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Weinwelt: Renaissance des Vinho Verde (Teil 1)

"Ich nehm´ einen Vinho Verde, dann kann ich ein Gläschen mehr trinken!", vermeldet der Herr im Leinenjacket auf der Grillparty. Und damit vermittelt er das, was hierzulande oftmals über den Wein aus der portugiesischen DOC-Region Vinho Verde gedacht wird: wenig Alkohol, jung, harmlos und spritzig, da meistens moussierend.

Tatsächlich werden auf 21.000 Hektar Rebfläche auch diese leichteren Weine erzeugt. Viele der 25.500 Winzer sind nebenberuflich tätig und bewirtschaften kleinere Parzellen. Neben dem recht hohen Eigenverbrauch exportieren die rund 600 Abfüller weltweit – beispielsweise in die USA, Kanada, Angola (als ehemalige Kolonie Portugals), aber auch innerhalb Europas. Dies sowohl in guten Qualitäten, aber ebenso als Massenware.

Dass es darüber hinaus aber vielseitiger und gehaltvoller geht, beweisen immer mehr portugiesische Winzer, die der Besonderheit ihrer Region Ausdruck verschaffen und immer feinere Unterschiede der Rebsorten ausarbeiten.

Region, Klima und Böden

Die Herkunftsbezeichnung Vinho Verde (wörtlich: grüner Wein) steht für den grünen, fruchtbaren Nordwesten Portugals, der Region Minho. Diese liegt zwischen den Flüssen Minho und Douro, westlich liegt der Atlantik, östlich Gebirge. Diese natürlichen Grenzen sorgen für das atlantische Mikroklima mit regenreichen, kühlen Wintern und heißen Sommern. Zusammen mit dem granit- und schieferhaltigen Böden ergeben sich frische, mineralische Weine.

Das Gebiet ist in neun Subregionen unterteilt und für die autochthonen Rebsorten wie beispielsweise die weißen Trauben Alvarinho, Laureiro, Avesso, Arinto und Trajadura bekannt. Aber auch rote Sorten werden angebaut – beispielsweise Vinhão, Amaral und Espadeiro.

Im nördlichen, grüneren Gebiet rund um Monção und Melgaço dominiert vor allem die edlere Alvarinho-Traube, welche sich durch feine Säure, Mineralik, Komplexität und Aromen von Pfirsich, Aprikose, Orangen-Blüten und Zitrusfrüchten auszeichnet. Weiter südlich rund um die Orte Guimarães, Lima, Barcelos finden sich bessere Bedingungen für den Anbau von Rebsorten wie Laureiro (fruchtig, floral, frisch, harmonisch) oder Trajadura (Aromen von reifem Obst, zurückhaltende Säure).

Projekt Aphros Wine

Begibt man sich nun auf die Spuren eben jener Winzer, die mehr wollen, als nur den spritzig-leichten Sommerwein, stößt man in der südlichen Region unweigerlich auf Vasco Croft.

Wir haben uns mit Croft verabredet und er wartet bereits an der Auffahrt. Vor uns steht ein schlanker, sympathischer Mann um die Fünfzig – und es ist ziemlich klar: ein Mensch mit Charakter, aber nicht gerade der Typ Haudegen. Spätestens als er anfängt zu sprechen, bestätigt sich dieses Gefühl. Mit ruhiger, fast sanfter Stimme, berichtet Croft von seiner Vision.

Aus einer alten für Portwein bekannten Familie kommend hat er sich 2003 entschieden, neue Wege zu gehen und gründete in Casal do Paco sein Projekt Aphros Wine. Dieses ist rein bio-dynamisch bewirtschaftet und folgt einer ganzheitlichen Philosophie, auch unter Bezugnahme auf die Lehren Rudolf Steiners: "Ich verstehe Aphros als Teil eines lebenden Organismus, harmonisch und sich selbst genügend", so Croft. Selbstverständlich sei dabei, von Monokultur Abstand zu halten und stattdessen den Kreislauf und das Zusammenspiel der Natur als Basis zu sehen. Dementsprechend ist das Weingut umgeben von Wald, Obstgärten, Haus- und Wildtieren inklusive Bienenstock. Zwischen den Reben grasen bis zum Zeitpunkt der Lese die "mountain horses" und Schafe – auf den Einsatz von Maschinen kann so verzichtet werden.

Wein im Einklang mit Allem

Auch in Aphros´ Weinkeller ist die Maxime, dem natürlichen Potential und der Balance der Traube Rechnung zu tragen. So wird beispielsweise für die Rotwein-Fermentation auf das aufwendig-schonende Bearbeiten der Trauben mit nackten Füßen in Lagares (Granit-Tröge, die in Portugal häufig auch bei der Erzeugung von Portweinen verwendet werden) zurückgegriffen.

Traditionelle Verarbeitung in Amphoren.
Traditionelle Verarbeitung in Amphoren.

 

Eine besondere Passion Vasco Crofts ist sein Amphoren-Wein. In den bauchigen Tongefäßen werden die Trauben zwei Monate fermentiert, um ein besonders aromatisches Ergebnis zu erhalten. "Warum machen nicht alle diese Art Wein, den der Körper liebt und der sich gut im Körper anfühlt?", fragt er. Nichtsdestotrotz verdient das ganze Spektrum der verschiedenen Weinprofile von Aphros Aufmerksamkeit: So hat der Aphros Laureiro 2013 Aromen von Zitrusfrucht, Grapefruit, Melone und weißem Pfirsich. Und dies bei einer ausbalancierten Säure und Mineralik. Fasst fühlt man sich an einen Riesling erinnert. Dagegen hat der Aphros Ten, ebenso reinsortig Laureiro, mit zehn Prozent einen niedrigeren Alkoholgehalt, aber auch eine höhere Restsüße, die lebendige Säure harmoniert mit den Aromen.

Wein und Kunst

Bei den Roten greift Croft ausschließlich auf die Vinhão-Traube zurück, welche ebenso bei den meisten Schaumweinen verwendet wird. Auch die Rotweine heben sich eindeutig von der Masse der üblichen Minho-Tropfen ab. Vor dem Bild eines befreundeten Künstlers stehend öffnet Croft die Flaschen, deren Etiketten übrigens nach Drucken seines Cousins Pedro gestaltet sind, und reicht die Gläser.

Im Glas zeigt sich der Vinhão mit seiner typischen dunkel-violetten Farbe. Aphros´Vinhão besticht mit Frucht (Sauerkirsche, Wildbeeren), ausbalancierter Säure und Mineralität, gut eingebundenem Tannin, sowie Cremigkeit, Frische und Biss. Dies trifft ebenso auf die tiefroten Schaumweine zu, welche nach der traditionellen Methode gekeltert sind und teilweise Jahre auf der Hefe lagen.

Gerne würde man sich mit einem Gläschen in der Hand auf das neu ausgebaute Gäste-Zimmer mit Ausblick auf die Natur zurückziehen und die Seele baumeln lassen. Denn das ist hier auch möglich. Aber die Neugierde auf weitere besondere Tropfen der Region lässt einen nicht los, und so geht es weiter entlang der grünen Hügel zu einem Platz zwischen zwei Welten.

Weitere Informationen finden Sie unter www.aphros-wine.com

Fotos: Daniela Stubbe

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Zuletzt bearbeitet am 21/08/2016

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