Romantik und Vergangenheit über Lissabon

Das zu der "The Leading Hotels of the World" gehörige Tivoli Palácio de Seteais ist mehr als ein Rückzugsort in eine längst vergangene Zeit. Es ist bei Betreten die Einkehr in Stil und Service jenseits des Trubels des ansonsten stets gut besuchten Ortes Sintra, unweit der portugiesischen Metropole Lissabons.

1954 erblickte José Cardoso das Licht der Welt. Nichtsahnend, dass im Folgejahr, 1955, ein Hotel seine Pforten öffnen würde, dass Dreh- und Angelpunkt seines gesamten Lebens werden sollte. Denn just in diesem Jahr entschloss sich die Tivoli Gruppe, das Palácio de Seteais zu eröffnen und als ihr erstes Hotel vorzustellen.

Eine bewegte Geschichte prägte das Haus seit seiner Erbauung im Jahr 1787. Ein niederländischer Konsul schuf sich mit dem Palast einen Traum, baute eine Stilikone der Architektur über den Hügeln Lissabons. Doch allzu lange währte die Freude an diesem außergewöhnlichen Haus nicht. Der Niederländer verstarb nur zehn Jahre später. 1802 erwarb der Marquis de Marialva den Palast, der in der Folge mehr Zimmer anbauen ließ. Allerdings konnte auch er die Schönheit und den Glanz des Palácio de Seteais nur kurze Zeit genießen; auch er verstarb wenige Jahre später.

Zimmer im Palácio de Seteais: eine Reise in die Vergangenheit.
Zimmer im Palácio de Seteais: eine Reise in die Vergangenheit.

 

Für den Palast hinter dem Örtchen Sintra begann in den nächsten mehr als 100 Jahren eine Leidensgeschichte des Leerstehens und des Verfalls. Schließlich, ein Jahr nach der Geburt José Cardosos, wurde das Haus als Hotel seiner neuen Bestimmung zugeführt. Das, was noch im Gebäude an Mobiliar zu retten war, befindet sich noch heute in den verschiedensten Räumen und in einigen der 30 Gästezimmer. Mit dem Odem der Geschichte hauchen die Relikte der Vergangenheit der Aura der Räume Leben ein, dass es so wohl nur selten zu erleben gibt.

Mit dem Eintritt in die romantisch-verspielte Wohnwelt des Palastes, fällt die Last des Alltags schnell ab. Man begibt sich in einen Ruhepunkt der Region, in eine fast atypische Hotelwelt. Denn kein moderner Tresen empfängt die Gäste, keine Hochglanzrechner generieren den Code für die Keycards. Nein, hier wird der Gast im George VI Raum empfangen, stilecht an einem alten Holztisch, bewirtet mit einer hausgemachten Limonade, ehe die Schlüssel für die Gemächer vom Concierge übergeben werden.

An diesem Tisch checken die Gäste stilvoll ein.
An diesem Tisch checken die Gäste stilvoll ein.

 

Ein servierender Bote der Geschichte

Als José Cardoso, 62, 1972 als damals 16-Jähriger seine ersten Schritte in diesem Hotel vollzog, begann ein langer Weg mit vielen Schritten. Noch heute, 46 Jahre später, arbeitet José im Palácio de Seteais, steht Tag für Tag im Service und verwöhnt die Gäste. Er liebt seine Arbeit, erzählt er uns im Gespräch in einem Wohnraum neben dem Restaurant. Acht Jahre lebte er zu Beginn seiner Tätigkeit in dem Haus, lernte in den vergangenen fast fünf Jahrzehnten zahllose Gäste kennen.

"Viele der Gäste sind Freunde geworden, melden sich privat bei mir und fragen wie es mir geht", berichtet er weiter. "Ich bin stolz darauf, Teil dieses Hotels zu sein, dem besten Hotel der Welt", so José. Und diese Freude ist spürbar, trifft man den sympathischen José auf den Fluren des Hotels oder im Restaurant. "Immer ein freundlicher Spruch – und die Leute lächeln", lautet sein Credo. Und genau das ist es, was den 62-Jährigen so besonders macht. Allerdings nur noch für kurze Zeit. Denn im kommenden Jahr wird er in Rente gehen, dem Hotel den Rücken kehren.

José Cardoso.
José Cardoso.

 

Doch bis dahin stehen noch neun Monate Dienst vor ihm, neun Monate voller schöner Kulinarik, vielen illustren Gästen und ein Wandel durch die schönen Räume und Zimmer des Palácio - stets mit einem Lächeln, stets mit einem freundlichen Spruch auf den Lippen. Viele der Gäste werden ihn vermissen, seine freundliche Art im Restaurant beim Weinkredenzen wird fehlen.

Nordwind und heißer Boden

Viele der im Hotel gelagerten Weine kommen aus Portugal, zum Teil sogar aus der Region. Denn unweit des Palácio befindet sich mit der Genossenschaftskellerei Adega Regional de Colares ein zumindest recht ungewöhnlicher Weinproduzent. Das Unternehmen von 1931 bündelt die gesammelte Weinkraft von 35 Weinbauern. Nicht gerade viele – und auch nicht gerade eine schier unüberschaubare Landgröße resultiert daraus.

Gerade mal 90 Hektar können die Mitglieder in die Waagschale werfen, sorgen so Jahr für Jahr für eine Produktionsmengte von etwa 100.000 Litern. 70 Prozent der Produktion entfallen klassischerweise auf Rotwein, der Rest ist Weißwein. Weine, die ihren Hauptabsatz zunächst im eigenen Land finden. Etwa 40 Prozent werden exportiert, von denen schon etwa 80 Prozent in die USA verschifft werden. Weitere Absatzmärkte für die Weine der Kooperative sind Kanada, UK, Norwegen und Belgien. Nach Deutschland kommen nur sehr geringe Produktionsmengen.

