Eine Fischkirche, ein Mädchenpensionat und Riesenzimtschnecken

Nach Göteborg und zu drei Schäreninseln – immer dem Appetit nach!

Es muss nicht immer Sterneküche sein: Die größten Zimtschnecken, Sea food in einer Kirche beim Weltmeister im Austernöffnen, frischer Hummer direkt aus der Kiste, westschwedische Speisen in einem Mädchenpensionat und Frühstücken auf einer Luxusmotoryacht: Göteborg und das Schärenarchipel sind für ganz besondere kulinarische Überraschungen gut.

Bevor es von Göteborg auf die Schären geht, müssen undbedingt noch drei Genusserfahrungen aus der westschwedischen Stadt mitgenommen werden. Abseits seiner sieben Michelinsterne hat Göteborg jede Menge kulinarische Highlights zu bieten. Perfekt gelegener Ausgangspunkt der lukullischen Recherche ist das kaum ein Jahr junge "Comfort Hotel" im Hafen von Göteborg: Nikotinfrei, bequem, hell und in der Szene angesagt. Von der Dachterrassen-Bar lässt sich hervorragend über die ganze Stadt schauen, am besten mit einem Signature-Bier "EGO", auf das Hotelmanager Frederik Leek neben vielen anderen Vorzügen seines Hauses sehr stolz ist. Im beliebten Hotel-Restaurant OGBG kocht Johan Ackebo: Beherzt indisch-schwedisch. Und? Erstaunlicherweise lassen sich die nordischen mit den exotischen Zutaten so schmackhaft miteinander kombinieren, dass ohne Reservierung dort gar nix läuft.

Einzigartig die "Feskekörka" gleich am Hafen – eine Kirche von 1874, das seit 25 Jahren als Fischmarkt und Fischspezialitätenrestaurant genutzt wird. Architektonisch war das Gebäude ein Experiment des Stadtarchitekten Victor von Gegerfelt. Er orientierte sich dabei an den norwegischen Stabkirchen ebenso wie an gotischen Steinkirchen. Besitzer und Chef vom "Gabriel" oben auf der Empore ist Johan Malm – gefeierter zweifacher "Weltmeister im Austernöffnen" – keine drei Minuten für 30 Austern. Klassisch traditionelles Gericht auf seiner spannenden Karte ist "Gebratene Makrele mit Waldpilzen, Preiselbeeren, Muscheln und Kartoffeln".

Café Husaren in Haga.
Café Husaren in Haga.

 

Göteborg ist lebendig, jedoch nicht überfüllt, kein hektischer Verkehr, auffällig freundliche Menschen. Jede Menge Kaffeehäuser, Kopfsteinpflaster, charmanter Häkeldeckencharme in vielen Bistros. Im Szenestadtteil Haga idyllisches Kopfsteinpflaster, frisch gestrichene Holzhäuser, Vintage shops und jede Menge food-Initiativen. Dort suchen und finden wir das "Café HUSAREN". Hier gibt es die größten "Kanelbullar"-Zimtschnecken Schwedens, so groß wie ein Essteller, ein "Kanelbulle" kostet 22 SKR/knapp 3 Euro, eines der leckeren Prachtstücke ist tatsächlich nur zu zweit und mit Messer und Gabel zu bewältigen.

Eine Schiffswerft, eine Fischbude und ein Mädchenpensionat

Zum Fähranleger Saltholmen ist es eine halbe Stunde mit der Straßenbahn, 20 Minuten braucht die Fähre bis Brännö. Die Fähren sind modern und bequem, unterwegs sind jede Menge Segel- und Motoboote zu sehen. Bei so vielen Inseln und Inselchen entsteht der Eindruck, als habe jeder Schwede seine eigene Insel und sein eigenes Boot. Dass es mir auch in Westschweden überall wie in Astrid Lindgrens Bullerbü, Lönneberga oder wie auf Saltkrokan vorkommt, weckt Glücksgefühle – klare Luft, sauberes, tiefblaues Wasser und ein strahlender Himmel. Die angepeilte Foodstation auf Brännö ist ein Caféhof auf dem Gelände einer ehemaligen Schiffswerft von 1949, das Areal wird heute für ein engagiertes, alternatives Projekt mit "restaurang" und Kulturangebot genutzt, das mittlerweile viele junge Leute auf die Insel lockt.

Fish-Taco auf Brännö.
Fish-Taco auf Brännö.

 

Chloé Lenfant und Tayler Dobbs haben eine Reihe von Fischspezialitäten entwickelt, wie z.B. einen Fish-Taco. Lokal gebrautes Bier, Platten mit tagesfrischem, schwedischem Seafood – hallo Schlaraffenland! Ein herrlicher, unkonventioneller Platz um total abzuschalten und Fünfe oder mehr gerade sein zu lassen. Man muss auch nicht gleich wegen der Fährverbindungen wieder los. Das B&B-Hotel auf dem Werftgelände hat das echte Vintage-Flair, was viele Schweden so lieben: Patchworkdecken, aufgearbeitete Sperrmüllmöbel, Flickenteppiche, eine große Küche für alle Gäste gemeinsam. Sehr gemütlich, sehr kommunikativ!

