Ein Gentleman mit 639PS – Unterwegs im Aston Martin DB11 AMR

Es gehört zu den Privilegien des Berufsstandes von Reise-, Food- oder Lifestyle-Journalisten im Rahmen des Jobs oft Dinge erleben zu dürfen, für die andere Menschen entweder einen Haufen Geld bezahlen, zumindest aber über gute Beziehungen verfügen müssen, um ebenfalls in ihren Genuss zu kommen.

Daran musste ich neulich wieder denken, als eine Einladung der britischen Supersportwagenschmiede Aston Martin im Briefkasten lag, mit dem Angebot am Steuer eines brandneuen DB11 AMR von München nach Cortina d´Ampezzo zu reisen, wo an dem fraglichen Wochenende außerdem der alpine Skiweltcup mit dem Abfahrtslauf der Damen gastieren würde. Vip-Tickets für das Rennen, Übernachtung im 5-Sterne Hotel und erlesene Tafelfreuden inklusive versteht sich. Schließlich gehört Aston Martins Reifen-Partner Bridgestone zu den größten Sponsoren des internationalen Ski-Circus.

PS-Junkies kennen den DB11 AMR, der 2017 auf dem Genfer Autosalon vorgestellt wurde und seit Mai 2018 bei den Händlern steht, als aktuelles Flaggschiff von Aston Martins DB11er Reihe. Mit 639 Pferdestärken, die den Boliden dank eines 5,2 Liter Twin-Turbo V12 Motors mit 8-Gang Shift-by-Wire Automatik in grade mal 3,7 Sekunden von 0 auf 100 katapultieren und dessen Tachoanzeige erst jenseits der 330km/h-Make endet, ist der AMR eines der stärksten Serienfahrzeuge, dass in der Automanufaktur von Gaydon im Herzen der englischen Grafschaft Warwickshire jemals vom Band gerollt ist.

Abfahrtslauf der Damen Cortina d´Ampezzo.
Abfahrtslauf der Damen Cortina d´Ampezzo.

 

Nun fahre ich privat einen mittlerweile fast 17 Jahre alten VW Polo mit 64PS und kann auch sonst nicht behaupten, dass mich Supersportwagen normalerweise in Ekstase versetzen. Ganz im Gegenteil. Trotzdem geht von diesem Auto – fast schämt man sich, diesen schnöden Begriff im Kontext des DB11 zu verwenden – tatsächlich eine schwer in Worte zu fassende Faszination aus; genießt Aston Martin als Brand, anders als Mitbewerber wie Ferrari oder Lamborghini, doch den Ruf des Gentleman unter den Supersportscars, ja gilt als Inbegriff automobilen Understatements. Auch wenn die AMR-Edition das Budget natürlich trotzdem mit schwindelerregenden 218.000 Euro belastet – mindestens und ohne Extras versteht sich.

Die psychologische Wirkung dieser demonstrativ zur Schau gestellten automotiven Bescheidenheit wird spätestens dann augenfällig, als wir mit dem Flitzer an der Raststätte Irschenberg südlich von München zum ersten Mal einen kleinen Boxenstopp einlegen, um dort das obligatorische Pickerl für Österreichische Autobahnen zu erwerben. Sofort werden Handykameras gezückt, werden wir in fast ehrfürchtigem Ton auf das Fahrzeug angesprochen – von Spott oder gar Häme dagegen, die Besitzern von Boliden Made in Italy in solchen Situationen oft entgegenschlägt, keine Spur. Vielmehr liegt in den Blicken der Umstehenden fast so etwas wie Respekt, ja Bewunderung. Einer klopft uns gar ermunternd auf die Schulter und wünscht alles Gute für die weitere Fahrt, so als seinen mein Beifahrer und ich zwei wagemutige Expeditionsreisende auf dem Weg ins Ungewisse.

