Nachlese: Das Internationale Riesling Symposium 2017 (1.Teil)

Ein Symposium, das sich ganz und gar dem Thema Riesling widmet – dies war ein ganz besonderer Anlass, zu dem der VDP Rheingau internationale Experten zum Kloster Eberbach rief.

Und sie kamen aus aller Herren Länder: Winzer, Journalisten, Sommeliers, Händler und Kenner. Sei es aus dem europäischen Raum, aber auch aus Neuseeland, Australien, USA und Afrika. Geboten wurde viel: von Vorträgen, Weingutsbesichtigungen, Öffnen von Schatzkammern bis hin zu beeindruckenden Verkostungen und vielseitigen Diskussionen.

Bereits am Vortag des Symposiums lud das Weingut Robert Weil zum Get Together und Verkostung einiger seiner Lagen und Jahrgänge nach Kiedrich. Von dort aus ging es los zur "Rheingau Mystery Tour", welche mit Besichtigung zweier legendärer Weingüter des Rheingaus die Besucher in ihren Bann ziehen sollte.

Get Together im Weingut Robert Weil
Get Together im Weingut Robert Weil.

 

Schloss Johannisberg

Schloss Johannisberg steht praktisch für den Riesling an sich. Das ehemalige Benediktinerkloster auf der Anhöhe nahe dem Rhein wurde bereits im Jahr 1100 errichtet. 1775 gab es aufgrund einer verspäteten Leseerlaubnis des Abts durch Zufall den ersten überreif gelesenen Jahrgang und so soll es zu der Spätlese und deren Anerkennung gekommen sein. Dies gilt allerdings als umstritten, da man auch in anderen europäischen Regionen bereits ähnliche Lesen vorgenommen haben soll.

Wie dem auch sei, nach der Säkularisierung durch Napoleon bekam schließlich im Jahre 1816 der Fürst von Metternich das Gut vom österreichischen Kaiser zugesprochen. Seit 1992 befindet sich es sich nunmehr in Besitz des Weinmultis Henkell & Söhnlein und gehört damit zur Oetker-Gruppe.

Das Besondere an den Weinen von Schloss Johannisberg war und ist bis heute: Die hinter dem Schloss befindliche Lage aus Taunusquarzit mit Löss- und Lehmauflagen wurde in knapp 300 Jahren ausschließlich mit Riesling bestockt. Die ortsfreie Monopol-Lage "Schloss Johannisberg" verfügt dabei über unterschiedliche Bodenformationen. "Weiter oben am Hang ist der Boden eher flacher. Je weiter unten am Hang, umso tiefer die Böden und desto stärkere Weine mit höherem Alkohol-Level entstehen", erklärt Stefan Doktor, einer der Geschaftsführer des Guts.

Charlemagnes Einfluss und eine Schatzkammer in acht Metern Tiefe

"Charlemagne, also Karl der Große (742-814), hat hier aus einem ganz bestimmten Grund Reben anpflanzen lassen", so Doktor weiter. "Er beobachtete, dass der Schnee hier an bestimmten Stellen eher schmolz als auf den umliegenden Hängen". Ein Indiz für die gute Drainage des Bodens.

Diese Beobachtung machte er auch in Burgund – und noch heute ist eine der berühmtesten Lagen in Aloxe-Corton nach ihm benannt: "Corton-Charlemagne", was jedem Burgunder-Freund ein einschlägiger Begriff sein dürfte.

Schloss Johannisberg.
Schloss Johannisberg.

 

Schaut man in den Keller, dieses über 900 Jahre bestehenden Weinguts, überwältigt einen nahezu die Geschichte. Auf alten Fässern finden sich Zitate bekannter Persönlichkeiten. So wurde beispielsweise Heinrich Heine schwelgend verewigt: " Mon Dieu, wenn ich doch so viel Glauben in mir hätte, dass ich Berge versetzen könnte, der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen ließe".