Nach Vrängö einmal umsteigen bitte in Asperö Östra. Direkt an der kleinen Marina hat Håkan Karlsten die Reihe von klassischen Bootshütten zu Mini-Ferienwohnungen umgebaut bzw. mehrere nagelneue im gleichen Stil dazu errichtet. Wie einladend! Bett, Tisch Stühle, eine Pantry, ein schönes Bad. Mehr braucht man gar nicht, denn man ist sowieso die meiste Zeit draußen. Zum Kajakfahren, segeln, schwimmen oder mit den Fischern fischen. Ein besonderes Vergnügen ist es, nach getaner Freizeit der 360-Grad-Meeresview-Sauna einen Besuch abzustatten oder das Reinigungserlebnis im heißen Badezuber unter freiem Himmel.

Fiskeboa = Fischbude.
Fiskeboa = Fischbude.

 

Am Abend dann "Catch of the Day” bei Andreas in seiner "Fiskeboa”/Fischbude. Er stellt seine Krebs-, Garnelen- und Hummer-Ausbeute in Kisten bereit und dann geht es auch sofort los. Der Tisch ist gedeckt mit Papierdecke und Papptellern – Papierrolle statt Servietten. Natürlich Hummergabeln und -zangen. Ein tägliches Festessen, bei dem man sich die Finger ablecken darf – die schwedischen Gäste an den Nebentischen singen schwedische Trinklieder.

Und noch ’ne Insel: Styrsö! Das idyllisch gelegene Hotel "Pensionat" war tatsächlich ein ehemaliges Mädchen-Pensionat, bevor Hotelchef und Besitzer Ola Tulldahl es in ein Hotel mit musealem Charakter umwandelte. Jeder Raum ist romantisch gestaltet, ganz so, wie ein klassisch-schwedisches Zuhause. Mit Häkeldecken, Rüschengardinen und sehr interessanten Antiquitäten auch aus der Schifffahrt. Reliquien aus der Zeit, als dieses Gebäude eine Schule war, dekorieren Räume und Flure, die anheimelnde Stimmung in den Gemälden des schwedischen Kunstmaler Carl Larsson lässt grüßen.

Restaurant im Hotel Pensionat.
Restaurant im Hotel Pensionat.

 

Ebenso der Speisesaal der Styrsö Skäret Restaurants: Behaglich wie Großmutters gute Stube: Geblümte Stoffe, geraffte Gardinen, gerahmte Familienfotos aus über hundert Jahren an der Wand. Alles ist hell, freundlich, einladend. Eingedeckt ist mit historischem Porzellan, Gläsern und Besteck. Chefkoch Jerker Albrechtsson kocht urregionale, unverfälschte Küche auf Fischbasis nach bewährten Rezepten, aus reinen Naturprodukten der Schärenwelt. Eine Spezialität unter vielen ist der "Bohuslän”-Käsekuchen. Jerker hat nach dem ältesten, bekannten Rezept dazu gesucht und es aufgestöbert – in einem Museum in Uddevalla. Die Aussicht auf das Meer und in den Garten: Bezaubern! Was für eine Idylle!

Mit der Luxus-Motoryacht durch die Schären vor Göteborg:

Ein Bonbon: Das Göteborger Skipper Peter und Lena Busse lädt ein, mit ihnen und der Crew auf der "Sealife”-Motoryacht durch die schwedischen Gewässer zu schippern. Das Luxusschiff ist 18,5 Meter lang, neun Meter breit, maximal 28 Knoten schnell. Bis zu zwölf Tages- oder sechs Übernachtungsgäste finden auf der modern, elegant und bequem ausgestatteten Yacht Platz, kulinarische Leckereien inbegriffen. Das Ehepaar hat seinen Traum vom eigenen Schiff verwirklicht und das edle Stück – 1997 in Venedig gebaut – jüngst ebendort gekauft. Ab Januar 2018 geht es los – välkommen!

Weitere Informationen:

Comfort Hotel /Choice Hotel City Center
www.nordicchoicehotels.com/comfort/comfort-hotel-goteborg/
Restaurant "OGBG", www.ogbg.se/en/

Café Husaren, http://www.cafehusaren.se/

Restaurang "Gabriel” / Feskekörka
www.feskekörka.se
www.restauranggabriel.se/

Kulturwerft auf Brännö:
www.brannovarv.se

Bootshäuser auf Vrängö:
Kajkanten Vrångö
www.kajkantenvrango.se

Fiskeboa auf Vrängö
www.fiskeboa-vrango.se

"Pensionat" Hotel-Museum und Restaurant Styrsö Skäret
www.pensionatskaret.se/english/mat-och-dryck.html

"Sealife" Motoryacht Gothenburg Coast Charter
Lena und Peter Busse
Web: www.gotcc.se (Under construction).

 

Impressionen:

 

Fotos: Uta Petersen, Henrik_Trygg, Agneta Thorsén, Jacob Fridholm

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Zuletzt bearbeitet am 25/08/2017

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Autor

Uta Petersen

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