Symbiose von Kunst und Küche – ein Genuss par excellence! (Teil 1)

Das Museumsrestaurant "Gösta" und die Serlachius-Museen machen Mänttä-Vilppula, die Kleinstadt im Herzen der Finnischen Seenplatte, zur international beachteten Art & Food-Metropole!

Dabei spielt die Kochkunst eines "alten Hasen" im finnischen Küchenmetier, Henry Tikkanen, die herausragende Rolle. Die Grundlagen für die heute gefeierte und überaus geschätzte Vereinigung von Kunst und Kulinarik legten aber zwei Herren, Kunstenthusiasten aus der Gründerzeit der finnischen Industriegeschichte wie des finnischen Staates, der 2018 seinen 100. Geburtstag feierte: Der Magnat Gösta Serlachius und sein Onkel, Gustaf Adolf Serlachius.

Erst seit 2009 existiert die Doppelstadt Mänttä-Vilppula, die aus der Stadt Mänttä und der Gemeinde Vilppula gebildet wurde. So eng sich die etwa 10.500 Einwohner des neuen Städtchens im Herzen Finnlands nun kommunalpolitisch miteinander verbunden fühlen, so unterschiedlich gehen die zwei Alt-Kommunen heute ihre touristischen Wege. Vielleicht liegt es auch daran, dass Mänttä bis 1922 zu Vilppula gehörte – und sich erst danach vom Dorf abkapselte, um zur großen Stadt zu werden.

Während das kleine Vilppula sich auf die umliegende Natur und die Freizeitangebote sowie auf seine Lokal- und Regionalgeschichte konzentriert und schließlich auch den viermonatigen finnischen Bürgerkrieg 1918 thematisiert, dessen Front hier einst verlief, hat sich Mänttä längst zur veritablen Art Town, zur Kunststadt, gemausert, deren Ruf weit über Finnland hinausreicht. Und tatsächlich sind die Hauptstraßen im schmucken Mänttä mit Art Town-Flaggen geschmückt, verweisen Plakate auf die zahlreichen Festivals. Allen voran sind dies die Kunstwochen mit Events von Mitte Juni bis Ende August, dann das Musikfestival Anfang August und schließlich die Orgelwoche in Mänttäs Kirche an der Länsitorikatu 2, wo man gut parken kann und es nur Schritte zur nahen Tourismusinformation sind.

Und tatsächlich führt nicht nur eine besondere Skulptur vor der Kirche, sondern das Gotteshaus selbst auf die Spur von Mänttäs Aufstieg zur international beachteten Kunststadt. Da ist erst einmal die 115 cm hohe kubistische Bronzestatue des Bildhauers Wäinö Aaltonen (1894 – 1966), die er in zwei Etappen, 1930 sowie dann 1950 schuf. Die Skulptur ist Finnlands Nationaldichter Aleksis Kivi (1834 – 1872), dem Vater der modernen finnischen Literatur gewidmet. Und dann ist da die 1928 eingeweihte Stadtkirche, deren Bau und Ausstattung ab 1921 die örtlichen Papierwerke Serlachius den Bürgern spendiert hatten. Wer in Mänttä weilt, stößt unweigerlich auf diesen Namen, der heute für das Renommee von Mänttä in der internationalen Kunstwelt steht. Allein 20 Skulpturen verschönern das Stadtbild von Mänttä, gestiftet von der schon 1933 gegründeten Gösta Serlachius Foundation.

Kubistische Bronzestatue des Bildhauers Wäinö Aaltonen.
Kubistische Bronzestatue des Bildhauers Wäinö Aaltonen.

 

Wer sich auf einen Stadtspaziergang begibt, erlebt sogleich einen Parforceritt durch die jüngere finnische Bildhauergeschichte. Hier stehen Werke von Emil Wikström, Viktor Jansson, Jussi Mäntynen, Aimo Tukiainen und vielen anderen wie eben auch von Wäino Aaltonen. Die letzte Akquise der Stiftung für Mänttäs Stadtbild fand 2000 statt – zu den Millenniumsfeiern durfte es Matti Peitokangas Granit-Skulptur sein. Nicht genug damit: Das kleine Mänttä besitzt darüber hinaus noch zwei große Museumsstandorte mit sogar drei Museumsbauten. Begründer und Stifter: natürlich zwei Heroen der Serlachius-Familie, die durch die Herstellung von Papier und Pappe reich wurde!

Da ist erst einmal das Serlachius Museum Gustaf, eingerichtet im "Weißen Haus" von Mänttä, das man unschwer schon bei der Einfahrt in die Stadt entdeckt. Der funktionalistische Bau entstand 1934 dank der Architekten Valter (1879 – 1946) und Bertel Jung (1872 – 1946). Maler Lennart Segerstråle (1892 – 1975) sorgte 1935 bis 1937 für die Fresken in der Eingangshalle, die den Beginn der Serlachius-Werke samt Landschaft und Wald darstellen. Die Statue im Entree, eine Luchs-Mutter mit Jungen, schuf Bildhauer Jussi Mäntynen (1886 – 1978). Und gegenüber dem Haupteingang sorgte Viktor Jansson (1886 – 1958) 1935 für die Brunnenfigur eines Jungen mit Fisch.

