An Bord getestet: airBaltic

Seit airBaltic 2012 als pünktlichste regionale Fluggesellschaft Europas ausgezeichnet wurde, erlebt die neu im heiß umkämpften Markt positionierte Airline ein Revival wie Phoenix aus der Asche.

1995 als Aktiengesellschaft gegründet, war airBaltic nach vielen Turbulenzen im September 2011 insolvent und mit einem Minus von 84 Millionen Euro behaftet. Heute verkauft die im Dezember 2011 verstaatliche, nun rein lettische airBaltic täglich 15 000 meist günstige Flugtickets. Sie befördert jährlich über drei Millionen Passagiere zu über 50 Zielen: sogar Alesund (Norwegen), Baku, Taschkent und Tel Aviv sind über den zentralen airBaltic-Heimathub, das Drehkreuz Riga (Lettland), mühelos erreichbar. Clou ist der 2015 gestartete Versuch, als traditionsreicher "Ostsee-Carrier" auch auf dem nationalen deutschen Markt erfolgreich zu sein.

Erfolgreiche Neustrukturierung der verstaatlichten Airline

Die vom Flughafen Berlin-Tegel abhebende 76-Sitzer Bombardier Dash 8Q-400 ist einer von zwölf Fliegern dieser Baureihe, die zur aktuell insgesamt 25 Maschinen umfassenden airBaltic-Flotte gehören. Acht Boeing 737-300 (142 – 146 Plätze) und fünf Boeing 737-500 (120 Sitzplätze) vervollständigen den mit im Durchschnitt 8,4 Jahren recht fidelen Fuhrpark. Der wird sich ab 2016 mit 13 neuen, weltweit erstmals eingesetzten Bombardier CS 300 noch erweitern – und weiter verjüngen. Mit der Neustrukturierung der verstaatlichten Airline ist airBaltic, IATA-Code BT, zum Top-Anbieter vor allem für Verbindungen zwischen Westeuropa ins Baltikum, aber auch weiter nach Skandinavien und in die ehemaligen GUS-Staaten aufgestiegen.

Dabei setzt das neue Management der über 1200 Mitarbeiter ganz auf jüngeres, weil mit Online-Buchungen vertrautes Reisepublikum. Und günstige bis sehr günstige Tarife. Im Angebot sind drei Ticket-Typen: Neben der Business Class, die neben zwei Kabinengepäckstücken und einem persönlichen Gegenstand im Handgepäck auch 40 Kilogramm Fluggepäck und nahezu sämtliche Zusatzleistungen wie Business Class- Check in, Essen und Getränke etc. mit sich bringt, sind in der Economy zwei Tarife im Angebot.

Das Basic-Ticket ist für vielfliegende Geschäftsleute und Sparfüchse gedacht. Es umfasst beim Handgepäck die gleichen Konditionen wie beim Premium-Ticket, also auch den neu eingeführten persönlichen Gegenstand, nicht aber das Gepäck. Hier werden pro Flug und nur bei Online-Buchung und –Check in 29,99 Euro extra fällig, beim Airport Check-in müssen sonst zehn Euro extra berappt werden. Weitere Leistungen wie die Nutzung der Fast track in Riga oder des Business Class-Check ins sind ebenso kostenpflichtig wie die Sitzplatzreservierung (ab 2,99 Euro). Dies alles führte natürlich schon in Berlin-Tegel zu einer Aufregung – insbesondere bei weniger reiseerfahrenen Touristen, die beim Buchen schlicht manche Konditionen übersehen hatten. Die Verwirrung war auch beim Check in vor dem Rückflug vom Flughafen der estnischen Hauptstadt Tallinn spürbar, die air Baltic seit Frühsommer 2015 von Berlin auch direkt anfliegt.
 
Ruhiger Flug, große Menüauswahl

In der Dash-8 lässt es sich angenehm fliegen – für zeitlich eher kurze Strecken wie Berlin – Riga ist sie ideal. Aber airBaltic fliegt natürlich nicht nur von Spree-Athen direkt nach Vilnius, Riga oder Tallinn. Im deutschsprachigen Raum sind Flüge von Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt/Main, München im Angebot, von Zürich heben Flieger nach Riga mit Umstiegsoption zum weiteren Streckennetz ab, von Wien geht es direkt nach Vilnius, Riga und Tallinn. Selbst von Salzburg kann Tallinn im Two-Stop-Modus via Palanga und Riga erreicht werden. An Bord wird der Business Class-Reisende je nach Tageszeit z. B. mit einem Frühstücks-Menü, das auch Rührei und Rauchfleisch, Räucherforelle und Kalamata-Oliven oder Omelette mit gegrilltem Huhn und cremigem Käse umfassen kann. Stets dabei sind der Appetizer und ausgewählte Früchte.

Kulinarisches im Flugzeug.
Kulinarisches im Flugzeug.

