An Bord getestet: Ethiopian Airlines

Economy von Frankfurt über Addis Abeba (Äthiopien) nach Lusaka (Sambia) flog für den KULINARIKER Jürgen Sorges.

Das IATA-Kürzel der Ethiopian Airlines ist zwar ET. Doch mysteriös Außerirdisches verbirgt sich keineswegs hinter der 1945 als Ethiopian Air Lines (EAL) gegründeten Fluggesellschaft, die 1951 erstmals internationale Flüge durchführte und sich 1965 umbenannte. Im Gegenteil: Die zu 100 Prozent in Staatsbesitz befindliche Ethiopian Airlines präsentiert sich und ihre über 8000 Mitarbeiter als ein strategisch ambitioniertes, wohldurchdacht aufgebautes Unternehmen mit großen Zielen.

Hochmoderne Flotte

Aushängeschilder sind die hochmoderne Flotte, das sich ständig erweiternde Streckennetz, die Mitgliedschaft in der Star Alliance seit 2011und die Pläne der "Vision 2025", die nicht nur den Company-Slogan "The New Spirit of Africa" bestens illustrieren, sondern ET zum neuen Luftfahrt-Schwergewicht nicht nur Afrikas Sonne katapultiert haben. Ohnehin gilt ET schon jetzt nach Umsatz und Gewinn als profitabelste aller afrikanischen Airlines. Und heimst regelmäßig Auszeichnungen auch als regionale Airline ein. Gerade erst erhielt sie im Feb. 2015 die Auszeichnung "Best Regional Airline of the Year" von der ATW (Air Transport World).

Flug ET 707 ist längst bereit zum Boarding! Doch manch überforderter Passagiere kann sich noch nicht recht für das neue Einstiegsprozedere nach Sitzplatzreihen begeistern. Doch die Mitarbeiter von Ethiopian Airlines behalten am Gate im Terminal B des Frankfurter Flughafens trotz leichter Unruhe alles resolut im Griff. So auch drei Stunden vorher beim Einchecken: Da viele Mitreisende mit umfangreichstem Übergepäck Schlange stehen, wird dieser Endloswurm kurzerhand geteilt. Reisende mit Gepäck innerhalb des Limits (23 Kilogramm) werden so zügiger abgefertigt.

Träumen im DreamLiner

Am Ende ist die dennoch eingetretene Abflugverzögerung von knapp 15 Minuten mühelos zu verkraften – umso mehr, als der Boeing 787-8 "DreamLiner" im Anschluss mächtig aufholt, die Verspätung kompensiert und die avisierte Ankunftszeit in Addis Abeba mühelos und pünktlich schaffen wird. Der "DreamLiner" ist das Aushängeschild der aktuell 76 Maschinen umfassenden ET-Flotte. Gleich 13 sind im Einsatz, vorzugsweise auf den gewinnträchtigen elf Europa-Strecken, etwa von/nach Frankfurt oder Rom.

Business Class bei ET.
Business Class bei ET.

 

Im Langstreckenbereich, der mittlerweile sogar Flüge von Addis nach Sao Paolo, Beijing oder Shanghai umfasst und neu auch Flüge nach Dublin und weiter nach Washington D.C., L. A., Tokio und Manila bietet, sind zudem weitere 17 Boeing vom Typ 777-200LR, 767-300 und Boeing 777-300ER im Einsatz. Insgesamt stehen ET aktuell 76 Maschinen zur Verfügung, 42 weitere, darunter 14 Airbus A350-900 (ab 2016!) und weitere sechs DreamLiner, sind bereits geordert.

Ich habe das Glück und Vergnügen, auf allen vier Flugstrecken im DreamLiner zu fliegen und kann somit den gebotenen Komfort voll genießen. Dazu zählt neben der nötigen Beinfreiheit und dem Angebot von Kissen und Schlafdecke vor allem die exzellente Medien-Auswahl. Dutzende Filmkanäle von Hollywood-Klassikern bis hin zu Dokumentationen stehen ebenso bereit wie zig auf internationalstes Publikum ausgerichtete Musikkanäle.

"Chicken or beef"

Dabei sind die aktuellen Fluginformationen jederzeit optisch und grafisch abrufbar. Und natürlich steckt auch das aktuelle Inflight-Magazin "Selamta" in der Tasche des Vordersitzes. Erfreulich auch, dass der Nachtflug nicht durch unnötige Durchsagen gestört wird. Das pünktlich von den stets aufmerksamen Stewardessen (fünf von fünf möglichen Epikur!) servierte warme Menü war reichhaltig und qualitativ gut – aber auch ein wenig eintönig.

