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DER KULINARIKER trifft: Hans-Kristian Hoejsgaard, CEO Oettinger Davidoff AG

Die Oettinger Davidoff AG mit einem Umsatz von 1,23 Milliarden Schweizer Franken und über 3‘600 Beschäftigten auf der ganzen Welt kann ihre Wurzeln bis auf das Jahr 1875 zurückführen.

Bis heute ist das Unternehmen ein Familienbetrieb mit zwei unterschiedlichen Geschäftszweigen geblieben. Ein Geschäftszweig ist im Großhandels-, Vertriebs- und Logistikbereich im Schweizer Markt tätig, der andere widmet sich der Vermarktung und dem Verkauf von Premium Zigarren, Tabakprodukten und Accessoires im Einzelhandel. DER KULINARIKER im Gespräch mit Hans-Kristian Hoejsgaard, CEO des Schweizer Zigarrenproduzenten Oettinger Davidoff AG.

KULINARIKER: Mit dem Joint Venture mit Sparkle Roll Group Limited, einem börsennotierten Unternehmen, dass primär in Vertrieb und der Verkaufsvertretung hochwertiger Konsumgüter tätig ist, hat Davidoff scheinbar eine strategische Ausrichtung des Unternehmens öffentlich kommuniziert...

Hans-Kristian Hoejsgaard: Das kann man so sagen. Natürlich ist China als Markt für uns interessant, aber auch darüber hinaus ist ganz Asien relevant für die Strategie unseres Unternehmens. Vielleicht ist es die größte und beste Möglichkeit der Positionierung und Marktsicherung überhaupt in der Firmengeschichte Davidoffs.

Die Chinesen also als wichtige Kunden…

Genau. Ein wichtiger Aspekt ist diesbezüglich auch die Reiselust der Chinesen. Es gibt bereits dieses Jahr 120 Millionen reisewillige Chinesen, die auch im Bereich Duty Free oder die entsprechen Käufe in den Läden wie Frankfurt, London, Zürich oder Luzern wichtige Kunden sind.

Die ersten großen Destinationen für Chinesen sind entsprechend auch in erster Linie im Großraum Asien. Daher ist dieser Markt natürlich enorm wichtig.

Gibt es noch andere Formen der Zusammenarbeit mit Unternehmen in Asien?

Mit Bluebell gibt es ein Joint Venture für die Bereiche Singapur, Hong Kong, Malaysia und Japan. Diese Investitionen sind natürlich die wichtigsten Schritte zur Positionierung auf dem asiatischen Markt gewesen.

Wie genau ist die "Verteilung" der Kräfte innerhalb der Beziehungen zu Bluebell und Sparkle?

Das unterscheidet sich gravierend. Im Geschäft mit Bluebell, also dem wichtigen Geschäftssegment mit dem Verantwortungsbereich für Länder wie Hong Kong und Singapur, sind wir auf dem Weg die Mehrheit zu bekommen. In China ist es als Ausländer - beziehungsweise ausländisches Unternehmen - nicht möglich für diesen Bereich die Majorität zu erlangen.

Die genaue Aufteilung erfolgt also…

…im Falle Sparkles: Davidoff hält 49,9 Prozent, Sparkle 50,1 Prozent. Aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sparkle schon seit sechs oder sieben Jahren ein Partner von Davidoff ist. Wir haben Vertrauen in diese Partnerschaft, was natürlich sehr wichtig ist.

Hoejsgaard: China ist ein wichtiger Markt für uns!
Hoejsgaard: China ist ein wichtiger Markt für uns!

 

In welcher Hinsicht wird Asien oder auch speziell China noch entscheidend sein?

Ich gehe davon aus, dass in den nächsten zehn oder fünfzehn Jahren der Markt in China weiter liberalisiert wird. Wenn China mehr in Bereich der World Trade Organization eingehen möchte, sehen wir eventuell auch langfristig Möglichkeiten für eine Produktion in China.

Die Möglichkeiten sind jetzt schon gegeben?

Nun, das Zigarrengeschäft ist relativ neu für die Chinesen. Es gibt lediglich vier Fabriken, die sich mit der Produktion von Zigarren beschäftigen. Für Tabakpflanzen selbst, gibt es in China nur wenige Anbaugebiete. Da sind unsere klassischen Gebiete einzig und allein wichtig. Und letztendlich ist China heute mehr ein Zigaretten- als ein Zigarrenmarkt.

Das bedeutet, Kuba ist auch zukünftig nicht der "passende" Lieferant?

Nun – wir haben eine Davidoff Dominikanische Republik, auch eine Davidoff Nicaragua. Es wäre natürlich sehr, sehr schön, wenn wir auch eine Säule à la Davidoff Kuba hätten. Die Überlegungen gibt es. Es ist schon immer ein Traum gewesen, dort wieder etwas im Sinne Davidoffs auszurichten.

