Krakau vom Feinsten - rund um den mittelalterlichen Rynek

Ein ehemaliger Renaissancepalast entkernt, umgebaut, ausgestattet mit modernem Design direkt am Rynek, dem größten Marktplatz Europas (210 x 212 m), empfängt heute als Luxus-Hotel seine Gäste.

Seit elf Jahren existiert das Strary nun, ein Hotel, in dem die Krakauer Brüder Likus haben Antikes und Modernes kunstvoll verschmelzen lassen. Geschmacksicherheit und geschäftliches Knowhow bescherte dem schmucken Haus mehrere Preise, das, bei Touristen, Geschäftsleuten aber auch Musikbands, sehr beliebt ist: die britische Gruppe "Depeche Mode" und die "Scorpions" residierten in der jüngsten Vergangenheit hier, weiß die 28-jährige Hotelmanagerin Anna Przystal zu berichten.

Zu den absoluten Highlights zählt neben der "Sky Bar" auf der Hoteldachterrasse, die einen direkten unverstellten Blick auf den nachts wunderbar beleuchteten Marktplatz mit der gotischen Marienkirche bietet, das Restaurant Trzy Rybky (Drei Fische). Seit Jahren zeichnet es der Michelin Guide mit den "Drei Bestecken" aus. Fischgerichte und eine modernisierte europäisch-polnische Küche, die regional und lokal ausgerichtet ist, geben den Ton an.

Zum leichten Lunch kredenzt Chefkoch Krzystof Zurek, der zuvor im sterngekrönten Al Bersagliere in Mantua kochte, als Starter grünen Spargel mit einer leichten Sauce Hollandaise, Parma-Schinken und ein Minispiegelei. Es folgt eine "Putenbrust" mit Broccoli, Karotten und Morcheln. Zum Dessert serviert die Küche eine leichte "Crème Brûlée" an leuchtend roten "Erdbeereiscube" (selbstverständlich hausgemacht) und einem Hauch von Crumbles auf Nussbasis.

Dessert im Restaurant Trzy Rybky.
Dessert im Restaurant Trzy Rybky.

 

Trompeter in Krakau

Was gibt es schöneres, als morgens aus der nahen Ferne live von einer Trompetenmelodie geweckt zu werden? Die "Hejnal" (ungarisch, bedeutet Morgendämmerung) schallt zur vollen Stunde von der nördlichen Turmspitze der Marienkirche - und das seit 600 Jahren mit wenigen Unterbrechungen, z.B. unter der Besetzung durch Nazi-Deutschland. Ursprünglich signalisierte der Trompeter das Öffnen bzw. Schließen der Stadttore oder schlug Alarm bei Feuer oder feindlichen Angriffen.

Den absoluten Rekord erzielte laut Aufzeichnungen der Trompeter Adolf Śmietana ab 1926 mit 300.000 Weckrufen über den Zeitraum von 36 Jahren. Geheimnis blieb bis 1928, warum die Bläser ihre Melodie mittendrin unterbrechen. Eric P. Kelly, ein amerikanischer Schriftsteller erzählt in seinem Buch "A Trumpeter from Krakau", dass der 1241 diensthabende Trompeter vor dem Angriff der Tataren warnen wollte und mitten im Signal tödlich von einem Pfeil getroffen wurde. Voilà! Bis heute ziehen die Trompeter vom Kirchturm mit ihrem Spiel vor dem Vorgänger den Hut und manchem Zuhörer entfleucht ein melancholisches "Ach".

Sightseeing, Shopping und Poesie

Auch heute ist die prächtige Marienkirche, Wahrzeichen Krakaus, mit dem goldenen Kreuz auf dem höheren der beiden Türme und dem berühmten spätgotischen Hochaltar von Wit Stwosz - wie der Nürnberger Künstler Veit Stoß in Polen heißt - ein Besuchermagnet. In der Mitte des Markplatzes, im Mittelalter Treffpunkt von Händlern und Handwerkern aus ganz Europa, liegen die zweigeschossigen Tuchhallen (Sukiennice). 1556 gab es 342 Stände an denen Tuchhändler ihre Ware feilboten.

Café in den Arkaden.
Café in den Arkaden.

 

In den Galerieläden des Erdgeschosses werden heute fast ausschließlich Souvenirs verkauft, draußen in den Arkaden laden Cafés zum Verzehr von "szarlotka", dem klassischen (gedeckten) Apfelkuchen, zu kawa (Kaffee) in allen Varianten, traditionell "po turecku" - "Satzkaffee" - und zum Verweilen ein.

Beliebt ist auch das am Platz, Rynek Glówny 29, gelegene Café "Vis-a-Vis", das seinen Haus- und Dauergast, den Dichter Piotr Skrzynecki (1930-1997) durch eine Skulptur in Ehren hält. Zum Flanieren und Einkaufen lockt die noble Pasaż Rynek 13, die Passage 13 am Marktplatz, ein wunderbar restauriertes Renaissancehaus mit Balkon: auf zwei Etagen Designermodeboutiquen, Schmuck und Delikatessen.

