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Conte Vistarino: Prickelnd und vegan

Das historische Weingut Conte Vistarino keltert seit 1850 herausragende Weine im Oltrepò Pavese in der südwestlichen Lombardei. In der Provinz Pavia bietet das Tal des Wildbachs Scuropasso, das Valle di Scuropasso, ideale Voraussetzungen für den Weinbau.

400 Meter über dem Meeresspiegel sorgen Mikroklima und Kalkboden für perfekte Rahmenbedingungen für die Kultivierung. Eigentlich braucht es daher keinen besonderen Anlass, um mit einem wunderbaren Spumante aus dem Hause Vistarino anzustoßen. Aber der Jahreswechsel 2016/2017 ist aus vielerlei Gründen auch für die Adelsfamilie Giorgi di Vistarino besonders. Zuallererst hat man zwei neue, prickelnde Schaumweine lanciert. Sie wenden sich explizit auch an solche Konsumenten, die vegan leben und genießen möchten. V

or einigen Wochen sind der Pinot Nero "Charmat Brut" und der Pinot Nero "Charmat Brut Rosé" auf den Markt gelangt, bei deren Herstellung weder Gelatine noch andere Erzeugnisse tierischen Ursprungs zum Einsatz kommen. Doch entscheidend ist nicht nur die Rundum-sorglos-Garantie des „100 Prozent vegan“, sondern die Verwendung der Rebsorte Pinot Nero, die hier, im Oltrepò Pavese geradezu royalen Status genießt.

Erfolgsgeschichte Pinot Nero

Die Rebsorte Pinot Nero ist hierzulande besser als Blau- bzw. als Spätburgunder bekannt. Es war ein illustrer Vorfahre, der Conte Augusto Giorgi di Vistarino, der um 1850 als erster im Oltrepò Pavese Pinot Nero-Schößlinge aus Frankreich importierte. Über die Jahrzehnte avancierte die Pinot Nero-Traube dann zur heutigen Hauptrebsorte im Hügelgebiet. Und natürlich ist gerade die Familie Giorgi di Vistarino für ihre Pinot Nero-Weine berühmt. 870 ha Land nennt sie im Dörfchen Rocca de` Giorgi ihr eigen. Von insgesamt 200 ha Rebfläche sind 140 ha mit Pinot Nero bestockt.

Alle Ländereien der Giorgi di Vistarino werden heute nach den Prinzipien des integrativen Anbaus mit geringstmöglichen Auswirkungen auf die Umwelt bewirtschaftet. Und klar: Das Sortiment umfasst mehrere Pinot Nero-Weine, die sowohl still als auch als Spumante angeboten werden. Topweine des Gutes sind der Pinot Nero "Tavernetto Cru" und der zuletzt hoch prämierte Cru "Bertone", vor allem aber der Pinot-Nero-Cru "Pernice" und der Schaumwein Metodo Classico "1865"!

Denn vor 151 Jahren wurde hier erstmals ein Spumante erzeugt. So war es naheliegend, dass sich Gutsdirektorin Ottavia Giorgi di Vistarino 2015 entschloss, zum Jubiläum den neuen Wünschen der Weinliebhaber nachzugeben und das Sortiment um zwei Schaumweine aus dieser Traube zu erweitern. Beide Schaumweine werden vollständig aus Pinot-Nero-Trauben vinifiziert, die von den beiden Weinbergen im Herzen des Gutes, Beretta und Santa Rosa stammen. In Höhen von 200 bis 400 Metern über dem Meeresspiegel wird natürlich von Hand gelesen.

Conte Vistarino: la Villa Fornace.
Conte Vistarino: la Villa Fornace.