 

Die warme Küche bietet etwa Rindfleisch mit Gemüse, Räucherlachs mit Spinat oder mit Ricotta gefüllte Kartoffeln. Das Huhn mit Reis, Auberginen, Hühnchensalat mit Rucola, Paprikastreifen und Cherry-Tomaten, frischem Obst (Erdbeere, Mango, grüne Melone), leckerem Roggenbrot, Brötchen, Butter und belgischer Schokolade zum Abschluss ist ebenso sehr zu empfehlenden wie der leider ohne Jahrgangsangabe servierte Babington Shiraz (13,5 %) aus Südost-Australien. In der Economy kann man aus dem airBaltic Café-Menü wählen (kostenpflichtig), z. B. Hühnchensalat mit Parmesan oder Chicken Tortilla mit Gemüse, auch Sandwiches und Snacks sind im Angebot.

Kamtschatka-Kaviar  und Bretagne-Lamm

Sinnvoller ist es aber, sich sein Menü schon vorab auszusuchen. Dafür hat Air Baltics neues Pre-Order-System gleich 70 Gerichte im Angebot, die man spätestens 24 Stunden vor Abflug online ordert und mit Kreditkarte bezahlt. Zusammengestellt haben diese Menüs Experten: Etwa Thomas Muenzel, der seit 25 Jahren bei LSG Sky Chefs für Flugmenüs sorgt. Oder Andris Vasilonoks, Regionalchef von LSG Sky Chefs in Riga, der mit 14 Jahren Erfahrung als Chefkoch in Gourmetrestaurants und Hotels aufwartet. Es erwarten Sie leckeren wie das "deutsche" Frühstück (acht Euro; mit Schinken und Käse), das Countryside-Breakfast (zwölf Euro; Käseomelette mit Grilltomaten), kalte Platten wie den roten Kamtschatka-Kaviar (15 Euro; mit Pfannkuchen), sowie 18 verschiedene Menüs, die samt Vorspeise, Dessert und Getränk nach Wahl preislich zwischen zwölf und 25 Euro variieren.

Top ist das Bretagne-Lamm (25 Euro), günstig die Schweinemedaillons (12 Euro), lecker die Meeresfrüchtegerichte (15 – 20 Euro). natürlich gibt es auch Kinder-Menüs (fünf bis zehn Euro). und selbstverständlich wurde an Diät- und Spezialküche gedacht. die sowohl kalorien-, fett- und/oder cholesterinarme Gerichte sowie Diabetikerkost, gluten- oder laktosefreie Mahlzeiten, salzfreie Kost oder sogar erdnussloses Beef Stroganoff im Angebot hat. Natürlich gibt es Spezialgerichte für Hindus, Moslems oder fastende Orthodoxe. Zwei Gerichte für Vegetarier und gleich drei für Veganer liegen zudem voll im Trend!

Und die Wein- und Champagnerkarte – zusammengestellt vom französischen Weinexperten Cyrille Lagier – hat neben dem Südost-australischen Exoten und dem Montepulciano Abruzzo (fünf Euro) vor allem französische Weine  im Angebot. Sehr zu empfehlen sind der Gérard Bertrand 6ème Sens Rouge Pays d`Oc und sein weißes Pendant.
 
Flughafen Riga: Relax in der Business Lounge

Eine Erholung auf dem überschaubar großen Flughafen Riga, der auch mit Shoppingzeile, Duty free-Läden und Cafés aufwartet und Rauchern die Open air-Terrasse mit Rollfeldblick bietet, ist die airBaltic Lounge, die Business Class-Reisenden sowie Vielfliegern des airBaltic-Meilenprogramms PINS offensteht. Zeitschriften, darunter natürlich das Inflight-Magazin Baltic Outlook, ein gutes und aktuelles Zeitungsangebot und mehrere Computer mit Internetzugang und ein großer Küchenbereich mit Gerichten vom Buffet erfüllen alle Ansprüche. Und auch der Kaffee ist hier nach der großen Enttäuschung während des Flugs erstklassig. Am meisten beeindruckt aber die Innenarchitektur, die die Bedürfnisse des Gastes nach Privacy und Ruhe voll umsetzt.

KULINARIKER-Fazit: Service, Pünktlichkeit, Freundlichkeit, die Qualität des Essens (Ausnahme: lauwarmer Kaffee!), Sauberkeit und Sitzkomfort erhalten gute Noten, die airBaltic Lounge im Flughafen Riga sogar ein »Sehr gut«. Abzüge gibt es für die an den Schaltern oft für Verwirrung sorgenden Konditionen der Basic-Tickets. Das neue Konzept als eine Art Zwitter aus regionaler Fluggesellschaft mit festem Liniennetz und Low Cost-Carrier geht auf. 2015, das Jahr mit neuen Direktverbindungen und dem Startversuch auf dem nationalen deutschen Markt, lässt für die Zukunft Großes hoffen. Ab dem zweiten Halbjahr 2016 wird airBaltic mit den 13 Bombardier CS 300-Fliegern neue Maßstäbe setzen und im Konzert der Großen noch kräftiger mitmischen.

Bewertung: 3,5 Epikur

Legende:

0 Epikur = Indiskutabel
1 Epikur = Mässig
2 Epikur = Gut
3 Epikur = Ausgezeichnet (*)
4 Epikur = Exzellent (**)
5 Epikur = Einzigartig (***)


 
Weitere Informationen finden Sie unter www.airbaltic.com/de/index sowie die große kulinarische Auswahl auf www.airbalticmeal.com.

Fotos: airBaltic, Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 19/08/2016

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