Goldene Bar und moderne afrikanische Kunst in München

Mit der großartigen Schau "Triumphant Scale" des ghanaischen Künstlers El Anatsui (1944) setzt der kürzlich verstorbene Direktor des "Haus der Kunst" in München Okwui Enwezor als Kurator ein Zeichen...

Der 2015 mit dem Goldenen Löwen der Berlinale in Venedig ausgezeichnete heute in Nigeria arbeitende und lebende Künstler, gilt vielen als prominentester Vertreter seines Kontinents. Werke aus 50 Jahren Arbeit sind im Münchner Museum bis zum 28.7.2019 zu sehen: von Holzskulpturen, Wandreliefs und Keramiken aus den 1970-1990er Jahren bis zu monumentalen Wandarbeiten und Rauminstallation, die nach der Jahrtausendwende entstanden sowie eigens für die Ausstellung gefertigten Skulpturen aus recycelten Stoffen, z.B. Flaschenverschlüssen. Und die Installation "Second Wave" El Anatsuis bisher größte Arbeit, die sich über die komplette Südfassade – die Kolonnaden – des monumentalen Gebäudes erstreckt. Sie umfasst 22 Paneelen von ca. 10 x 4 Metern, die aus mehreren Tausend gefalteten, verknüpften, kurvigen, übereinander gelagerten Offset-Druck-Platten bestehen. Die ausgemusterten Stücke stammen von einer Münchner Tageszeitung und einem Bozener Kunstbuchdrucker. Der Künstler ließ sich auch vom nahe gelegen Eisbach des Englischen Gartens inspirieren.

El Anatsuis "zweite Welle" versteht sich als Meditation über die heutige Informationsflut und die Geschichte und Gegenwart des "Haus der Kunst". Mit diesem aktuellen Kunstwerk liefern Künstler und Kurator eine Antwort auf die Nazivergangenheit des Hauses und seine neue Rolle als Ort für zeitgenössische Kunst. Im Museum erweisen eine Reihe von gerahmten schwarz-weiß Foto-Portraits Okwui Enwezors die Ehre und im Kondolenzbuch wünschen Museumsbesucher ihm dem großen Kurator, Kunstkritiker und Theoretiker, künstlerischen Leiter der Documenta 11, "gute Reise", bedanken sich für seinen Weckruf an die deutsche Kunst- und Museumsszene insbesondere seine innovativen und wegweisenden Pläne seit 2011 für die Vergangenheitsbewältigung im Haus der Kunst. Denn erst nach der Jahrtausendwende konnte hier die Phase des "kritischen Rückbaus" am Haus vorsichtig eingeleitet. Beispielhaft ist die Geschichte der 2010 restaurierten Bar des Hauses.

Fassade Haus der Kunst.
Fassade Haus der Kunst.

 

Goldene Bar

Einen herrlichen Ausblick auf den Englischen Garten bietet die 1937 mit dem "Haus der Deutschen Kunst" eröffnete Bar, die sich an das Restaurant im Terrassensaal anschloss, auch heute. Die güldene Wandmalerei von Karl Heinz Dallinger 1937 geht auf die Ideen des Architekten der Bar Ernst Haiger zurück. Mit Pinsel auf Blattgold schuf der Maler Landkarten und Szenisches: Europas Weine – der italienische Stiefel, Dalmatien, Südtirol, Ungarn, dazu Frankreich (mit der Champagne und Bourdeaux), Portugal und Spanien sowie Deutschland (Mit Rheingau und Mosel) – Englands und Irlands Whisky-Destillation werden repräsentiert. Darstellungen des karibischen Raums mit Kuba, Jamaika, Haiti samt Tabakhändlern, Zuckerrohrtransport schmücken die anderen Wände. Wie bei der Architektur und dem Großereignis der Olympiade 1936 in Berlin und der Schau bei der Weltausstellung in Paris 1937 setzten die Nationalsozialisten und ihre Propaganda im Haus der Kunst mit dem Interieur der Bar die Maske der Weltoffenheit und Internationalität auf, als Programm und Strategie.

Nach dem Krieg versteckte man die Wandmalerei hinter Sperrholzplatten. Im Zuge des kritischen Rückbaus des "Haus der Kunst" um 2003 wurden sie freigelegt und dann restauriert. 2011 feierte die "Goldene Bar" ihre fulminante Eröffnung. Die Pächter Leonie von Carnap und Klaus St. Rainer, der international renommierte und preisgekrönte Bartender entschieden, sich für Mobiliar aus den 1950-60er Jahren, ein Kronleuchter aus den 1920er Jahren (aus dem Züricher Hotel Savoy) bestimmt die mondäne Atmosphäre. In der Lounge sorgt das golden anmutende Leuchtbild (Floria Süssmayr) für Stimmung.

Loungebereich Goldene Bar.
Loungebereich Goldene Bar.

 

Das Tagescafé mit wechselndem Menü hat auch abends geöffnet. Internationale Gerichte zum Lunch oder Diner – Salat mit Antipastigemüse (11,50€), Pimentos de Padron, Parmesan, Chili (6,50€), Artischocke Mayonaise-Trüffel (8,50€), Bunte Beete Ziegenkäse, Mandeln, Datteln (15,50€) oder Loup de Mer, weiße Bohnencreme, Chorizo, Bouillabaisse Jus (18,50€) und Kalbsbacke, Blumenkohl-Nougat-Creme (19,50€), Desserts (7,50€) – locken die Besucheran. Aushängeschild der Bar sind die klassischen Cocktails mit "modernem Twist". So kommt "Blood & Sand" (Scotch Whisky, roter Wermut, Kirchlikör) statt mit Orangensaft mit Orangenschaum daher: Cheers in der güldenen Bar!

Info:
Die Ausstellung "Triumphant Scale" des ghanaischen Künstlers El Anatsui (bis 28.7.2019) im Haus der Kunst, Prinzregentenstr. 1, 80538 München, Tel. +49 89 21127 113, www.hausderkunst.de

Goldene Bar (im Haus der Kunst), Tel. +49 89 548047777, www.goldenebar.de
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10.00-18.00, Di-Sa 10..00-02, So. 10.00-20.00, Restaurant Mo 10.00-18.00, Di-So 10.00-20.00

Fotos: Ellen Spielmann

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 22/05/2019

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Letzte News

Letzte Artikel

Genuss-Newsletter abonnieren?

Mit der Anmeldung zu unserem Newsletter erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen (s.l.) einverstanden. Eine Bestätigungsmail mit einem Aktivierungslink wird nach der Anmeldung an die angegebene Mailadresse versendet. __________________________
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.