Denn auf allen vier Flügen hieß es – wenn auch immer äußerst freundlich und zuvorkommend – nur "Chicken or beef" bzw. "Beef or chicken"? Zwar variierten die Beilagen, doch wäre hier mehr Abwechslung wünschenswert. Immerhin: Natürlich können vorab auch Spezialmenüs, etwa für Vegetarier, geordert werden.

Eine sehr positive Überraschung war hingegen der auch auf dem Anschlussflug nach Lusaka angebotene junge Merlot aus Frankreich – wie überhaupt das Getränkeangebot sehr zufriedenstellend war. International kaum schlagbar ist schließlich der frisch zubereitete Kaffee (ein Vorbild für alle Airlines!). Kein Wunder, ist doch Äthiopien die Wiege des gerösteten Muntermachers. Das im 14. Jh. existierende äthiopische Königreich Kaffa war sogar sein Namensgeber. Und Tradition verpflichtet!

Bole International Airport macht mobil

ET`s Heimat-Hub ist der Bole International Airport, der nur sechs Kilometer südöstlich des Stadtzentrums von Addis Abeba liegt. Transit-Passagiere werden perfekt vom Flughafenpersonal gelotst und können auch ohne Mühe und manchmal sogar mit freundlicher Aufforderung in den eher überschaubar großen Duty free-Bereich mit Toiletten und allerdings zu kleiner Raucher-Lounge wechseln, in und vor der sich stets zu viele Freunde des kringelnden Qualms versammeln.

Economy Class bei ET.
Economy Class bei ET.

 

Am Infoschalter von Ethiopian Airlines werden alle Fragen beantwortet, die Cloud Nine Lounge, demnächst noch schicker mit Ruhe-Ecke (für alle, die sich auch auf Wolke Sieben wohl fühlen), individuellen Leselampen, Massagesitzen, Internetecke und WLAN, öffnet für Business Class-Reisende und Star Alliance-Vielflieger, die Sheeba Miles Lounge für ET-Meilensammler. Allerdings: Der 2003 als einer der größten Afrikas erbaute Flughafenterminal kommt 2015 mit jährlich nun ca. sieben Millionen Passagieren an seine Abfertigungsgrenzen, die derzeit etwas euphemistisch mit max. 19 Millionen Passagieren pro Jahr und 52 800 Passagieren pro Tag angegeben werden.

Die Engpässe zeigen sich spätestens bei der Rückkehr in den Transitbereich, die eine erneute Sicherheitskontrolle samt "Zeigt her eure Schuhe" mit sich bringt. Lange, zu lange Schlangen bilden sich vor dem Kontrollbereich zu den Gates 1 bis 3, vor allem vor dem Rückflug nach Frankfurt, als ein halbes Dutzend Interkontinentalflüge gleichzeitig abzuwickeln sind. Zuviel des Guten – auch wenn die Kontrollen professional, zügig und aufmerksam durchgeführt werden. Pech: Mein frisch im Duty free erworbenes Feuerzeug ist gleich wieder weg – einkassiert.

Bis zu 20 Millionen Passagiere

Aber Abhilfe naht: Seit September 2014 wird fleißig am Flughafen gewerkelt. 2018 soll alles dank 300 Millionen US-Dollars Investition und unübersehbarer chinesischer Hilfe fertig sein. Bis dahin muss man sich arrangieren – und dann mit bis zu 20 Millionen Passagieren im Jahr rechnen. Denn die in 2355 Meter Höhe liegende Hauptstadt Addis Abeba gilt als eine der am rasantesten wachsenden Städte des Kontinents.

Und Äthiopien rüttelt mit nun 96,6 Millionen Einwohnern kräftig an der 100 Millionen-Grenze. So nimmt es nicht Wunder, das Chinesen auch den Kontrakt für das neue, 32 Kilometer lange U- und S-Bahnnetz erhielten (Gesamtvolumen 475 Millionen US-Dollars) und im nationalen Straßenbau (320 Millionen US-Dollars) mit drei Firmen dabei sind. Am ambitioniertesten ist aber die Planung eines völlig neuen, 2025 zu eröffnenden Flughafens für Addis.

