Découvertes en Vallée du Rhône 2017

Ein hochwertiges Tasting in Avignon am Rande der "Découvertes en Vallée du Rhône 2017" mit zwei der besten Sommeliers der Welt...

Die Uhrzeit dürfte schon als ungewöhnlich angesehen werden. Das Treffen mit Andreas Larsson und Véronique Rivest findet um 8:45 Uhr statt. Und wer diese Namen liest und halbwegs informiert ist, weiß: es geht um Wein. Larsson ist nicht nur ausgebildeter Koch, sondern auch - und vor allem - Träger des Titels Sommelier 2007. Und dies nicht auf lokaler oder regionaler Ebene, sondern weltweit als World's Best Sommelier. Ein Weltmeister sozusagen. Er arbeitet als Weindirektor im PM & Vänner in Schweden, eine seiner großen Vorlieben sind mediterrane Weine. Man merkt sofort: ein Gespräch mit Larsson ist nicht nur informativ und gespickt mit einer Fülle Fachwissen, sondern es ist eine Quelle exakter Beobachtungen und einer passgenauen Abbildung von Weincharakteristika.

An seiner Seite die nicht minderbekannte Véronique Rivest. Sie belegte bei den Worlds Best Sommelier Awards 2007 und 2010 jeweils eine Platzierung in den Top 12 - 2013 war sie Zweitplatzierte in Tokio. Damit erlangte sie als erste Frau überhaupt einen der begehrten Top 3 Plätze. Zudem betreibt sie die in Kanada sehr beliebte Weinbar "Soif" in Gatineau.

Découvertes en Vallée du Rhône 2017

Wie geschrieben, ein frühes Treffen. Im Zentrum Avignons, am Rande der "Découvertes en Vallée du Rhône 2017", vielleicht eine der außergewöhnlichsten Veranstaltungen. Nicht direkt im Palais des Papes, der wunderschönen Kulisse der Messe, sondern in einem Veranstaltungsraum in der Altstadt, der extra für diese Veranstaltung, für die nur wenige internationale Journalisten und Weinfachleute zugelassen waren, ausgewählt wurde.

Im Palais des Papes Avignon fand die Découvertes en Vallée du Rhône 2017 statt.
Im Palais des Papes Avignon fand die Découvertes en Vallée du Rhône 2017 statt.

 

Mit 124 Ausstellern am ersten Messetag (gesamt über alle Tage: 650 Produzenten und Aussteller; 4.500 Weine) ist die Messe sicher nicht mit den großen internationalen Veranstaltungen zu vergleichen. Dennoch, und das zeigten nicht nur die diversen Master Classes im Palais, ist das Gebiet mit hervorragenden Weinen gesegnet. Als eines der ältesten Weingebiete Frankreichs - hier wurde schon zur Römerzeit Wein angebaut - herrscht hier die vinophile Tradition wie wohl sonst vielleicht nur noch in der Champagne oder in der Bordeaux-Region.

Von Avignon bis Vienne wurden für den Weinbau mehr als 60.000 Hektar Rebfläche kultiviert. Insgesamt sind 21 Rebsorten im Rahmen des Qualtitätsweinbaus zugelassen, deren häufigsten Vertreter sicher Grenache, Syrah und die spätreifende Sorte Mourvèdre sind. Viele andere rote Rebsorten wie Counoise oder auch Muscardin werden nur noch vereinzelt angebaut, da sich zum Teil nur sehr geringe Erträge resultieren lassen. Aber auch die eine oder andere weiße Rebsorte ist hier vertreten, als die bekanntesten Protagonisten dieses Genres dürften die Sorten Grenache Blanc, Clairette Blanche, Marsanne Blache oder auch Rousanne zählen.

Southern Rhône Valley Vineyards play in the big race

Eine Überschrift, die eigentlich schon alles verrät, neugierig macht und vielleicht auch ein wenig skeptisch. Denn der deutsche Markt hat für die Region in den letzten Jahren nicht das vollste Verständnis aufbringen können. War die Region durchaus mal en vogue, zeigt sich seit einigen Jahren, dass lokale Umstrukturierungsprozesse sich negativ bemerkbar machten. Der partielle Preisanstieg und die Angleichung an andere international vergleichbarer Produkte, stoß nicht auf die nötige Gegenliebe beim deutschen Endverbraucher. Verkauf und Marktpräsenz stagnierte in den letzten Jahren.

