Wachau kulinarisch (Teil 2): Schlaraffenland für Genießer

Hochwertige regionale Produkte und eine enorme Dichte an Haubenrestaurants, bodenständigen Wirtshäusern und urigen Heurigen sorgen für den unverwechselbaren Ruf der niederösterreichischen Donauregion als Feinschmeckerparadies.

Allen voran rangiert die Kochkunst von Thomas Dorfer im Landhaus Bacher: aktuell mit drei Hauben und 18 Punkten im Guide Gault Millau ausgezeichnet. Beispielsweise ein Sommermenü: Ramsauer Alpsaibling und Holunderblüten, Gurkenvielfalt, Ingwer-Chilimarinade, Gewürz-Cashewnüsse, Zitronenvervene und Holunderblütencreme wird mit einem Grüner Veltliner kombiniert. Anschließend der Klassiker des Hauses: Ravioli vom Ox-Tafelspitz, passierter Spinat, Semmelkrenschaum und warmes Cidregelée dazu ein 2015 Kreimelberg - Roter Veltliner, Setzer Hohenwarth.

Der Hauptgang, Rehbock aus dem Waldviertel, weiße Rüben, Gewürz-Dattelcreme mit etwas Garam Masala, geräucherten Mandeln, Pfefferoni und Marinade von grünem Paprika wird von einem ganz vorzüglichen 2005 Rotspon Reserve, Jurtschitsch-Langenlois begleitet. Zum Dessert, Sauerrahmschmarrn mit Vanille-Krokant-Eis und Wachauer Marillen harmoniert perfekt eine 2009 Riesling Beerenauslese, Mantlerhof Gedersdorf. Jeder Gang ist in sich schlüssig, überzeugt durch die Geschmackskomponenten wie durch Kreativität und die visuellen Einfallsreichtum.

Zu den lohnenswerten Adressen in einer der Top-Genussregionen in Europa gehört die Hofmeisterei Hirtzberger in Wösendorf. Und bei dem erfahrenen Restaurantteam mit Maitre Hartmut Rameder und Küchenchef Erwin Windhaber sowie den Sommelieren Miriam Hertrampf und Elena Späth dürfte ein Dinner zu einem reinen Abendvergügen werden.

Mit Fingerspitzengefühl werden Speisen mit den Weinen der Weinhofmeisterei Mathias Hirtzberger und denen seines Vaters Franz Hirtzberger kombiniert. Paradeiservariation mit eingelegten Artischocken und Basilikum erhalten als Weinbegleitung einen 2015 Grüner Veltliner Steinfeder Stab (Weinhofmeisterei) sowie einen Grünen Veltliner Donaugarten (Franz Hirtzberger) aus demselben Jahr.

Weine von Hirtzberger.
Weine von Hirtzberger.

 

Zum Reh mit Marillenkruste, Eierschwammerl und Liebstöckl sind es ein 2011 Grüner Veltliner Kircheweg (Franz Hirtzberger) und ein 2015 Grüner Veltliner Smaragd Kollmütz (Weinhofmeisterei). Während dem Vater die Reife und Erfahrenheit anzumerken ist, punktet sein Sohn mit Frische und Modernität.

Ganz innovativ geht es im Late in Krems zu. In Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters mit dem merkwürdigen Namen "Und" servieren Küchenchef Patrick Fürst und Souschef Daniel Petz feine Kreationen, sehr köstlich abgeschmeckt. Zum Beispiel Gänseleber mit Kakao ummantelt mit weißen Johannisbeeren und Stachelbeeren werden mit einem Gelben Muskateller Kremser Sandgrube vom Weingut Zöhrer kombiniert. Sehr gelungen!

Während die Fassade des Hauses seine 400 Jahre alte Geschichte nicht leugnen kann, sprüht das Ambiente im Innenbereich durch farbenfrohe Lichtelemente. Eine stylische Bar und ein großer Partyraum laden zum Chillen oder Feiern ein. Locker und nett agierende Mitarbeiter sorgen dazu für eine entspannte Genießeratmosphäre.