Genossenschaftskellerei Adega Regional de Colares.
Genossenschaftskellerei Adega Regional de Colares.

 

Mit Francisco Fiourinedo, 41, von der Genossenschaft, begeben wir uns einige Autofahrminuten entfernt zu einem klassischen Weinfeld in der Umgebung. Nur etwa 200 Meter vom Meer entfernt, präsentieren sich hier Rebstöcke – oder sollte man sagen Rebbüsche – die zwischen 80 und 100 Jahre alt sind. Büsche deswegen, da hier die Pflanzen nicht emporwachsen und in Reih und Glied stehen, sondern sehr flach gehalten werden und entlang des Bodens wachsen, um den starken Windböen weniger ausgesetzt zu sein.

Um das komplette Weinfeld ist eine hohe Steinmauer gezogen, verschiedene Windschilde nehmen hie und da zwischen den Reben dem Wind die Kraft. "Wir haben hier einen starken Nordwind, darum ist es sinnvoll, die Reben niedrig wachsen zu lassen", erzählt uns Francisco. "Probleme haben wir allerdings im Sommer mit dieser Anbauweise. Zum Teil liegen die Trauben im Sand und können so natürlich verbrennen – kein Wunder bei Temperaturen von über 40 Grad Celsius, die natürlich auch den Sand enorm erhitzen", berichtet er weiter.

Francisco Fiourinedo.
Francisco Fiourinedo.

 

Bis zu zwei Meter gehen die Wurzeln in den Sandboden, ehe sie auf Lehm treffen. Das gilt für alle Reben, sowohl für die Ramisco (rot), als auch für die Malvasia de Colares (weiß). Diesjährig haben sich im Vegetationszyklus bis zur Ernte vielfältige Probleme ergeben. Im Frühjahr war es zunächst kalt, der Sommer war extrem heiß, bis zu 46 Grad Celsius sorgten für eine Hitzeperiode. Bei solch hohen Temperaturen werden die auf dem Boden liegenden Trauben mit circa 30 Zentimeter langen Stöcken vom Boden ferngehalten. Dennoch gibt der Sand noch viel Wärme ab. Die zum Teil schwierigen Bedingungen folgerten eine etwa drei Wochen verzögerte Ernte, die Lese erfolgte 2018 erst im Oktober. Francisco ist zwar von der Qualität überzeugt und zufrieden, allerdings gingen etwa 40 Prozent der Trauben durch die enorme Hitze verloren.

2017 bis 2009

In der Vergangenheit fielen weniger Trauben der Hitze zum Opfer – das gilt auch für die Jahrgänge 2016 und 2017. Im Tasting zweier Weißweine aus diesen Jahrgängen, zeigt sich der Chão Rijo 2017 (Stahl, kein Holz) als recht fruchtiger Tropfen im Glas – gewachsen auf Lehmboden. Ein junges und entsprechend ein sehr frisches Produkt. Der Malvasia Colares (2016) ist aus Reben die auf Sand gewachsen sind produziert worden. Vier Monate Fass, interessanterweise ein Mix aus tropischen bzw. brasilianischen Hölzern, hat der Weißwein hinter sich gebracht. Resultat: Kräuternoten, weiße Aromen, steht lange im Mund. Ein schönes Produkt für den Bereich Sea-Food.

Rotweine der Adega Regional de Colares.
Rotweine der Adega Regional de Colares.

 

Der Rote Chão Rijo 2015 hat stolze 18 Monate im Fass geruht. Mit 12,5 Vol.-Prozent kein Bulle, dezente Säure, leichte Frucht. Der Ramisco Colares 2009, verweilte lange 6,5 Jahre im Fass. Die Tannine haben sich über die Zeit stark reduziert, langer Abgang mit Kirsch-Aromen. Wie bei allen Rotweinen aus der Region, ist der Alkoholgehalt mit ebenfalls 12,5 Vol.-Prozent recht gering. Letztendlich aber ein wirklich schönes Produkt, dass durch die tropischen Hölzer auch nicht überarbeitet erscheint.

Nun, diese vier Weine sind wenig repräsentativ für Weine aus Portugal, aber zumindest ein Fingerzeig für die Region Vinhos de Lisboa, dem westlich von Lissabon gelegenen Flecken Erde, der eines der vierzehn Weinregionen Portugals abbildet. Zum Teil interessante Weine, deren Weinfelder durch die Meeresnähe salzigen Einflüssen und in der Regel auch hohen Temperaturen ausgeliefert sind.

Weitere Informationen:

Tivoli Palácio de Seteais: https://www.tivolihotels.com/de/tivoli-palacio-de-seteais
Weingut Adega Regional de Colares: http://www.arcolares.com/

 

Impressionen:

Fotos: Tivoli Hotel Group, Michael Schabacker

Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn
Zuletzt bearbeitet am 24/10/2018

Artikel weiterempfehlen und/oder drucken (auch PDF):

Letzte News

Letzte Artikel

Genuss-Newsletter abonnieren?

Mit der Anmeldung zu unserem Newsletter erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen (s.l.) einverstanden. Eine Bestätigungsmail mit einem Aktivierungslink wird nach der Anmeldung an die angegebene Mailadresse versendet. __________________________
KULINARIKER - Das Magazin für mehr Genuss.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.