Derzeit stehen drei Standorte im Umkreis von 60 bis 70 Kilometer zur Auswahl. Als heißer Kandidat für den dann 70 Millionen Passagiere jährlich (!) fassenden, rund drei Milliarden US-Dollar teuren Airport mit der Kapazität von Abu Dhabi oder London-Heathrow heute gilt das Städtchen Mojo, 65 Kilometer südöstlich von Addis.

ET wird größer – Vision 2025

Natürlich wird gerade Ethiopian Airlines, seit Juni 2015 unter der Führung des neuen CEO Tewolde Gebremariam, profitieren: Schon jetzt fliegt ET ab Addis Abeba zu 76 internationalen Zielen, davon allein 45 Destinationen in Afrika. Darunter befinden sich touristisch hochinteressante One-Stop-Flüge via Addis nach Kenia und Tansania, günstige Flüge nach Kapstadt oder Johannesburg oder Exoten wie Mahé (Seychellen) oder Lilongwe (Malawi), wo ET Ende 2013 49 Prozent der nun als Malawi Airlines fliegenden Air Malawi übernahm.

Vision: 2025 sollen schon 120 Flugzeuge im Einsatz sein.
Vision: 2025 sollen schon 120 Flugzeuge im Einsatz sein.

 

Hinzu kommen 17 inneräthiopische Städte, darunter die kulturhistorischen Höhepunkte Axum, Bahr Dar, Gondar und Lalibela, die auch mit dem extra aufgelegten täglichen touristischen "Historic Route Service" inklusive Ausflügen zu besuchen sind. 2025 aber sollen schon 120 Flugzeuge im Einsatz sein, die 90 internationale Ziele anfliegen, 18 Millionen Passagiere befördern und 720 000 Tonnen Ladung bewegen. Dann 17 000 Mitarbeiter sollen diesen apostrophierten Höhenflug bewerkstelligen.

Dreiecksflug via Harare

Vorerst aber steht die tägliche Arbeit an der Basis an. Und zu der zählen auch Flugplanänderungen - ein Thema, das alle Reisenden unbedingt im Auge behalten sollten. So entpuppte sich der Anschlussflug Addis Abeba – Lusaka nicht als Direkt- sondern als Dreiecksflug via Harare (Simbabwe).

Die Ankunft verschob sich so von 12.00 Uhr mittags auf ca. 15.30 Uhr. Schwer, da noch Anschlussflüge zu ergattern, die in Lusaka auf 16 Uhr terminiert waren. Zwar schickte ET noch am Vortag um 17 Uhr eine Ankündigung via Email, doch die kam – weil längst unterwegs – leider zu spät. Immerhin: Der Zwischenstopp der ET 863 in Harare wurde mit viel Fleiß und Präzision für Hygiene und Sauberkeit im Flieger (erneut fünf von fünf Epikur!) genutzt, und auch das sehr hilfreiche Bodenpersonal sorgte für Entspannung durch telefonische Kontaktaufnahme mit den Anschluss-Airlines in Lusaka. Und auf dem Rückflug Lusaka – Addis mit der ET 862 verlief alles nach Plan.

KULINARIKER-Fazit: Insgesamt waren der Service, die Freundlichkeit, die Qualität des Essens, das Media-Entertainment, die Sauberkeit und der Sitzkomfort gut bis hervorragend, es fehlte die frühzeitiger Information zur Flugplanänderung und die sich daraus ergebende Unpünktlichkeit mit Zeitverlust von 3,5 Std. Aber klar ist: ET ist auf dem Weg unter die ganz Großen. Und dank des sagenhaften Streckennetzes in Afrika auf diesem Kontinent in Zukunft beinahe unschlagbar. Statt der sonst sicheren zu empfehlenden vier daher hier erst einmal "nur" 3,5 Epikur, Tendenz aber ganz stark steigend!

Wertung: 3,5 von 5 Epikur

Legende:

0 Epikur = Indiskutabel
1 Epikur = Mässig
2 Epikur = Gut
3 Epikur = Ausgezeichnet (*)
4 Epikur = Exzellent (**)
5 Epikur = Einzigartig (***)

Weitere Informationen finden Sie unter www.ethiopianairlines.com.

Fotos: Ethiopian Airlines

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Zuletzt bearbeitet am 19/08/2016

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