Starka, Stoewer? Auf nach Szczecin! (Teil 1)

Beim Streifzug durch Szezecin/Stettin ist Top-Sehenswertes zu erleben: vom über Jahrzehnte gereiften Wodka bis zur Werft mit Trockendock für Ozeanriesen, von grandiosen, liebevoll gepflegten Klassik-Oldtimern der Automobil- und Motorradgeschichte bis hin zu stillen Seitenarmen des Öko-Refugiums Oderhaff!

Architekturfans können Bauhaus, neue Sachlichkeit und klassische Moderne des in Stettin 1910 bis 1936 sehr aktiven Architekten Adolf Thesmacher (1880 – 1948) entdecken oder moderne Kunst bewundern. Und auch Cineasten müssen nicht darben: Sie reisen zum Filmfestival an oder lösen gleich ein Ticket im laut Guinness-Buch mutmaßlich ältesten Kino der Welt, dem "Pionier 1907" an der al. Wojska Polskiego 2 (www.kino-pionier.com). Natürlich überzeugt die Ostseemetropole jederzeit auch mit ihrer Gastfreundschaft: Vor allem im Alten Rathaus und am nahen Heumarkt kommen Speis und Trank nie zu kurz und Bier- wie Weinliebhaber open air wie im gotischen Kellergewölbe auf ihre Kosten.

Gleich 42 Attraktionen versammelt die Haupttouristenroute durch Szczecin, der man anhand der roten Markierungen auf dem Bürgersteigpflaster mühelos folgen kann. Ob nun das Königstor, das Geburtshaus der Zarin Katharina der Großen, das Loitzenhaus, die Marineakademie oder das Rote Rathaus: alles ist gut zu Fuß oder auch per Rad erreichbar.

Sogar unterirdisch gibt es Sehenswertes. Unter Stettins Hauptbahnhof finden sich die Luftschutzbunker des II. Weltkriegs – gleich fünf Stockwerke tief und am besten mit Pullover (12°C) zu besichtigen (www.schron.szczecin.pl). Am interessantesten ist aber die Goldene Route. Auf dem Straßenpflaster markiert ist sie nicht, was aber dank ihres schnurgeraden Verlaufs auch unnötig ist. Vom Lotnikow Plac mit der Kopie des Condottiere Colleoni-Denkmals (das Original steht in Venedig) geht es direkt auf die Springbrunnenallee (Aleja Fontann) zum Seemannsdenkmal und dem schmucken Rektoratsgebäude der Stettiner Universität, das 1885 bis 1888 als Städtisches Gymnasium erbaut wurde und dessen Hauswand noch lateinische Merksprüche zieren.

Der Hafen von Stettin.
Der Hafen von Stettin.

 

Es folgt der perfekt restaurierte gewaltige Gebäudekomplex der Stadtverwaltung, der 1924 bis 1927 als Sitz des Pommerschen Provinziallandtages erbaut wurde – ein Hingucker genauso wie der sich anschließende "grüne Platz", polnisch Jasne Blonia. Es ist der Industriellenfamilie Quistorp zu danken, die dieses Areal der Stadt vermachte, das dann ab 1927 als Quistorp-Aue bekannt wurde, der sich der Quistorp-Park, heute Park Kasprowicza sowie in Fortsetzung der Stadtwald Las Arkonski anschließen. Links und rechts der weiten Lichtung des grünen Platzes säumen Platanenalleen das Areal – wunderbar zum Flanieren. Die Wiese ist ideal für sonnige Mußestunden. Hautopattraktion ist aber die am 18. Juni 1995 enthüllte mächtige Statue Johannes Paul II., der hier am 11. Juni 1987 vor Hunderttausenden eine Messe hielt.

Und so heißt der herrliche Erholungsort heute auch offiziell nach dem Woytila-Papst "Grüner Platz Johannes Paul II". Die Dominante gegenüber markiert das riesige, am 3. September 1979 zum 40. Jahrestag des Nazi-Überfalls auf Polen errichte Denkmal "Taten der Polen", das aber alle nur "Drei Adler" nennen. Bildhauer Gustaw Zemla ließ hier drei Adler gen Himmel stiegen, die drei Generationen polnischer Stettiner symbolisieren sollen: diejenigen, die vor dem Krieg in Szczecin lebten, die Nachkriegs- und Wiederaufbaugeneration sowie die dritte, die alles in blühende Zukunft führen solle. Hier ging es also um polnische Identitätsfindung – nach dem Gusto der kommunistischen Partei Polens. Wie deren Wirken tatsächlich gesehen wurde, kann man am schlichten Bronzedenkmal "Ungarischer Junge" erkennen, das seit 2016 kurz vor den drei Adlern zur Rechten am Platz direkt vor einem verwaist wirkenden großen Ziegelsteinbau erhebt, in dem wohl einmal das Konsulat der Sowjetunion war.

Die Aufschrift "Budapest 1956" erinnert nicht nur an den Ungarn-Aufstand, sondern auch an die tatkräftige Hilfe, die Stettins Arbeiter, allen voran die Werftarbeiter, ihren aufrührerischen Kollegen in Budapests 21. Arbeiterbezirk Csepel damals zukommen ließen. Denn auch in Polen war es 1956 zu Aufständen gekommen – erst in Posen (75 Tote, ca. 900 Verletzte), später auch in Stettin. Und im Dezember 1970, beim großen Aufstand in den Ostseestädten Danzig, Gdingen und Stettin, floss sogar Blut am Stettiner Haff (offiziell 14 Tote, 117 Verletze). Die örtliche Parteiführung soll geflohen sein, zeitweilig soll auch das sowjetische Konsulat besetzt gewesen sein.

