Ausstellung "Nicolaes Maes – Rembrandts vielseitiger Schüler"

Erste internationale retrospektive Ausstellung bringt Nicolaes Maes aus Rembrandts Schatten...

Im nationalen Rembrandt-Gedenkjahr präsentiert das Mauritshuis eine retrospektive Ausstellung über einen der vielseitigsten Schüler des Meisters: Nicolaes Maes (1634-1693). Rund dreißig Gemälde führen durch die verschiedenen Phasen seines künstlerischen Schaffens. Während seiner langen Karriere brillierte er mit historischen Werken, Genrebildern (Alltagsszenen) und eleganten Porträts. Seine lebensechten und richtungsweisenden Bildnisse konzentrierten sich häufig auf Frauen bei ihrer Hausarbeit und machen ihn zu einem der innovativsten und interessantesten niederländischen Meister des siebzehnten Jahrhunderts. Dies ist die erste internationale Retrospektive auf das umfassende und vielseitige Werk des Künstlers mit Leihgaben aus Europa und den USA. Nie zuvor wurde das Werk des alten Meisters so breit mit all seinen Facetten präsentiert.

Alltag und Lauscherinnen

Junge und alte Frauen, vertieft in ihre Hausarbeit, beim Spitzenklöppeln oder beim Nähen. Junge Mütter, Dienstmädchen, Hausangestellte, die vom Markt zurückkehren. Maes war ein Meister des siebzehnten Jahrhunderts in der Darstellung privater häuslicher Szenen. Oft fokussierte er sich auf eine einzelne zentrale Figur. Seine Bilder sind friedlich, fast schon monumental. Ein typisches Bild für dieses Genre ist Die alte Spitzenklöpplerin (ca. 1656), welches das Mauritshuis 1994 erwarb. Unverwechselbares Element seines Oeuvres sind die "Lauscherinnen": Eine lächelnde Hausherrin beobachtet ein Dienstmädchen und ihren Geliebten. Mit dem Finger auf den Lippen zieht sie die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich und macht ihn zum stillen Beobachter. Maes war ein Meister im Malen komplexer Innenräume mit Türen und Treppen, die Einsichten in weitere Räume ermöglichen. In der Ausstellung sind großartige "Lauscherinnen" aus dem Dordrecht Museum, der Guildhall Art Gallery (London) und dem Wellington Museum (ebenfalls London) zu sehen.

Mauritshuis Kuratorin Ariane van Suchtelen ist verantwortlich für das Konzept und die Organisation der Ausstellung: "Leihgaben von Europa und Amerika finden ihren Weg ins Mauritshuis, um die Geschichte von Maes großer Kunstfertigkeit zu erzählen. Seine wundervollen Genrebilder sind ziemlich berühmt, aber es gibt auch frühe Bibelzeichnungen und elegante Porträts in der Ausstellung. Diese Gemälde unterscheiden sich so sehr, dass man lange glaubte, es würde zwei Maler mit dem Namen Maes geben. Wir zeigen in dieser Ausstellung einen Nicolaes Maes, den nicht viele Menschen kennen: innovativ und einflussreich mit einem unglaublich vielseitigen und abwechslungsreichen Gesamtwerk."

Rembrandts Einfluss

In der besten Tradition seines Lehrers Rembrandt startete Maes als historischer Maler mit dem Porträtieren biblischer Szenen. Der kraftvolle Malstil, die warmen Farben und die scharfen Kontraste von Licht und Schatten zeigen eindeutig den Einfluss seines Meisters. Rembrandt war ein hingebungsvoller Lehrer, der seine Schüler herausforderte, innovativ zu sein. Maes ließ sich von seinem Lehrer inspirieren, suchte aber gleichzeitig immer nach eigenen, neuen Lösungen. Ein gutes Beispiel ist Das Opfer Abrahams (ca.1653), dem Maes eine ganz eigene explosive Ladung hinzufügte. Christus segnet die Kinder (1652-53) demonstriert sein Talent für das Malen von Kindern. Der Einfluss seines Lehrers war in seiner frühen Karriere am stärksten: Lange Zeit wurde sogar angenommen, dass es sich bei den Bildnissen biblischer Szenen um Rembrandt-Bilder handeln würde. Maes war tatsächlich ein ausgeprägter Rembrandt-Schüler, der wusste wie er mithilfe genau beobachteter Gesten und Gesichtsausdrücke Emotionen überzeugend zum Leben erwecken konnte.

Einfluss auf De Hooch und Vermeer

Maes war ein Pionier im Porträtieren von Wohnräumen und seine Alltagsdarstellungen gehören zu den echtesten, die im siebzehnten Jahrhundert in Holland entstanden sind. Die häuslichen Szenen, die er in Dordrecht ab 1653 malte, waren eine Inspirationsquelle für Künstler wie Pieter de Hooch und Johannes Vermeer. Seine wunderschön ausgeführten Innenräume mit einladenden perspektivischen Einsichten in andere Räume kehren auch in ihren Werken wieder.

Der größte Erfolg

Maes erreichte seinen größten Erfolg während seiner Zeit als Porträtmaler, die ihn zum bekannten und wohlhabenden Mann machte. Diese Ausstellung enthält eine Auswahl außergewöhnlich eleganter und farbenfroher Porträts von berühmten Kunden aus allen Winkeln der niederländischen Republik. Prachtvoll gekleidete Menschen, oft sogar im Kostüm, die inmitten parkähnlicher Landschaften mit antiken Anlagen und Brunnen glänzen. Maes wurde als Porträtmaler so erfolgreich, dass seine Kunden, die aus Amsterdam, Leiden, Rotterdam und Utrecht kamen, manchmal lange warten mussten, bevor ihre Auftragsarbeiten geliefert wurden. Das Trip-de Geer-Ehepaar (1165 bzw. 1669) präsentierte sich in konventionellem dunklem Schwarz, aber in einem Gruppenporträt aus ca. 1674 wurde eine unbekannte Familie auch in wesentlich extravaganterer Kleidung mit eleganten, farbenfrohen Roben und bauschenden Schärpen abgebildet.

Die Porträts eines Mädchens mit Hirsch und ihres Bruder mit einem Eisvogel und einem Hund (1671) zeichnen sich durch außergewöhnliche Farben und Eleganz aus. Und noch immer hallt das Echo Rembrandts in Maes Die Vorsteher der chirurgischen Gilde von Amsterdam (ca.1679-80). Genau wie in Der Syndikus der Weberzunft (1662) von seinem Lehrer, scheinen auch diese Regenten von ihrem Gespräch aufzublicken, als ob sie bei einem wichtigen Treffen gestört werden würden.

Vermutlich verdiente Maes bei weitem das meiste Geld mit seinen Porträts. Dafür spricht allein die Anzahl: Sein Gesamtwerk enthält weniger als zehn historische Werke, rund 40 Genrebilder, aber mindestens 900 Porträts. Ein Happy End gibt es für vier private, elegante Familienporträts der Leidener Familie Van Alphen. Die Bilder befinden sich normalerweise in verschiedenen Sammlungen und wurden speziell für diese Ausstellung wiedervereint. Zwei Pendant-Porträts aus dem Metropolitan Museum in New York, befinden sich noch immer in ihrem Originalrahmen.

Ein einfach geschriebener und reich illustrierter Katalog (in niederländischer und englischer Sprache) wird die Ausstellung begleiten.

Weitere Informationen unter www.mauritshuis.nl/nl-nl/besucherinformationen/

Foto: Nicolaes Maes, Die Lauscherin, ca. 1656, Wellington-Kollektion, Apsley House (English Heritage), London.

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