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Offline ist der neue Luxus im Ozeanien der Monologe

Nichts tun bedeutet leben. Oder Leben. Wahlweise. Doch wer tut eigentlich nichts? Die Welt scheint dem Wandel der Allessprecher, Allestuenden, Allesseienden und Allesschreibenden unterworfen zu sein. Warum auch nicht?

Das Unglück der globalen freien Meinungsäußerung hat es uns geschenkt, das Wohl einer Informationsüberschwemme. Jeder ist Blogger, Kommunikator auf allerunterster Ebene. Dass er/sie natürlich im ungestellten Sonnenbrillen-Liebes-Duett mit Küsschen auf die Wange und dem 900 Millionsten Selfie mit Gucci-Henkelkasten und bescheuertem Handtaschen-Köter ihre eigene Persiflage spielen, verkommt zur Randnotiz. 400 Millionen IG-Nutzer sprechen Bände. Orwellsche Bände, die in einigen Jahrzehnten Folgegenerationen ein Momentum unserer Kurzsichtigkeit und Beleg unserer Chanel-Tüten-Darstellungskultur sein werden.

Gestern noch lachten wir süffisant über die Mode der 1970er Jahre. Heute ist es die Aufregung über unsere eigene Dummheit Kriege zu führen. Morgen ist es wahrscheinlich ein schallendes Lachen über unseren eigenen Offenbarungseid in den Sozialen Medien. Doch wichtig ist dies indes nicht. Denn Gleichgültigkeit ist stets auf der Überholspur, stets ein schneller fahrender Egomane auf der Autobahn unserer Selbstbeweihräucherung und dem Gedankenspiel: Wichtig ist nur dieser Moment, diese nie da gewesene Gestik, diese Komik, die haarscharf die eigene monologisierte Blödsinnigkeit spiegelt.

Doch bis dahin: Smartphone an und mitgezwitschert im Null-Aussage-Spiel. Alles andere wäre Luxus. Und den kann man sich nicht leisten, denn verpassen will man ja auch nichts im 1,5 Milliarden Blaubuchgerausche. Sei es noch so unwichtig: Trumpf sind Cool-Symbols im Sinnlos-Kartenspiel der Grinsefratzen am Strand von Wo-Auch-Immer, stets einen Kaffeebecher von Starbucks in der Hand haltend. Herausgestreckte Zunge obligat.

Spätestens da bin ich im partiellen Luxus-Modus.

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Zuletzt bearbeitet am 19/08/2016

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