Einige Proldukte der Wodka-Fabrik Starka.
Einige Proldukte der Wodka-Fabrik Starka.

 

In jedem Fall aber blieb diese städtebauliche Achse, die dann weiter zum Amphitheater, zum Rosengarten und zum Sieben-Mühlen-Tal führt, den Bürgern von Szczecin. Viele vor allem ältere Besucher aus Deutschland wenden sich hier an diesem Denkmal zur Rechten in Richtung des heutigen nicht zugänglichen Militärhospitals. Denn vor dem Zweiten Weltkrieg war dies einmal die Frauenklinik, in der einige der betagten Besucher das Licht der Welt erblickten.

Uns aber zieht es in eine der größten Attraktionen der Stadt – in die Wodka-Fabrik Starka. Im Falle Szczecin ist Stadtgeschichte auch Industriegeschichte. Und die begann hier schon 1863, als ein gewisser Hermann Koch die Brauerei "Viktoria" eröffnete. Dann aber wechselte man 1926 mit schon 300 Mitarbeitern auf Wodka um – nicht irgendeinen, sondern eine seit dem 16. Jahrhundert in Polen bekannte Spezialität: den Starka, zusammengesetzt aus "Stary Wodka", alter Wodka. Denn schon vor vierhundert Jahren legten vermögende Polen gerne bei der Geburt ihrer Kinder einige Fläschchen oder Fässchen Wodka zurück, um diese dann bei deren Hochzeit oder festlichen Familienangelegenheiten zu öffnen.

Und so gibt es hier nun sogar bis zu 50 Jahre alten Wodka – ehrfürchtig von erfahrenen Kellermeistern über Jahrzehnte in 1200 Eichenfässern á 200 l gelagert. Das größte Fass in den 14 Kellern nimmt aber sogar 38 300 Liter auf! Das Ganze kann man bei einem Rundgang in bis zu 20 m Tiefe unter dem Kopfsteinpflaster und im feuchten, für den Wodka günstigen Ambiente unter der Wodkafabrik Starka bewundern. Ideal für den Starka sind auch Portwein- und Malagafässer.

Und eine weitere Besonderheit: Starka wird nur aus Roggen hergestellt. Zur Blütezeit wurden hier 80 verschieden Wodkas produziert, deren Alter von 18 Jahren aufwärts über 30, 35 und 40 Jahre bis zum 50 Plus datiert. Und obschon die Produktion ruht, weil die Eigner sich derzeit vor Gericht beharken, dürfen wir vor allem den wichtigsten Wodka, die First Edition des 18 Jahre in Eiche gelagerten Starka 18 verkosten. Ein Gedicht. Und ein Fläschchen 35 Jahre alter Starka 35 (0,7 l; 40 %) kann daher auch schon mal mühelos 300 Euro und mehr kosten. Sehr viel übersichtlicher gehalten ist dann der Starka Prestige.

Der 50 Jahre alte Starka...
Der 50 Jahre alte Starka...

 

Und sogar Whiskey wird hier nun produziert: Der Starka Chamberlains (Limited Edition) ist komplex und angenehm. Das Destillat wird aus Schottland importiert und mit mindestens 20 Jahre altem Starka angereichert.

Information generell:
Polnisches Fremdenverkehrsamt, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.polen.travel
Regionale Tourismusorganisation West Pomerania/Westpommern ZROT (Zachodniopomorska Regionalna Organizacja Turystyczna ZROT) This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.zrot.pl

Information in Szczecin (Stettin):
Centrum Informacji Turystycznej Szczecin (Tourismuszentrale Stettin), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.zstw.szczecin.pl/pl/turystyca, www.szczecin.eu
Punkt Informacji Turystycznej, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.zstw.szczecin.pl/pl/turystyca , www.szczecin.eu
CIKIT Centrum Informycji Kulturalnej i Turystycznej Zamek Ksiazat Pomorskich (CIKIT Zentrum für Kultur und Tourismusinformation im Schloss der Pommernherzöge), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.zamek.szczecin.pl/cikit /index.php, www.szczecin.eu
Szczecin per Fahrrad: Stadtrad Stettin, www.bikes-srm.pl

Sightseeing/Museen/Kultur:
Muzeum Techniki i Komunikacji (Museum für Technik und Kommunikation), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.muzeumtechniki.eu
Szczecinska Fabryka Wódek (Szczecin-Wodka-Fabrik und Museum) STARKA Sp. Z.o.o. (GmbH), This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.starka.pl

Schiffstouren/Hafenrundfahrten:
Reederei SECCO, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., http://de.statek.info/; Strecke 5: http://de.statek.info/strecke5.htmwww.statek.pl/trasa5.htm

Übernachten:
Grand Park Hotel, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.grandparkhotel.pl

Essen und Trinken:
Browar Rodzinny Wyszak (Familienbrauerei Wyszak) This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.browarwyszak.pl
Winiarnia (Weinbar) CityWine, ul. Sienna 8, 70-542 Szczecin, Tel. +48 91 488 81 72, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.citywine.pl, www.winnica.pl
Rest. "Stara Rzeźnia", This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., https://rzeznia.com.pl/
Winnice Kojder, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., http://de.winnicekojder.pl

Fotos: Jürgen Sorges

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 29/11/2019

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Letzte News

Letzte Artikel

Genuss-Newsletter abonnieren?

Mit der Anmeldung zu unserem Newsletter erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen (s.l.) einverstanden. Eine Bestätigungsmail mit einem Aktivierungslink wird nach der Anmeldung an die angegebene Mailadresse versendet. __________________________
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.