 

Nach der sanften Pressung mit einer Mostausbeute, die 50 Prozent niemals übersteigt, erfolgt die Gärung in Edelstahltanks mit Temperaturkontrolle. Zur Verfeinerung bleiben die Weine auf den Hefen in diesen Behältern. Das Ergebnis sind zwei samtige und aromatische Schaumweine, der Pinot Nero "Charmat Brut" und der Pinot Nero "Charmat Brut Rosé". Ihr üppig elegantes Bouquet passt zum hippen Aperitif ebenso wie auf die gediegene Festtafel. Ihr Flaschendesign überzeugt auch optisch, besitzt Stil wie Style.

Rocca de' Giorgi: internationales Mini-Dorf

Der Ort Rocca de' Giorgi wirbt – wohl auch mit Augenzwinkern – gern damit, er sei Italiens Gemeinde mit dem höchsten Ausländeranteil ist. Das ist bei der Größe dieses Weilers allerdings kein gigantisches Kunststück oder gar Problem. Denn gerade 74 Menschen leben und wohnen in Rocca de` Giorgi, die 27 "Fremden" stammen aus Rumänien (18) und Sri Lanka (4), je einer aus Bolivien, Marokko, der Dominikanischen Republik, Frankreich und Deutschland. Sie alle siedeln einträchtig zwischen wehrhafter Befestigung und Kirche, die sich auf den zwei Hügeln des Wildbachtals gegenüber stehen.

Im Tal steht das Zentrum der Gemeinde, die Villa Fornace, Sitz der Familie Giorgi di Vistarino. Die Villa Fornace geht auf das Jahr 1700 zurück und wurde auf den Fundamenten einer älteren Ziegelbrennerei errichtet, daher ihr Name. Der älteste Dorfname, Rocca di Aimerico, geht wohl auf einen gewissen Aimerich und das Ersterwähnungsjahr 1164 zurück. Es folgten weitere Noble wie die Campeggi, durch die der Ort zu Rocca Campesana wurde. Dann übernahmen die Sannazzaro und durch Einheirat schließlich Fiorello Beccaria, der dem Weiler den wohlklingenden Namen Rocca di Messer Fiorello oder auch Roccafirella bescherte.

Schließlich war aber dann doch wieder alles im Eimer und ging den Wildbach runter, denn die Familie Beccaria starb im Jahr 1629 endgültig und für immer aus. Noch im gleichen Jahr erwarben dann die Conti Giorgi di Vistarino die Gemeinde: Rocca de' Giorgi war geboren. Den weitläufigen Park entwarf der persönliche Architekt des italienischen Königs Umberto I., Achille Majnoni (1855 – 1935). Bis heue sind die Giorgi di Vistarino größter Grundbesitzer ringsum. Die Kelterei (Cantina) steht im nahen Pietra de’ Giorgi.

Merlino, St. Valier…

Eigentlich ist es schwer, unter der großen Auswahl an Topweinen aus dem Weingut Vistarino die eine, überragende Wahl zu treffen. Denn neben Pinot Nero werden auf dem Gut auch Pino Grigio, Moscato, Barbera und Rhein-Riesling angebaut. Vorab überzeugt der neue, goldgelb leuchtende Riesling "Ries" mit großzügiger, ausbalancierter Struktur und blumig fruchtiger Note (13 %, bei 8 – 10° C zu servieren). Ein regelrechter Hit ist dann schon der Pinot Grigo "Merlino" 2015. Mit satten 14 Prozent Alkoholgehalt ist er auch im zweiten Lagerungsjahr noch perfekt bei 6 – 8° C zu genießen. Ein prächtiger, hocharomatischer und perfekt runder Wein, der ausgezeichnet etwa zu Lachs und weiteren Fischgerichten passt, aber auch als Aperitif attraktiv ist.

