Mosambik zwischen Traumstränden und Walhaien

Viele kennen Mosambik nur aus den Nachrichten als Land von Naturkatastrophen und langen Bürgerkriegen. Nur wenige Abenteurer hatten die junge, aufstrebende Nation bis vor kurzem überhaupt auf dem Radar. Doch seitdem immer mehr Touristen nach den letzten unberührten Paradiesen dieser Erde weitab vom Massentourismus suchen, mausert sich das Land am Indischen Ozean langsam.

Tauchbegeisterte wissen es schon lange: Mosambik ist mit einer mehr als 2.500 Kilometer langen Küste gesegnet, an der sich endlose Korallenriffe, verträumte Taucherdestinationen und wunderschöne tropische Stränden aneinanderreihen. Dementsprechend genießt das Land unter Tauchern einen ausgezeichneten Ruf als einer der besten Tauchplätze der Welt.

An den Stränden des kleinen Örtchen Tofo in der Provinz Inhambane - rund zehn Stunden Autofahrt nordöstlich von Mosambiks Hauptstadt Maputo entfernt - können Taucher und Schnorcheler die größten Fische der Welt, die Walhaie, genauso regelmäßig beobachten wie Buckelwale, riesige Mantarochen, Delfine und Schildkröten. Das ist weltweit einmalig.

Beim Schnorcheln getroffen: Walhai.
Beim Schnorcheln getroffen: Walhai.

 

Tofo als Hotspot für Taucher

Auf den ersten Blick können Giant Mantas mit einer Spannweite bis zu acht Metern und die riesigen Walhaie ziemlich respekteinflößend sein. Allerdings sind die sanften Riesen für Menschen vollkommen ungefährlich. Jeder einzelne dieser Fische hat seine eigene Persönlichkeit: Manche sind genauso scheu wie Menschen und tauchen bei der Sichtung von Schnorchelern in tiefere Gewässer ab. Wieder andere suchen neugierig die Nähe von Menschen und folgen ihnen, ganz so als würden sie diese genauer studieren wollen.

Markt der Superlative

Vor der Küste des kleinen Fischerdorfes trifft planktonreiches, kälteres Auftriebswasser auf tropisch warmes Gewässer. Megafauna wie Walhaie und Mantas müssen einfach nur mit weit geöffnetem Maul durch das Meer schwimmen und die Kleinstlebewesen aus dem Wasser filtern. Ein Supermarkt der Superlative sozusagen für die sanften Riesen. Sogar Buckelwale zieht es in den Monaten zwischen Juni und Oktober an die Küste.

Dadurch ist die "Artenvielfalt, die wir hier bekommen, wirklich einzigartig in der Welt", erklärt die amerikanische Meeresbiologin Dr. Andrea Marshall. Weil auch in Mosambik die Überfischung und Umweltverschmutzung ein echtes Problem sind, hat Dr. Marshall vor Jahren im Ort eine Organisation zum Meeresschutz namens MMF (Marine Megafauna Foundation) gegründet und engagiert sich intensiv für die Arterhaltung der Meerestiere.

Manta auf der Suche nach Kleinstlebewesen.
Manta auf der Suche nach Kleinstlebewesen.

 

Traumstrände am Bazaruto-Archipel

Das Land hat jedoch weitaus mehr zu bieten als eine artenreiche Küste. So wurden etwa die abgelegenen Koralleninseln des Meeresschutzgebietes des Quirimbas Archipels im Jahr 2018 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Auch die Strände des Bazaruto-Archipels sehen aus wie wahr gewordene Urlaubsträume. Der Nationalpark besteht aus fünf Inseln und zieht eher luxuriöse Reisende aus dem benachbarten Südafrika an.

Dagegen scheint auf der halbmondförmigen Ilha de Moçambique im Norden des Landes die Zeit stehen geblieben zu sein. Vier Jahrhunderte lang war die Insel Namensgeber, Hauptstadt und Handelszentrum vom portugiesischen Ostafrika. Europäer, Araber und Inder leben und arbeiten dort meistens friedlich miteinander – der englische Sänger Freddy Mercury der Gruppe Queen war einer von ihnen.

Safari in Mosambik

Naturliebhaber sind in den Nationalparks Limpopo und Gorongosa gut aufgehoben. Gorongosa galt vor dem sechszehnjährigen Bürgerkrieg als einer der artenreichsten Nationalparks im südlichen Afrika. Leider wurde fast der gesamte Artbestand durch den erst im Jahr 1992 beendeten Bürgerkrieg und Wilderei vernichtet. Die Artenvielfalt ist überschaubar, die Nationalparks bieten jedoch unverfälschte, wilde Natur ohne Massentourismus.

