Für Himmelsstürmer und Genießer

Dass so viel heiße Luft so faszinieren kann! Kurz abgehoben, schon strahlen die Gesichter, strahlende Blicke werden getauscht, der Heißluftballon-Virus hat ganze Arbeit geleistet. Schwerelos in die Höhe zu schweben hat etwas Majestätisches...

Unter uns die tief verschneite Tiroler Alpenlandschaft mit dem Kaiserwinkl und dem Kaisergebirge. Da ist das Dorf Kössen, der Walchsee, Häuser, Kirchen, Gehöfte, Wege, Straßen, alles im Miniaturformat.

Mit einem kleinen Luftballon fing alles an. Ballon-Pilot Helmut Winkler hat ihn gen Himmel steigen lassen, als Versuchskaninchen. Helium hat es in seinem kugelrunden Bauch, ganz so wie seine Verwandten auf dem Jahrmarkt. Allerdings bringt dieses Exemplar keine Kinderaugen zum Leuchten, er liefert wichtige Informationen zu Windrichtung und -stärke. Und das ist elementar, will man sicher starten und später genauso sicher wieder landen. Bei stärkerem Wind, Nebel, Regen oder Schneefall sind Fahrten mit dem Heißluftballon tabu. Doch an diesem Tag ist alles bestens. Es herrscht leichter Westwind. So hat es auch der meteorologische Dienst vorausgesagt.

Es kann losgehen. "Ich bin der Chef", lässt uns Winkler wissen. "Und ich brauche eine Mannschaft. Diese Mannschaft seid ihr." Klare Ansage. Hier ist Anpacken angesagt. Also wird die Ballonhülle auf dem Boden ausgebreitet, sie bringt es immerhin auf eine Länge von 30 Metern, mit Schnüren und Korb kommt das Gefährt sogar auf 35 Meter. Dann bläst ein Ventilator in die Polyester-Hülle, auf dass sie sich nach und nach aufplustert. Sie gehört zu den kleineren Exemplaren. Doch 4.000 Kubikmeter passen auch in sie hinein. Schon kommt einer der beiden Brenner zum ersten Mal zum Einsatz, spuckt eine meterhohe Flamme. Die Luft im Inneren erwärmt sich, der Ballon richtet sich langsam auf. Na dann, bitte einsteigen und "Glück ab, gut Land!", wie die Ballonfahrer sagen. Winkler lässt den Brenner wieder fauchen wie eine Wildkatze.

Hier ist das Team gefragt...
Hier ist das Team gefragt...

 

Fahren mit dem Wind

Butterweich hebt der Weidekorb ab. Vier Flaschen Propangas haben wir an Bord, macht zusammen 250 Liter. Das reicht für rund 2,5 Stunden. Die Ausflüge dauern meist rund 60 Minuten. Da ist genug Luft nach oben. Binnen fünf Minuten steigen wir um 300 auf 1.000 Meter. Immer wieder lässt Winkler die Brenner schnauben, die warme Luft im Inneren des Ballons sorgt für Auftrieb. Und es geht höher. In bis zu 3.500 Metern Höhe darf hier mit Gästen gefahren werden.

Angst? Schwindel? Nichts von alledem. Man möchte einfach nur, dass sie so schnell nicht wieder aufhört, diese Tour durch die verwunschene Bergwelt. Doch jetzt lässt Winkler den Korb sanft und gemächlich sinken. Was hat der Mann vor? Der Walchsee am Fuße des Zahmen Kaisers kommt näher und näher. Er wird doch wohl nicht auf der hauchdünnen Eisdecke aufsetzen wollen? Der Korb mit fünf Passagieren und dem Piloten wiegt immerhin fast 500 Kilo. Winkler macht sich einen Spaß daraus. Krrrrrrr, krrrrr, krrrrrr – schon kratzt der Korb mit seiner Unterseite über die glatte Fläche, streift über sie hinweg. "Keine Bange", sagt der Käpt'n beruhigend. "Mein Ballon trägt ja alles, er hebt immer wieder ab! "Es ist eben alles eine Frage des richtigen Feuerns im richtigen Moment. Da hilft Fingerspitzengefühl. Und Erfahrung. Und die hat der 48-jährige Geschäftsführer von Ballooning Tyrol: Schließlich hat er 550 Starts und Landungen hinter sich.

