Print this page


Von Engstirnigkeit und sagenhaftem Reichtum: ein Besuch in Lucca (Teil 1)

Nun mögen Florenz, Sienna und Pisa die berühmteren Städte der Toscana sein, doch mit ihnen kann es Lucca, die schmucke und reiche Metropole im Arnotal, in ihrer Einzigartigkeit allemal aufnehmen!

Das beweist schon ein Blick zurück in die Geschichte: In der Römerzeit war Lucca, der ligurische-etruskisch von der Sonne "illuminierte" Fleck auf der Landkarte, ein wichtiger Militärstützpunkt. Es stach Florenz bei weitem aus. Lucca galt zudem über Jahrhunderte als bedeutende Pilgerstätte auf dem Weg von Canterbury nach Rom. Die Via Francigena, der "Frankenweg" bildet noch heute die wichtige Achse der Stadt.

Eine wunderbare Unterkunft ist das San Luca Palace Hotel in zentraler Lage mit seinem historischem Charme und modernem Komfort inklusive der "Bar Puccini". Es liegt in der Via Paolini in unmittelbarer Nachbarschaft des gleichnamigen Palasts aus dem 16. Jh. Auch zur Porta Vittorio Emanuele, dem westlichen Tor zur Altstadt und zur Stadtmauer ist es nah. Sie wurde 1504-1645 gebaut dann im 19 Jahrhundert zur Grünfläche erweitert und umringt über eine Länge von 4km die Altstadt; ihre Alleen laden zu Spaziergängen und Radfahren ein.

Domus Romana Lucca

Mitten in der Altstadt an der Ecke der Via C. Battisti und San Georgo befindet sich das Domus Romana, römische Haus. Es ist ein privates archäologisches Ausgrabungsprojekt legte 2012 eher zufällig in 3 m Tiefe die Struktur eines 2000 Jahre alten römischen Hauses frei. Der Fries "Fanciullo sul Delfino" (Kinder auf Delphin) in Form einer Replik schmückt das jahrtausendalte Gemäuer und gab dem Ort seinen Namen.

Eine symbolträchtige Darstellung steht sie doch für die Verbindung zwischen menschlicher und göttlicher Welt. Alle Fundstücke gehören in Italien per Gesetz dem Staat, der aber höchst selten für die Erhaltung der Ausgrabungsstätte aufkommt. So trafen die Archäologin Simona Velardi und der Projektmanager Giuseppe Bulleri in Zusammenarbeit mit der Universität La Sapienza in Rom die Entscheidung privat für den Erhalt aufzukommen. Das bedeutet unter anderem 4 hydraulische Pumpen ständig im Einsatz zu haben.

Bei einer geführten Tour durch die Gewölbe sieht man die Fundamente eines Teils des römischen Hauses aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., typische Mauerreste aus Langobardischer Zeit, dem Mittelalter und der Renaissance. Dazu Fundstücke: Amphoren, eine Münzsammlung aus Augustinischer Zeit und Blechblasmusikinstrumente. Sehr anschaulich erzählt das Museum auch mithilfe audiovisueller Technik die Historie Luccas als Stadt des römischen Reichs: Es war das Hauptquartier des ersten römischen Triumvirats, das aus Cäsar, Pompeius und Crassus bestand. Dokumentiert wird der sehr wahrscheinliche 3- monatige Aufenthalt Julius Cäsars im Jahr 56 v. Chr. in Lucca.

Am Ende der Führung genießen die Besucher eine "Calix Degustazione". Den Göttern geweihter Speis und Trank nach römischen Rezepten: Aqua Mulsa, eine Emulsion aus Wasser mit Minze-Blättern und Mandelsirup, "Libvum di Catone", ein Brot aus Dinkelmehl, Ricotta, Scamorza-Käse, Eiern und Oliven, das in Lorbeerblättern gebacken wird. Dazu werden leckere Aufstriche, z.B. aus Ziegenkäse mit Zwiebelgrün, Minze, Knoblauch oder "Salsa alla menta", Minze, Knoblauch und Öl gereicht.

Spätestens nach dem Besuch des Domus Romana ist man sensibilisiert für die Spuren römischer Geschichte in Lucca. Ins Auge springt der emblematische Platz des Amphitheaters in Form einer Ellipse. Das aus Ziegelsteinen und Kalkstein im 1. Jahrhundert v. Chr. Im Norden außerhalb der alten römischen Stadtmauer errichtete Amphitheater, diente Gladiatoren-kämpfen. Die Ränge waren auf 10.000 Schaulustige ausgerichtet. Im Mittelalter wurden die römischen Ruinen mit Wohnhäusern überbaut.

