Färöer Inseln: im Rausch der Inselwelten

Es sind Bilder, die nie vergessen werden können. Wie Silberstreifen ziehen sich die Spuren der sprudelnden Wasserfälle durch die moosbewachsenen Berghänge bis in die saftig grünen, lieblichen Täler...

Dort bilden sie kleine Bäche, die sich mäandernd ihren Weg über den Talboden bis zum Meer bahnen und dort in den Atlantik fließen - manche sogar als tosender Wasserfall. An den Bachufern wiegen sich Felder aus Wollgras und bunten Blüten leicht im Wind. Es wirkt so, als tanzten filigrane Elfen in einem Paradies. Weiße Schmetterlinge reihen sich ein, drehen über den leuchtenden Teppichen ihre Runden. Nur die Schafe sehen ihnen geduldig zu.

Eine zauberhafte Stimmung herrscht in dieser dramatisch schönen Landschaft zwischen dem wilden Ozean und den friedlich emporragenden und bis zu 880 Meter hohen Bergen. Keine 50.000 Menschen leben auf den sagenumwobenen Inseln, deren besonderer eigenständiger Status auf die frühere Wikingertradition des 9. Jahrhunderts zurückzuführen ist.

Die besondere Stimmung der Färöer Inseln...
Die besondere Stimmung der Färöer Inseln...

 

Die Temperaturen sind wegen der Nähe zum Golfstrom recht mild. Bedingt durch das Seeklima, wechseln allerdings die Temperaturen recht häufig, so dass über einen einzigen Tag verteilt sogar vier Jahreszeiten erlebt werden können. Im Gegensatz zur pulsierenden Hauptstadt Tórshavn mit ihren fast 20000 Menschen berührt die meditative Atmosphäre dieser atemberaubenden Naturkulisse: Spektakuläres Licht, dass die Farben durch die Reflexionen des allgegenwärtigen Wassers intensiver als sonst wo leuchten lässt. Ein See scheint für Augenblicke ganz in grün getaucht zu sein, ein paar Kilometer weiter schimmert das Wasser in sämtlichen blauen Schattierungen.

Abenteuerliche Schiffstouren und Sterneküche

Die Entspanntheit der Färinger wirkt ansteckend. Schon bald wird der eigene Rhythmus ruhiger, der Genuss des märchenhaften Panoramas führt zur Entschleunigung. Die vom Massentourismus unberührte Inselgruppe hat viel zu bieten, für Erholungsuchende, Wanderer, Wassersportler, Kulturliebhaber und auch für Gourmets. Ob abenteuerliche Schiffstouren zur Vogelbeobachtung in tiefe Brandungshöhlen unter den senkrechten, fast 700 Meter hohen Felswänden entlang, wo Papageientaucher, Trottellummen und Eissturmvögel nisten oder ein Besuch mittels Jeep beim Sternekoch der Insel, mitten in der Natur - hinter jeder Kurve locken immer wieder neue unvergessliche Erlebnisse.

Atemberaubende Bootstour an der Küste der Färöer Inseln.
Atemberaubende Bootstour an der Küste der Färöer Inseln.



Beste Gelegenheit, das Leben der freundlichen Inselbewohner etwas besser kennen zu lernen, bietet sich bei einem Dinner in einem Privathaushalt. Bei einem so genannten Heimablídni wird traditionell gekocht und die eine oder andere Geschichte aus der Vergangenheit erzählt. "Wir beginnen so ein Essen immer mit einem lokalen Aquavit, Livsins Vatn Akvavitt. Alle benutzen dasselbe Glas, aber jeder kann selbst entscheiden, wie viel er trinkt", begrüßt Anna Rubeksen ihre erwartungsvolle internationale Gästeschar. Während sie am Herd steht und kocht, entwickeln sich muntere Gespräche. Anna und ihr Mann Óli Rubeksen gehören schon seit vielen Jahren zu den Färingern, die regelmäßig Gäste aus aller Welt in ihrem Haus bewirten.

Zauberhafte Lichtspiele

Ursprünglich hatte sich das Ehepaar auf die Bewirtschaftung des familieneigenen Hofes konzentriert, Kühe gemolken, Schafe gehütet und die Ländereien bestellt. "Uns war es wichtig, die Kinder mit einzubinden, weil wir selbst eine sehr harmonische Hofgemeinschaft mit der Großfamilie erlebt haben, und weil einfach jede Hand gebraucht wird. Wir erinnern uns besonders an die Vormittage im Winter 2001, an denen wir wie üblich die Kühe gemolken und gefüttert hatten. Wir hatten Zeit, in Ruhe das Frühstück zu genießen. Häufiger gab es røst riv‘ – geschmorte, fermentierte Rippen. Während dieser Momente, dachten wir darüber nach, wie wir die Ressourcen des Hofes besser nutzen könnten", berichtet Anna Rubeksen.

