Rotterdam im Thierry Mugler Fieber

Erneut stellt die Kunsthal Rotterdam einen Top-Designer mit einer Retrospektive vor! Nach dem Franzosen Jean-Paul Gaultier, dem in Polen geborenen Peter Lindbergh, den Niederländern Viktor & Rolf ist es nun der Kanadier Thierry Mugler, dessen opulente Werkschau fasziniert: "Thierry Mugler: Couturissme".

Rotterdam im Thierry-Mugler-Fieber: Anlässlich der Ausstellung in der Kunsthal Rotterdam breitet sich auf dem Platz vor dem Rotterdamer Hauptbahnhof eine glamouröse "Projektionskarten"-Lichtinstalltion aus, für alle Reisenden und Passanten wie ein einladender roter Teppich.*

Wenn der französische Couturier Thierry Mugler den Raum betritt, trägt er eine Bugwelle von Kraft und Unverletzbarkeit vor sich her. Kaum vorstellbar, wie feinfühlig und sensibel seine Kreationen oft gestaltet sind. Innovativ ist er - und rebellisch, im Besitz einer einzigartigen Vorstellungskraft, spektakulär und eindringlich seine außergewöhnlichen Kreationen, mit denen der heute 70-Jährige seit 50 Jahren die Welt überrascht.

Coturissme wurde eingepackt in Montreal und ausgepackt in Rotterdam: Manfred Thierry Mugler, creator, 2018 Photo ©Max Abadian
Coturissme wurde eingepackt in Montreal und ausgepackt in Rotterdam: Manfred Thierry Mugler, creator, 2018 Photo ©Max Abadian

 

Oper in sechs Akten

Vor allem die Bühne war Ausgangspunkt und lebenslange Inspirationsquelle von Muglers Karriere – so ist die Ausstellung in Rotterdam wie eine Oper konzipiert. Sechs verschiedene "Akte": Macbeth und die schottische Dame, Stars & Sparkles, Belle de Jour und Belle de Nuit, The Photographer's Eye, Metamorphosis und Futuristic & Fembot Couture. Die meisten der ausgewählten Stücke wurden noch nie ausgestellt: Mehr als 150 Ensembles, viele noch nie dagewesene Accessoires und Bühnenkostüme, Clips und Videos, Archivdokumente und Skizzen. Sie entführen die Besucher in das Mugler-Universum "Wo die ganze Welt eine Bühne ist".

Seine stromlinienförmigen und eleganten Kreaturen, seine gefährlichen und verführerischen Frauen verleihen den Menschen ein Universum aus Glamour und Verführung an den Grenzen der Realität. Die Roben und Gewänder haben futuristische Schnitte, glamourösen, skulpturale und eleganten Silhouetten, korsettierte Taillen. Perfektionismus oder Hollywoodstil wechseln sich ab mit exotischen Kreaturen, Erotik und Science fiction. Materialien sind feinste Stoffe, zarte Federn ebenso wie Leder, Metal, Vinyl oder Latex oder gar Autoreifen.

Haute Couture aus Autoreifen: Les Insectes collection, haute couture spring/summer 1997. ©Outfit: Thierry Mugler. Photo: Patrice Stable.
Haute Couture aus Autoreifen: Les Insectes collection, haute couture spring/summer 1997. ©Outfit: Thierry Mugler. Photo: Patrice Stable.

 

Bewegt war Thierry Muglers Weg schon immer. Als Fotograf und Filmemacher inszenierte er das Video "Too Funky" der 1990er-Jahre des britischen Sängers George Michael. Auch Kurzfilme mit den Schauspielerinnen Isabelle Huppert und Juliette Binoche. Er entwarf die Kostüme für die Inszenierung von Shakespeares "Macbeth" durch die "Comédie Française" und das "Festival d'Avignon", ebenso die "Zumanity"-Show durch den "Cirque du Soleil".