Benannt ist das hier nun eingerichtete Museum aber nach Gustaf Adolf Serlachius (1830 – 1901), der ab 1881 in Mänttä die Papierwerke Serlachius aufbaute und sich schon früh für Kunst interessierte. Ein Schlüsselmoment war dabei sicher die enge Freundschaft zu Finnlands Nationalmaler Akseli Gallen-Kallela (1865 – 1931), der den kommenden Industrie-Tycoon bereits 1887 portraitierte und zwei Jahre später auch Serlachius-Tochter Sissi malte. Die wiederum heiratete 1899 den Neffen von Gustaf Adolf Serlachius: Gösta Serlachius. Und so kam es, dass Onkel Gustaf Serlachius sein mit Toiletten- ("PARAS KREPPI") und Packpapier wie Küchenrollen hart verdientes Geld vorwiegend für Skulpturen ausgab, die vor allem Emil Wikström schuf.

Neffe und Schwiegersohn Gösta Serlachius (1876 – 1942), der die Serlachius-Werke zum bedeutendsten Forst-Konzern Finnlands ausbaute, sammelte vor allem auch Gemälde. Insgesamt 250 Kunstwerke bildeten 1933 den Grundstock der Serlachius-Kunststiftung, die heute mehr als 10.000 Werke umfasst. Doch bevor es zum Gösta-Museum vor den Toren von Mänttä geht, sollte man erst einmal dem historischen Gebäude des Gustaf-Museums die Referenz erweisen, die edlen historischen Kontor-Möbel im ersten Stock bewundern – und als besonderen Kontrast die hier regelmäßig stattfindenden Ausstellungen junger finnischer Künstlerinnen und Künstler bewundern.

Das schwarze Kunstwerk Plotinos.
Das schwarze Kunstwerk Plotinos.

 

Eine besondere Augenweide ist zudem die Gartenfront des "Weißen Hauses", vor dem das schwarze Kunstwerk "Plotinos" (1985 – 1987) von Harry Kivijärvi den besonderen Kontrast bildet. Und Mänttä wäre nicht komplett erkundet ohne den Abstecher zum Mänttä Club: Seit 2010 von der Stiftung Kauko Sorjonen Foundation betrieben, ist der 1920 von den Architekten Valter und Ivar Thomén für Festivitäten der Serlachius-Werke gebaute prachtvolle Klub nun ein Spitzenhotel mit renommiertem Restaurant, dessen Gourmet-Küche auch auf alte Klub-Rezepte zurückgreift. Die Speisekarte offeriert z. B. Zander mit Meerrettich-Creme (12,50 €), Hirschfilet mit Rote Bete-Risotto und Himbeersauce (29,50 €) oder Pfeffersteak mit Knoblauch-Ofenkartoffel und Saisongemüse (28,50 €).

Berühmtester Klub-Gast war bisher Schwedens König Carl XVI Gustaf, der hier mit dem damaligen finnischen Präsidenten Urho Kekkonen weilte. R. Erik Serlachius, der nach Gösta Serlachius die Geschäfte übernahm, organisierte damals einen fulminanten Jagd-Event, den der begeisterte König so kommentierte: "Natürlich erfreue ich mich an den Ländereien der Bernadotte-Familie, aber es ist wirklich großartig, hier in Mänttä zu jagen."

Zum Mänttä Club gehört dank der Kauko Sorjonen-Stiftung nun auch Mänttäs Arthotel & Restaurant Honkahovi: Fünfsterne-Ambiente direkt an der Mäntänlahti-Bucht! Das prächtige Anwesen wurde 1938 von Jarl Eklund für den nachfolgenden Direktor der Serlachius-Werke, R. Erik Serlachius erbaut. Das Haus war oft Schauplatz von Staatsbesuchen und diente von 1996 bis 2011 als Honkahovi Art Center Kunstausstellungen. Im November 2011 öffnete dann das Art Hotel Honkahovi mit Übernachtungsmöglichkeit für 24 Gäste, Cafeteria, Restaurant, Terrasse und Weinkeller.

Und natürlich finden hier auch weiterhin fulminante Kunstaustellungen, Konzerte und Kultur-Events statt. Und noch ein Tipp: Die Kauko Sorjonen-Stiftung unterhält seit 1998 im nahen Jyväskylä auch das 1904 von Wivi Lönn, Finnlands allererster Architektin, für Julius Johnson an der Bucht Äijälänjoki erbaute Herrenhaus Kuokkola. Man kann es heute samt Café besichtigen und seit 2016 auch Theateraufführungen im Stalltheater Julius beiwohnen.