Einige Stufen weiter, in acht Metern Tiefe, befindet sich schließlich die Schatzkammer des Weinguts, die Bibliotheca subterranea, in welcher die älteste Flasche aus dem Jahr 1748 schlummert. Den Gästen des Rieslingsymposiums wurde die Verkostung einer 1971 "Grünlack" Spätlese ermöglicht: Wunderbar, wie komplex, saftig, stimmig sie war! Reifes Steinobst, ein Hauch von Ananas trafen auf Kräuterwürze und eine feine Säure, was der Spätlese immer noch ein finessereiche Frische gab und jeden der Anwesenden animierte, sein Glas beglückt ob dieses besonderen Moments bis auf den letzten Tropfen zu genießen.

Im Keller von Schloss Johannisberg.
Im Keller von Schloss Johannisberg.

 

Schloss Vollrads

Ein weiterer Anlaufpunkt und Meilenstein in der Rheingauer Wein- und Riesling-Geschichte ist das Schloss Vollrads oberhalb von Winkel. Hier machte sich Graf Erwein Matuschka-Greiffenclau als letzter seiner Linie, welche bis ins Jahr 1100 zurückreicht, um den Rheingau verdient, dies damals vor allem mit Augenmerk auf restsüße Weine.

1997 nahm sein Schicksal ein tragisches Ende: nach finanziellen Schwierigkeiten beging  der Graf Selbstmord. Das Schloss ging in den Besitz der Nassauischen Sparkasse über und wird heute von Gutsverwalter Dr. Rowald Hepp geleitet. Auf dem wunderschön gelegenen Anwesen lassen sich in dem historischen Wasserturm die Relikte alter Zeiten bis hin zu einer gut erhaltenen Bibliothek bewundern. Auf einer Rebfläche von heute rund 80 Hektar wächst hier ausschließlich Riesling. Und Rowald Hepp betont die Weinbau-Erfahrung im Gut von über 800 Jahren.

Historischer Wasserturm von Schloss Vollrads.
Historischer Wasserturm von Schloss Vollrads.

 

Der Ort des Geschehens: Kloster Eberbach

Die nächste Adresse der alten Weinbaugeschichte und beeindruckender Veranstaltungsort des Internationalen Riesling Symposiums war schließlich das heutige Hessische Staatsweingut Kloster Eberbach.

Auch hier beginnt die Gründung mit den Zisterziensermönchen wie im Burgund. Und bis heute lässt sich die für Burgund typische Ummauerung (Clos) für einen Weinberg des Gutes, den Steinberg, gut erhalten bewundern. Aus eben diesem Weinberg sollten im Rahmen dieses Symposiums legendäre Rieslinge aus den Jahren 1943, 1953, 1959, 1964, 2007, 2009, 2013 und 2015 verkostet werden. Nicht umsonst nannten viele der Anwesenden diesen Moment episch. Denn dies sind unwiederbringliche Schätze, deren Genuss, deren Wert, deren Verkostung man einfach würdigen muss als eine große Ausnahme und einen der ganz besonderen Weinmomente.

Kloster Eberbach, Internationalen Riesling Symposiums 2017 in historischen Gemäuern.
Kloster Eberbach: Schauplatz des Internationalen Riesling Symposiums 2017 in historischen Gemäuern.

 

Einmalige Verkostung der Weine vom Steinberg ab 1943

Etwas Besonderes war dabei die 1959er Steinberger Trockenbeerenauslese. Nach einer Weile im Glas entfaltete sie sich immer mehr, den anfänglichen leichten Muff-Hauch verabschiedete sie auf Nimmerwiedersehen. Stattdessen entwickelten sich in feiner Komplexität Noten von Kümmel, Honig, getrockneten Kräutern, etwas Heu, feiner Frucht und Würze in der Nase. Den Gaumen umspielte zunächst eine Honignote, die allmählich von einer feinen, aber selbstbewussten, leicht scharfen Säure ergänzt wurde und schließlich immer fruchtig-frischer werdend für einen wunderbaren Moment dieser Verkostung sorgte.  

