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Superweine und noch viel mehr im Castello di Querceto

Unter der Regie von Alessandro François entstehen im Castello di Querceto herausragende Chianti Classico-Weine, und, schon seit 1904, "Supertoskaner" wie "Il Sole di Alessandro" (100 % Cabernet Sauvignon), für dessen 13,5-prozentigen Jahrgang 2009 schon mal hohe Beträge aufgerufen werden!

Ein Gedicht! Die aktuelle Krone bildet aber der Querceto Romantic 2011, für den schon ab Fattoria 120 Euro verlangt werden. Einmalig ist die Zusammensetzung dieses neuen Liebestrunks, dessen Marketing sich auch ein wenig auf die Geburt-des-Bacchus-Sage stützt: 50 % Petit Verdot, 30 % Merlot und 20 % Syrah machen den I.G.T. "Colli della Toscana Centrale" zum Festvergnügen.

Heute produziert die Weinkompanie Castello di Querceto über zwei Millionen Flaschen jährlich. Doch nur 500.000 stammen tatsächlich vom Gut: Trauben, etwa für den Vernaccia di San Gimignano, werden hinzugekauft und bedienen auch den Massenmarkt. Vom Gut ist aber etwa der "Il Cignale" 2010, ein wunderbarer Wein aus Cabernet Sauvignon und Merlot.

Im historischen Weinlokal bittet Alessandro François dann nach Besichtigung des historischen zur Ad hoc-Vertikale: Gleich acht Weine stehen zur Verkostung an: Eines der Flaggschiffe ist der Chianti Classico DOCG Castello di Querceto 2014. Ein aufgrund der Außeneinflüsse schwieriger Jahrgang, trocken und noch nicht ganz rund. Großartig hingegen kommt dann der Chianti Classico DOCG Castello di Querceto 2013 daher. Der leckere Tropfen muss mit, am besten im hauseigenen Geschenkpapier mit schönen Wildschweinmotiven.

Sehr rund und sogar wunderbar fruchtig ist die neue Generation des Chianti Classico DOCG Gran Selezione "Il Picchio" 2013! Mehr als nur eine Empfehlung. Wer zum Tag der offenen Tür am 31.5.2017 kommt, wird sogar einen "Picchio 2011" testen können. Der "La Corte 2010" stammt vom ältesten, 1899 angelegten Weinberg des Gutes, wartet mit 13,5 % Alkohol auf und beeindruckt mit Brombeeraromen. Großartig ist dann der "Il Querciolaia" 2009, ein Drittel Sangiovese, zwei Drittel Cabernet Sauvignon, ein komplexer Wein mit 12,5 %, den auch Dottore Marco Fizialetti, Wirtschaftsdirektor des Renommiergutes, schätzt. 15 000 Flaschen sind im Verkauf. Stars bleiben aber der "Sole di Alessandro" 2009 (100 Prozent Sangiovese) und eben der QueRceto Romantic. Tradition zählt im Kastell; und so gehört die Produktion des Vin Santo Chianti Classico DOC Castello di Querceto 2011 als Trebbiano- und Malvasia-Trauben jährlich dazu. Einfach klasse! Davon kann man sich vor Ort in der Enoteca ebenso überzeugen wie von der hohen Qualität des hauseigenen Olio d`Oliva Extra Vergine, für das 10 Hektar Olivenbäume gepflegt werden.

Verkostung im Castello di Querceto.
Verkostung im Castello di Querceto.

 

Prickelnd perlende Familientradition und -geschichte

Die François stammten ursprünglich aus Savoyen und kamen im Gefolge jenes Franz III. von Lothringen in die Toskana, der als Franz Stephan am 12.2.1736 Kaiserin Maria Theresia von Österreich geehelicht hatte. Für diese angeblich echte Liebesheirat musste der gute Franz auf Lothringen verzichten, erhielt dafür aber nach dem drei Monate währenden glückseligen Honeymoon, natürlich als "Viaggio di nozze" in der Toskana, praktischerweise als Ausgleich gleich das ganze Herzogtum Toskana. Die drei Flittermonate hatten sich gelohnt – und Franz der III. von Lothringen wurde zu Franz II. der Toskana.