Andere Exportländer haben auf die veränderte Preispolitik durch eine Zunahme der Importe reagiert. Zielmärkte für die Produzenten der Region - das eigene Land mal ausgenommen - sind Großbritannien, Belgien und die Vereinigten Staaten. Und zwar in dieser Reihenfolge, was durchaus verwundern dürfte.

World's Best Sommelier 2007 Andreas Larsson.
World's Best Sommelier 2007 Andreas Larsson.

 

Aber vielleicht ändert sich das ja wieder in den kommenden Jahren. Die Qualität einerseits sollte durchaus ein Argument sein. Hinzu kommt, dass die vergangenen Jahrzehnte ungewöhnlich viele große und auch außergewöhnlich gute Jahrgänge vorweisen konnten. Die Folge: eine qualitativ hochwertige Produkttiefe, die über viele Jahre in die Vergangenheit zurück ein Benchmark sein könnte. Das angesetzte Tasting mit Larsson/Rivest ist dafür durchaus eine Bestätigung, wie sich zeigte.

Early Tasting

Nun, mit der Domaine des enchanteurs, Reve de rubis, Ventoux (2011) erfolgt schon mal ein passgenauer Start. Auf 6.000 Hektar bringt es die Domaine, anständig. Und noch anständiger sind die resultierenden Weine des Weinguts. Die Anbauhöhe fördert durch das Wechselspiel von Kälte in der Nacht und der Wärme am Tage ein wunderbar frisches Bild. 50 Prozent Syrah und 50 Prozent Grenache ergeben einen "modern-style Wein", so Larsson. "Hinzu kommt, der Wein hat 14 Monate Holz gehabt. Der Syrah greift nicht zu stark, ein schöner Wein." Recht hat er!

Nun, mit dem Ventoux kam schon der jüngste Rotwein in die Gläser. "Wir haben hier sehr breite Fruchtaromen", so Rivest. Ein interessantes Weingut, das gerade mal fünf Prozent Weißwein und etwa 35 Prozent Roséweine produziert. Dabei resultiert schon eine anständige Menge, betrachtet man das riesige Anbaugebiet. Eine eher "überschaubare" Größe besitzt die Domaine des Vigier. Mit dem 2010er Côtes du Vivarais kommt der nächste Testkandidat in die Gläser, der sich mit "lediglich" 300 Hektar Anbaufläche zufrieden geben darf.

Mit 70 Prozent Syrah und 30 Prozent Grenache ist der Wein, im Gegensatz zu dem Ventoux, vom Syrah bestimmt. Auf 400 Metern angebaut und mit 18 Monaten Holzreifung resultieren sehr fruchtige Noten, extrem aromatisch und komplex. "Ein Jahrgang", so Larsson, "der wirklich besonders ist. Der 2010er Jahrgang ist durchaus als Benchmark-Vintage zu sehen", erklärt der Sommelier. Kein Wunder, wird dieses Jahr doch gemeinhin als "Jahrhundert-Weinjahr" tituliert, als einer der besten Jahrgänge der letzten Jahrzehnte überhaupt.

Château de Nages, JT, Costières de Nîmes 2006.
Château de Nages, JT, Costières de Nîmes 2006.

 

Das Jahr 2006 sah da etwas anders aus. Immer noch ein großer Jahrgang, aber sicher nicht zu vergleichen mit 2010. Dennoch kommt mit dem Château de Nages, JT, Costières de Nîmes ein Tropfen aus diesem Jahr in die Gläser. Ganz im Nordosten der Weinbau-Region Languedoc gelegen, belegt Château de Nages stolze 2.000 Hektar der gesamten 25.000 Hektar des Weinbaugebiets. 40 Prozent spendet das Weingut dabei der Rosé-, über 50 Prozent gehen in die Rotweinproduktion. Der 2006er besteht zu 95 Prozent aus Syrah und zu fünf Prozent aus Mourvèdre, einer spätreifenden Sorte, die viel Licht und Wärme braucht. Die Rebsorte wird immer dann eingesetzt, wenn ein tanninreicher oder auch schwerer Wein resultieren soll - oder wie hier - anteilig Elemente davon generiert werden sollen. Natürlich ist der Syrah extrem präsent, allerdings sorgt die Mourvèdre für die nötige Dichte. Der Wein überrascht vor allem auch durch seine Farbe, sieht er doch wahrlich nicht nach zehn Jahren aus. Eine schöne Farbe, bläulich-violett schimmert der Wein im Glas.

