DER KULINARIKER trifft: Belise Kariza (Rwanda’s chief tourism officer)

Belise Kariza gehört als Chef-Referentin im Ressort Tourismus zum Rwanda Development Board (RDB). Sie koordiniert ebenfalls das sensible Thema Umweltschutz im Dreiländereck Ruandas zur Demokratischen Republik Kongo und Uganda.

Der nördliche große Nachbar ist mit Kenia Teil eines touristischen Marketing-Verbunds, der auch unter Vorsitz von Kariza steht. DER KULINARIKER traf Ruandas Tourismus-Beauftragte in der Hauptstadt Kigali.

Welche Rolle spielen deutsche Touristen für Ruanda?

Deutschland gehört zu den fünf wichtigsten Zielmärkten unseres Landes. Die über Jahre gewachsenen Kontakte pflegen wir bei unserem alljährlichen ITB-Auftritt in Berlin. Als internationale PR-Plattform ist diese touristische Leitmesse für uns ungemein wichtig. Für deutsche Tour Operators und Medien bieten wir Fun Trips an. Wir verlangen von deutschen Staatsangehörigen kein Visum, wenn sie nicht länger als 30 Urlaubstage im Land bleiben. Ruandas Erfolg auf diesem umkämpften Markt beruht mit auf diesem vielfach unterschätzten Detail. Unsere Hauptstadt Kigali ist eine führende High-Tech-Innovationsschmiede von Afrika. Dazu gehört nicht nur konsequente Digitalisierung, sondern auch der Abbau von Bürokratie.

Komfortables Reisen für Touristen: Ruandas Straßen sind nach westeuropäischem Top-Standard ausgebaut.
Komfortables Reisen für Touristen: Ruandas Straßen sind nach westeuropäischem Top-Standard ausgebaut.

 

Warum testet der VW-Konzern ausgerechnet in Kigali eine neue App für Car-Sharing?

Ruanda verfügt über exzellent ausgebaute Straßen. Zudem hat Kigali ein Mobilfunknetz, das mit westeuropäischen Städten konkurrieren kann. Das sind optimale Voraussetzungen für das VW-Pilotprojekt. Besucher mit Lust auf Abenteuer buchen per App auch gerne eine Motorrad-Mitfahrgelegenheit, um so unsere kulturell umtriebige Hauptstadt kennen zu lernen. Zusammenfassend kann man sagen: Ruanda bietet im kleinen Länderformat durch seine Top-Infrastruktur viele leicht erreichbare Highlights – das heisst Komfort beim Reisen.

Welche touristischen Ziele sind abgesehen vom Gorilla-Trekking besonders beliebt?

Hohe Zuwachsraten verzeichnen wir bei der Savanna-Safari im Akagera-Nationalpark. Der liegt an der Grenze zu Tansania. Auf kurzen Distanzen können hier Touristen Elefanten und Giraffen beobachten, und mit etwas Glück auch Löwen. Wer Flusspferde und Nil-Krokodile ganz nahe in ihrem Habitat erleben will, hat bei uns auch beste Chancen. Im Süden Ruandas trumpft der Nyungwe Bergregenwald mit Schimpansen-Trekking und einer 200 Meter langen Hängebrücke. Die wurde 2019 von Lonely Planet zur Nummer Eins unter den weltweit Top Eleven Canopy Walkways gewählt. Außerdem haben wir einen der schönsten Seen Afrikas – den Lake Kivu – an der Grenze zum Kongo. Zum Wassersport mit Kajak-Touren wie auch Relaxen ideal. Nahe dem pittoresken kolonialen Badeort Rubavu kann man zudem eine unserer Teeplantagen besuchen. Der Export unseres "Grünen Goldes" geht auch nach Deutschland.

Savanna-Safari im Akagera-Nationalpark nahe der Grenze zu Tansania.
Savanna-Safari im Akagera-Nationalpark nahe der Grenze zu Tansania.

 

Ruanda war einst Teil der Kolonie Deutsch-Ostafrika (1871 bis 1918). Konsequenzen daraus für Ihr Land heute?

Wir haben in Deutschland einen vertrauensvollen Investment-Partner gefunden. Aber dieser Business-Pakt beruht nicht auf der Geschichte. Wer diese verstehen will, kann das Kandt House – unser Kolonialmuseum mit teils kuriosen Exponaten – besuchen. Aktuell haben wir mit Unterstützung unserer Partnerregion Rheinland-Pfalz den ersten Premium-Wanderweg Afrikas nach europäischem Standard eingeweiht. Er führt zu unserer einstigen Königstadt Nyanza. Naturfreunden zeigt er auch en passant, wie Menschen auf dem Land von ihren oftmals sehr bescheidenen Erträgen winziger Ackerflächen leben.

Wo liegt der Fokus der touristischen Entwicklung von Ruanda?