Ab zum Wein!

Als Klassiker gilt das Weingut Holzapfel. Der so genannte Prandtauerhof wurde 1308 als Weinlesehof gebaut und 1696 von Baumeister Jakob Prandtauer, der auch das Stift Melk baute, zu einem vierflügeligen barocken Juwel mit Arkadenhof und Kapelle ausgebaut. Heute wird die Topadresse in Joching an der Donau wegen seines mediterranen Flairs, seiner hervorragenden Küche und seiner ausgezeichneten Weine geschätzt.

Schöne Weinregion Wachau.
Schöne Weinregion Wachau.

 

Insgesamt 14 Hektar Rebfläche werden ausschließlich mit traditionellen Arbeitsmethoden bewirtschaftet. Auf den steinigen, mineralhaltigen schieferdurchsetzten Böden gedeihen Trauben erster Klasse. "Mein Ziel sind klare, fruchtig-feine, charaktervoll-lebendige Weine für den täglichen Genuss sowie trocken-kompakte Smaragd-Weine mit komplexem Aromaspiel und großem Potential", sagt Winzer Karl Holzapfel. Das dürfte ihm auch gelungen sein. Bei einer Kostprobe überzeugen Eleganz wie auch Finesse der Weine, die einfach Spaß machen.
 
Die Wachau erstreckt sich 33 Kilometer entlang der Donau von Krems nach Melk. Die einzigartige Kulturlandschaft zwischen den majestätischen Benediktinerstiften Göttweig und Melk sowie dem Schloß Artstetten wurde im Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Reiche Kulturschätze in der sonnenverwöhnten, international renommierten Weinbauregion wirken wie ein Gesamtkunstwerk.

Romantische Donaufahrt

Für Genießer empfiehlt sich eine Donaufahrt, denn vom Wasser aus bietet sich eine gänzlich andere Perspektive des Schlaraffenlands für Genießer und Weinliebhaber. Häuser mit roten,  Dächern und Putzwänden in gelb, hellblau, rot und creme schmiegen sich an die Hänge zwischen die vielfältig ausgerichteten Rebflächen und Felsen. Ab und zu ragen Kirchtürme oder die Fassaden schmucker Herrenhäuser hervor. Abstecher zum Schifffahrtsmuseum in Spitz oder zum Schloss Artstetten lohnen wie auch der Besuch vom Gasthaus Prankl oder dem Hotel Schachner mit einer herrlichen Lage oberhalb der Donau.

Schifffahrt auf der Donau.
Schifffahrt auf der Donau.

 

Wer anschließend mit dem Rad auf dem Donauradweg von Spitz wieder in Richtung Krems fährt, wird von den vielen kleinen Orten zwischen dem Grün der Landschaft überrascht sein. Dort reihen sich die Weingüter und Heurigen aneinander. Während der Saison wird man bei den kleinen Weingütern wie Eigl oder Höllmüller einkehren können und sich über die hausgemachten Produkte freuen. "Für mich ist die Lage der Terrasse von Höllmüller und natürlich auch der erstklassige Wein eine wunderbare Möglichkeit den Abend stimmungsvoll ausklingen zu lassen", freut sich Zuckerbäckermeisterin Elisabeth Zottl aus Weißenkirchen über die feine Adresse im Nachbardorf Joching.

Domäne Wachau: Steinfeder, Federspiel und Smaragd

Die Domäne Wachau gehört zu den größten Weinbaubetrieben Österreichs und ist ausschließlich im Premium-Segment tätig. Ungefähr 250 Winzerfamilien mit einer Gesamtanbaufläche von etwa 440 Hektar liefern die Trauben für die Domäne, die bereits auf eine mehr als 300 Jahre lange Weingutsgeschichte zurückblickt.