Um 1740 reiste auch der ersten Jean François nach Florenz – und diente auf ministerialer Ebene als Inspektor für Zoll und Verträge. 1749 erfolgte die Erhebung in den Adelsstand, die François waren nun Marchese – mit Wappen! Denn zwischenzeitlich war Franz der II. von Florenz zu Franz I. von Wien aufgerückt, war nun Kaiser von Österreich-Ungarn. Dies, obschon er wirklich nicht zum Politik- oder gar Kriegshandwerk geboren war. Schon 1738 hatte er während des Russisch-Österreichischen Türkenkriegs glücklos als Soldat agiert und einen Nervenzusammenbruch erlitten. Ob indes eher Wein als Wien sein Metier war, ist nicht gewiss. Ziemlich sicher ist aber, dass die François auch irgendwie ihm mit zwei prickelnd sprudelnden Spumante nach klassischer Art ein Denkmal setzten. Stolz zeigt Alessandro François auch auf eine Einladungsurkunde zu den Feierlichkeiten in Wien, die Franz der I. um 1745 an die Familie schickte. Der goldgelbe Spumante François Ier aus Chardonnay wird seit 1982, der rosafarbene Spumante François 2me aus Pinot Noir und Chardonnay seit 2006 produziert.

Darauf einen Brandy: Pfauenpracht mit dunklem Fleck

Nicht Bacchus, wohl aber die Langobarden legten die Fundamente für das heutige Castello di Querceto. Seine L-Form, die dicken Mauern, Teile des Weinkellers und der Guelfen-Zinnenkranz am Turm erinnern noch an jene Mittelalterzeiten, als das Kastell hart an der Via Cassia Imperiale eher militärischen Zwecken und als Wachtposten diente. Heute flaniert man durch den schönen Burgpark und genießt die Blumen- und Blütenpracht. Bunte und weiße Pfauen spazieren stolz umher und sorgen so für ein wunderbar friedfertiges Adelsambiente. Aber da gibt es im Burghof auch eine riesige marmorne Gedenktafel, die an jene sieben Gutsmitarbeiter erinnert, die hier 1944 zu Tode kamen. Damals wählten die Deutschen das Castello di Querceto als Hauptquartier – und tranken nicht nur den Weinkeller aus. Über 1000 Flaschen fehlten am Ende der Besatzung, vom Jahrgang 1904 waren ganze zehn Flaschen geblieben. Der Furor teutonicus führte aber auch zur Exekution völlig unschuldiger Zivilisten wie eben der Gutsmitarbeiter, die ohne jede militärische Aufgabe oder Funktion waren.

Ein bunter und weißer Pfau auf dem Weingut...
Ein bunter und weißer Pfau auf dem Weingut...

 

Als Alessandro François damals zehnjährig, im Gefolge der Amerikaner, die hier ebenfalls ihr Hauptquartier aufschlugen, ins Kastell zurückkehren durfte, war Vater Tito verschwunden – in ein Arbeitslager in Deutschland. Heute sind die François ohne jeden Groll gegen deutsche Besucher, vergessen aber auch die Ortsgeschichte nicht, deren zeitzeugen sie bis heute sind. Vielleicht ist das Gespräch über jene Zeit dann der richtige Augenblick, um einen echten Brandy zu entkorken. Denn einen solchen produzieren die François ebenfalls. Der L`Arzente del Castello reift über sieben Jahre –und Zeit heilt ja bekanntlich alle Wunden. In jedem Fall gilt dies für das Kastell oberhalb des Tals des Bacchus, im Herzen des Chianti Classico!

Information:
Castello di Querceto, via A. François 2, Località Dudda, 50020 Greve in Chianti, Tel. 055 8 59 21, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.castellodiquerceto.it; Info-Tel. Mo. – Fr. 9.00 – 18.00 Uhr; Mit Agriturismo (10 wunderbar restaurierte Apartments in zwei Häusern, mit Pool und Tennis; 80 – 145 € pro Nacht; 450 – 750 € pro Woche) , Gutsführung mit Verkostung (drei Weine: Chianti Classico, Chianti Classico Riserva, und ein Cru) n. V. Mo. – Fr. 11.00, 14.00 oder 17.00 Uhr, Eintritt 10 €) und Enoteca (Mo. – Sa. 10.30 – 17.30 Uhr)


Lage des Weinguts:

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Fotos: Ellen Spielmann

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Zuletzt bearbeitet am 12/01/2022

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