Wir konzentrieren uns auf Klasse statt Masse – einen hochwertigen Öko-Tourismus mit Luxury Lodges wie Singita, One & Only und Amakoro/Songa Africa. In Kigali findet man reputierte Hotelketten wie Serena, Marriott und Radisson Blu. 2019 hatten wir 14.000 Hotelbetten – zehn Jahre zuvor waren es erst 4.000. Höchste Priorität hat der MICE-Sektor. Als Kongress- und Eventveranstalter kommen wir nach Südafrika auf der Top-Rangliste des Schwarzen Kontinents. Das Kigali International Convention Center wurde übrigens von einem deutschen Architektenbüro gebaut. Aktuell entsteht der neue Bugesera Airport. Mit dem setzt Ruanda vorbildliche Öko-Standards – und unsere Fluglinie RwandAir kann weiter expandieren.

Kigali International Convention Center: Ruanda ist auf Platz Zwei als MICE-Standort in Afrika.
Kigali International Convention Center: Ruanda ist auf Platz Zwei als MICE-Standort in Afrika.

 

Die "goldenen Devisen" ihres Landes stammen vom Gorilla-Trekking. Einige Zahlen?

Bei den Gorilla-Permits konnten wir in zwei Jahren um 25 Prozent zulegen. 15.132 Besucher verzeichnet unsere aktuelle Statistik. Ganze vorne liegen Besucher aus den USA. Insgesamt nahmen wir 19,2 Millionen US-Dollar ein. Wer sich in Ruanda für eine unvergessliche Gorilla-Trekking-Erfahrung entscheidet, zahlt mit 1,500 US-Dollar zwar viel mehr wie in Uganda. Aber die Besucher unseres Landes kommen mit dem Bewusstsein, den Natur- und Artenschutz zu fördern und damit auch arme Ruander auf dem Land zu unterstützen.

Was ist der Leitgedanke der nachhaltigen Tourismus-Politik von Ruanda?

Es war eine weise Entscheidung, unseren hochkarätigen Naturschutz an die Entwicklung der Landbevölkerung zu koppeln. Zehn Prozent der Einnahmen aus den Naturreservaten gehen an die benachbarten Kommunen. Das Geld wird eingesetzt für Bildungsarbeit und das Gesundheitssystem. Einstige Wilderer haben heute Jobs in touristischen Einrichtungen und betrachten sich als "Wächter des Waldes".

In der Königstadt Nyanza werden heilige Watussi-Rinder von singenden Tutsi-Hirten gehütet.
In der Königstadt Nyanza werden heilige Watussi-Rinder von singenden Tutsi-Hirten gehütet.

 

Wie schaffte es Ruanda, Gorilla-Trekking als touristischen Magneten weltweit zu etablieren?

Ein wichtiger Faktor ist unsere PR-Strategie. Wir hatten 2004 die Idee, eine zeremonielle Gorilla-Babytaufe – die Kwita Izina – im Volcanoes Nationalpark zu initiieren: zum Schutz der artbedrohten Menschenaffen und ihrem Habitat – den Bergregenwäldern von Ruanda. Daraus erwuchs ein internationales Event mit globalem Benefiz, kombiniert mit einem hochkarätigen Umweltkongress in Kigali. Zudem haben wir weltweit Popularität durch die Stiftung Diane Fossey Gorilla Fund. Dahinter steht das ideelle Erbe der legendären US-Primatenforscherin (1932-1985) und deren heldenhafter Einsatz in Ruanda. Unser Karisoke-Forschungszentrum setzt Fosseys Bemühungen weiter fort.

Kwita Izina:  Zeremonielle Gorilla-Babytaufe mit VIPs aus aller Welt in Kinigi beim Volcanoes Nationalpark.
Kwita Izina: Zeremonielle Gorilla-Babytaufe mit VIPs aus aller Welt in Kinigi beim Volcanoes Nationalpark.

 

Details zur Zeremonie der Kwita Izina?

Da unterstützte uns von Anfang unser Präsident Paul Kagame, seine Schirmherrschaft ist von immenser Bedeutung. Er war auch der Taufpate der ersten Berggorilla-Zwillinge der Welt, deren Nachkommen heute im Virunga-Nationalpark leben. Im letzten Jahr konnten wir als VIP-Gast Naomi Campbell gewinnen – flankiert von Prominenz aus der Welt des Tourismus, der Wirtschaft, wie auch Vertretern internationaler Umweltschutz-Organisationen und Botschaftern. Für uns Ruander ist es wichtig, dass auch lokale Naturschützer auf der Ehrenbühne stehen und Kwita Izina Awards bekommen. Die Namen der im letzten Jahr getauften 25 Gorilla-Babys wurden wie immer von unseren Rangern und Forschern vorgeschlagen. Darauf sind wir sehr stolz.

Hilfe für Schulen & Krankenhäuser: Zehn Prozent der Nationalpark-Einnahmen gehen an die Communities.
Hilfe für Schulen & Krankenhäuser: Zehn Prozent der Nationalpark-Einnahmen gehen an die Communities.

 

Danke für das Gespräch Frau Kariza!

 

Weitere Informationen unter:
www.rwandatourism.com
https://gorillafund.org/kwita-izina/

 

Impressionen:

Fotos: Gabriela Greess

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Zuletzt bearbeitet am 12/03/2020

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