Tokaj, "Tausendgut" und "Lämmerschwanz"…

Großoffensive aus der Donau- und Plattensee-Republik: Ungarn, 2017, Partnerland der Grünen Woche in Berlin (20.1. bis 29.1.2017),  nutzt das neue Jahr, um mit enormen Anstrengungen auch die önogastronomischen Vorzüge des mit dem "Humgarikum"-Siegel ausgezeichneten Spitzenprodukten keineswegs armen Landes bekannter zu machen.

Natürlich hat sich herumgesprochen, dass Ungarns Küche heute mühelos Weltklasseniveau erreicht. Allein zu den fünf Sterne-Restaurants in Budapest gesellen sich nun 44 weitere Restaurants im Land, die Spitzenküche auf internationalem Niveau anbieten, ohne regionale und nationale Rezepte zu missachten. Denn die ungarische Küche ist vielfältig, spiegelt die ungarische Geschichte und ist oft "überraschend anders"! Wer also eine kulinarische Reise nach Ungarn unternehmen will, sollte das Urteil von Károly Gundel aus dem weltberühmten Budapester Traditionslokal Gundel im Gedächtnis behalten: "Unsere Speisen sind wie unsere Musik und Sprache, sie unterscheiden sich von denen anderer Europäer".

Bis zu einem gewissen Grad gilt dies natürlich auch für "Bor", den ungarischen Wein. Und den wird jeder, ob nun als Wellness-Tourist, als Radler entlang dem Donauradweg oder auf Sightseeing in Budapest, Eger, Pecs oder Mohacs, täglich und mit Genuss testen. Und so ist auch nicht wirklich verwunderlich, dass Ungarn seine kulinarische Offensive mit der "Ungarn-Weinlese" startete, die alljährlich in der Botschaft Ungarns in Berlin stattfindet.

Ran an den "Schomlauer"…

Gleich acht Weingüter, der in Berlin-Charlottenburg (Wilmersdorfer Str. 52) beheimatete ungarische Delikatessen- und Weinladen BorSó ("Die ungarische Speisekammer") und der edle Obstlerproduzent "Nobilis Pálinka" (www.nobilispalinka.hu) gaben sich Ende November 2016 die Ehre, zu Verkostung und Weinschulung zu bitten. Ungarns Weinexpertin Beata Keszler bat zu Meisterklassen, stellte neue Furmint-Weine vor allem aus dem Tokaj-Gebiet vor und gab sodann auch noch gleich drei Stile zur erfolgreichen Herstellung hervorragender Tokajweine preis.

Erst einmal aber galt alle Aufmerksamkeit Ungarns kleinstem der 22 Weinbaugebiete, dem Gebiet Nagy-Somló: Ganze 690 ha groß ist Somló, windige, eher mäßig warme Berghänge vulkanischen Ursprungs, die aber reich an Sonnenstrahlen sind. 80, 90 % Weißweine und nur wenige Rote werden rund um dieses herrliche, 432 Meter hohe Ausflugsziel in West-Ungarn gewonnen, die es mit hohem Alkoholgehalt und  robuster Säure schon früh zu Lobpreisungen wie "Wein der Weisen" brachten und schon vor zwei Jahrhunderten dem damals weltbesten Tokaj-Weinen Paroli boten. Furmint, italienischer Riesling, der "Lindeblättrige", "Schafschwanz" werden hier produziert.

Beata Keszler hat sich für einen Furmint 2015 des Somló-Weingutes Kreinacher (www.kreinbacher.hu) entschieden. Und man lernt, dass alles irgendwie jenem unterseeischen Vulkan zu danken ist, der vor Jahrmillionen unter dem Pannonischen Meer brodelte. Die Basaltorgeln am Somló künden noch heute davon. "Schlucken Sie rein, in den Wein!" fordert uns Frau Keszler auf. Na gut: Apfel, Birne, Honignoten, sehr rund! Da glaubt man gern, dass von Kreinachers terrassierten Weinbergen auch großartige Schaumweine kommen.

Dann aber geht es zum Furmint aus dem Tokaj. Der erste, ein Sauska 2015, ist leider verkorkt. Aber das macht rein gar nichts, denn mit dem Furmint Zomborka 2015 vom Gut Gróf Degenfeld kommt sofort ein exzellenter, sehr guter Weißer, der auf 15 Jahre alten Rebstöcken wächst, noch jung ist und sogar noch ein wenig länger reifen darf. Klima und Terroir im Tokaj sind natürlich entscheidend, für Degenfeld kommt die Lagerung in "100 % ungarischer Eiche“ hinzu.

Trauben: Furmint und Zeta.
Trauben: Furmint und Zeta.

 

Wer im Tokaj ist, sollte im Gutshotel Gróf Degenfelds absteigen, wo auch Pool und Sauna warten. Es lohnt! Von Tokaj Nobilis kommt der Furmint Birtokbor 2015, der dann sogleich überzeugt. Wenig Fels, viel Löss, klassisches Furmint–Aroma, leicht herb, angenehme Säure: Der ist es!

Hohe Mineralität (auch wenn das Wort out ist) mit einer Feuersteinnote besitzt der Kikelet Furmint Birtokbor 2015! Winzerin ist eine Französin von der Loire. Und schließlich ist da noch ein Newcomer: Istvan Balassa, dessen Balassa Furmint Nyúlászó 2015, auch wenn er noch sehr jung ist, spontan überzeugt.