Noch einmal heben wir ab. "Ein Ballon fährt übrigens", sagt er. "Wer fliegen sagt, muss einen ausgeben", droht er schmunzelnd. Nach einer Stunde geht die Fahrt tatsächlich zu Ende. Wo küssen wir bloß die Erde wieder? Winkler legt er eine punktgenaue Landung kurz hinter dem Walchsee hin. "Beim Landen festhalten, in die Knie gehen und schön abfedern", ruft er uns noch zu. Schon sind wir sicher auf dem Boden. Dort warten bereits die Verfolger, die Bodenmannschaft einer jeden Crew. Das Team steht mit dem Piloten über Funk in Kontakt. Es bringt uns im Auto zum Ausgangspunkt zurück. Aber natürlich nicht bevor die Hülle mit vereinten Kräften wieder ordentlich zusammengefaltet und in einem großen Sack verstaut ist.

Ab geht`s!
Ab geht`s!

 

Da geht es schon ab zur Taufe. Schließlich wird jeder Mitfahrer nach geglückter Landung feierlich in den Adelsstand der Ballonfahrer erhoben. Allerdings hat es das Ritual in sich. Denn bei der Zeremonie wird eine klitzekleine Haarsträhne mit einem Feuerzeug angesengt, um sie anschließend mit Sekt abzulöschen! Eine Urkunde gibt's als Erinnerung dazu,"nach überlieferter Zunft und Ordnung". Wir werden "Herzoginnen, Barone und Grafen, mutige Aufsteiger ins Luftmeer im winterlichen Himmel über Walchsee" …

Ein Himmel voller Ballone

Ballonfahren ist in der Region Kaiserwinkl das ganze Jahr über möglich. Sogar Alpenüberquerungen sind im Angebot. Über Almen und Gipfel hinweg. Und stets Ende Januar findet ein Spektakel der Extraklasse statt. Bei der größten Winterballon-Veranstaltung Mitteleuropas hängt der Tiroler Himmel voller bunter Ballone. Bis zu 50 internationale Mannschaften gehen dann bei verschiedenen Wettbewerben wie "Verfolgungsjagden" an den Start. Auch Touristen können bei den Wertungsfahrten dabei sein.

Wer eher bodenständig ist, kommt im Kaiserwinkl aber ebenfalls auf seine Kosten. Im Angebot: Skifahren, Langlauf, Biathlon, Winter- und Schneeschuhwandern, Eisstockschießen, Schlittschuhlaufen, Kutschfahrten und natürlich Rodeln. Dabei geht es wie beim Snow-Tubing am Staffnerhof in Kössen schwungvoll auf großen Reifen gen Tal, dann wieder flitzt man auf Schlitten gen Tal.

Ballone am Himmel...
Ballone am Himmel...

 

Eine sehr schöne Partie ist die Tour von der Ottenalm. Erst stapft man eine Stunde etwa hinauf zu der urigen Hütte mit langer Geschichte – und einem noch urigeren Wirt. Wolfgang Buchauer lebt seit 1976 dort oben auf knapp 1.000 Meter. Das rotweiß karierte Hemd ist stilecht mit Hornknöpfen verschlossen. Wenn er Lust hat, holt er abends seine Quetsche heraus, spielt und singt dazu. Ein Lebemann ist er, ein großzügiger. Wenn er gerade nicht musiziert, spendiert er einen Schnaps nach dem anderen: Williamsbirne, Enzian, Marille und – als besonders gehüteter Schatz – gar ein Meisterwurz-Destillat. Wer lieber wegen der bevorstehenden Abwärts-Sause gen Walchsee einen Tee möchte, erntet nichts als einen ungläubigen Blick. "Bist du krank", fragt Buchauer. "Wasser ist zum Waschen da", sagt's und stellt die nächste Runde auf den Tisch.

Nur gut, dass wir Deftiges im Bauch haben. Pressknödel, Rodlerrolle mit Almkäse und Speck, Erbsensuppe mit Depreziner, Kasspatzerl'n mit Röstzwiebeln präsentiert die Karte. Einen zünftigen Speckteller als Brotzeit gibt es auch. Und natürlich Germknödel mit Butter und Mohn sowie Kaiserschmarrn mit und ohne Apfelmus – wo sonst, wenn nicht hier im Kaisergebirge. "Der beste von Walchsee", schwört Buchauer. Und holt das nächste Schnäpschen …

Weitere Informationen:
Tourismusverband Kaiserwinkl: www.kaiserwinkl.com
Ballooning Tyrol: www.ballooningtyrol.com 
Ottenalm: www.ottenalm.at
Hotel Seehof, 4-Sterne Superior am Walchsee, Kranzach/Kössen: www.seehof.com

 

Impressionen:

Fotos: Kirsten Lehmkuhl, TVB Kaiserwinkl

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Zuletzt bearbeitet am 25/02/2019

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