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Ausgetrunken: "Sonne, Erde, Wein und Mensch"

Achim von Arnim steht für den Erfolg seines südafrikanischen Weingutes Haute Cabrière. Am Kap ist der "Bubbly Baron" (Schampus-Baron) dank seiner innovativen Methode Cap Classique (MCC) und des Sektes "Pierre Jourdan" längst Legende. Familienmensch von Arnim schätzt Humor ebenso wie Disziplin.

"Sun, Soil, Wine, Man": Vier schlichte Worte zieren die Sonnenuhr auf der Terrasse zum neogotisch inspirierten Kellergewölben von Haute Cabrière, hoch über dem Wein- und Gourmetdorado Franschhoek, eine knappe Autostunde nordöstlich Kapstadts. Sie sind Achim von Arnims auf den Punkt gebrachte praktische Weinphilosophie. Hier empfängt der 70-jährige Hüne, Spross preußischen Uradels, doch in Kapstadt geboren, gewöhnlich zur Kellertour anreisende Gutsgäste, erklärt mit Blick auf das lichtdurchflutete Amphitheater des "Franzosenecks" unter ihm sein Credo vom Zusammenspiels von Terroir, Rebe und Mensch.

Bluthochdruck bei "Wine maker"

"Die Eigenheit von Wein entsteht, wo die Rebe wächst – Schiefer, Lehm, Kalk. Mineralien prägen den Geschmack. 'Sonne, Erde, Wein, Mensch' zusammen schaffen einen guten Wein, das ist unser Glaube. Und jedem Besucher wird erklärt, dass wir keinen Wein 'machen'." Tatsächlich nutzen englischsprachige und auch deutsche Besucher den Ausdruck "Wine maker" (Weinmacher) – für von Arnim, ansonsten stets heiter gelassen, nicht tolerierbar: "Mein Blutdruck steigt gefährlich, wenn ich das höre." Eher sei er "Wine grower", Winzer und Kellermeister zugleich, der die Gaben der Natur respektiere.

1982, damals Kellermeister auf Gut Boschendal, entdeckte von Arnim mit Gattin Hildegard, seit vier Dekaden an seiner Seite, Cabrière Estate im Tal von Franschhoek. Der große Erfolg stellte sich dann ab dem 22.12.1994 ein, exakt 300 Jahre, nachdem ein gewisser Pierre Jourdan Weinland in Olifantshoek, dem Elefanten- und jetzigen Franzoseneck, erhielt. In der Lobby über dem Weinkeller ehrt von Arnim bis heute jene Tage, als er mit Prof. Eben Archer oberhalb der Kiesgrube am Franschhoek-Pass elf Hektar erstklassiges Terroir entdeckte.

Wie zuvor im Winzerort Aloxe-Corton (Burgund) wanderten die zwei über klumpig fetten Lehm – ideal für Chardonnay und Pinot Noir. Haute Cabrière war geboren: "10 000 Rebstöcke pro Hektar, wie in Burgund, alles in Handarbeit!" Zur Erinnerung an diese glorreichen Tage hängen die geriffelten Sohlen seines Paars Levi-Schuhe längst eingerahmt an der Wand.

Edelste Tropfen und Methode Cap Classique

Als erster am Kap winzerte von Arnim – er studierte 1968 in Geisenheim und in Paris – nach dem Champagnerverfahren. Rechtliche Fragen und der Verzicht auf Pinot Meunier (Schwarzriesling) führten zur Erstentwicklung der "Methode Cap Classique" (MCC) und zum Siegeszug des Sektes "Pierre Jourdan". 90 Prozent der Produktion verbleiben noch heute am Kap, worauf von Arnim stolz ist. Zehn Prozent gehen in den Export.

Natürlichster unter allen MCC-Sekten ist von Arnims Pierre Jourdan Brut Sauvage (11,5 %): feinperlend, elegant dank 60 Prozent Chardonnay, intensiv durch 40 Prozent Pinot Noir; ideal, so von Arnim, zu Austern, Calamari oder Edelfisch. Mit 12 % und Zitronen-Charakter wartet der Cuvée Brut auf, ebenso 60 Prozent Chardonnay, 40 Prozent Pinot Noir. Auch der Pierre Jourdan Cuvée Belle Rose, 100 Prozent Pinot Noir (lachsfarben, elegant trockener Abgang, perfekt zu Muscheln, Hummer, Ente oder Paté), dankt der MCC seine Note ebenso wie der cremig gelbe Blanc de Blancs (100 Prozent Chardonnay), der vier Monate in französischer Eiche reift und Limonen- und Vanilletöne vereint.

Als Digestif empfiehlt von Arnim seinen Fin de Jourdan Potstill Brandy (43% Alkohol), 100 Prozent Chardonnay und drei Jahre in kleinen Limousin-Fässern gelagert. Die Ehre des ersten Kap-Ratafia (18 – 20 %) überhaupt gebührt indes Weinstudent Laurent Frenier aus der Champagne. Im nassen Weinjahr 1993 erfand er auf Cabrière den passenden Likörwein (Melange tropischer Früchte, Vanille-Obertöne) aus Chardonnay plus Potstill Brandy: ideal zu Schnecken und Jakobsmuscheln.