Davidoff und Kuba – eine alte Verbindung…

Ja. Bis 1989 war Davidoff auf Kuba – die geschäftliche Abtrennung erfolgte damals aus qualitätsbedingten Überlegungen. Wer weiß, was zukünftig passiert. Es dauert vielleicht noch drei, fünf oder zehn Jahre – aber durch die Normalisierung der Beziehungen zwischen Kuba und den USA sind gute Möglichkeiten geschaffen
.
Einer Rückkehr steht also nicht allzu viel im Wege…

So einfach ist es dann doch nicht. Wir haben immer gesagt: Wir wollen auch die Qualität überwachen und kontrollieren. Das zu akzeptieren ist natürlich für ein Staatsunternehmen eine recht schwierige Geschichte.

Aber Kontakt gab es in den letzten Jahren schon…

Ja, ich hatte die letzten fünf Jahre immer mal wieder Kontakt zu Verantwortlichen auf Kuba. Das von unserer Seite Interesse besteht, ist also durchaus bekannt.

Und wie sieht es in anderen Ländern aus? Arbeiten sie mit Tradern zusammen oder gibt es Tabakplantagen, die im Besitz des Unternehmens stehen?

Wir arbeiten sehr wenig mit Tradern zusammen, da wir tatsächlich viele eigene Anbauflächen haben. Es ist aber auch so, dass wir mit Bauern zusammen arbeiten, die exklusiv für uns den Tabak pflanzen. Im Falle von einigen Deckblättern – zum Beispiel aus Ecuador – sieht das etwas anders aus. Da kaufen wir zu.

Die neue Tabakrichtlinie 2016 steht in den Startlöchern. Es geht in dieser Richtlinie unter anderem um die Positionierung von Gesundheitswarnungen. Was genau bedeutet das für Davidoff?

Es gibt in dieser Richtlinie einen Artikel 11, der die Möglichkeit schaffen kann, eine Ausnahme für Zigarren zu machen. Es ist eine EU-Richtlinie, allerdings können die Länder noch eigene Entscheidungen bezüglich dieses Artikels treffen.

Hoejsgaard: Es gibt in der Tabakrichtlinie einen besonders wichtigen Artikel!
Hoejsgaard: Es gibt in der Tabakrichtlinie einen besonders wichtigen Artikel!

 

Welche Länder haben schon Ausnahmen zugelassen?

Bis jetzt sind Spanien, Italien, Portugal und Belgien bereit, diesen Artikel entsprechend pro Zigarre auszurichten. Es ist also nicht so strikt, wie zum Beispiel bei den Zigaretten. Dort sollen 65 Prozent der Vorder- und Rückseite mit Warnhinweisen versehen werden. Aber wir haben – gerade für Deutschland - die Hoffnung, dass auch hier im Land eine befriedigende Lösung gefunden wird. Ganz sicher ist es zumindest in Irland und Frankreich – zukünftig vielleicht auch in England – dass die Richtlinie konsequent umgesetzt wird.

Kommt es dadurch eventuell zu einer Reduzierung des Sortiments?

Wenn es bei Davidoff zu einer Reduzierung unserer Produktvielfalt kommt, dann nur, weil Blending und Art beziehungsweise Geschmack von verschiedenen Zigarren unter Umständen sehr ähnlich sind. Das werden wir aber erst in den nächsten Jahren sehen.

Zunächst einmal ist es für uns wichtig, die technischen Grundbedingungen alle gewährleisten zu können. Es ist natürlich ein enormer Aufwand, für alle EU-Mitgliedstaaten unterschiedliche Verpackungen mit entsprechenden Hinweisen anzufertigen.

Und einige der Mitgliedsstaaten sind wichtige Länder für das Produkt Zigarre…

Natürlich. Deutschland, Frankreich und Spanien zählen ohne Zweifel dazu. Aber natürlich auch die Schweiz. Darüber hinaus sind die wichtigen Märkte für uns Amerika, China – ja, eigentlich der gesamte asiatische Raum. Und wichtig sind natürlich auch die Duty-Free-Bereiche. Wichtig zu wissen ist: etwa 60 Prozent der Premium-Zigarren auf dem Weltmarkt werden in Amerika verkauft. Das sagt glaube ich schon einiges aus.

Wie versucht Davidoff dem Nicht-Rauch-Trend zu begegnen?

Nun, das Produkt Zigarre ist ein exklusives und besonderes Produkt. Schon dadurch hebt es sich von der Zigarette ab. Dennoch haben wir in den letzten Jahren viel in internationale Lounges investiert. Ich denke auch, es ist ein Trend zu erkennen, der das Zigarre rauchen wieder populärer macht. Das merkt man sicher auch daran, dass viele Restaurants und Hotels Lounges für ihre Gäste schaffen oder geschaffen haben.

Wir als Unternehmen investieren heute in über 160 Lounges weltweit. Gerade wurde eine Lounge in Atlanta eröffnet, Houston und Las Vegas folgen. Vielleicht kommt auch noch etwas in New York. Wir werden sehen!

Herr Hoejsgaard, vielen Dank für das Gespräch!

Fotos: Oettinger Davidoff AG, Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 19/08/2016

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