In den Nationalparks Limpopo und Gorongosa gibt es noch unverfälschte, wilde Natur.
In den Nationalparks Limpopo und Gorongosa gibt es noch unverfälschte, wilde Natur.

 

Überhaupt steckt der Tourismus in Mosambik noch in den Kinderschuhen. Bettenhochburgen, Massentourismus und überlaufene Strände sucht man vergeblich.

Augen auf beim Transfer

Die Straßen und der öffentliche Verkehr in Mosambik sind auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig und absolut nicht vergleichbar mit dem, was deutsche Reisende von zu Hause gewohnt sind. Im Süden des Landes bis zum Bazaruto-Archipel kann noch mit dem Mietauto gefahren werden, aber dann wird es brenzlig. Sogar Autoverleihe lassen Reisende aufgrund der desolaten Zustände der Straßen nicht mehr weiterfahren. Die öffentlichen Verkehrsmittel, die üblichen Chappas, können abseits der großen Touristenorte manchmal tagelange Verspätung aufweisen. Am besten eignet sich daher ein Inlandsflug mit der mosambikanischen Fluglinie LAM Mozambique.

Trotzdem ist eine Rundreise auf eigene Faust lohnenswert – gilt das Land doch als relativ sicher und stabil. Schließlich lernt man nur auf diesem Wege viel von Land und Leute kennen.

Die Straßen in Mosambik sind nicht immer gut, bestehen oft aus Sand und Erde.
Die Straßen in Mosambik sind nicht immer gut, bestehen oft aus Sand und Erde.

 

Ungefährliches Paradies

Mosambik gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Allerdings kommen bewaffnete Raubüberfälle wie im Nachbarland Südafrika nur extrem selten vor. Die meisten Mosambikaner freuen sich über die Besucher in ihrem Land und suchen neugierig das Gespräch. Ein paar Brocken Portugiesisch helfen enorm weiter bei der Verständigung.

In Mosambik ist der Lebensrhythmus entspannt und alles scheint langsamer und friedlicher abzulaufen. Der Strom fällt regelmäßig aus, Straßen bestehen oftmals aus nichts weiter als ein bisschen Sand und Erde, das unvermeidliche Warten auf den nächsten Bus gehört zum Leben dazu.

Die größte Gefahr stellt sicherlich die ganzjährig verbreitete Malaria dar. Die Übertragung erfolgt durch den Stich nachtaktiver Mücken und kann unbehandelt tödlich enden. Eine Malariaprophylaxe mit verschiedenen verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Atovaquon oder Doxycyclin ist unbedingt ratsam. Es sollte wenigstens als Stand-by in der Reiseapotheke mitgeführt werden und bei den ersten Anzeichen sollte der Arzt aufgesucht werden.

Traumstrände in Mosambik locken die Urlauber.
Traumstrände in Mosambik locken die Urlauber.

 

Gerade der Süden Mosambiks mit seinen weitläufigen, von Palmen gesäumten Stränden wird seit Jahren von Südafrikanern als beliebtes Ferienziel angefahren. Es gibt nur wenige Länder auf dieser Welt, die noch so unentdeckt zu sein scheinen, so ruhig und unberührt wie Mosambik. Die Fischer gehen ihrer Arbeit nach wie sie es schon immer gemacht haben, es werden Lebensmittel auf dem örtlichen Markt anstatt in Supermärkten verkauft und die schönsten Strände sind weder zugebaut noch überlaufen.

Alleinreisende Frauen reisen sicher und gut aufgehoben. Klar, bleiben die Busse manchmal aus unerfindlichen Gründen einfach auf freier Strecke stundenlang stehen. Der Strom fällt aus und Dinge laufen nicht wie geplant, aber das sollte nicht die Laune vermiesen. Getreu dem afrikanischen Motto: "TIA – This is Africa". Keine Sorge, schließlich ist alles in bester Ordnung, irgendwann kommt jeder Bus einmal an. In diesem Sinne: Tudo bem – alles klar!

 

Video:

 

Impressionen:

Weitere Infos unter: https://mozambiquetourz.com

Text: Anja Knorr (happybackpacker.de) / Fotos: Anja Knorr, Anna Flam, Edle Everaert, Mark Kelly, Stella Diamant

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Zuletzt bearbeitet am 03/06/2019

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