Einfach aber gut speisen in Trattoria Pizzeria Gli Orti di via Elisa inmitten der Altstadt.
Einfach aber gut speisen in Trattoria Pizzeria Gli Orti di via Elisa inmitten der Altstadt.

 

Im 18. Jahrhundert ließ Großfürst Carlo Ludovico di Borbone den schönen Platz wieder herstellen, der bis 1960 als Marktplatz diente. Heute zählen die historischen Gewölbe zu den begehrtesten Wohnhäusern, auf der großzügigen Piazza laden attraktive Cafés und Restaurants zu genießerischem Verweilen ein und die schöne umliegende Gegend gilt als très-chic. Was für einen kulinarischen Reichtum Lucca bietet, zeigt schon ein Besuch in der Trattoria Pizzeria Gli Orti di via Elisa inmitten der Altstadt nahe der Porta Elisa (Elisentors), wo man nicht nur angenehm unprätentiös an einfachen Tischen lokale Delikatessen speist, sondern auch eingeweiht wird in die heimische Mentalität und Lebensweise, sowie Kochgeheimnisse.

Ja, die Luccheser seien "braccio corto" geizig und engstirnig, "wenn der Wein gut ist und dazu günstig, dann passt das für den Luccheser". Das ist genau der Fall beim Merlot Casa e Chiesa (2017) von den Weinbergen der Colli Lucchesi (Luccheser Hügeln) produziert von der Tenuta Lenzini. Also "A la salute" (auf die Gesundheit). Wir halten es mit den leckeren Vorspeisen: "Carpaccio di Carciofi scottati con grana a scaglie e pancetta croccante (Sautierte Artischocken mit Olivenöl, Parmesan sowie einer crispy Scheibe lokalem Schinken), gefolgt von "La Zuppa di Farro e Fagioli".

Es ist die traditionelle Suppe aus Buchweizenmehl und roten Bohnen, einer Sorte, die nur hier wächst. Mit "Il Tagliere del Salumi nostrali e picorino e pancake de ceci di verdure", kommt eine Vorspeisenplatte daher mit heimischer Salami, die aus Backenfleisch hergestellt wird, dazu Schafskäse und Pancake aus Kichererbse-Mehl mit Gemüse.

Zur "Farinata Lucchese", einer Gemüsesuppe mit schwarzem Kohl, Karotten, Zwiebeln, Sellerie, Kartoffeln mit Kräutern, z.B. frischem Thymian gewürzt gibt es schwarze (mit Kohle geräucherte) Focaccia. Dann serviert der Chef Samuele Cosentino "Tortelli Lucchese al sugo di carne", die traditionelle Pasta mit Rind- und Schweinefleischragout. Das handgeschnittene Fleisch wird mit Zwiebeln, Salz, Pfeffer und wenig Wein drei Stunden lang gegart. Ein Gedicht!

Zum Dessert gibt es einen superleichten Apfelkuchen mit Vanillesauce. Alle Zutaten sind selbstverständlich "del territorio" auf Luccheser Boden gewachsen, stammen von Aziende agricole, lokalen Bauernhöfen.

Information:
Lucca Promos, www.luccapromos.it
Turismo Lucca, www.turismo.lucca.it/de
Tourismusinformationsbüro (Punto di Accoglienza) von Turismo Lucca, www.turismo.lucca.it/de
Region Toskana: www.visittuscany.com/en/

Übernachten/Einkaufen:
San Luca Palace Hotel, mit Bar Puccini www.sanlucapalace.com

Essen und Trinken:
Antica Locanda dell’Angelo, www.anticalocandadellangelo.com 
Ristorante "Gli Orti di via Elisa” (Samuele Cosentino), www.ristorantegliorti.it
Antica Locanda di Sesto www.anticalocandadisesto.it

Einkaufen:
Il Desco, c/o Handelskammer (Camera di Commercio di) Lucca www.ildesco.eu 
Strada del Vino e dell`Olio Lucca – Montecarlo – Versilia, c/o Handelskammer (Camera di Commercio) Lucca www.stradavinoeoliolucca.it
Pasticceria Fabbrica del Buccellato, www.buccellatoddeucci.com

Attraktionen:
Domus Romana Lucca This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.domusromanalucca.it
Puccini Museum, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.puccinimuseum.org

Fotos: Ellen Spielmann

Submit to FacebookSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 12/01/2020

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):