Biegen wir auf die vom Rynek abzweigende ul. Bracka ein, wo im Mittelalter mit Blei gehandelt wurde, stoßen wir auf das Stammcafé der Dichter, das "Nowa Prowincja". Literaturnobelpreisträgerin Wislawa Szymborska ging hier ein und aus. Am Eingang befindet sich eine Klingelanlage mit 8 Namen Krakauer Poeten, bei Knopfdruck werden Gedichte im Originalton wiedergegeben, z.B. von Czeslaw Milosz, der 1980 den Literaturnobelpreis erhielt.

Legendär ist hier die Gorąca Czekolada, echte Trinkschokolade. Das Café auf drei Ebenen mit Bar, Winkeln und Nischen mit Kneipencharakter dient Einheimischen gewissermaßen als Wohnzimmer. Im "Hinterhaus" darüber befindet sich ein äußerst beliebtes Weinlokal, "Winiarnia". Für einen Besuch braucht es Glück, denn die Öffnungstage sind unregelmäßig.

Graue Gans

In Krakau gibt es noch kein Sternerestaurant, das vor zwei Jahren eröffnete Restaurant Szara Gęś (Graue Gans) ist auf dem besten Weg für seine innovative polnische Küche (mit Ausflügen ins Mediterrane) einen zu bekommen. Vom Michelin Guide mit drei Bestecken prämiert, Gewinner der Wine & Food Noble Night (2017), gewann das Haus - mit Ausblick auf den Rynek – in zwei Kategorien: "Appetizer" und "Hauptgerichte", sowie den professional Jury Prize. Diniert wird unter gotischen Gewölben, das Interieur ist hell gestaltet in warmen cremefarbenen Tönen.

Dessert Graue Gans.
Dessert Graue Gans.

 

Mein Wunsch, ein polnisches blondes Bier vom Fass zu trinken, findet in einem Glas "Tyskie", dem beliebtesten und meistgetrunkenen Bier Polens aus der "Browary Książęce", Erfüllung. Die ehemals oberschlesischen "Tischauer Fürstlichen Brauerei" ist eine der ältesten Brauereien Europas, sie produziert wieder seit 1971. Heute gehört sie zu einem japanischen Bierkonzern.

Als Amuse Gueule: eine kugelige Terrine aus Gans und Gemüsen. Der Vorspeisenteller arrangierte geräucherte Gänsebrustscheiben, Salat aus Fenchel, Blattsalaten, Birnenschnitze und Orangenstückchen. Zum Hauptgang: Schwarzer Heilbutt mit einem Schaum aus Kräutern, vornehmlich Petersilie, serviert mit einem Wiesen-Bocksbartblatt (das Wildkraut hat einen leichten Spargelgeschmack).

Dazu passt hervorragend ein "wino biale" (Weißwein), "Lumini" 2017, ein Riesling der kleinen "Winnica Plochockich" (Weinkellerei) aus Pielaszów. Das Landgut liegt in den traditionellen Weinbergen der Weichsel nahe Sandomierz im Südosten Polens, wo Winzer sich seit Jahrzehnten bemühen wieder an die alte Größe der Weinproduktion anzuknüpfen. Nicht zu toppen ist das Dessert "Szara Gęś" (Graue Gans). Auf einem großen Dessertteller liegt in einem Nest aus Zuckerwatte ein täuschend echtes (perlmuttschimmerndes) Gänseei: ein Traum aus weißer Schokolade mit Trüffel- und Nougatnoten, innen leuchtend eidottergelb, gefüllt mit gekühlter Mango-Creme. Und dann? Ein Wodka mit Bisongrasnote. Na zdrowie!

Informationen:

Polnisches Fremdenverkehrsamt Berlin:
Hohenzollerndamm 151, 14199 Berlin, Tel. 030 210 092-0
www.polen.travel 

Krakau:
www.krakow.pl 

Anreise:
Direktflüge nach Krakau gibt es von vielen deutschen Städten aus, mit Lufthansa von München und Frankfurt, mit Ryanair von Dortmund, Nürnberg und Berlin Schönefeldt, mit easyjet von Hamburg und mit LOT von Berlin-Tegel.

Übernachten:

Hotel Stary (5-Sterne) mit Wellness, Spitzenrestaurant und Cocktailbar (Dachterasse) direkt am Markplatz, ul. Szczepanska 5, 31-011 Krakau, Tel. +48 12 384 0808, www.stary.hotel.com.pl

Restaurants:

Trzy Rybky (Drei Fische) im Hotel Stary, ul. Szczepanska 5, 31-011 Krakau, Tel. +48 12 384 0808, www.stary.hotel.com.pl 

Szara Gęś (Graue Gans), Rynek Glówy 17, 31-008 Krakau, Tel. +48 12 430 6311, www.szarages.com 

Café:

Nowa Prowincja, Cafe u. Kneipe, Künstlertreff, Ul. Bracka3/5, Tel. +48 12 430 5959

Shoppen:

Pasaż Rynek 13 (Passage 13), edle Einkaufspassage in historischen Gemäuern, Rynek Glówy 13, 31-008 Krakau, www.pasaz.pl 

Geldtausch:
Wechselstube "Kanto elado", ul. Slawkowska 16, Tel +48 691 763 473, www.kantorelado.pl 

Fotos: Ellen Spielmann

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Zuletzt bearbeitet am 28/07/2018

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