"Das schönste Tier der Welt hat mich schon immer fasziniert: der Mensch. Ich habe alle mir zur Verfügung stehenden Werkzeuge benutzt, um diese Kreatur zu sublimieren: Mode, Shows, Parfums, Fotografie, Video ...", sagt der Star-Coutourier. Besonders dankbar ist er Nathalie Bondil, Generaldirektorin und Chefkuratorin des MMFA, die es geschafft habe, gemeinsam mit ihm eine neu erfundene künstlerische Vision zu denken und zu inszenieren. Kurator Thierry-Maxime Loriot erklärt: "Mit lyrischen und verspielten Ideen, dramatischen Metamorphosen und elegant gestalteten Kreaturen erweitert sein Bildstil seit Jahren die Grenzen der Mode". Es sei schon immer Muglers Mission gewesen, das tägliche Leben seiner Kunden mit seiner "Geschichtenerzähler"-Couture zu verbessern.

Thierry Mugler Couturissme in der Kunsthal Rotterdam – Thierry Mugler_Installation shot ©Marco De Swart
Thierry Mugler Couturissme in der Kunsthal Rotterdam – Thierry Mugler_Installation shot ©Marco De Swart

 

"Thierry Mugler: Couturissme" hatte zuvor in Kanada im Montreal Museum of Fine Arts (MMFA) Aufsehen erregt, fast 300.000 Besucher sahen diese Werkschau, die in Zusammenarbeit mit der Clarins Group und dem Maison Mugler initiiert, produziert und auf ihren Weg gebracht wurde. Die Kunsthal Rotterdam ist nun die erste europäische Station, einzigartige Gelegenheit, Muglers visionäres Schaffen zu erleben, das bis heute einen großen Einfluss auf neue Generationen von Couturiers hat. Das Unternehmen Thierry Mugler hat seinen Sitz in Paris und gehört der Clarins Group.

Rotterdam ist ein Mekka für Designer

Aus Anlass der Designer-Ausstellung lohnt sich ein Blick in die Rotterdamer Designszene wie beispielsweise in den Shop der Designerin Margreeth Olsthoorn Ecke Witte de Withstraat/ Schiedamsedijk 51. Die Rotterdamerin steht für high-end-Mode, Avantgarde, raw & slightly punk und konzeptionelle wie klassisches Design aus ausgesuchten Materialien, sie identifiziert sich aber auch mit Neuem und Klassischem, Jungem und Etabliertem. Ihre Kunden sind Persönlichkeiten aus der ganzen Welt.

Oder Susan Bijl mit ihrem Alltagsdesign "The New Shopping Bag" am Mauritsweg 45a. Sie spezialisierte sich mit umweltfreundlichem Nylon auf Regenbogenfarbene Taschen und Rucksäcke in eleganten Schnitten, die sich angenehm von dem Einheitsanblick auf den Straßen unterscheiden.

Eine zufällige Entdeckung in der angesagten Hoogstraat 23a: Dort hat die Fashion-Illustratorin Linda Zoon ihr Studio. Ihre Modezeichnungen der Kreationen berühmter Modeschöpfer bezaubern, fast kommt man durch sie auf die Idee, selbst zu schneidern.

Das niederländische Luxuskaufhaus "De Bijenkorf" am Beursplein unterstützt die Sichtbarkeit der Thierry-Mugler-Ausstellung mit einem "muglerisierten" Schaufenster: Blickfang sind einige der eigens für "Thierry Mugler: Couturissme" hergestellten 140 Mannequins/Schaufensterpuppen aus dem Atelier von "Hans Boodt Mannequins".

Chin-chin mit Gin

Rauschende Opening Parties anlässlich von Designer-Shows in der "Kunsthal Rotterdam" bekommen langsam Tradition, schließlich ziehen diese Ausstellungen auch ein internationales, auffällig kreativ gekleidetes Publikum an. Der Franzose Jean-Paul Gaultier "Vom Bürgersteig zum Laufsteg" 2013, der polnische Fotograf Peter Lindbergh Eine andere Vision der Modefotografie 2016 und 2018 die Niederländer "Viktor & Rolf"* mit "Viktor & Rolf: Modekünstler 25 Jahre" 2018 hatten vor ihm hier ihre ganz besondere Aufmerksamkeit, nun ist es Thierry Mugler, der eigentlich auf den Namen Werner Thierry Mugler getauft wurde.