Weiter geht es demnächst mit Teil 2: hier... (noch inaktiv)

 

Impressionen:

 



Information:
Vor der Reise:
Visit Finland: www.visitfinland.com/de  (offizielles Tourismusportal Finnlands)
Finnische Seenplatte (engl. Lakeland): www.visitfinland.com/de/seenplatte 
Finnisches Schärenmeer (engl. Coast & Archipelago): www.visitfinland.com/de/scharenmeer 
Social media: www.facebook.com/visitfinland/ , www.instagram.com/ourfinland/ , https://twitter.com/OurFinland, www.youtube.com/user/VisitFinland  
Kontakt in Finnland: Business Finland Oy/Visit Finland, P.O. Box 625, Porkkalankatu 1, FI-00180 Helsinki, Tel. +358 29 505 80 00, Tel. +358 29 505 50 00, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.visitfinland.com ; Mo – Fr 8.00 – 16.30 Uhr geöffnet
In Deutschland: Botschaft der Republik Finnland, Rauchstr. 1, 10787 Berlin, Tel. +49 30 50 50 30, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.finnland.de , www.finnland.de/public/default.aspx?contentid=87618&contentlan=33&culture=de-DE 

In Manttä:
Tourismusinformation Mänttä-Vilppula, Hallituskatu 23, FI-35800 Mänttä-Vilppula, Tel. +358 34 88 85 55, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.manttavilppula.fi/taidekaupunki/auf-deutsch/, www.visitheartfinland.fi ; Mo – Fr 9.00 – 12.00, 13.00 – 15.00 Uhr geöffnet

Essen und Trinken:
Rest. (Ravintola) "Gösta", Joenniementie 47, FI-35800 Mänttä-Vilppula, Tel. +358 407 08 55 72, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., https://ravintolagosta.fi/en/; Restaurant (86 Plätze) im Serlachius Museum Gästa in Gösta`s Pavilion (Göstas Pavillon), mit Blick auf den 100 m entfernten See Melasjärvi; Di – So 11.00 – 18.00, Küche bis 16.30 Uhr geöffnet
Themen-Menü I im Jahr 2019: Kunst-Dinner "Auf den Spuren von Akseli Gallen-Kallela": n. V. im Museumsrest. "Gösta"; vier Gänge; 82 €; Buchung: Tel. +358 401 66 34 80, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.; optional: Themen-Menü II im Jahr 2019: "Der Wald auf dem Teller"; n. V. im Museumsrest. "Gösta"; drei Gänge; 44 €; Buchung: Tel. +358 401 66 34 80, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Kochkurse im Museumsrest. "Gösta": 3,5 Std.; 6 bis 16 Teilnehmer; 130 € pro Person; Buchung: Tel. +358 401 66 34 80, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Einkaufen:
Kunstbücher, Publikationen der Serlachius-Museen, Souvenirs, Poster, Postkarten und Kunsthandwerk lokaler Künstler in den Museumsshops sowie Kunsthandwerk in den Läden von Mänttä.

Attraktionen:
Serlachius Museum Gustaf, R. Erik Serlachiuksen Katu 2, FI-35800 Mänttä-Vilppula, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.serlachius.fi/en/ ; 1.6. – 31.8. tgl. 10.00 – 18.00, sonst Di – So 11.00 – 18.00 Uhr geöffnet; Eintritt: Kombi-Ticket (beide Serlachius-Museen) 10 € oder Finnish Museum Card (250 finnische Museen, ab erster Nutzung 1 Jahr gültig) für 68 €; Gruppenführungen 10 € pro Person, Spezialführungen 12 € pro Person
Serlachius-Museum Gösta, Joenniementie 47, FI-35800 Mänttä-Vilppula, Tel. +358 34 88 68 00, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.serlachius.fi/en/ ; 1.6. – 31.8. tgl. 10.00 – 18.00, sonst Di – So 11.00 – 18.00 Uhr geöffnet; Eintritt: Kombi-Ticket (beide Serlachius-Museen) 10 € oder Finnish Museum Card (250 finnische Museen, ab erster Nutzung 1 Jahr gültig) für 68 €; Gruppenführungen 10 € pro Person, Spezialführungen 12 € pro Person
Serlachius Shuttle Bus: Ab Busbahnhof sowie HBF Tampere Tagestour nach Mänttä-Vilppula mit Besichtigung der Museen, der Kunststadt Mänttä und Besuchs in Henry Tikkanens Museumsrestaurant Gösta. Tagesticket "Art, Nature & Culinary Delights": 74 €; Buchung: Tel. +358 401 66 34 80 oder This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.; Ab Tampere im Jahr 2019: 1.6. – 31.8. tgl., sonst Di – So ab Busbahnhof 10.50 Uhr, ab HBF 11.05 Uhr; retour ab Mänttä: ab Serlachius-Museum Gösta 17.20, ab Serlachius-Museum Gustaf 17.30 Uhr.

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 22/05/2019

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