Technik, die begeistert…
Technik, die begeistert…



Als ich dann wieder am Steuer sitze, die Hand zum wiederholten Mal über die soften Alcantara Oberflächen, das kernige Leder und die dunklen Chromdetails gleiten lasse, erliege auch ich dieser kühlen Ästhetik; spüre beim Fahren, wie die überbreiten, eigens für den Aston Martin entwickelten 20 Zoll Bridgestone Reifen das ultraleichte Aluminium-Magnesium Chassis des DB11 gleichsam auf den Asphalt nageln, so dass man sich selbst bei riskanteren Fahrmanövern, zu denen das Auto natürlich fast automatisch verleitet, so sicher fühlt wie in Abrahams Schoß – auch wenn einem zu jeder Zeit bewusst sein sollte, dass selbst für einen Aston Martin die Gesetzte der Physik gelten. Das gilt vor allem im auf Knopfdruck zuschaltbaren Sport- bzw. Supersportmodus, der das Tacho in einen aggressiven Rotton hüllt und in dem das Fahrverhalten nochmals deutlich agiler wird, Lenkung und Gas noch unmittelbarer ansprechen und der Auspuffsound Gänsehautpotential entwickelt.

Vor allem auf den engen, kurvenreichen Bergstraßen oberhalb von Cortina macht das Fahren dann solchen Spaß, dass man am liebsten nie wieder aussteigen würde. Die elektronische Traktionskontrolle reagiert dabei blitzschnell und hält das Auto selbst auf teilweise vereisten oder schneebedeckten Streckenabschnitten sicher auf der Straße bzw. unterstützt den Fahrer dabei, das Auto wieder einzufangen, sollte es doch einmal kurz ausbrechen. Gleichzeitig ist der DB 11 trotzdem ein waschechter GT mit erstaunlich viel Sitzkomfort – d.h. man kann darin auch längere Strecken bequem zurücklegen. Schließlich sind wir am ersten Tag fast 400 Klometer damit unterwegs. In vielen vergleichbar motorisierten Spotwagen wäre das eher eine Qual als ein Vergnügen.

Und dann ab auf die Gebirgsstraßen.
Und dann ab auf die Gebirgsstraßen.

 

Natürlich ist es bei so einem Wagen fast schon müßig von Verbrauchsdaten zu sprechen – auf dem Papier klingen diese, vor allem angesichts der Motorleistung, aber gar nicht mal so schlecht. Rund 16,6 Liter braucht der DB11 innerorts. Auf der Autobahn sinkt der Verbrauch auf etwa 8,5 Liter, was kombiniert rund 11,4 Liter ergibt. Doch gelten diese Zahlen selbstverständlich nur bei "vernünftiger" Fahrweise. Im Supersportmodus kann man der Anzeige des rund 78 Liter fassenden Tanks nämlich förmlich dabei zuschauen, wie sie sich der Nulllinie nähert.

Natürlich könnten kritische Geister nun fragen, welche Rolle solche "automobilen Dinosaurier" angesichts der Diskussionen um CO2-Reduktion und Klimaschutz künftig noch spielen werden. Und vielleicht sind die Zeiten dieser PS-Giganten – zumindest mit Verbrennungsmotor - tatsächlich irgendwann vorbei, denn auch Aston Martin wird demnächst mit Hybrid- und Voll-Elektroantrieben an den Start gehen, um den Flottenausstoß an CO2 zu reduzieren, gleichzeitig sind Fahrzeuge wie der DB11 aber ohnehin keine Autos im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr Ausdruck dessen, was Ingenieurskunst am Limit zu leisten im Stande ist.

Der DB11: Autospaß auf 20 Zoll Bridgestone Reifen.
Der DB11: Autospaß auf 20 Zoll Bridgestone Reifen.

 

Wer selbst einmal in den Genuss einer längeren Testfahrt mit dem DB11 oder einem anderen Modell der Briten komme möchte: im Rahmen seines Art of Living Programms bietet der Ultrapremium Hersteller die Möglichkeit die Aston Martin Range auf einigen der schönsten Straßen dieser Welt oder auf der Rennstrecke kennen zu lernen – entsprechend exklusives Rahmenprogramm inklusive. Auch das ist zwar bei Leibe kein billiges Vergnügen, aber eben eines, das man nie vergisst.

Weitere Infos:
www.astonmartin.com 
www.astonmartinartofliving.com

Fotos: Aston Martin / Max Earay

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Zuletzt bearbeitet am 22/05/2019

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Autor

Thomas Hauer

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