und Graupen (12 €). Umwerfend lecker.

Dazu passt z. B. ein 2016er Lillové Cannonau di Sardegna DOC. Geradezu unschlagbar und ein Muss ist aber dann eine Hauskreation, die Kartoffel-Haselnuss-Suppe mit Lauchöl und gerösteten Nüssen – absolut perfekt und mit einem 2017er Pfälzer Riesling Kabinett trocken von August Kessler ein Gedicht (Glas 13 €, Flasche 44 €). Schließlich sollten Dessertfreunde auf keinen Fall die "betrunken Birne" mit gerösteten Mandeln, Schwarzbrot und Mohnsameneis verpassen (7 €).

Die Philosophie von Executive Chef Fred Ruubel und Sous Chef Lauri Loit lässt sich am besten so zusammenfassen. Erfolgreich sorgen sie dafür, dass die besten saisonalen Produkte aus dem hauseigenen Garten und von nahen Höfen auf den Tisch gelangen – perfekt und kreativ verarbeitet und komponiert. Das dazu das Beste aus Meer und Moor, Heide und Wäldern gerade gut genug ist – und auch Vegetarisches zubereitet wird, während Elch und Bär nie verschmäht werden, ist allerbeste Lahemaa-Tradition und beste Werbung für das Vihula Manor Spa.

Information:
Estonian Tourist Board (Enterprise Estonia), Lasnamäe 2, 11412 Tallinn, Estland, Tel. +372 627 97 70, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.visitestonia.com/de , http://visitsouthestonia.com/en/
Nationalpark Lahemaa: Infos in den Gutshöfen Sagadi und Palmse, www.lahemaa.ee
Vihula Manor (Herrenhaus Vihula) Country Club & SPA, Dorf Vihula, 45402 Haljala vald (Gemeinde Haljala), Kreis Lääne-Viru (Virumaa), Tel. +372 326 41 00, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.vihulamanor.com , www.uhotelsgroup.com 
Vihula Manor Restaurant, Tel. +372 326 41 00, www.vihularesto.com ; Chef de Cuisine: Fred Ruubel; Öffnungszeiten: So – Do 18.00 – 21.30, Fr, Sa 18.00 – 22.30 Uhr; Lobby Bar So – Do 12.00 – 22.00, Fr, Sa bis 23.00 Uhr; Kaval-Ants Tavern (Öffnungszeiten: nur sommertags So – Do 12.00 – 22.00, Fr, So 12.00 – 23.00 Uhr); Water Mill Café (Öffnungszeiten: nur Sa 11.00 – 18.00 und So 10.00 – 16.00 Uhr geöffnet).

 

Impressionen:

(Das Projekt wird unterstützt vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.)

Fotos: Ellen Spielmann

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Zuletzt bearbeitet am 23/01/2020

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