Ein urbaner Stern im Industriebezirk

Seit diesem Jahr besitzt das Bolenius im Amsterdamer Süden den begehrten Stern des Michelin. Ein ungewöhnliches Restaurant in ungewöhnlicher Lage...

"1.500 Menschen leben und arbeiten hier in  etwa, aber in den kommenden Jahren wird dieser Bezirk weiter ausgebaut. Er soll dann Platz für bis zu 6.000 Menschen bieten", erzählt uns Gastgeber und Mitinhaber des Bolenius Restaurant Xavier Giesen. Die Lage ist besonders, urban und lässig, durch die Kochkunst von Luc Kasters sogar jüngst in Michelin-Ehren gehoben. Und dies durchaus zurecht.

Es ist ein kleines Lokal, das dennoch etwa Platz für 40 Gäste bietet. Platz, mit Sicht auf ein Umfeld, das eher an New York als an die Niederlande erinnert. Im Süden Amsterdams gelegen, befindet sich das Bolenius schon fast etwas versteckt in der George Gerschwinlaan 30 - und auch bei Kenntnis der Adresse, dürften Ortsfremde durchaus ins Suchen geraten. Etwa 40 Meter von der Straße entfernt, im unteren Stockwerk eines roten Wolkenkratzers gelegen, befindet sich mit einem recht unscheinbaren Eingang versehen das Ein-Sternerestaurant.

Passend zur urbanen Silhouette der Umgebung, ist auch das Bolenius ein typisches "Stadtkind". Und dies auf seine ganz eigene Weise. Ungezwungen, na klar, so kennt man sie, die Gourmettempel in den Niederlanden. Unprätentiös, kulinarisch besonders und mit einem Understatement in den Bereichen Architektur und Einrichtung. Doch so unscheinbar das Restaurant sich auch präsentiert, so zielsicher und speziell ist es im kulinarischen Bereich.

Urbanes Gärtchen

Und damit die Teller einen bleibenden Eindruck hinterlassen, kreiert Luc Kasters, Chefkoch und zweiter Inhaber des Restaurants, wahrlich Außergewöhnliches. "Natürlich lege ich Wert auf Regionalität und Nachhaltigkeit. Fast alles, was in meinen Menüs verarbeitet wird, kommt aus der näheren Umgebung… oder sogar aus meinem eigenen kleinen Garten", erzählt der Chefkoch zur Begrüßung. Regionalität: nachvollziehbar. Eigener Garten? In diesem Viertel fast nicht zu glauben…

Chefkoch Luc Kasters: urbane Gartenarbeit.
Chefkoch Luc Kasters: urbane Gartenarbeit.

 

Doch nur etwa 20 Meter vom Bolenius entfernt, hat sich Kasters ein kleines Areal von nur wenigen Quadratmetern präpariert. Diverseste Kräuter wachsen hier. Und so ungewöhnlich die gehobene Gastronomie sich in den Niederlanden oftmals präsentiert, so ungewöhnlich ist auch die Lage dieses kleinen Biotops. An der Straße gelegen, direkt am Fußweg angrenzend, zieht der Chefkoch Fenchel, Dill und Radieschen. "Auch wenn es direkt am Fußweg liegt, viele Leute hier vorbei gehen: es wurde noch nie etwas entwendet", berichtet Kasters weiter.        

Leicht und lecker…

…so könnte die gastronomische Überschrift lauten, die dieses Restaurant zweifelsohne verdient. Denn die Regionalität, die sich Chefkoch Kasters auf die Fahne geschrieben hat, spiegelt sich nicht nur als versprochenes Konzept wider, sondern präsentiert sich extrem saisonal und gemüselastig. Und dies sicher nicht zum Nachteil. Es sind Ingredienzien wie Feldbohnen, Silberzwiebeln, Gelbe Karotten oder auch Kohlrabi, die in der Karte nicht nur als Beigaben erscheinen - vielmehr stehen sie im Fokus der Menüs.

Und so überrascht es nicht, dass das Bolenius in den Niederlanden 2015 zum besten Restaurant mit vegetarischem Schwerpunkt gewählt wurde. International sind Restaurants mit einer "Grünen Karte" nur mit der Lupe auf den Landkarten zu finden, das Gourmetrestaurant im Süden Amsterdams beweist aber: es ist einen Stopp wert, um es mal mit der Wertung des Michelin zu beschreiben. Denn auch wenn der klassische Fleischesser sicher das eine oder andere Produkt vermissen dürfte, ist die durchdachte, und geschmacklich Gang für Gang stets akzentuierte Kraft der Gerichte bemerkenswert.

Deftig ist anders, natürlich. Aber es sind eben die eleganten und dezenten, fast schon kulinarischen Understatement Prozesse, die Spaghetti aus Spargel oder auch den Schinken auf einem heißen Stein (ja, es gibt auch mal Fleisch), als etwas nicht so Besonderes erscheinen lassen. Dabei ist es der Einsatz von Kräutern und Gewürzen, die eben diese Speisen dann doch wieder so besonders machen. Es ist eine Abwendung der Würzküche, mehr eine Kehrtwende in die Natürlichkeit und die Arbeit an und mit Produkten, die jeder kennt, aber in solch einer Art sicher nicht zubereiten kann. Zumindest nicht ohne den entsprechenden Aufwand.

Geschäftsführer Xavier Giesen und Angestellte beim Zubereiten von Speisen.
Geschäftsführer Xavier Giesen und Angestellte beim Zubereiten von Speisen.

 

Neben der klassischen "Amsterdam-Küche", ist die kleine Gourmetschmiede im Süden der Stadt sicher noch für etwas anderes als nur für die Teller auf den Tischen erwähnbar. Denn in dem begehbaren Weinbereich des Bolenius befindet sich durchaus die eine oder andere Kuriosität. Wijngoed Thorn oder Schouwen D®uiveland Auxerrois… nie gehört? Verständlich, denn hierbei handelt es sich um Weine von Winzern aus den Niederlanden. Mehr als ungewöhnlich, hat sich das Land in der Vergangenheit doch nicht gerade als renommiertes Weinland präsentieren können. Aber genau das ist es, was zum Bolenius passt: Ungewöhnliche Wege gehen und einfach mal etwas wagen. Das Bolenius ist eine wahrhaft urbane Besonderheit und eine Empfehlung für den vegetarischen Genießer!

Weitere Informationen unter: https://www.bolenius-restaurant.nl/en

Bolenius Restaurant:
George Gershwinlaan 30
1082 MT Amsterdam
Telefon: +31 (0) 20 40 444 11

 

Luc Kusters im Bolenius:

 

Lage des Bolenius:

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Impressionen:

 

Fotos: Michael Schabacker

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Zuletzt bearbeitet am 24/04/2017

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