Istvan Balassa hat eine Märchenkarriere hingelegt. Als Waisenkind bei der Großmutter aufgewachsen, erlernte er das Winzerhandwerk von der Pieke auf! Dann aber hielt er Ausschau nach ausgewähltesten Brachen, die er nach und nach erwarb. Heute umfasst der Flickenteppich 10 Hektar – die Kleinparzellen in Bestlage sind eines der Geheimnisse seines Erfolgs!

Achtung: Neues-Butten-Einmaleins!

Nun, zum Tokaj muss man eigentlich nicht viel sagen, insbesondre nicht zum Tokaj Aszú, der – leider auch bezüglich des Preises – sowieso längst wieder Weltspitze ist. Ein wenig an der Preisschraube haben auch die lokalen Winzer des Tokaj-Gebietes gedreht. Der Grund ist aber ehrenwert: Denn es geht um Qualitätssicherung! 2017 sieht es nun so aus, dass der Dessert-Tokaj nicht mehr nach dem alten Buttensystem klassifiziert wird. Bestimmten früher zwei, drei, vier, fünf und sechs Butten (buttoni) voller handgelesener Weintrauben den jeweiligen Süße-Grad des Tokaj Aszú, haben die Winzer Ende 2014 und mit Beginn des Jahrgangs 2015, dies System abgeschafft! Genauer: Die Auszeichnung für zwei Butten, drei Butten und vier Butten. Fünf bzw. sechs Butten bleiben indes bestehen, werden aber auch nicht mehr auf dem Etikett angezeigt.

Heute darf ein Dessertwein also nur noch die Bezeichnung "Aszu" tragen, wenn er auf Basis von fünf bzw. sechs Butten entstand. Dies bedeutet: Nun gilt für den Aszú ein Mindestsüße- bzw. Zucker-Gehalt von 120 g/Liter. Alles darunter (ergo 2, 3 und 4 Butten) wird ausgeschlossen. Käufer müssen jetzt also auf die Grammangaben auf dem Etikett achten. Wer auf sechs Butten steht, ist ab 150 g/l dabei!

Hummel, Koch – und dann zum Palinka….

Und natürlich hatten auch die anwesenden Winzer Großartiges zu bieten: Die Weinkellerei Koch (www.kochboraszat.hu) aus Ungarns Traumweindorf Villány etwa einen Premium Cabernet-Sauvignon Barrique 2012, das eingangs erwähnte Somló-Weingut Kreinacher einen "Lämmerschwantz" (Juhfark) 2015 und das Weingut Tokaj-Hétszölö (55 Hektar) einen Bio-Furmint 2015 mit 13,5 %. Noch besser ist aber der sechs Monate in Eiche gereifte Furmint Selection 2012 (www.tokajhetszolo.com).

Das Weingut Pannon Tokaj (www.pannontokaj.hu) wartet mit einem fruchtigen, herb trockenen Tokaj Furmint 2015 auf, der als wunderbarer Aperitif durchgeht. Gehaltvoller ist der Tokaj Dominium Furmint 2014 – für den gehobenen Aperitif-Genuss! Favorit des Gutes wird dann aber der Tokaj Muscat Lunel 2015 – halbrocken, rund und lecker, ein Wein für eine gutgedeckte Tafel. Sehr gut ist auch der sechsbuttige Tokaj Dominium Muscat Lunel 2013, der 10,71 % Alkohol und 178,9 Gramm Restzucker pro Liter mit sich bringt.

Teleki, gekühlt...
Teleki, gekühlt...

 

Die 375 Hektar Weinberge der Weinkellerei Csányi (www.csanyipinceszet.hu) mit dem Chateau Teleki stehen auch im einst von deutschstämmigen Donauschwaben gegründeten Wunderweindorf Villány. Angenehm "frizzante" ist der Rosé Cuvee Teleki Villányi 2,5 bar. Sehr, sehr gut mundet dann die Kövilla Selection Villányi Cabernet Sauvignon 2012. Und natürlich ist auch das Weingut Hummel (www.weingut-hummel.com) in Villányi daheim. Host Hummel gründete das Gut 1998, seit 2008 ist hier alles "bio", seit 2016 setzt man nur noch auf biodynamische Präparate. Aus den 7,5 Hektar Weingärten in hochwertiger Lage kommen Hummel Jammerthal 2012 (ein 12 %-Portugieser), Hummel Spatz 2013 (13,5 %, ein Kékfrankos) oder der Cabernet Franc Hummel Panterra 2012: Sie alle werden ihre Käufer finden! Der Panterra 2012 wurde unter die besten ungarischen Wein gewählt!

Den Vogel schießt aber zum Schluss die Obstler-Armee von Nobilis Pálinka (www.nobilispalinka.hu) ab. Pflaume, Quitte, Aprikose, Sauerkirsche, schwarze Johannisbeere: Alles ist aus eigener Produktion und mit Karstwasser aus dem Vértes-Gebirge (Schildgebirge) hergestellt, herausragend im Geschmack und noch dazu in bestmöglichem Design hergestellt. Gut dann, dass gleich nebenan die "Ungarische Speisekammer" BorSó auch einige Scheiben der hausgemachten Mangalitza-Wurst parat hat. Einfach perfekt, so ein Hungarikum-Tag mit ungarischem Wein, ungarischen Delikatessen und ungarischen Palinka-Champions!

Fotos: Jürgen Sorges

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Zuletzt bearbeitet am 17/01/2017

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