Anna Rubeksen.
Anna Rubeksen.

 

Damals waren nicht mehr viele Leute für das traditionelle färöische Essen zu begeistern. Die Innereien der Schafe waren nicht mehr gefragt, die Wolle verlor an Wert und das färöische Rindfleisch fand keinen großen Anklang mehr. Obst und Gemüse ist kaum vorhanden, dafür sind die Färöer-Inseln zu zerklüftet und fast völlig baumlos. Wegen des steinigen Bodens und der harten oft äußerst windigen Wetterbedingungen müssen, bis auf Schafe und Fisch, so gut wie alle Nahrungsmittel importiert werden.

"Letztens konnte ich zwei Wochen lang meine Nachbarn auf der gegenüberliegenden Insel nicht sehen. Es war neblig und hat nur geregnet. Wenn die Sonne scheint, werden wir aber durch zauberhafte Lichtspiele belohnt. Dann leuchtet hier alles", freut sich die Einheimische über die berührende Schönheit ihres Landes. Als Anna und Óli Rubeksen im Jahr 2006 ihr neues Haus bauten, planten sie die Küche und das Esszimmer für die Bewirtung von Gästen. In dieser Zeit begann das Interesse an der nordischen Esskultur zu wachsen und inspirierte auch Färinger. Das Ehepaar verkaufte frisch geschlachtete Schafe an die guten Restaurants der Inseln. Weltweit entwickelte sich der Trend der Nachhaltigkeit und Regionalität. "Das fiel uns leicht, denn Nachhaltigkeit ist ein natürlicher Teil der Identität eines Bauern", bestätigt die Schäferin Anna Rubeksen. Immer häufiger kamen Gäste auf dem Hof und es wurde anfangs unter dem Motto "Smakka Føroyar" (Schmecken Sie die Färöer) gekocht. Erst 2013 wurde die Bewirtung der Gäste zur Profession.

Naturverbundenheit und Nachhaltigkeit ist auf den Inseln gesetzt.
Naturverbundenheit und Nachhaltigkeit ist auf den Inseln gesetzt.

 

Mut aufbringen, im eigenen Haus Fremde zu bewirten

"Diese Zeit hat uns gelehrt, welche Bedeutung Gastfreundschaft und Essen färöischen Ursprungs habt. Wir mussten den Mut aufbringen, Fremde einzuladen, die sich bei uns wie zu Hause fühlen sollen und gleichzeitig den wunderbaren Geschmack unserer Erzeugnisse aus der unmittelbaren Umgebung, von unserem Hof und aus dem Meer zu vermitteln. Dazu kam die Verbindung modern interpretierter traditioneller Rezepte", berichtet die Gastgeberin von den Anfängen.

Anna war als Bauerntochter schon als kleines Kind bei der Verarbeitung der geschlachteten Schafe dabei. Bereits ihre Mutter und Schwiegermutter legten sehr großen Wert auf die hohe Qualität der Produkte und eine ausgeprägte Tischkultur mit feinem Porzellan und Silberbesteck. "Es ist für uns auch wichtig, dass der Hof, den wir nun in der neunten Generation führen, ein sinnvolles und wertvolles Betätigungsfeld bietet, so dass auch die nächste Generation Lust hat, später den Hof zu übernehmen", lächelt die sympathische Färingerin und Hüterin von 150 Schafen. Während sie ihre Geschichte erzählt, wird sie am Herd von ihrer Tochter unterstützt. Das Dinner schmeckt großartig!

Dinner... großartig!
Dinner... großartig!

 

Mit Blick auf die Nachbarinsel Hestur, über der langsam der Mond aufgeht, wird jeder einzelne Gang des Abendessens mit den Gästen aus Korea, New Mexiko, Großbritannien und Frankreich genossen. Als Vorspeise gefällt die Fischsuppe mit frischem und fermentiertem Fisch sowie Räucherlachs. Es folgt eingeweichter und gesalzener Kabeljau mit Kartoffeln, Ei und Butter. Anschließend werden Fleischbällchen aus Fleisch von der Kuh einer Nachbarin mit Kartoffelpüree und Rhabarber-Chutney gereicht. Als Hauptgang serviert Anna Rubeksen gebratene Lammkeule an karamellisierten Kartoffeln und Rotkohl. Das Dessert besteht aus Haselnuss-Meringue mit Sahne und Rhabarberkompott. Als Getränkebegleitung wurden Spezialbiere der örtlichen Brauerei ausgewählt: Okkara Kelling, Norðlýsi, Okkara Ráa Nr. 2 und Okkara Tróndur. Spätestens dieser wundervolle Abend öffnet die Herzen auch für die liebenswerten Menschen dieser fantastischen Inselwelten.

Informationen
Visit Färöer Islands, www.visitfaroeislands.com

 

 

Impressionen:

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 13/11/2019

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Autor

Carola Faber

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