2007, 2004, 2003

Mit dem 2007er Leplan Vermeersch kommt etwas Spezielles in die Gläser: der GTX. Häh? Nun, es ist ein leichterer Wein, gemacht von einem "Outsider". Ein Wein von einem "crazy guy", wie Larsson anmerkt. Der ehemalige Rennfahrer der 1970er und 1980er Jahre gönnte sich das Weinmachen, nachdem er seine Karriere beendete und seine Leidenschaft des Maseratisammelns aufgab. Aus dem Erlös dieser Jahre (unschwer vorstellbar, dass dies möglich war), kaufte sich der Belgier ein Weingut und eignete sich über Jahre das notwendige Wissen an. GT (Grand Terroir) und X (Best Barrels) ergeben namensgebend diesen GTX. 40 Jahre alte Weinreben und eine durchdachte Selektion resultieren einen modern-style Wein, der sich gut ausbalanciert präsentiert, mit 16 Prozent allerdings auch nicht gerade schwachbrüstig ist.

Der folgende 2004 Domaine le Sang des Calloux (Lopy, Vacqueyras) ist ein Resultat aus 75 Prozent Grenache und 25 Prozent Syrah. Die Farbe des Vacqueyras wirkt eher jung, obschon bereits dreizehn Jahre alt. Die Domaine liegt schwerpunktmäßig im Rotweinbereich, und zwar mit stolzen 95 Prozent. Lediglich fünf Prozent der Produktion in der gesamten Region entfallen auf Weißwein; bei Vacqueyras sind es gerade mal vier Prozent. Nun, die Region ist ja auch nicht unbedingt bekannt für die Weißen, allerdings bilden Domainen wie Duché d‘Uzes da eine fast schon ungewöhnliche Ausnahme. Mit 18 Prozent Weißweinproduktion drängt die junge Appellation (2013) forsch auf den Markt, kann bereits jetzt schon mit guten Qualitäten überzeugen, wie auf der Messe im Palais des Papes in Avignon, unter anderem in einer Master Class, bewiesen wurde.

"Der Vacqueyras ist im traditionellen Still produziert, überzeugt durch eine enorme Frische. Heute kommt er mir in diesem Tasting fast noch frischer und aromatischer vor, als im gestrigen Vor-Tasting", so Véronique Rivest. Aber irgendwie ist der Wein "a couple of years over", obschon er sehr interessant wirkt. Der folgende Wein von Gigondas (Domaine grand Romane, 2003) erscheint da wesentlich anders im Glas. Das Weingut mit der langen Tradition brachte aus einem heißen Jahrgang dieses Produkt hervor, dessen Reben auf einer Höhe von bis zu 400 Metern wuchsen. Ein Wein, der "still alive" ist, fruchtig im Bereich Pflaume wirkt und mit einer schönen Komplexität überzeugt.

Ein letzter Blick in die Jahrtausendwende

Domaine du Trapadis von Rasteau (2000)
Domaine du Trapadis von Rasteau (2000).

 

Zum Abschluss des Tastings mit Larsson und Rivest, kommt ein hundertprozentiger Rotweinproduzent in die Gläser: Domaine du Trapadis von Rasteau (2000). Mit 80 Prozent Grenache, zehn Prozent Mourvèdre und zehn Prozent Carignan ist der Wein ein spezieller Blend. Carignan bringt dem Wein eine schöne Farbe ein, ist nach wie vor, auch nach 16 Jahren, frisch im Glas. Dieser Wein ist ein schönes Beispiel dafür, dass die Region Weine generieren kann, die auch nach Jahren noch gut trinkbar sind.

Trotz eines leichten Anstiegs der Verkaufspreise vor ein paar Jahren, lohnt es sich sicher die Weine aus der Region zu beobachten. An erster Stelle stehen dabei natürlich die Rotweine. Aber es gibt durchaus das eine oder andere interessante Experiment auf dem Sektor "Weiß"...

Weitere Informationen zur Messe: www.decouvertes-vins-rhone.com/en/home

Fotos: Michael Schabacker

 

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Zuletzt bearbeitet am 13/04/2017

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