Auch die Flasche fällt auf: Der niederländische Szene-Gin Loopuyt Dry Gin
Auch die Flasche fällt auf: Der niederländische Szene-Gin Loopuyt Dry Gin. Photo: Robert Roozenbeek 

 

Und so gehört zum kreativen Feiern auch ein kreatives Getränk. Weine können die Niederländer bereits, wie die Lagen aus Südholland beweisen. Der zeitgemäße Gin "Loopuyt Dry Gin" kommt – traditionell gebrannt – aus Schiedam, nur 10 Minuten westlich von Rotterdam gelegen. Loopuyt & Co Distilleries wurde 1772 als Jenever- und Ginmarke in Schiedam gegründet. 392 Brennereien soll es in der Blütezeit gegeben haben, Loopuyt’s Name und Ruf breiteten sich in der ganzen Welt aus. Grundlage sind Kräuter, Beeren, Samen und Rinden. "Erst wenn 12 Destillate perfekt sind, werden sie zu unserem Gin vereint", sagt Jaco van der Leun, Loopuyt’s Destillateur. "Auf diese Weise sichern wir unsere gleichbleibende hohe Qualität".

Mit der Gin-Marke von heute hat man den Geschmack des 21. Jahrhunderts getroffen, sein Geschmack wird als "zugänglich" und "ausgewogen" beschrieben: "Neu, perlend und frisch" sagen die Macher. Hinzugekommen ist seit 2014 Loopuyt Tonic und Loopuyt Ginger Beer.

Für sein Erscheinungsbild arbeitet die Spitzen-Destillerie mit Spitzendesignern, gemeinsam beweisen sie viel Eigensinn. Die Destillerie hat ihre eigene Bar, Designer-Plakate, Spitzenbarkeeper, die Premiux-Flaschen und aufregende "Yellow cups". Der Gin ist nicht nur heraus zu schmecken, sondern auch sichtbar: Ein Gesamtkunstwerk! Rotterdam hat Schiedam zu ihrem eigenen "Distillers District" erkoren.

In dem geheimen "Speak easy" im Destillerie-Gebäude in Schiedam verbirgt sich ein Boxring und ein klassischer Barbershop – wie in Zeiten der amerikanischen Prohibition. Wie kommt man dort hinein? Im Deckel jeder Loopuyt-Gin-Flasche befindet sich ein einmaliger link, über den eine Zutritts-Anmeldung möglich ist. Viele ziehen mit der Loopuyt-Karawane, mit den Pop-up-Bars oder "Sorry Schat’t"- Loopuyt (Sorry Schatz, es wird später) oder gar dem Loopuyt Fightclub: Spitzen-Barkeeper können sich einer Herausforderung stellen: Nach einem Jahr Profitraining können die besten in verschiedenen Gewichtsklassen gegeneinander antreten für die Suche nach dem besten Punch.

Loopuyt-Dry-Gin befindet sich auch unter der großartigen Auswahl beispielsweise in der Bar & Brasserie "Water" im Designhotel "Maintower". Hotel und Bar sind nicht nur bekannt für das fashionable Interieur, sondern auch für die fantastische Aussicht auf den pulsierenden Welthafen, die imposante "Erasmus"-Bridge, die düsenden, gelben Wassertaxen auf dem Rhein und eine nächtliche Skyline, die fast so überwältigt wie die von NYC.

Wie in der Modewelt passt auch in Rotterdam das Zitat des irischen Schriftstellers Oscar Wilde: "Mein Geschmack ist denkbar einfach, ich bin immer mit dem Besten zufrieden".

Informationen:

Kunsthal Rotterdam,
Thierry Mugler: "Couturissme", bis 8. März 2020
www.kunsthal.nl

Designerin Margreeth Olsthoorn
www.margreetholsthoorn.nl

"The New Shopping Bag” von Susan Bijl
www.susanbijl.com

Hans Boodt Mannequins
www.hansboodt-etalagepoppen.nl

Linda Zoon, Fashion Ilustrationen, www.lindazoon.nl

Loopuyt Gin, www.loopuyt.com

Inntel Hotel /Designhotel Maintower
Bar & Brasserie WATER,
www.inntelhotelsrotterdamcentre.nl

 

* Installation in Zusammenarbeit mit "Sober Industries"

* Viktor Horsting und Rolf Snoeren

Fotos: Marco De Swart, Alan Strutt, Max Abadian, Patrice Stable, Margreeth Olsthoorn, Robert Roozenbeek.

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Zuletzt bearbeitet am 21/10/2019

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Autor

Uta Petersen

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