Bij Jef: der kulinarische Hot Spot auf Texel

Die Urlaubsinsel Texel bietet mehr als nur Sandstrände und Schafe. Das Sternerestaurant "Bij Jef" ist eine kleine Entdeckung…

Texel (ausgesprochen: Tessel) ist die westlichste der Westfriesischen Inseln. Und zusammen mit Ameland sicher auch einer der beliebtesten Nordseespots der Niederlande für deutsche Touristen überhaupt. Mit knapp 14.000 Einwohnern liegt die Bevölkerungsdichte bei 23 Einwohnern/km², etwa die Hälfte der Einwohner lebt in Den Burg, der größten Ortschaft der Insel. Und von dort ist es nicht weit nach Den Hoorn, einem kleinen Ort mit großer kulinarischer Strahlkraft. Denn eben hier befindet sich das Gourmetrestaurant "Bij Jef", ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern.

Die Gastgeber Jef Schuur und Nadine Mögling haben mit ihrem Restaurant einen wirklich besonderen Platz geschaffen. Unweit der wunderschönen Dünenlandschaft Texels im Westen gelegen, ist auch die Fähre in 't Horntje, die von Den Helder die Insel ansteuert, schon fast fußläufig erreichbar. Nicht ganz unwichtig, dürfte doch ein Großteil der Gäste aus dem nicht weit entfernten Amsterdam kommen. Gerade mal eine Stunde ist die Metropole mit dem Zug entfernt, die Überfahrt mit der Autofähre beträgt dabei nur etwa 20 Minuten.

Seit 2009 hält das "Bij Jef" mittlerweile die begehrte Auszeichnung des Guide, mehr als respektable 17,5 Gault-Millau-Punkte wurden ebenfalls verliehen. Damit ist die kleine Gourmetschmiede – 40 Plätze bietet das Restaurant – auf der Insel der "place to be" für alle Kulinariker. Denn bezüglich eines Michelin-Sterns ist das "Bij Jef" allein auf weiter Flur. Grund genug, bei einem Besuch auf der Insel auch einmal nach Den Hoorn zu fahren.

Gastgeber Jef Schuur.
Gastgeber Jef Schuur.

 

Local meets Cosmopolitan...

..steht in großen Lettern als Menübetitelung auf der Karte. Vielversprechend – und richtungsweisend. Denn natürlich erhofft sich der Gast eines Restaurants immer einen Bezug zu der Region. Im Falle der Nordseeinsel Texel fällt es den Gatronomen da sicher nicht sonderlich schwer, regionale Produkte in die Menüfolge zu integrieren. Und dies wird auch beim Betrachten der Karte des "Bij Jef" sofort deutlich. Von Krabben aus der Nordsee bis zum Lamm von der Insel: Jef Schuur zeigt damit, dass ein Menü nicht nur regionalorientiert, sondern das es auch abwechslungsreich und besonders sein kann – wie sich zeigen sollte.

Nun, ein kosmopolitisches Entree kam mit einem Taittinger in die Zalto Gläser. Passgenau, sowohl der Champagner, als auch das Glas an sich. Die komplette Serie des Glasherstellers begleitete uns durch das gesamte flüssige Menü. Und zunächst auf dem Teller: Nordsee Krabben, angemacht mit Buttermilch und Tomaten in Ginger. Ein frischeres Produkt als diese Krabben dürfte auf der Insel kaum beziehbar sein. Dazu: Ein Melonix 2015 (Domaine Landron), ein Klassiker und in vielen Shops ein Best Seller. Ein Produkt mit einer anständigen Mineralität, das die Nordsee Krabben würdig unterstützt.

Zweiter Gang: "Waddenzee" Kokkels, also Herzmuscheln aus dem Wattenmeer. Dazu: Petersiliencreme und einer leichten Selleriebrühe. Glücklicherweise dezent, denn Sellerie kann bekanntermaßen ja auch mal extrem "drüber" sein. Und um das lokale Element der Muschel aus der Nordsee mit dem Land zu verbinden, topierte Schuur feine Bauchspeckstreifen vom Lamm. Sozusagen als feiner Hinweis, dass da noch mehr kommt. Denn wenn Texel – neben den touristischen Dingen – für eines bekannt ist, ist es das Lammfleisch von der Insel. Die Kokkels und der Belly Bacon bekamen ihren internationalen Anstrich in Form eines Manzoni "Fontanasanta" 2015 Foradori. Ein interessanter Wein, der aus einer Rebsortenkreuzung des Weißburgunder und des Riesling resultiert. Ein Tropfen mit feinen und sehr warmen Aromen, irgendwo im Bereich Birne und fein süßlichem Pfirsich. Eine gute Wahl von Gastgeberin und Sommeliere Nadine Mögling, die ohnehin mit ihrem Team einen exzellenten Service ablieferte.

Sommeliere Nadine Mögling.
Sommeliere Nadine Mögling.

 

Stingray auf Stein und Lamm

Im Folgegang gab es dann mal etwas Indopazifisches auf den Tellern: Mit Stechrochen, der langsam auf einem heißen Basaltstein auf dem Tisch gegart wurde, war es schon etwas exotisch. Und interessant. Denn das Aroma wurde durch das langsame Garen perfekt eingeschlossen, mit Anbindung zu einem dezent scharfem Koriandersalat ein stimmiges und genussvolles Bild. Ein nicht alltäglicher und perfekter Gang.

Und ebenso perfekt ging es weiter. Denn der Star des Abends ist das Lokalprodukt schlechthin: das Texel Lamm. Da gibt es einfach nur ein Wort: wunderbar. Mit toller Farbe liegt das Lamm auf einem kleinen Bett aus Bohnen und Brühe. Vinophile Unterstützung kam von einem Lalama 2011 Dominio do Bibei, einem Spanier, der die Rebsorten Mencía (90%) und Garnacha, Brancellao und Mouiraton (10%) vereint. Der Wein aus dem D.O. Ribeira Sacra ist ein richtig guter Begleiter zum Texel Lamm.

Das Outro kam dann mal wieder so richtig lokalcoloriert daher: Käse. Von diversen Produzenten wie zum Beispiel "De Waddel", einem Familienbetrieb auf der Insel, der bereits seit 1625 besteht, über verschiedene Jahrgangsreifungen vom Schaf oder auch der Ziege. Mit einem Macvin du Jura von Daniel Dugois ist der Käsegang in französischer Begleitung absolut stimmig.

Fazit:
"Bij Jef" ist ein Restaurant, das sich mehr als lohnt zu besuchen. Gastliche Atmosphäre, perfekter Service und lokale Produkte, die vor Frische kaum zu beschreiben sind. Einen Stern hat der Guide hier vergeben – und dies mehr als zurecht. Und da wir nicht nur den Teller bewerten, sondern das Gesamtkonzept vom Service bis zu den Speisen, dem Ambiente und dem Wohlfühlfaktor, liegen wir hier sicher bei vier von fünf Epikur. Fantastisch, folglich Exzellent!

Wertung: 4 von 5 Epikur


Legende:

0 Epikur = Indiskutabel
1 Epikur = Mässig
2 Epikur = Gut
3 Epikur = Ausgezeichnet (*)
4 Epikur = Exzellent (**)
5 Epikur = Einzigartig (***)

 

Weitere Informationen unter: www.bijjef.nl

Adresse: Herenstraat 34, 1797 AJ Den Hoorn Texel, Niederlande
Telefon: +31 222 319 623

 

Lage des Bij Jef:

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Impressionen:

 

Fotos: Michael Schabacker, Bij Jef

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Zuletzt bearbeitet am 29/04/2017

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