Ebenso außergewöhnlich war der 1953er Steinberg: Auch hier verschwand der anfängliche Muffunterton im Nu und machte Platz für feine tropische Frucht, einen Hauch von Anis und Kümmel, saure Aprikose und Karamell. Am Gaumen ergänzten sich eine herbe Frische, zitrische Würze, wieder Aprikose mit etwas Lakritzschärfe zu einem stimmigen, komplexen Miteinander von Tiefe und Präsenz.

Bei den trockenen Rieslingen fielen besonders der 1964er Steinberger mit Länge, Saftigkeit, feiner Salzigkeit, animierendem Bitterton und Zitrus-Frische auf. Aus jüngeren Zeiten der 2007 Steinberger Riesling aus dem Cabinet Keller. Mit einer sämig-straffen Konsistenz, Zug, zitrischer, leichter Schärfe, feiner Würze war er aufs Wesentliche reduziert und im Vergleich zu den anderen jüngeren Jahrgängen (welche sich eher widerspenstiger und mit einer im Nachhall etwas anstrengenden Säure- und Schwefelnote präsentierten), um einiges harmonischer.

Die verkosteten Weine der Lage Steinberg.
Die verkosteten Weine der Lage Steinberg.

 

Riesling - es muss nicht zwangsläufig Cool Climate sein

Die verschiedenen Tastings gehörten zweifelsohne zu den Highlights des Symposiums. So zeigte Weinjournalist Stuart Pigott, dass der Riesling nicht nur eine typische Cool Climate Rebsorte ist, sondern weltweit gute Ergebnisse erzielen kann.

Herausragend und diese These unterstreichend erwies sich der Letzte der insgesamt 22 vorgestellten Weine aus Deutschland, Österreich, Australien, Kanada, Elsass, USA und Neuseeland. Die 2016er Auslese "F" von Framingham Wines in Marlborough: Mit einer außergewöhnlichen Komplexität, Noten von Mango, etwas Grasigkeit, Würze, Frische, wunderbarem Süße-Säure-Spiel und Länge erfreute er die Verkoster nachhaltig.

Man kann nicht alle nennen, doch wenigstens noch ein paar – beispielsweise den 2015er Rothenburg GG von Gut Hermannsberg (animierend, zitrisch, lang, ehrlich, echt), Schlossgut Diel 2013er Burgberg GG (vielschichtig, stimmig, kraftvoll), Urban Stagårds 2015er Steiner Hund aus dem Kremstal (saftig, etwas wärmer trotz vorhandener Frische  und eher expressivere Aromen), 2015er The Knoll Riesling von den Red Newt Cellars aus Finger Lakes/ New York (wirkt zwar soweit ganz stimmig, aber sehr konzentriert-dicht und dadurch fehlte ihm Leichtigkeit, ein gewisses Etwas), der 2015er Cave Spring Vineyard aus Niagara/Ontario (auch in sich konzentrierter, zitrisch, dabei aber leichter und recht unkompliziert).

Bürgerspital zum Heiligen Geist aus Franken mit dem 2015er Stein Hagemann GG: sehr eigen! Wirkt er zunächst in der Nase fast ein wenig ölig, folgen am Gaumen viel mehr Frische und Salzigkeit als gedacht. Ein geschmeidiges Mundgefühl wird hier wunderbar  ergänzt von stimmiger Säure und Zug und schönem Nachhall. Spannend!

Verkostung in Kloster Eberbach: Rieslinge der Neuen und Alten Welt.
Verkostung in Kloster Eberbach: Rieslinge der Neuen und Alten Welt.

 

Lesen Sie in Kürze den zweiten Teil zum Internationalen Riesling Symposium. Dann wird es um die Verkostungen zum Thema Alterungspotential, Herkunft und Winzerhandschrift gehen.

Fotos: Daniela Stubbe

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Zuletzt bearbeitet am 30/06/2017

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