"Wein soll mit dem Essen tanzen"

Das Rezept für den Pierre Jourdan Tranquille, seit 2004 im Angebot, brachte Champagne-Weinstudent Frank Zehner mit. 60 Prozent Pinot Noir und 40 Prozent Chardonnay - aus zweiter Pressung – werden verschnitten. Der Wein (11 %, leichter Rosé-Ton) ist ein Riesenerfolg. Von Arnim: "Ein sehr eleganter Wein, den vor allem die Damen lieben." Dass auch die Erzeugnisse der Marke Haute Cabrière nicht darben, beweisen die Verkaufszahlen: 52 Prozent der jährlich produzierten 550 000 Liter sind Stillweine. Zehn Monate lagerte der Haute Cabrière Pinot Noir 2007 (13,5 %) in Tronçais- und Allier-Eiche, ein Drittel in neuen Fässern. Das konzentrierte, reife Kirscharoma erreicht er nach fünf bis sieben Jahren und passt zu afrikanischem Wild, Ziegenkäse, Lachs oder Ente.

von Arnim schätzt Humor ebenso wie Disziplin.
von Arnim schätzt Humor ebenso wie Disziplin.

 

Der Haute Cabrière Chardonnay Pinot Noir 2010 überzeugt durch sein Früchte-Bouquet und korrespondiert mit mediterraner Küche. Überhaupt. "Wein soll mit dem Essen tanzen", so von Arnim. "Das beste Essen schmeckt besser mit passendem Wein und umgekehrt. Ebenso, wie man mit einer besonderen Dame an einem bestimmten Abend besser tanzen kann, wenn sie auch nicht die eigene Frau ist."

Zur Entspannung: Sabrage im Weintheater, Karate mit schwarzem Gürtel, Malen und Dichten

Doch vor den Schmaus im erstklassigen Gutsrestaurant steht noch eine letzte von Arnim-Spezialität an, die "Sabrage" im unterirdischen "Weintheater". Denn das Dekantieren mit wuchtigem Säbelhieb, vor 200 Jahren von durstigen französischen Offizieren praktiziert, als Korken nicht gewachst waren, beherrscht Achim von Arnim vor sechs wie vor 60 000 Zuschauern, etwa zur Eröffnung des Kapstädter WM-Stadions.

Heute tritt oft Sohn Takuan von Arnim, ältestes der vier Kinder und seit 2001 (in Heilbronn) Winzermeister, ebenfalls an. Er hat inzwischen das operative Geschäft in Haute Cabrière übernommen. Sein Namenspate aber war Takuan Sōhō (1573 – 1645) ein japanischer Zen-Meister. Denn Achim von Arnim schwört auf Go-Ju Karate, trägt den schwarzen Gürtel, trainiert im eigenen Dōjō. Achim von Arnim schmunzelt: "Der Name passt dem jungen Mann gut. Die Japaner schmunzeln, wenn sie ihn hören." Takuan stehe auch für »eingelegtes Gemüse«, die Konservierung stamme vom Abt. Dass nunmehr Takuan mit Gattin Christiane, die seit 2010 Weinbau und Marketing der Arnims vom Kap besorgt, das Erfolgsgut bewirtschaften, stimmt Achim und Hildegard von Arnim, die sich noch immer um den Krippenhort für Mitarbeiterkinder kümmert, hochzufrieden.

Achim von Arnim malt und dichtet, hat 2005 den Katalog "Naked" veröffentlicht, samt Erstlingswerk mit dem einzigartigen Titel "Erste blaue Urmensch hinter Gittern", das schon 1966 in Geisenheim entstand. "Too naked" heißt seine nächste Aufgabe. Als treuesten Gefährten schätzt der Bubbly Baron aber die in den Familienfarben rot-weiß lackierte "Ente": einen Deux Chevaux, Baujahr 1966. "Ich fahre jetzt nur noch in der Ente herum und bin stolz wie Oskar".
Hier geht’s direkt zum Weingut: www.cabriere.co.za

Weitere Informationen:

Haute Cabrière, P.O. Box 245, Lambrechts Road, Franschhoek 7690, Südafrika, Tel. +27 (0)21 876 26 30, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
Kellertouren: Mo. – Fr. 11.00 Uhr, Sa. 11.00 Uhr Kellermeistertour mit Sabrage (mit Achim oder Takuan von Arnim)
Öffnungszeiten/Verkostung n. V.: Mo. – Fr. 9.00 – 17.00, Sa. 10.00 – 16.00, So. 11.00 – 16.00 Uhr
Reservierung: +27 (0)21 876 2630
Kellerrest. Haute Cabrière: Res. Tel. +27 (0)21 876 36 88, www.hautecabriere.com 

Öffnungszeiten: Okt. – April Di. – So. Lunch (12.00 – 15.00 Uhr), Di. – Sa. “Delicious Little Things” (15.00 – 19.00 Uhr), Di. – Sa. Dinner (19.00 – 21.00 Uhr); Mai – Sept. Di. – So. Lunch (12.00 – 15.00 Uhr), Fr., Sa. "Delicious Little Things" (15.00 – 19.00 Uhr), Fr., Sa. Dinner (19.00 – 21.00 Uhr).

Fotos: Jürgen Sorges, Achim von Arnim

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Zuletzt bearbeitet am 19/08/2016

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