Beginnend bei der barocken Welt der Kellerschlössels und den langen, historischen unterirdischen Gängen bis zur modernen Vinothek kann während einer Führung die Geschichte des Weinbaus in der Wachau hautnah erlebt und auch gefühlt werden. Bei einer abschließenden Verkostung werden die  Charaktere unterschiedlicher Weine  in ihren jeweiligen geschmacklichen Nuancen erklärt und auf die Zunge genommen. Einige der Weine tragen zusätzlich die Bezeichnung Steinfeder, Federspiel oder Smaragd. Es ist eine Qualitätseinstufung, die ausschließlich Weine von Winzern aus der Wachau tragen dürfen, die auch in der 1983 gegründeten Winzervereinigung "Vinea wachau nobilis districtus" sind.

Domäne Wachau.
Domäne Wachau.

 

Die Steinfeder gilt als leichtester Vertreter der drei Typen mit maximal 11% Alkohol. Der Name bezieht sich auf eine zarte Grasart, die rund um die Weinberge in der Wachau wächst. Der Name Federspiel leitet sich von der Falkenjagd ab, einst eine beliebte Sportart in der Wachau. In dieser Kategorie sind klassische, trockene Weine mit Charakter angesiedelt. Der Alkoholgehalt liegt zwischen 11,5 und 12,5 %.

Hochwertigster Tropfen ist der Smaragd mit einem Mindestalkoholgehalt von 12,5 %. Der Name nimmt Bezug auf die Smaragdeidechse, die an den Steinmauern in den Weinbergen zu finden ist. "Der Smaragdwein kann sehr kraftvoll sein und bei voller Reife durchaus mit den besten Weinen der Welt konkurrieren", freut sich Weinakademikerin Martina Pöll von der Domäne Wachau über die hohe Qualität.

In erfolgreicher Teamarbeit agieren Kellermeister Heinz Frischengruber und Weingutsleiter Roman Horvath gemeinsam mit den Winzerfamilien und den Mitarbeitern. Die akribische Qualitätsarbeit und der Respekt vor den steilen Lagen sowie den alten Techniken machen sich zunehmend bemerkbar. Es wird detailliert gesichtet und gezielt mit der Hand gelesen. Das Ergebnis der Arbeit in einem der modernsten Weinkeller der Region sind ausgezeichnete Weine Domäne Wachau. Das größte Weingut der Wachau liegt pittoresk inmitten von Weinbergen, ein Juwel ist das barocke Kellerschlössel, wo Weinverkostungen stattfinden.

Weitere Informationen:

Dürnstein, www.domaene-wachau.at
Landhaus Bacher, Mautern, www.landhaus-bacher.at
Gasthaus Prankl in Spitz, www.gasthaus-prankl.at
Hofmeisterei Hirtzberger, Wösendorf, www.hofmeisterei.at
Weingut Holzapfel, Joching, www.holzapfel.at
Restaurant Late, Krems, www.late.at
Hotel Schachner, Maria Taferl, www.hotel-schachner.at
„Veltsam – Veltliner Balsamico, Mayer& Mayer in Krems, www.mayer-mayer.at
Marillenbauer Kausl, Mühldorf, www.marillenhof.at
Wachauer Safran,  Dürnstein , www.crocus-austriacus.at
Höllmüller, Weingut- Buschenschank-Feinbrennerei, www.gruener-veltliner.at 
Weingut Eigl, Joching, www.weingut-eigl.at
Im Schiffahrtsmuseum Spitz erfährt man alles über die Donauschifffahrt bevor es Dampfschiffe gab und damals noch die Pferde die Schiffe stromaufwärts zogen. www.schifffahrtsmuseum-spitz.at
Schifffahrt von Krems nach Spitz, www.brandner.at
Das barocke Stift Melk ist ein Juwel  beim kleinen Örtchen Melk und gleichzeitig das Tor zur Wachau, www.stiftmelk.at
Schloss Artstetten, Die Familie des Thronfolgers Franz Ferdinand lebt noch im Schloss. Im Museum ist eine interessante, persönliche Schau des in Sarajewo ermordeten Thronfolgers zu sehen. www.schloss-artstetten.at
Hotel Burg Oberanna, www.burg-oberanna.at

Fotos: Carola Faber

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Zuletzt bearbeitet am 18/09/2016

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Autor

Carola Faber

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