Noch getoppt wird er vom Pinot Nero "Saint Valier" 2015. Die im September geernteten Trauben gediehen an zehn Jahre alten Weinstöcken in 250 bis 550 Metern Höhe. Bei 13,6 % Alkohol und 1,9 g Zucker pro Liter ist der wohlausgewogene Wein ideal für den Strand-Aperitif oder auch zum Fisch-Antipastio bzw. Antipasto di Mare. Der rubinrote "Costa del Nero" 2014 überzeugt durch Eleganz und feien Mineralität (13 %, bei 15 – 18° C servieren). Kräftiger ist der "Buttafuoco" DOC (13 %), der durch Frische und Ausgewogenheit überzeugt.

Ottavia Vistarino.
Ottavia Vistarino.

 

Sabotage vor Nikolaus…

Während sich die Weinkritiken zum Weingut Conte Vistarino in großer Zahl positiv äußerten, geschah am 5. Dezember 2016 das Unfassbare: Unbekannte drangen nachts in die Cantina ein und ließen einen Teil der Weinbehälter des Weingutes ausströmen. Das Weingut verlor über Nacht um die 5000 Hektoliter (!!!) der Weinlese 2016! Mithin gingen also 500.000 Liter verloren, ein Millionenschaden! Tatsächlich sprach die empörte Gutsdirektorin Ottavia Giorgi di Vistarino im Anschluss zurecht von "Cattiveria" (Böswilligkeit) und "vigliacco sabotaggio", feiger Sabotage, war aber zuversichtlich, den oder die Verantwortlichen bald zu entdecken. "Ein enormer Schlag, doch wir stehen wieder auf", so ihr kämpferisches Resümee zum Jahrhundertverlust vor St. Nikolaus.

Die "Mini-Vertikale": Pernice 2010, 2011, 2012

Gut, das die älteren Vistarino-Jahrgänge nicht betroffen sind. So ist Vistarino nun auf dem deutschen Markt mit gleich drei Jahrgängen des edlen Pinot Noir-Spitzen-Crus "Pernice" präsent. Er gilt als bester Pinot Noir von Conte Vistarino und wird seit 1997 auf den besten, nur knapp 3,5 ha großen Gutsrebgärten in 300 m Höhe auf kalk- und tonhaltigem Boden angebaut. Er besticht durch seinen facettenreichen, komplexen Charakter, der die Jahrgangsnuancen ausmacht. Der 2010er überzeugt mit Eleganz, der 2011er ist herb und vollmundig, der 2012er betont Bouquet und unmittelbare Zugänglichkeit.

Allen Pernice-Crus gemeinsam ist ihre genuine Extraklasse, die stolze, schillernde Persönlichkeit. "Der Pinot Nero ist so faszinierend wie empfindlich und deshalb", so Ottavia Giorgi di Vistarino, "muss er mit Hingabe gepflegt werden und vor allem mit der Bereitschaft zuzuhören". Also, ran an die Mini-Vertikale! Und nochmals Winzerdirektorin Ottavia Giorgi di Vistarino: "Ich möchte die Möglichkeit bieten, den Pernice kennen und seinen vielschichtigen Charakter schätzen zu lernen. Wie könnte man das besser als mit einer Minivertikale im eigenen Zuhause". Die Jahresproduktion liegt bei 10.000 Flaschen, da heißt es, sich sputen…

Information:
Cantine Conte Carlo Giorgi di Vistarino s.r.l., Fraz. Scorzoletta 82/84, 27040 Pietra de’ Giorgi, Pavia, Tel. +39 0385 851 17, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.contevistarino.it
Az. Agricola Conte Carlo Giorgi di Vistarino, Villa Fornace, 27040 Rocca de’ Giorgi, Pavia, Tel. +39 0385 24 11 71, This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.contevistarino.it; Besichtigung nur nach Vereinbarung
Vertretung in Deutschland, Österreich, Schweiz: Stoppervini, Via Losanna 1 a, CH-6900 Lugano, Schweiz, Tel. +41 91 911 69 70, Fax +41 91 911 69 79, : This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., www.stoppervini.com

Fotos: Jürgen Sorges / Conte Vistarino

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Zuletzt bearbeitet am 27/12/2016

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